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Die Wahrheit · 1905-03-24 · Heft 12 (24.3.1905) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 12 (24.3.1905)
Date
1905-03-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 12. Die Wahrheit. Seite 7. Der Eheleute war das Bkld ein nahezu gleiches: in 21 Ehen war die soziale Stellung eine gleiche, in 25 Fällen bestand ein .Mißverhältnis zu ungunsten der Frau. Aerzte, Architekten, bessere ^ausleute heirateten sehr tief unterihrem eigenen Stande. -In 2 Fällen überragt die höher gestellte Frau ihren Mann. Zwei Fälle waren besonders interessant, weil die Ehen in krankhaftem Geisteszustand geschlossen wurden; sie fielen-durch den ungeheuren Kontrast der Verlobten aus; in einem Falle handelte es sich um Paralyse, im zweiten um Schwachsinn. Einen Einblick in das eheliche Zusammenleben von Mischehen gewährt die Prüfung der Ehescheidungen. In Ungarn fanden 1898 bis 1901 durchschnittlich jährlich 1769 christliche Ehescheidungen und 186 jüdische statt, d. h. die jüdischen machten 9*51% aller Ehescheidungen aus, während die Juden tiur 4*42% der ungarischen Gesamtbevölkerung bildeten; betreffs der Mischehen ist mir darüber nichts bekannt geworden. In Berlin wurden 1895—1899 jährlich 21 Mischehen geschieden, 2-34o/o aller Mischehen, und zwar etwas mehr, wenn der Mann christlich war, während bei jährlichen 50 rein jüdischen Ehescheidungen nur 0 375% aller Ehescheidungen vorkamen. Dieses Ergebnis kann man in allen Jahrgängen des statistischen Jahrbuches von Berlin verfolgen. Es werden demnach jüdische Ehen -etwas weniger geschieden, als evangelische. Die Scheidungen bei Mischehen zwischen Juden und Christen sind ungemein häufig; bei den Juden zeigt die Kombination mit Evangelischen schon -eine beträchliche Steigerung, noch mehr mit Katholischen, am höchsten mit Dissidenten. Ueberhaupt scheint es, als wenn von den Mischehen in Berlin schon die zwölfte geschieden, während -es im allgemeinen bei der vierzehnten der Fall ist. Die Wahrnehmung, daß die Mischehen eine höhere Scheidungsziffer aufweisen, als die gleichartigen, ist auch in der Scheidungsstaüstik anderer Staaten nachgewiesen. Seit dem Jahre i960 sind die Ehescheidungen im allgemeinen und somit auch die der Mischehen zurückgegangen, weil nach dem neuen Gesetz die Ehescheidungen erschwert-sind. Es ist ganz verständlich, daß die Mischehen häufiger geschieden werden, weil doch Zerwürfnisse infolge der Konfession nicht ausbleiben. Die gleiche Konfession bedingt gleiche Erziehung, gleiche Lebensgewohnheiten, gleiche Anschauungen über Sitten und Gebräuche und deren Anwendung. Das Zusammenleben in getrennter Konfession bietet größere Reibungsflüchen, und wenn auch der religiöse Konflikt zurückgedrängt wird, sind es doch die sozialen und gesellschaftlichen Unterschiede, welche mehr scheiden, als die Dogmen der Religion, über welche die in Mischehe lebenden Ehepaare sich ja hinweggesetzt haben. (Fortsetzung folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien. Samstag, den 18. d. M., l/28. Uhr abends, fand im .