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Die Wahrheit · 1905-03-31 · Heft 13 (31.3.1905) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 13 (31.3.1905)
Date
1905-03-31
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Deite 8. Die Wahrheit Nr. 13. Deshalb feiern wir in Purim den Solidaritätsgedanken. Und wie der halbe Schekel die Gleichwertigkeit der Person, so das Pessachfest das jüdische Volkstum. Gleichheit vor Gott und Gleichheit vor den Menschen! Und fragen wir nun zum Schlüsse: Welches Mittel haben wir, dem Solidaritatsgedanken wieder Eingang zu verschaffen? Ich brauche ja nur auf diesen Raum zu verweisen^ auf unsere Institution, die von hier aus ihren Siegeslauf' durch die ganze Welt angetreten. Danken wir's dem Manne, der den Anstoß, dazu gegeben, danken wir jenem leider Verstorbenen, der ihn ausgenommen, aber danken wir auch jenen Männern> die mit seltener Tatkraft ihr Fortbestehen gewährleisten: Gründen wir weiter Toynbeehallen — jüdische Toynbeehallen. Verschiedene Nachrichten. Wien. Freitag, den 31. März, findet beim Abendgottesdienste, XV., Turnergafie 22, eine Predigt statt. Wien. (Wiener JüdischeToynbee-Halle, XX., Karaj a n g a s s e 20.) Bortragsordnung: Sonntag, 2. April, Dr. H. Kohn: Moral und Recht. Montag, 3. April, Dr. I. Jerusalem: Geschichte der Arbeit. Dienstag, 4. April, Dr. I. Samuelh: Beethoven. Mittwoch, 5. April, Prof. Dr. I. P o l l a k: Körper und Seele. Donnerstag, 6. April, Prof. Dr. S. Ehrmann: Die Kunst im Völkerleben. Freitag, 7. April: Bibelerklärung. Samstag, 8. April: Konzert. Mit dem Samstagskonzerte wird das diesjährige Winter--(Bortrags-) Semester geschloffen. — Die Kurse, die im Februar begonnen haben, dauern fort. Wien. In der am 24. März d. I. abgehaltenen Voll-Versammlung des Vereines zur Hebung der Gewerbe wurde nach Abhaltung eines mit Beifall aufgenommenen Vortrages des Herrn Prof. Richard Singer über „Unsere Kredit- und Zahlungsverhältniffe" folgende Resolution an die Niederösterreichische Handels- und Gewerbekammer beschloffen: „Behufs Regulierung unserer desolaten Produktionsverhältnisse, welche dazu führen, daß der Warenkredit im. allgemeinen in irrationeller Weise gehandhabt wird, erscheint die Unterstützung eines soliden Zwischenhandels unumgänglich notwendig. Das gegenwärtig ungeordnete Zahlungs- und Kreditwesen, dem eine gewiffe Unsicherheit im Verkehre zuzuschreiben ist, erfordert eine dringende Reform, die im Einvernehmen mit allen Handels- und Gewerbebranchen anzüstreben ist. Auch dem Gewerbestande angepaßte Kreditquellen sollen eröffnet werden. Die verehrte Handels- und Gewerbekammer für Oesterreich u. d. Enns wird ersucht, die in diesen Richtungen dringlich notwendigen Schritte einznleiten." In derselben Versammlung wurde auck der Zusatzantrag des Herrn kaiserl. Rates Adolf Ruziczka angenommen, daß die Giltigkeit der Fakturen im Geschäftsverkehre durch deren Bestätigung gesetzlichen Wert erhalten sollten. Wien. (To y n b e e -- H a l l e.) Sonntag, den 26. März, gab es wieder einmal für die Besucher dieser Bildungsstätte eine angenehme Ueberraschung, wie dies jedesmal der Fall ist, wenn H. I o r k-S t e i n e r am Borlesetisch erscheint. Bei seinem Erscheinen mit Händeklatschen herzlichst begrüßt, bemerkte er einleitend, daß die jungjüdischen Schriftsteller, zu denen auch er zähle, sich wesentlich von den Ghettoschriftstellern unterscheiden. „Während ihre Vorgänger, zu deren hervorragendsten Repräsentanten Kompert, Bernstein und Karl Emil Franzos gehörten, auf die Assimilation des jüdischen Volkes hinzielten, ist es das Bestreben der Jüngern, die Dissidenten in das alte jüdische Lager zurückzuführen. Bei der Ausgestaltung unserer Figuren, die wir, inmitten des Judentumes stehend, unmittelbar aus demselben holen, wollen wir nicht nur Künstler wie Franzos oder mehr Dichter wie Kompert sein; sondern sind bestrebt, beides