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Die Wahrheit · 1905-03-31 · Heft 13 (31.3.1905) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 13 (31.3.1905)
Date
1905-03-31
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Die Wahrheit Nr. 13. der Verein mit der Baron Hirsch-Schulstiftung und mit dem Wiener Verein zur Verbreitung der Handwerke unter den inländischen Israeliten (Handwerkerverein) ein Uebereinkommen, wonach jährlich 60 Absolventen der Baron Hirschschulen, davon 30 auf Kosten des Vereines bei Wiener Meistern untergebracht werden sollen. Die Unterbringung und Ueberwachung der Knaben erfolgt durch den Handwerkerverein, der in dieser Hinsicht eine mehr als sechzigjährige Erfahrung besitzt. Außerdem erklärte sich ein Teil der Provinzial-Ortsgruppen in Westösterreich bereit, galizische Lehrlinge in den Städten, wo der Sitz dieser Ortsgruppen sich befindet, dem Handwerke zuzusühren. Seüetär Dr. Löwy beschäftigt sich weiters mit den übrigen- Förderungsaktionen auf dem Gebiete des Handwerkes und der Landwirtschaft und konstatiert schließlich, daß die erhöhte Propaganda für den Verein befriedigende Resultate ergeben habe. Im Anschlüße an den Tätigkeitsbericht bemerkt der Vorsitzende, daß im Geschäftsberichte des Hilfsvereines der deutschen Juden in Berlin die Hilfsaktionen des Wiener Hilfsvereines in der Art dargestellt sind, als ob die von letzterem eingeführren Industrien durch den Berliner Hilssverein eingesührt worden wären und der Wiener Verein nur eine überwachende Tätigkeit entwickelte. Der Wiener Verein habe sich daher an den Präsidenten des Hilssvereines der deutschen Juden in Berlin gewendet und hoffe, daß dieser bei seiner bekannten Loyalität Veranlassung treffen werde, daß die erwähnte Darstellung, die erforderliche Berichtigung erfahre. (Zustimmung.) Nachdem Herr Dr Knöpfmacher als Obmann des Aufsichtsrates über die finanzielle Gebahrung der Vereinsleitung einen eingehenden Bericht erstattet hatte, wurde dieser seitens der Generalversammlung das Absolutorium erteilt. Zu dem nächsten Punkte der Tagesordnung: „Anträge der Vereinsleitung und der Ortsgruvpeu", entwickelte sich sodann eine lebhafte Debatte, woran sich die Herren Dr. Meisels iKrakau), Gottlieb Bettelheim (Wien), Rabbiner Dr. David (Wien), Prof. Dr. Feuerstein (Bielitz), Dr. Wilhelm Pappenheim und Dr. Gustav Kohn (Wien), Direktor Schwarz (Mährisch- Ostrau), Dr. Arnold Ascher und Wilhelm Pappenheim (Wien), endlich der Vorsitzende und der Sekretär beteiligten. Hiebei werden Anregungen zur Organisation des Schuhmachergewerbes und zur Errichtung von Dienstbotenschulen in Galizien gegeben und die Zukunft der vom Hilfsverein in Westösterreich dem Handwerke zugeführten Lehrlinge erörtert. Der Vorsitzende erklärte, daß der Hilfsverein jede zweckmäßige Anregung mit Vergnügen der Verwirklichung zuführen wolle, vorausgesetzt, daß ihm die hiefur erforderlichen Mittel zuflicßen. Er fordere daher die Delegierten der Ortsgruppen auf, zur Gewinnung neuer Mitglieder eine rege Tätigkeit zu entfalten. Bei den hierauf vorgenommenen Wahlen wurden, mit Stimmeneinhelligkeit gewählt, und zwar in die V e r e i n s l e i t u n g die Herren: Adolf Baer, Max Frank, Phil. Dr. Adolf