Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1905
- Issue
- Heft 14 (7.4.1905)
- Date
- 1905-04-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 14. Die Wahrheit. Seite 7. Kultus und Unterricht, um in einer Audienz von Sr. Exzellenz dem Herrn Minister Dr. W. v. Härtel empfangen zu werden und ihm eine vom Ausschuß des Verbandes ausgearbeitete Petition zu überreichen. Die Deputation sprach auch bei Herrn Sektionschef Dr. v- B e r n d t, sowie bei Herrn Hofrat Dr. H u e m e r und Herrn Sektionsrat Dr. Krappel vor. Wien. Die Trauung der Baronesse Marie Springer mit Mr. Leon Fould aus Paris findet am 12. d. M. im Tempel in der Seitenstettengasse statt. Wien. Der Unterrichtsminister hat eine Röthelzeichnung des Professors David Kohn, den Kopf eines polnischen Juden darstellend, für die Moderne Galerie angekauft. Kohn, der wiederholt von Sr. Majestät den Kaiser ob seiner künstlerisch ausgeführten Portraits belobt und ausgezeichnet: wurde, ist durch seine meisterhaften künstlerischen Arbeiten in Rötheltechnik in früheren Ausstellungen bereits aufgefalleu. Die jetzige Frühjahrsausstellung im Künstlerhanse enthält auch mehrere hervorragende Arbeiten des Künstlers. Wien. (Verein zur Hebung der Gewerbe.) Der Verein hat als Ergebnis einer am 5. Jänner d. I. abgehaltenen Expertise folgenden Vorschlag an den Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemeind'e unterbreitet: „Der jüdische Gewerbestand in Wien, insoweit er in dem Vereine zur Hebung der Gewerbe seine Vertretung findet, glaubt einem langjährigen Bedürfnisse in einer am 5. Jänner d. I. vom Verein zur Hebung der Gewerbe einberufenen Expertenversammlung Abhilfe zu schaffen, indem er feststehende Normen vorschlägt, nach welchen in Zukunft öffentliche Arbeiten und Lieferungen von der Wiener israelitischen Kultusgemeinde zur Vergebung gelangen sollten. A. Es möge im Kultusvorstande eine eigene Sektion ins Leben gerufen werden, die den Namen „Wirtschaftssektion" führt. Dieser Sektion soll u. a. auch d i e Aufgabe zusallen, Arbeiten und Lieferungen für die Gemeinde zur Vergebung zu bringen. Diese Arbeiten und Lieferungen sind in zwei Kategorien zu sondieren und bei der Vergebung auch dementsprechend zu behandeln, und zwar: I. Arbeiten und Lieferungen im Minimalbetrage » o n K 400. Diese sind im schriftlichen Offertwege auf Grund eines fachlich ausgearbeiteten, -keinem Mißverständnisse Raum gebenden Kostenvoranschlages auszuschreiben. Die bis zum festgesetzten Termin eingelaufenen versiegelten Offerte werden in der Wirtschaftssektwn geöffnet. Die Endsummen der eingelangten Offerte werden eventuell unter Anwesenheit der Offerenten bekanntgegeben. Unterhandlungen über fernere Nachlässe sind vollständig ausgeschlossen. Der Bestbietende unter den Offerenten ist der Ersteher. Die Sektion hat nun das Ergebnis der Offertverhandlungen dem Plenum des Vorstandes mitzuteilen, dem sodann die endgiltige Entscheidung zufällt. Es bleibt dem Gesamtvorstande Vorbehalten, falls gegen die Leistungsfähigkeit des Erstehers Bedenken vorliegen, ohne Angabe der Gründe den Besrbieter unberücksichtigt zu lassen und diese Arbeiten oder Lieferungen dem Nächstbilligen zu überweisen. II. Arbeiten und Lieferungen die nicht den Wert von K 400, also sogenannte Kurrentarbeiten, in sich fassen. Für diese Kategorie von Arbeiten und Lieferungen werden von Jahr zu Jahr, oder von zwei zu zwei Jahren, Kontrahenten nach vorher fixierten Normen von der Sektion dem Kultusvorstande in Vorschlag gebracht. B. Der Wirtschaftsseklion füllt endlich auch die Aufgabe zu, sämtliche in Wien bestehende Bethaus-, Stiftungs- oder Wohltätigkeits-Institutionen zu beeinflussen, daß auch diese alle in ihren Ubikationen sich ergebenden Arbeiten und Lieferungen unter den gleichen vorgeschlagenen Normen abgeben. Wien. Herr Oberkantor Matyas aus Ujpest, der vor einigen Wochen im Ottakringer Tempel einen Probevortrag zur Besetzung der dortigen I. Kantorstelle hielt, wurde vom Kultusvorstande für letzten