in harmonischen Einklang zu bringen. Inwiefern uns dies gelingt, mögen die neuesten meiner Novellen, die ich heute vorlesen werde, dartun." Iork-Steiner las hierauf zwei Novellen: „Die tote Frau" nnd „Mojschele". Wenn ein Hamburger Blatt die Jork - Steinersche Novellistik „Heimatskunst der Heimatslosen" nannte, so ist ein solch künstlerisches Schaffen nur dadurch möglich, daß der Verfasser in und mit seinem Volke lebt, denkt und fühlt. X. Ch. Wien Samstag, den 25. März, fand im „Hotel Kontinental" die Wohltätigkeits-Akademie des „Vereines zur Bekleidung armer alter Männer" statt, die einen glänzenden Verlauf nahm. Nach den exakt ausgeführten Musikpiecen der Kapelle Hoch- und Deutschtschmeister Nr. 4, unter Leitung des Kapellmeisters Wilhelm Wacek, wurde das Programm mit dem von Rabbiner Dr. Adolf Schmied! anläßlich des letzten Bekleidungsfestes dieses Vereines verfaßten und dem Vereine gewidmeten reizenden Gedicht „Der erste Schnee", von Frl. Olga Fuchs innig vorgetragen, eingeleitet. Darauf folgte eine Violinpiece, von Frl. Mizzi E e r a n k e, einer vielversprechenden jungen Dame, mit vielem Verständnis gespielt. Der k. k. Hof-Schauspieler Herr Karl v. Zeska trug einige heitere Deklamationen mit der ihm eigenen liebenswürdigen Art vor. Dann trat Meister Ignaz Brüll, stürmisch begrüßt, ans Klavier und spielte zwei Kabinetstückchen eigener Komposition und Wagner-Liszts „Spinnerlied" aus „Der fliegende Holländer" mit vollendeter Meisterschaft. Für die plötzlich erkrankte Frau Elizza erschien Frl. Kittel von der k. k. Hofoper und ersang sich mit „Eros" von Grieg, „Liebeslust" von Liszt und „Nachtigall" von Goldmark stürmischen Applaus. Frl. Tini Senders vom k. k. Hof- Burgtheater trug einige Ueberbrettllieder vor und mußte, durch jubelndem Applaus bestürmt, immer weitere Zugaben leisten. Die zweite Abteilung des Programmes eröffnete Frl. Claire W a l l e n t i n vom Deutschen Bolkstheater mit einigen Deklamationen und die'liebenswürdige Künstlerin erntete mit ihrer formvollendeten Vortragsweise stürmischen Beifall. Hierauf folgte Herr Bela Guttmann, stürmisch begrüßt, mit drei Liedern: Brüll „Der Steinhauer", Rich. Strauß ,-Traum der Dämmerung" und Hans Hermann „Drei Wanderer", in denen er sein herrliches Organ zur vollsten Geltung brachte. Nach einem von Herrn Julius S i n g e r komponierten reizenden Tanz-Divertissement,' von neun herzigen Kindern ausgeführt,; tratHerr Theodor W eiß vom Deutschen Volkstheater äüfs Podium und riß das Publikum mit seinen heiteren Gedichtchen zu stürmischer Heiterkeit hin. Herr Theodor Weiß, dem die großartige Zusammenstellung des Programmes zu danken ist, wurde mit besonderem Beifall ausgezeichnet. Zum Schluffe erzielten die komischen Borträge der Frau Pohl-Meis er und des Herrn Karl S ch m i d l vom Theater in der Josefstadt großen Erfolg. Mit einem animierten Tanzkränzchen, vom Tanzmeister Julius Singer geleitet, welches bis in den Morgen hinein währte, schloß diese äußerst gelungene Veranstaltung, die dem Vereine nebst einem beträchtlichen Reinertrag ehrende Anerkennung brachte. Wien. Der Verein zur Pflege des jüdischen Schrifttums und Unterstützung seiner Mitglieder in Krankheitsfällen „Lohonasr Hadath“ veranstaltete Mittwoch, den 22. März, beim „goldenen Widder", II., Taborstraße, anläßlich des Purimfestes einen Unterhaltungsabend. Nach Vortrag einiger spezifisch jüdischer Musikpiecen durch die beliebte Kapelle Brüder W e g n e r hielt der Obmann des Vereines, Herr Sigmund Dickstein, eine von poetischem Schwünge getragene Festrede. Dieser folgte ein seriös-patriotischer Bortrag des Fräulein Lite, der in ein Gebet für den Landesvater ausklang, dann dramatische und humoristische Vorträge der Gruppe Roth, Schauspieler W i l h e l m i u. a. Floridsdorf. Sonntag den 26. d. M. abends 6 Uhr, fand im Sitzungssaale der isr. Kultusgemeinde, in Anwesenheit des Präsidenten der Kultusgemeinde Herrn Dr. Jakob König, die diesjährige General-Versammlung der „Chewra-Kadischa" statt. Gewählt wurden die Herren: Max Neuman Obmann, G. Dukes Kassier u. Schriftführer, I. Epler Kontrollor. Ferner die Herren: Heinrich Sinai, Simon Czucka, Josef Glaser als Beiräte; Ignaz Löw, Ober-Lehrer der Wiener Talm.