„Ankerhof" die Generalversammlung des „Vereines zur unentgeltlichen Verpflegung Brustleidender auf dem Lande" statt. Nach Begrüßung der Anwesenden entwickelte der Vorsitzende, Obmann Med. Dr. Adolf Hoffmann, ein umfassendes Bild von der segensreichen Tätigkeit des Vereines und wies, wie es auch jüngst in diesem Blatte geschehen ist, auf die mannigfachen Schwierigkeiten hin, mit welchen dieser dem Wohle armer Glaubensgenossen gewidmete Verein zu kämpfen hat. Vor bereits 35 Jahren ist von ihm die erste Anregung zur Bekämpfung der schrecklichen Krankheit der Tuberkulose ausgegangen und bis heute ist es ihm, in Ermanglung der nötigen Mittel, nicht gelungen, das projektierte „W ö l f l e r h e i m" in Roznau zu aktivieren. Diese Tatsache ist umsomehr zu bedauern, als z. B. der zwei Jahrzehnte später gegründete Verein „Alland", wie in der jüngst stattgehabten Generalversammlung berichtet wurde, bereits an eine bedeutende Vergrößerung seines Bestandes schreiten kann und hiebei seitens jüdischer Wohltäter die munifizenteste Unterstützung gefunden hat. Nach Vortrag des Kassaberichtes durch den Kassier, Herrn Banquier Sigmund W ö l f l e r, und Wahl der Vereinsleitung, widmete der anwesende Vertreter der Kultusgemeinde, Herr Baurat Ritter v. G 0 l d s ch m i d t, dem Vereine und besonders besten Präsidenten, Herrn Dr. Adolf Hoffmann, Worte wärmster Anerkennung, die von der Versammlung lebhaft akklamiert wurden. Mit schönen Worten, wenn sie auch noch so gut gemeint sind, ist aber weder dem Vereine, noch den armen jüdischen Kranken gedient, es müssen vielmehr die weitesten jüdischen Kreise mit werktätiger Förderung eingreifen, um die edlen Intentionen des Vereines der Verwirklichung näher zu bringen. Freilich müßte die Bereinsleitung eine -etwas energischere Propaganda betreiben und einen größeren Wagemut dadurch bezeugen, daß sie, wenn auch die nötige Bausumme noch nicht vorhanden ist, mit dem Bau des „Wölflerheims" vielleicht in beschränkterem Ausmaße, als ursprünglich projektiert war, beginnt. Aehnliche Institutionen haben das Wagnis unternommen und sinh durch die Aktivierung rascher zu ihrem Ziele gelangt. Wie». Am 17. d. M. verschied der gewesene Bezirksrat Ludwig W a l d st e i n. Der Verblichene war ein reger Förderer patriotischer, humanitärer und geselliger Unternehmungen. Als Sekretär des Kaiserin Elisabe.h-Denkmal-Komitees widmete er diesem schönen Werke seine stets unermüdliche Arbeitskraft. Der Verblichene war in allen Kreisen ob seiner Biederkeit beliebt und trauern an seiner Bahre viele persönliche Freunde. Wie«. Sonntag, den 19. d. M., 6 Uhr abends, fand im Tempel des Bethausvereines „Chewra Bet Hatfilah", IX., Müllnergasse, ein Requiem für den ehemaligen Präsidenten der Wiener Kultusgemeinde, Herrn kais. Rat Heinrich Kling er .s. A., für das Vorstandsmitglied Adolf K 0 h n s. Ä. und die im abgelaufenen Jahre verschiedenen Bereinsmitglieder statt. Unter den zahlreichen Anwesenden bemerkte man Herrn Dr. Norbert K l i n g e r, Herrn Ernst K l i n g e r, Herrn kais. Rat Paul L e m b e r g e r, den Vereinsvorstand mit dem Präsidenten Herrn Gottlieb Bettelheim und viele Bereinsmitglieder. Die Gedenkrede hielt Rabbiner Dr. Gelbhaus und den kantoralen Teil der erhebenden Feier versah Oberkantor Kläger mit Chor nnd Orgel. Wien. Sonntag, den 19. d. M. verschied Herr Dr. Moritz Herz, einer der bekanntesten und beliebtesten Aerzte des IV. und V. Bezirkes. Biele Arme verlieren an Dr. Herz einen Wohltäter, der mit Aufopferung feiner eigenen Gesundheit unermüdlich und selbstlos den Pflichten seines Berufes nachkam. Wien. Samstag, den 13. März ist Frau Regina P i s l i n g, Gattin des Regierungsrates Dr. Theophil Pisling, im Alter von 56 Jahren gestorben. Die Verstorbene war eine Schwester des Baurates Wilhelm S t i a ß n y. Wien. (Gesellschaft für Sammlung und Konservierung von kunst- und historischen Denkmälern des Judentums.) Montag, den 27. Mürz 1905, 71/., Uhr abends präzise, findet im Festsaale des n. ö. Gewerbevereines, I., Eschenbachgasse 