Kapralik, Med. Dr. Edmund Kohn, Jur. Dr. Edmund Kornfeld, Adolf Pick, Sigmund Piesen, Wilhelm Stiaßnh, k. k. Baurat, Richard Teweles und Hugo Tugendhat, sämtliche aus Wien, dann Jur. Dr. Theodor Sonnenschein (Troppau), Med. Dr. Hermann Hirsch (Krakau), Med. Dr. Ludwig Lustgarten (Krakau) und Jur. Dr. Adolf Ringelheim (Tarnow). In den Auffichtsrat die Herren: Julius Granichstädten, Jur. Dr. Wilhelm Knöpfmacher, Jur. Dr. Leopold Kohn, Ferdinand Löwy, Wilhelm Pappenyeim, Med. Dr. Isidor Samuely und Theodor Wantoch, sämtliche aus Wien. In das Schiedsgericht die Herren: Wilhelm Anninger, kais. Rat, Michel Benies, Jur. Dr. Julius Bermann, k. k. Notar, Phil. Dr. Moriz Güdemann, Oberrabbiner, Jur. Dr. Alois Klemperer, Isidor Popper, Leopold Sachs, kais. Rat, Jur. Dr. Alfred Stern, Julius Wolf und Josef Zucker. Der I. Vizepräsident der Kultusgemeinde, Dr. Gustav Kohn, spricht namens -es Vorstandes der Wiener israelitischen Kultusgemeinde der Leitung des Hilfsvereines für ihre unermüdliche Tätigkeit zur Hebung des materiellen Niveaus der jüdischen Bevölkerung Galiziens den Dank aus. und indem er insbesondere auf den Zusammenhang zwischen der Armut in Galizien und der Zuwendung der armen galizischen Juden nach Wien und damit der Belastung des Budgets der Wiener Kultusgemeinde und -er Wiener humanitären Vereine hinweist, stellt er die werktätige Sym- . pathie der Kultusgemeinde für den Verein auch in Zukunft in Aussicht. Nachdem Herr Dr. Gustav Lang sie in im Namen der Versammelten der Vereins leitung und dem Sekretär für ihre Mühewaltung gedankt und der Vorsitzende auf diese Danksagung in herzlichen Worten erwidert hatte, wurde die Versammlung um 12 Uhr mittags geschlossen. An die Generalversammlung schloß sich sofort die konstituierende Sitzung der Vereinsleitung an. in welcher zu Mitgliedern des engeren Ausschusses folgende Herren gewählt wurden: Sigmund Mayer, Präsident; Gottlieb Lederer, erster Vizepräsident; ' Adolf Pick, zweiter Vizepräsident; Heinrich P o l l a k, Schriftführer; Dr. Wilhelm P a p p e n h e i m, Schriftführer-Stellvertreter; Max Frank, Dr. Edmund Kohn, Sigmund Piesen und Hugo Tugendhat. Verlassene Kinder. Unsere Leser wissen, daß unter dieser Benennung die magistratischen Kinder jüdischer Konfession verstanden werden, welche unter Beitragsleistung der Kultusgemeinde bei jüdischen Pflegeparteien untergebracht sind. Der Kultusvorstand hat die Aufsicht über diese Kinder den Bezirkskommissionen anvertraut, welche sich seit nunmehr 2 Monaten dieser neuen und schwierigen Aufgabe mit nicht genug anzuerkennendem Eifer unterziehen. Aus den Berichten, welche die einzelnen Mitglieder über ihre Tätigkeit erstatten, erhellt es, daß die nunmehr vollzogene Teilung der Arbeit als ein bedeutsamer Fortschritt im Pflegewesen anzusehen ist; erst jetzt wird es möglich sein, gehörig zu individualisieren und den Kindern, die für pädagogische und hygienische Zwecke unentbehrliche Aufmerksamkeit zu widmen. Die einzelnen Kommissions-Mitglieder haben die Aufsicht derart unter sich verteilt, daß auf je ein Mitglied höchstens 2—3 Kinder entfallen, ein Pensum, dem wohl selbst vielbeschäftigte Mitglieder zu entsprechen vermögen. Manche der letzteren bedienen sich der Mitwirkung