-Thora, und Moriz Schwartz als Revisoren. St. Pölten (Jüd i s ch e r L i teratu rv e re i n). In der k. k. priv. Schießstätte fand am 26. abends die diesjährige Schlußsitzung statt,, die sich durch den Besuch des Herrn Rabb. Dr. Feuchtwang aus Wien, und seiner liebenswürdigen Frau Gemahlin zu einer wahrhaft feierlichen, gestaltet hat. Der Saal war festlich - beleuchtet, nnd die Mitglieder der Gemeinde waren mit ihren Familien fast vollzählig erschienen. Nachdem der Vereinspräsident Rabbiner Dr. Schächter den Gast begrüßt und einen Rückblik auf das abgeschlossene Bereinsjahr getan hatte, hielt Herr Dr. Feuchtwang seinen nach Form und Inhalt geistvollen Vortrag über „Raschi und seine Zeit". Das nach Hunderten zählende Publikum hörtemit andächtiger Spannung dem gelehrten Redner zu und bereitete demselben am Schluffe des Borträges eine derartig stürmische Ovation, daß Herr Dr. Feuchtwang noch zweimal sprechen mußte. Es wurden dann noch diverse Toaste auf die Vereins- und Kultusgemeindevorstehung, auf Herrn und Frau Dr. Feuchtwang und die Damen gehalten, und es war schon gegen Mitternacht, als der Vereinspräsident den denkwürdigen Vereinsabend mit dem Bewußtsein schließen konnte, daß der junge Literaturverein nicht nur seine Daseinsberechtigung bewiesen habe, sondern sich immer mehr als eine vornehme Stätte der Belehrung und Erhebung bewähre. Linz. Donnerstag, den 29. März, fand hier unter dem Vorsitze des Obmannes Herrn Bernhard Taussig eine Versammlung der Ortsgruppe „Linz" des Hilfsvereines für die notleidende jüdische Bevölkerung Galiziens statt. Meran. Aus Anlaß der 20. Wiederkehr des Todestages des um das Judentum und die neuhebräische Literatur hochverdienten Dichters Perez Smolensky wird von Verehrern desselben am Grabe des Dichters auf dem hiesigen israel. Friedhofe am Sonntag, den 2. April dieses Jahres- (26. Weadar 5665), mittags 12 Ahr, eine Gedenkfeier abgehalten werden, wobei die neuerrichtete Grabeinfriedung ihrer Bestimmung übergeben und Herr Rabbiner Dr. Tänzer die Gedächtnisrede halten wird. Budapest. (Erfolge eines jüdischen Lehr ers.i Das Schreib- und Lesesystem des Redakteurs der . „Ungar. Wochenschrift", Herrn Julius Gabel, der Budapester Kommunällehrer ist, fand, wie bereits berichtet, in den weitesten Kreisen des In- und Auslandes große Anerkennung. Nun hat sich auch der Reichskriegsminister U Pitreich entschlossen, dieses System für die Analphabeten des gemeinsamen Heeres der ganzen Monarchie anzuordnen. Die diesbezügliche Zuschrift lautet: „Kaiserl. u. kön. 4. Korpskommando. M.-A.-Nr. 3213. An Seiner Wohlgeboren dem Herrn Julius Gabel, Kommunällehrer der königl. Ungar. Haupt- und Residenzstadt Budapest in Budapest. Budapest, am 11. März. 1905. Das gemeinsame Reichskriegsministerium beabsichtigt, die Methode Eurer Wohlgeboren im Unterrichte des Lesens und Schreibens zur Verwertung den Militärterritorialkommanden zu empfehlen und teilt die Ansicht des 4. Korpskommandos, daß die vop Muer Wohlgeboren verfaßten Anleitungen genügen, um an ihrer Hand, durch Offiziere oder Unteroffiziere den Unterricht nach Ihrer Methode vornehmen, zu lassen. Euer Wohlgeboren-werden daher im Aufträge.-des genannten Ministeriums ersucht, dem 4. Korpskommando die Bedingungen bekänntgeben zu wollen,, unter welchen Sie Ihre in ungarischer Sprachen-verfaßten Anleitungen zu dem gedachten Zwecke überlassen, bezw. eine Uebersetzung Ihrer Broschüre in andere Sprachen bewerkstelligen würdetß'L o b ko w itz, Feldzeugmeister."'

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