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Die Wahrheit · 1905-03-24 · Heft 12 (24.3.1905) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 12 (24.3.1905)
Date
1905-03-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Die Wahrheit Nr. 12. und seine ganze für die Kunstgeschichte so bedeutungsvolle Familie dem Judentum angehört. Uebrigens darf man nicht vergessen, daß die Antisemiten aller Zeiten in dieser Richtung eine gute Vorübung haben. Sie sind ja auf Schritt und Tritt von dem ersten Religionsunterricht in der Schule an, bei jedem Bekennt n isd es CH ri st entums gezwungen, die Tatsache zu ignorieren, daß der Stifter des Christentums und seine Apostel — Juden waren. Pobiedorm«;e«», der Theologe. Von Dr. M. L. Stern. Die russische Autokratie, welche zur Zeit solch schreckliche Niederlagen und schwere Heimsuchungen erleidet, an welcher sich so treu, wie an einem genau zutreffenden Schulbeispiel, die Pharaonische Geschichte des uralten egyptischen Reiches abspielt, steht unter dem Zeichen der Theologie. Der maßgebende Faktor dieser Autokratie ist Pobiedonoszew, der Theologe. Es heißt nur, Sand in die Augen der Zeitgenossen streuen, wenn man sie glauben machen will, daß der Krieg mit Japan unternommen wurde und so beharrlich fortgeführt wird, um Rußland die Herrschaft über den stillen Ozean zu sichern. Diese Autokratie hat sich in Wahrheit ein viel weiteres Ziel gesetzt. Dieser Kriegszug in die Mandschurei war nur so eine Art weitausholendes Umgehungsmanöver gegen Europa, zur Erlangung der Weltherrschaft für die orthodoxe Kirche. Alle Konfessionen der Welt sind zur Zeit im weiten russischen Reiche zahlreich vertreten, alle werden sie von dieser blöden Autokratie einstweilen an die Wand gedrückt, kalt gestellt, um im gegebenen, planvoll herbeigeführten Augenblick gänzlich erwürgt, bekehrt und vertilgt zu werden. Pobiedonoszew ist dieser Messias der umgestülpten Moral, der verkehrten Weltordnung, der conträre Gegensatz des von den altestamentarischen Propheten geschilderten und verkündeten Messias. Nun ist diese Theologie in Nöten, ein erbärmliches Objekt des allgemeinen Mitleides und es verdient Beachtung, wie sie sich dabei zurechtzusetzen versucht. Da gibt es ja gar erbauliche Dinge zu hören. Der Glaube macht wohl nicht stark, aber umso mehr trotzig. Der Trotz ist auch besser als Kraft und Stärke, weil ja Rußland in trotziger Ausdauer sich immer noch emporgearbeitet hat. Wenn die russische. Autokratie jetzt vor den Japanern 'urückwiche, Frieden machte und zu menschenwürdigem Dasein ..ch erhöbe, würde sie nur die ganze orthodoxe Kirche, ja den Glauben und selbst Gott erniedrigen. Die sich selbst vernichtende Ausdauer im Herbeiziehen immer größerer Gefahren und Katastrophen ist in Wahrheit nur eine Aufopferung für Gott, ein .Hinschlachten der Völker für Erhaltung seiner Ehre, seines Reiches, und der Gott muß zuletzt doch noch Einsehen haben und alles wenden. Die jüdische Theologie ist von der christlichen Theologie mit großem Aufwand an Sophistik, absichtlicher Verkennung und offenkundiger Verleugnung als minderwertig hingestellt worden. In Wahrheit wird ihr für die Dauer die überlegenste Meisterschaft nicht streitig gemacht werden können. Mit welch unverlöschlichen Farben ist doch der Trotz der Pharaonischen Autokratie geschildert. Wie sehr es der Wirklichkeit entspricht, zeigt uns nach Jahrtausenden das heutige Rußland. Man wird jene Verstocktheit nicht mehr als unglaubwürdig bezeichnen können. Im Innern ist Rußland von mehr als 10 Plagen heimgesucht, auf dem Meere von 250 Plagen und in der Mandschurei sollen seine Söhne bis auf den letzten Mann kämpfen, wie Pharao seinen Leuten befahl, jeden geborenen Sohn zu töten. Die Autokratie aber darf sich nie als besiegt erklären. So verlangt es die Theologie der orthodoxen Kirche. Buße, Umkehr, Einkehr, Besserung scheint sie nicht zu kennen. Ein Anderes aber ist Vertrauen und Zuversicht, ein anderes ist der Trotz im Glauben. In unserer Megillah kommt beachtenswerter Weise der Name Gottes nicht ein einzigesmal vor. Die jüdische Theologie verwirft sogar das unbedingte Gottvertrauen