Freitag- Abend und Samstag zu einem neuerlichen Probevortrage in der Leopoldstädter Synagoge eingeladen, damit auch den Gemeindemitgliedern der inneren Bezirke Gelegenheit gegeben sei, den Probekandidaten, der in Ottakring vielen Beifall hatte, zu hören. Oberkantor Matyas erzielte mit feiner brillanten Tenorstimme und seinem von chasoniichem Können zeugenden Bortrage auch diesmal einen durchschlagenden Erfolg. Leider können wir den Bericht nicht schließen, ohne auf einen öfters gerügten llebelstand hinzuweisen. Es ist eine bekannte Tatsache, daß bei Probevorträgen viele Leute nur aus Erwartung eines besonderen Ohrenschmauses in den Tempel kommen und daß bei solchen Anlässen die Andacht des Gottesdienstes durch die Unruhe des kritisierenden .und sensationssüchtigen Publikums stark beeinträchtigt wird. Aber das muß doch endlich seine Grenzen haben, und darum müssen wir öffentlich die Unart rügen, die -einige allzusehr begeisterte Zuhörer dadurch begingen, daß sie dem Kantor noch während des Gottesdienstes ihren Beifall, wenn auch durch das althergebrachte Jejascher Koach, zum Ausdruck brachten. Das Gotteshaus ist kein Konzertsaal, und das sollte selbst in dem Momente höchster Verzückung nicht vergessen werden. Vornehmlich ist es aber auch Aufgabe des Kantors, derartigen Stimmungen entgegenzuarbeiten, indem er allen Effekthaschereien möglichst aus dem Wege zu gehen sucht. Wien. Samstag, den 15. d. M-, ^4 Uhr nachmittags, hält Herr Rabbiner Mayerfohn in der Vereins-Synagoge „Beth Israel," H. Bez., Leopoldsgasse 29, eine WH. Wien Sonntag, den 16. April d. I., 1 Uhr mittags, findet im Stadttempel die Trauung des Frl. Dora T e l t s ch e r, Tochter des verblichenen Kultusvorstehers Heinrich Teltscher, mit Herrn Ignaz Reich statt. Wien. Im Vereinsbethause des Humanitären Vereines „Meichisch. Jeschuah“, „Rasche Hilfe", II., Konradgasse 6, findet am 9. April 1905, um 4 Uhr nachmittags, die feierliche Einweihung eines Sefer Thora durch Herrn Lektor Friedmann und Herrn Oberkantor B a s s e r vom Brigittenauer Tempel famt Chor, statt. Wien- (SchulinspektionimjüdischenSchnlverein.) Wie alljährlich, wurde auch heuer die Schule des jüdischen Schulvereines, IX. Bezirk, Glasergasse 24, einer genauen und eingehenden Inspektion unterzogen. Vorigen Sonntag erschien der Inspektor für den israelitischen Religionsunterricht, Herr Prof. M. Kanitz, in der erwähnten Schule und nahm in der II. Abteilung, die gerade unterrichtet wurde, in den verschiedenen Lehrgegenständen, als: Pentateuch, Gebetübersetzen, hebräische Grammatik und biblische Geschichte eine nahezu einstündige Prüfung vor, worauf derselbe auch die III. Abteilung in ebenso gründlicher Weise examinierte. Die Schüler beantworteten die an sie gerichteten Fragen in exakter Weise und verließ Herr Inspektor Prof. Kanitz nach 'nahezu zweistündiger Anwesenheit sichtlich befriedigt die Schule. Wien. Der literarische Geselligkeitsverein jüdischer Mädchen „Mori a" veranstaltet Sonntag den 9. d. M. wie alljährlich, eine „R o s a K o l l m a n n - G e d ä ch t n i s f e i e r", bei der zwei arme Mädchen bekleidet werden. Anschließend findet ein Vortrag des Herrn Nathan Groß statt. Beginn präzise B1/2 Uhr nachmittags, im Kongreßsaale, IX., Türkenstraße 9. Gäste herzlich willkommen. Wien. Der humanitäre Geselligkeitsverein „Neuer Freundschaftsbund" zur Bekleidung armer Schulkinder arrangierte Sonntag den 2. April im Rittersaale zum Stroblhof, IX., Porzellangasse 50, einen Barcärv-Abend mit anschließender Tanznnrerhaltung, der einen sehr animierten Verlauf nahm. Der Obmann des Vereines, Herr Julius Wotiz, eröffnere den Abend, indem er die erschienenen Damen und Herren herzlichst begrüßte und darauf hinwies, daß der Verein im verflossenen Winter blos 30 Kinder zu bekleiden in der Lage war. Dadurch entmutigt, wurde an eine Auflösung des Vereines gedacht. Mit der heutigen Veranstaltung will derselbe dokumentieren, daß er fortbestehe und die zahlreiche Beteiligung an dem Abend lasse Hoffnung