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Die Wahrheit · 1905-03-10 · Heft 10 (10.3.1905) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 10 (10.3.1905)
Date
1905-03-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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-.iis.. Nr. ,10. Die Wahrheit. Seite 7. heimgesuchten Kindern in dankenswerter Weife / zum Ausdrucke Zu bringen. Ueber Wunsch des Verblichenen wurde die Leiche nach seinem Heimatsorte P i e s l i n g in Mähren überfuhrt. Als der Bahnzug mit der Leiche in Zlabings, in die Station Einfuhr, gestaltete sich die Teilnahme der dortigen Bevölkerung ohne Unterschied der Konfession zu einer imposanten Trauerkundgebung und die gesamte Bauernschaft von Slavaten gab dem Verstorbenen das Ehrengeleite bis nach Piesling. Auf dem Friedhose in Piesling widmete ihm sein einziger Sohn, Doktor Michael Holzmann, folgende Abschiedsworte: „Ein Hauch von tiefer Trauer lagert auf den edelsten Schöpfungen des Menschengeistes, auf den Meisterwerken hellenischer Skulptur, wie auf den Domkolossen des Mittelalters. Es ist derselbe Schmerz der Kreatur, welcher auf den Brauen Michel Angelas Propheten und Sibyllen wuchtet» die Augen von Rafaels Madonnen umschleiert und aus Beethovens Symphonien grollt, im Hiob wütet und im Parcival grübelt. Beim Homer wie beim Firdusi und beim Nibelungendichter, beim Aeschylos und Sophokles, wie beim Alfieri und Schiller lautet der Grundton: „Leben ist Leiden."- Vergleichen wir das Leben einer Kreisbahn aus glühenden Kohlen mit einigen kühlen Stellen, welche Bahn wir unablässig zu durchlaufen hätten, so tröstet den im Wahn Befangenen die kühle Stelle, auf der er jetzt eben steht, oder die er nahe vor sich sieht, und er fährt fort, die Bahn zu durchlaufen. Jener aber, der das principium individuationis durchschauend, das Wesen der Dinge an sich und dadurch das Ganze erkennt, ist solchen Trostes niä)t mehr empfänglich, er sieht sich an allen Stellen zugleich und tritt heraus, Tat tvan asi. Wenn er aber trotzdem in dem Toliu w'bohu von Jammer, Elend und Not nach einerOase in der Wüste, wenn auch nicht nach einem befreienden Momente späht, so sind es jene Worte, wie sie der Freieste aller Freien, der Charakter in der deutschen Literatur, in einer ähnlichen Situation seines Lebens empfunden und ausgesprochen, wo Lessing sich über den Verlust seiner nach eben so viel bitteren und harten Kämpfen als für kurze Zeit errungenen Gattin über den herben Verlust seines einzigen Sohnes mit dem Bewußtsein tröstete, daß ihm wenig ähnliche Erfahrungen mehr beschieden sein könnten, weil er auch bald dahin kommen werde, wo wir nach einer ephemeren Existenz Billionen von Jahren zu sein haben, zurückzukehren in die selige Ruhe des Nichts, in jenes selige Nirwana, von dem das Leben, das Sansara, selbst nur eine kurze, stürmische, traurige Episode war. So bleibt auch mir nur in dem Momente, wo ich des Teuersten und Einzigen beraubt werde, an der Stätte, der wahrsten Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit, wo die Lüge, Heuchelei und Verstellung für immer endet, nichts übrig, als die in ihrer schlichten Einfachheit wahrhaft ergreifenden Worte des Koheleth zu bekennen: „lob jom hamowet m’jom hiwoldo.