11 ein Bortrag des Herrn A. F. Sellgmann: „I 0 z e f I s r a ö l s" unter Vorführung von Skioptikonbildern statt. Nichtmitglieder können die etwa noch vorhandenen Karten Freitag, 24. März, von 3 bis 6 Uhr nachmittags, eventuell Samstag, 25. März 1905, von 11 bis 1 Uhr mittags, im Museum für jüdische Altertümer entgegennehmen. Die Karten sind unentgeltlich. Wien. (Verein zur Hebung der Gewerbe.) Freitag, den 24. März, präzise %8 Uhr abends, findet im großen Saale des Hotel Guth, II., Stefaniestraße 14 eine Plenarversammlung statt. Tagesordnung : 1. Bericht des Vorstandes. 2. Vortrag unseres Mitgliedes Herrn Profesior Richard Singer, beeideter Buch- und Rechnungs-Sachverständiger, über: „Unsere Kredit- und Zahlnngsverhältnisse." (Bon großem Interesse für die Wiener Geschäftswelt. 3. Freie Diskussion über dieses Thema eventuell wegen der zu ergreifenden Maßnahmen zur Behebung der herrschenden Uebelstände. (Damen und Gäste willkommen.) Wien. (Hilfsverein für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien.) Sonntag, am 26. März 1905, präzise um 10 Uhr vormittags, findet in den Räumlichkeiten des israelitischen Humanitätsvereines „Wien" B'nai B'rith, I., Universitätsstraße 4 die ordentliche Generalversammlung des Vereines statt. Wien. (Bethausverein „M0ntefi0re.") Ani Montag, den 13. d., dem Vorabend des 7. Adar, fand im Bethause „Montefiore" eine Trauerandacht für den verstorbenen Präsidenten der israelitischen Kultusgememde und Ehrenmitglied des Vereines „Montefiore", kais. Rat Heinrich K l i n g e r, für Dr. Theodor H e r z l und die im abgelaufenen Jahre verstorbenen Mitglieder des Bethausvereines und des Kranken-Unterstützungsvereines „Montefiore" statt. Die Gedächtnisrede hielt Bereinsrabbiner Dr. Rosenfeld. — Bei der am selben Abende abgehaltenen Generalversammlung des Bethausvereines, der Herr Guido Fuchsgelb als Delegierter der Kultusgemeiude anwohnte, wurden in die Vereinsleitung die Herren I. A. Wasservogel, Dr. L. Bradp, Jakob Weiß, S. Rausnitz. M. Goldsand, W. Kaufmann, S. Feldbauer, I. Samek und S. Braun wieder- und die Herren Dr. M. Gelber, David Fleischmann und S. Schwarz neugewählt. In den Bethausvorstand wurden entsendet die Herren Elias Weiß. I. Sputz, Fr. Wasservogel, M. Fleischmann und A. Hirschler; als Revisoren wurden die Herren W. Kiralvi und A. Dukes gewählt. Wien. (VereinzurBekleidung armer alter Männer i s r a e l. Konfession.) Bei der Samstag, den 25. März, präzise 9 Uhr abends im Ballsaale des Hotel Continental, II., Taborstraße 8 stattfindenden Wohltätigkeits-Akademie mir Tanzkränzchen haben in Anbetracht des humanitären Zweckes nachstehende Kunstkräfte ihre güttge Mitwirkung auf das bestimmteste zngesagj- Die Damen: Frau Elise Elizza, k. k. Hofopernsängerin; Fräulein Tini Senders, Mitglied des k. k. Hofburgtheaters; Fräulein Claire Wallentin, Mitglied des Deutschen BolkstheatersFrau Victoria Pohl-Meiser, Mitglied des k. k. Theaters in der Josefstadt - Fräulein Mizzi Ceranke, Biolin-Virtuosin: Geschwister Finkler, Tanz-Quintett. — Die Herren: Professor Ignaz Brüll; Adolf Weiße, Direktor des Deutschen Bolkstheaters; Carl v. Zeska, k. k. Hofburgschauspieler; Oberkantor Bola Guttmann; Theodor Weiß, Mitglied des Deutschen Bolkstheaters; Carl Schmidt, Mitglied des k. k. priv. Theaters in der Josefstadt. — Einzelkarten ä 3 Kronen, Familienkarten (4 Personen) 10 Kronen, sind bei allen Komitee-Mitgliedern, sowie im Vereinslokal: II., Praterstraße 15, „Wiener Kaufmannshalle", erhältlich.

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