für die Zukunft schöpfen. Hierauf ergriff der Obmann- Stellvertreter, Herr C. Karpel, das Wort und richtere einen sehr warmen und überaus beifällig aufgenommenen Appell an die Erschienenen, dem Vereine beizntreten und so den guten Zweck desselben zu fördern. Es folgten sodann ernste und humoristische Vorträge, sowie die Inszenierung einer Juxpost, bei welcher drei Preise von den Damen Frau Frida Kaiser, Frau Reininger und Fräulein Goldner gewonnen wurden. Floridsdorf. iChewra Kadischa.) Bei der am 26. März l. I. stattgefundenen General-Versammlung der Chewra-Kadischa wurde Herr Gabriel Dukes, der mehr als 18 Jahre als Kassier und Schriftführer überaus verdienstvoll fungiert, zum Eyrenmitgliede dieses Vereines ernannt, ebenso der Präses der Gemeinde Herr Dr. Jakob K ö n i g, dessen Fürsorge die Chewra-Kadischa viel zu verdanken hat. Floridsdorf. Samstag, den 1. April l. I., hielt Herr Oberkantor Rosenberger aus Ung.-Brod einen Probevorrrag in der hiesigen Gemeinde und hatte derselbe durch seinen schönen Bortrag allgemeinen Beifall gefunden. Mißlitz. Der vor kurzenc gegründete Gesangsverein in Mißlitz- Jsraelitengemeinde veranstaltete anläßlich des Pnrimfestes einen recht gelungenen Unterhaltungsabend. Die zu Gehör gebrachten Chöre unter bewährter Leitung des Chormeisters Herrn Oberkantor Isidor Zlotczenko wurden exakt und mit vielem Verständnis vorgerragen. Besonders hervorzuheben sind noch die gelungenen Solovorrrüge des Herrn Oberkantors Zlotczenko, weiters die schön gespielten Klavierpiecen seiner Gattin Frau Rosa Zlotczenko und der Fräuleins Eugeuie Weiniger und Grere Hauser. Den Schluß bildete ein animiertes Tanzkränzchen, welches erst in den Morgenstunden endigte. Györ. Am 3. d. M. wurde hier ein Mann zu Grabe getragen, der zu den hervorragendsten Mitgliedern unserer großen Gemeinde zählte und eine Zierde des Judentums gewesen ist. Herr Samuel Ehrlich, der im patriarchalischen Alter von 86 Jahren gestorben ist, hat während eines halben Jahrhunderts unentwegt sein ganzes Können und Wollen in den Dienst unserer humanitären Institute gestellt. Sern segensreichstes Wirken entfaltete er aber in unserer Chewra-Kadischa, der er als Vorstand und Präsesstellvertreter ein Menschenalter hindurch angehörte, indem er sich im wahrsten Smne des Wortes als Vater der Armen und Leidenden mit aller Hingebung bis an sein Lebensende bewährte. Mit diesem Manne, der als angesehener Kaufmann vnritanifcheu Charakters war und sich auch bei unseren nichtjüdischen Mitbürgern hohen Ansehens erfreute, der eine streng religiöse Lebensweise führte, dabei aber tolerant gegen jedermann gewesen ist und sich den kulturellen Anforderungen nicht verschloffen hat, scheidet wieder einer jener für das wahre Judentum begeisterten Menschen, die leider immer spärlicher werden. Tobitfchau. Das jüdische Leben welkt leider bei uns, wie in den meisten klein gewordenen Gemeinden Mährens dahin. Ta fiel uns ein segensreicher Regen herab, befeuchtete den Boden, stärkte die Wurzeln und erfüllte unsere besorgten Herzen mit neuen Zukunftshoffnungen. So erfolgreich wirkte eine am 2. April veranstaltete Chewrasnde. Nach einem feierlichen Gottesdienste mit einer dem Feste anpassenden mit großem Beifall aufgenommenen Predigt, gehalten von unserem Rabbiner Herrn Dr. Feder aus Kojetein, versammelten sich die meisten Familien, darunter einige Beamten der Gutmannschen Herrschaft, in dem festlich geschmückten Sitzungssaale der Kultusgemeinde. Durch den Chewravorsteher Herrn Tierarzt M. Feuereisen begrüßt, widmeten sich die 60 anwesenden Personen einer gemütlichen jüdischen Unterhaltung hin. Die während des Mahles humoristisch gehaltenen Tischreden des Herrn Rabbiners, die echten altjüdischen Gesänge, das ergreifende Chewralied des Herrn Kantor Weiß, sowie die meisterhaften Klaviervorträge des Virtuosen Herrn Karl Fischer (Olmütz) und die witzigen, von lustigem Humor überströmenden Deklamationen des Konrikers Herrn Siegfried Eisler (Olmütz) fanden ungeteilten