“ — —- * Trotzdem keine Parte ausgegeben wurde und die Todesnachricht nur durch eine zufällige Zeitungsnotitz ins Publikum drang, sind nicht weniger als 120 Kondolenzen eingelanfen. Moriz Holzmann war eine anima pia et candida im vollsten Sinne des Wortes, Ehre seinem Andenken, Friede feiner Asche! Verschiedene Nachrichten. Wien. Freitag-Abend, den IO. d. M., Predigt im Stadttempel. Wien. Der „Israelitische graue n - Wohltätigkeit s-- V e r e i n", I., Seitenstettengasse 2, versendet soeben seinen 89. Jahresbericht, der ein klares Bild über die umfassende und segensreiche Tätigkeit dieses bedeutendsten und ältesten der jüdischen Frauenvereine Wiens bietet. Bei der immer mehr zunehmenden Verarmung steigerten sich natürlich auch heuer die an den Verein gestellten Ansprüche, und die Vereinsleitung, an deren Spitze Frau Baronin Charlotte Königswarter steht, konnte trotz der erfreulichen Zunahme der Mitglieder mit den regelmäßigen Einnahmen kein Auslangen finden. Es wäre daher dringend zu wünschen, daß der Israelitische Frauen-Wohltätigkeits-Verein, der sich auch an erster Stelle an der Aktion des „Verbandes zur Unter st ützung armer jüdischer Wöchnerinnen" beteiligt, seitens unserer Glaubensgenossen wirksamere Unterstützung fände. Wien. (C h e w r a - K a d i s ch a.) Die Gedächtnisfeier für die im verflossenen Jahre verstorbenen Mitglieder der Chewra-Kadischa findet Montag, den 13. d. M., 1jjl Uhr abends, im Leopoldstädter Tempel, IL, Tempelgasse, statt. Wien. (Wiener JüdischeToynbe e-H alle, XX., Karajangasse 20.) Bortragsordnung: Sonntag, 12. März, Professor Dr. W. Jerusalem: Der Ursprung der Sprache. Montag, 13. März, Dr. I. S a m u e l y: Das Telephon. Dienstag, 14. Mäi^, M. Berkowicz: Die neuhebräische Literatur. II. Mittwoch. 15. März: Diskussion, t Donnerstag, 16. März, Dr. S. Werner: Aus jüdischer Geschichte. H. - Freitag, 17. März: Bibelerklärung. Samstag, 18. März: Konzert. ' Wien. Am 3. d. M. ist hier der Schriftsteller und Regierungsrat l Dr. Moriz Wien im 66. Lebensjahre gestorben. Wien war am 20. No- C vember 1839 in Prag geboren, machte den Feldzug 1859 in Italien mit, widmete sich den philosophischen Studien und schlug dann die publizistische Laufbahn ein. 1883 fungierte er als Sekretär für die elektrische Ausstellung in Wien, und bei diesem Anlasse lernte ihn weiland Kronprinz Rudolf kennen, der ihn mit mehreren wisienschaftlichen Missionen betraute. 1884 erfolgte seine Ernennung zum Regierungsrat. Die Beerdigung fand am 6. d. M. statt. Wien. Unser geschätzter Mitarbeiter, Herr Adolf Steinschneider, begeht am 19. März seinen 82. Geburtstag. Wien. (Brigittenauer israelitischer Frauen- Unterstützungs-Berein.) Gleichsam als Nadifeier zu der am 8.' Jänner d. I. bei Ronacher im großen Style arrangierten Akademie, fand Sonntag, den 5. d. M., in den Räumen des „Hotel Post" am Fleischmarkt ein Vortragsabend statt, der einen sehr animiercen Verlauf nahm. Mit einem von Herrn Berthold Kaiser schwungvoll vorgerragenen Prolog, der das Wirken des Brigittenauer Frauen-Untersiützungsvereines, wie insbesondere der Vorstandsdamen mit ihrer Präsidentin, Frau Dr. Emilie Weiß, glorifizierte, wurde der Abend eingeleitet, worauf med. 21 l r das finanzielle Resultat der 'Akademie bei Ronacher bekannt gab. Trotz der großen Spesen ergibt sich ein Reinerträgnis von etwa Jv 6000 und ist es bemerkenswert, daß Frau Dr. Weiß selbst zirka X 3000 für Karten vereinnahmte. Es gelangten hierauf die drei Einakter: „Gott sei Dank, der Tisch ist gedeckt", „Des Sängers Fluch" und „Im dritten Stock" durch Dilettanten zur Aufführung, und wurde von sämtlichen Mitwirkenden sehr flott gespielt. Den Damen Frl. Rosa Zupnik ('Augustine), Frl. Elsa Körner (Hermance , Frl. Mat. Grosmann (Tine), sowie den Herren uasd. Aladar Weiß (Fritz Bellman), M. W e i n st e i n (Schnepke > und Wilh. Zupnik in charakteristischer Maske (der alte Sänger, wurde besondere Anerkennung gezollt. Nicht unerwähnt darf auch Frl. Grete Schlag bleiben, die einige Gedichte: „Das Märchen vom Glück", „Rose und Fink" und „Der Schwur" stimmungsvoll deklamierte. 