ihrer Gattinen, welche naturgemäß das Häusliche der Pflegeparteien, dann das Physische der Pflegekinder am besten wahrzunehmen geeignet sind. Aus den bereits vorliegenden Berichten, insoweit sie von den mitwirkenden Frauen erstattet sind, läßt sich der Ernst und die Tüchtigkeit erkennen, . womit die weibliche Kinderbeaufsichtigung zuwerke geht. Bei der genauen Durchsicht der bisher erstatteten Berichte scheint nur ein einziger Punkt einer anders gearteten Behandlung zu bedürfen. Die beaufsichtigenden Mitglieder begegnen nämlich — wie es anders gar nicht sein kann — mancherlei Uebelständen. Sie notieren dieselben aufs gewissenhafteste und bringen sie am. Monatsschluß zur Kenntnis des Kultusvorstandes und zwar mit mehr oder minder präzisen Anträgen, wie die Uebelstände zu beheben wären. Insoweit sich dies auf bedeutsame Vorkehrungen bezieht, ist der eingeschlagene Weg allerdings der richtige. Ganz bestimmt wird der Kultusvorstand den bezüglichen Anträgen seine volle Aufmerksamkeit zuwenden. Insoweit es sich aber um Angelegenheiten von geringerer Tragweite handelt, oder um solche, deren Behandlung ohne Säumen erforderlich wäre, schiene uns die eigeneInitiative der Kommissions-Mitglieder besser am Platze. Findet das beaufsichtigende Mitglied z. B die Zähne, die Aug^n, die körperliche Beschaffenheit des Kindes nicht in Ordnung, so. wäre es ratsam, sich nicht mit der schriftlichen Berichterstattung zu begnügen, sondern das Kind zu einem der allerwärts zu findenden menschenfreundlichen Aerzte zu bringen, der gewiß ohne Honorarforderung zum Rechten schauen wird. Braucht ein Kind dringend eine Brille, ein orthopädisches Mieder, so würde die Chewra- Kadischa, wenn sie direkt benachrichtigt wird, alsbald das Erforderliche beschaffen. Fehlt es an Kleidern oder Schuhen, so wird sich in den meisten Bezirken ein Wohltätigkeitsverein finden, um mindestens das Allerdringendste zu gewähren. In solchen Fällen wäre die unaufgeschobene, unmittelbare Hilfeleistung dem bureaukratischen Wege der Berichterstattung vorzuziehen. Wir betonen dies als Mahnung, nicht als Tadel, wohl wissend, daß in dieser wie in jeder Hinsicht die erforderliche Routine erst mit der Zeit kommen kann und sicherlich kommen wird, da der liebevolle Eifer und das selbstlose Bemühen der neuartigen Aufficht schon vom ersten Tage an nicht zu verkennen waren. Daran ist gar nicht zu zweifeln, daß die Bezirkskommissionen der ihnen gewordenen Aufgabe in jedem Sinne gewachsen sind. Dr. M. Steiner. Indische Solidarität. Von Hermann Berliner. (Schluß.) Die Bibel bedient sich für die Charakterisierung des Menschen verschiedener Ausdrücke. Der älteste Ausdruck, den wir schon aus der Schöpfungsschichte kennen, heißt Odom, d. h. der mit seinem ganzem Wesen auf dem Irdischen basierende Mensch. Und wie die Erde in der Poesie das Prädikat „jungfräulich" erhalten hat, also was wir mit „sittenrein" bezeichnen, so bedeutet odom der sittlich reine, der sittlich hochstehende Mensch. Mit diesem Ruhmestitel wird der große Prophet Hesekiel von Gott gerufen. Fast ebenso alt ist die zweite Bezeichnung isch, sie be- | beutet Charakter, aber nicht nur im Sinne von „Moral",

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