und empfiehlt nur ein sehr bedingtes. Der Dieb, der Räuber und Massenmörder mag noch so reichlich opfern, beten, sich mit Heiligenbildern ausrüsten, Gott mit lauter Stimme anrufen, er kann darum ohne Schaden an Gottes Ehre doch an den Galgen kommen gleich jenem Haman, der wie männiglich bekannt, ein großes Götzenbild mit großer Zuversicht an der Brust trug. Wir können unbedingt Vertrauen und Zuversicht in dem Gottgefälligen, im Guten und Wahren suchen. Nun der grauenhafte, verbrecherische Krieg dürfte gar bald und auch gegen den Trotz der russischen Autokratie zu Ende gehen, aber der Jubel, daß auch die Theologie des Pobiedonoszew zugleich erliegen, die unmenschliche Behandlung der Inden aufhören werde, wäre einstweilen noch verfrüht. Doch das Vertrauen auf.den jüdischen zürnenden Gott, der. das unverbesserliche Gottverhaßte züchtigt, hat sich wieder einmal bewährt, und wer auf den unausbleiblichen Sieg des Guten und Gottgefälligen mit trotziger Ausdauer rechnet, der wird zu allerletzt doch nicht beschämt bleiben. Delitzsch und die Matzicheit Von Dr. D. rkeimdörfer, Hamburg. Das „Berliner Tageblatt" vom 26. Jänner enthält ein Feuilleton von Th. K. mit der Ueberschrift „Der Schlußvortrag von Friedrich -Delitzsch", voll von persönlicher Verhimmelung des bekannten Professors. Ist aber das bekannte Sprichwort, daß höher als Plato die Wahrheit steht, heute etwa nicht mehr zeitgemäß? Lassen wir den Personenkultus und prüfen wir die. Sachlichkeit der Delitzschen Behauptungen. 1. Der Nachweis Delitzsch', daß die Samariter ihrem Ursprünge nach Babylonier sind, stützt sich darauf, daß der Talmud an zahlreichen Stellen die Samariter nach der babylonischen Stadt Kutha, Kuthäer nennt. Im VIII. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung hat der König von Assyrien fremde Völkerschaften auch von Babel und babylonischen Städten, darunter Kutha, nach Samaria verpflanzt und deshalb soll der barmherzige Samariter im neuen Testament, was seine Barmherzigkeit betrifft, babylonischen Ursprungs sein. Ja, hat denn Delitzsch vergessen, daß diese Barmherzigkeit für den Fall, daß der neutestamentliche. Samariter wirklich nicht eine Ausnahme von der Regel fein sollte und daß alle Samaritaner ausnahmslos barmherzige Menschen gewesen sein sollten, was mit der historischen Wahrheit durchaus nicht übereinstimmt (vergl. Esra und Nehemia), hat denn Delitzsch vergessen, daß diese Samaritaner oder Kuthäer unter dem Einfluß der jüdischen Religion, die sie aus Furcht vor den Löwen annahmen, den Funken der Barmherzigkeit in ihre heidnischen Herzen aufnahmen? 2. Ist es ferner Wahrheit, auf die es ja in der Wissenschaft überhaupt ankommt, daß eine Parallele zwischen dem neuen Testament und Babel deshalb bestehen sollte, weil bei Hammurabi die Adoption eines Kindes dadurch vollzogen wurde, daß ein Vater oder eine Mutter zu einem Kinde sagt: „Du bist mein Sohn", und weil das neue Testament die bildliche Adoption des Messias herleitet aus dem 2. Psalm, ryo Gott spricht: „Du bist mein Sohn, ich habe heute Dich gezeugt"? Ist nicht dieses Adoptivverhältnis selbst nach den Worten Delitzsch' reine Poesie des Psalmisten, und gar erst die exegetische Auslegung nach Art der alten Rabbinen nicht mehr als figürlich reine Poesie? Und diese poetische Fiktion ist ein wissenschaftliches Argument für die Wahrheit? 3. Delitzsch hält einen großarttgen Jstarpsalm und Gebete an Marduk und Jstar, die babylonischen Stadtgötter, für gleichwertige Stücke wie die Psalmen Davids, dermaßen, daß kaum jemand in unserer Zeit merken würde, daß sie aus dem Liederbuch der „Heiden" stammen. Nun man frage doch jedes unbefangene christliche oder jüdische Kind, ob dies heidnische Stück von Liturgie auch nur entfernt der Erhabenheit von Psalm 15 oder Psalm 23 gleichkommt, abgesehen von der Innigkeit der Empfindung, auch was das Gedankliche und Sprachliche anlangt. 4. Delitzsch meint ferner, daß bei den Babyloniern lange vor Moses nicht nur die sogenannten zehn Gebote, sondern auch die allumfassende Nächstenliebe sich Nachweisen lassen. Wie, ist

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