'Nach absolviertem Programm, unter Leitung der Vortragsmeisterin Frau Scdröde r, wurde bis zum Morgengrauen lustig getanzt. X. Ob. Wien. (Wohltätigkeits-Matinee.) Sonntag Nachmittag fand im Raimund-Theater zugunsten des Vereines zur Ausweisung armer jüdischer Schulkinder der Bezirke XII—XV eine Wohltäcigkeits-Matinee statt, welche einen glänzenden Verlauf nahm. Gegeben wurde 'Anzengrubers Bauernkomödie „Der G'wissenswurm". Ein elegantes Publikum füllte das Haus bis zum letzten Plätzchen und zollte den Mitwirkenden, besonders Frau Hansi Niese, Herrn Toller und Herrn K i r s ch n e r vollen und verdienten Beifall. Das Verdienst der Veranstaltung gebührt der rührigen Präsidentin, Frau Regine L a n d e i s. welche durch ihre aufopfernde Tätigkeit dem so überaus segenbringenden Verein ein hübsches Sümmchen zugeführt haben dürfte. Wien. (R a b b i n e r - I n st a l l i e r u n g.) Letzten Freitag- Abend, als am Eingang zu Sabbat-Schekalim, fand im Bethauslokale des Tempelvereines „S p i e g e l s ch u l e" in der Hammer-Pur gst a l l g a s s e die feierliche Installierung des Rabbiners Herrn I. L. dl b e l e s, als Nachfolger des heuer verstorbenen Rabbiners Liebmann, statt. Aus diesem Anlasse hielt Herr Rabbiner A b e l e s eine ausgezeichnete Antrittsrede, in der er, anknüpfend an die Bedeutung des „Halben Schekel", die wahren Grundlagen und Lebensbedingungen einer jeden Körperschaft klar und eingehend entwickelte und auf den Bestand einer Gemeinde, die ein Ganzes vorzustellen hat, zur Anwendung brachte. Der Redner sprach seinen Dank aus für die auf ihn gefallene Wahl und betonte feierlich, daß es sein ganzes Bestreben sein werde, die Traditionen dieser ehrwürdigen Gemeinde für Eintracht, Frieden und Konservatismus aufrecht zu halten und zu fördern. Die Rede des Rabbiners Abeles, welcher über ein klares und wohlklingendes Sprachorgan verfügt, war frei von jedem falschen, theatralischen Pat os und machte auf die Zuhörer einen nachhaltigen und tiefen Eindruck. Der Redner wurde am Schlüsse von den beiden Vereinsvorständen, Herrn Lichtmeß und Herrn Brody, sowie von allen Anwesenden vielfach herzlich beglückwünscht. Es sei noch bemerkt, daß Rabbiner Abeles der Vater des hier im IX. Bezirke als Gemeinderabbiner und Prediger fungierenden Dr. Abeles ist. — ss— Wien. Die Statuten des Vereines „Hebräische Sprachschule (Sephath Eber)" haben von Seiten der k. k. Statthalterei bereits die Genehmigung erhalten. Die Gefertigten beehren sich hierdurch, namens des vorbereitenden Komitees alle Freunde der hebräischen Sprache und ihrer Literatur zu der Mittwoch, den 15. d. M., abends */28 Uhr, im Kongreßbureau, IX., Türkenstraße 9, stattfindenden konstituierenden Versammlung ergebenst einzüladen. Für das vorbereitende Komitee: M. Markus, S. M e i s e l s, Os. I u e r, S. K o m e t, E. T o r c z y n e r, dlnton L ö w. Wien. Anläßlich des am 26. Februar d. I. am Zentralfriedhofe, israelitische Abteilung, stattgehabten Leichenbegängnisses des Herrn Bernhard Schick, Schwiegervaters des Nordbahnbeamten. Herrn Moriz Leimdörfer, hielt deffen Neffe, der zufälligerweise hier zu Besuch weilende Rabbiner Dr. M. E. P r o ß n i tz aus Mährisch-Schönberg, an der Bahre des Verblichenen einen erhebenden Nachruf, in welchem er deffen Frömmigkeit und sonstigen Tugenden, sowie die aufopfernde Pflege seitens seiner einzigen Tochter und Enkel würdigend hervorhob. Wien. Vergangenen Samstag hat Herr Oberkantor Sigmund Schwarz von der Klans-Synagoge in Prag im hiesigen Ottakringer Tempel einen Probevortrag mit großem Erfolge abgehalten. Sowohl der hohe umfangreiche Bariton des Vortragenden, wie auch seine schöne Vortragsweise und sein korrektes Leinen fanden vielen Beifall. Wien. Die Einweihung des neuen Betlokales (II., Stefaniestraße Nr. 2) des Vereines „Liviath Oben" fand am Sonntag Abend bei zahlreicher Beteiligung der Mitglieder uud Gäste statt. Nach dem Mincha- Gebete sang Oberkantor Seifert ans Baden mit seinem Chore den?

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