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Die Wahrheit · 1905-03-03 · Heft 9 (3.3.1905) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 9 (3.3.1905)
Date
1905-03-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
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■®n LLL'-NW^L^^ABSLSI Seite 8. Die Wahrheit. Nr.. 9. fürsten habe ich gefunden, gewesener Erzbischof von Olmütz mit > Namen Kohn, dessen Großeltern Juden waren, und in dieser Legion von Namensbrüdern befinde ich auch mich. Welche Komplikationen es bei diesen Anhäufungen von Kohns gibt, ist unsagbar. Ich ging neulich auf der Ringstraße spazieren, da rief jemand einen Herrn Kohn an. Sofort meldeten sich auf diesen Ruf zehn bis zwölf Personen und es dauerte einige Zeit, bis der Rufende den von ihm Gemeinten herausfand. Ich werde, da ich notdürftig von einigen Lektionen lebe, von meinem Vater zeitweilig mit Geld unterstützt. Eine solche Geldsendung blieb, da ich sie gerade am notwendigsten brauchte, längere Zeit aus. Ich meldete es dem Vater und erhielt umgehend ein Telegramm: „Bereits vor acht Tagen abgesendet." Auf meine Reklamation beim Postamt stellte es sich heraus, daß der Geldbriefträger schon bei fünf Isidor Kohn nachgesragt und den richtigen nicht gefunden habe. Nachdem ich mich legitimiert hatte, erhielt ich den Geldbrief. Letzthin, an einem Sonntage, bekam ich zugleich fünf Glückwunschschreiben zu meiner Verlobung. Leider war ich nicht der Glückliche. Ich sah den Annoncenteil der „Neuen Freien Presse" nach und fand: Isidor Kohn und Fanny Teweles, Verlobte. Ich stehe eines Morgens auf, als es an meiner Türe ungestüm pochte. Beim Oeffnen derselben erscheint eine Gerichtsperson mit einem Wachmanne und wollte bei mir eine Pfändung wegen unbezahlter Schneiderrechnung vornehmen. Ich protestiere dagegen, da ich keinem Schneider etwas schuldig sei. „Sind Sie nicht Herr Isidor Kohn?" fragte der Gerichtsbeamte. ..Jawohl, ich heiße so, da es aber so viele meines Namens gibt, so wird hier wohl eine Verwechslung stattgefunden haben." Dem Beamten leuchtete dieser Gedanke ein. Vielleicht war er schon bei manchem auf der unrichtigen Fährte gewesen, und er ging fort. An einem Abende ruft mich der Hausbesorger hinunter mit der Mitteilung, daß ein Fräulein mich zu sprechen wünsche, aber nur im Hausflur. Es war schon dunkel, das Gas noch nicht angezündet, da stand ein Mädchen und rief mir entgegen: ..Habe ich Dich endlich ausgeforscht, Du Verräter, Du Ungeheuer! Jetzt entkommst Du mir nicht mehr, bevor Du mir Rede und Antwort stehst, warum Du mich verlassen hast und Dich vor mir versteckst." Eine Flut von Vorwürfen nnd Schmähungen, unterbrochen von Schluchzen, folgt hierauf, ohne daß ich zu Worte kam. Endlich hatte sie ausgetobt und ich wollte mir den Spaß machen, aus der Situation Nutzen zu ziehen. Ich bat um Vergebung, gelobte Besserung und wollte einen Versöhnungskuß haben. Doch da hatte ich in ein Wespennest gestochen. Kaum hatte sie meine Stimme vernommen, als sie entsetzt zurückfuhr und ausrief: „Also wieder bin ich an den Unrechten Isidor Kohn gekommen. Ach! wie lange werde ich ihn noch suchen müssen?" „Sie aber," wendete sie sich an mich, „der Sie die Niedrigkeit haben, meinen Irrtum benützend die Rolle eines Anderen zu spielen, und mich beschämen, geben mir neuerdings den Beweis von der Falschheit der Männer," und hiemit rauschte sie von dannen. Die Reichsratswahlen wurden ausgeschrieben. Ich bin kein Wähler, da ich kein Einkommen beziehe, um davon Steuern zu zahlen, ein stellenloser Mensch, eine politische Null, und trotzdem wurde ich in den Wahltagen bestürmt, um für irgend einen Kandidaten zu stimmen, und die Türe stand nicht still vor lauter Agitatoren. Doch alles das sind Kleinigkeiten zu nennen im Vergleiche zu derjenigen Verwechslung, der ich einige Zeit hernach ausgesetzt war. Ich passiere den Stefansplatz, da ruft mich ein vorübergehender Bekannter bei meinem Namen. Wir hatten kaum einige Worte gesprochen, als ein Mann herantrat, der sich durch Vorzeigung eines kaiserlichen Adlers als Detektiv auswies, den Arm auf mich legte und mich für verhaftet erklärte. Ganz verblüfft fragte ich ihn, was ich verbrochen habe. „Sie sind," sagte er, „Isidor Kohn, der Kassier im Bankhause W., haben gestern einen Eingriff in die Ihnen anvertraute Kasse gemacht und wahrscheinlich im Begriffe, die Flucht zu ergreifen." „Ich bin . aber nicht.Kassier im genannten Bankhause, habe daher nicht gestohlen. Aber mein Name hat schon zu vielen. Verwechslungen Anlaß gegeben, daher auch diesmal ein Irrtum vorwaltet." „O!" sagte der Polizei-Agent, „so sprechen alle Verbrecher, wenn man sie festnehmen will. Ich habe strikten Befehl, Isidor Kohn zu verhaften, der Name wurde zu Ihrem Unglücke von jenen Bekannten genannt, auch Ihr Aeußeres paßt so ziemlich zu dem gegebenen Signalement, daher ich Sie nicht loslassen kann." Ich mußte demnach uolens vo1sn8 ihm solgen, und er führte mich ins Polizeigefangenhaus, in welchem ich 24 Stunden unter Dieben, Strolchen und sonstigem Gelichter zubrachte. Ihr könnt Euch, meine lieben Leser, leicht vorstellen, in welcher Seelenpein, in welch verzweifelter Stimmung ich mich befand.. Ich verfluchte meinen Namen, klagte meine Eltern, Voreltern Ahnen an, die mir ihn vererbten. Endlich nach dieser qualvollen Zeit, wurde ich am folgenden Tage vor den Polizeikommissär geführt und hier klärte sich der Sachverhalt auf. Der Chef des- Bankhauses, mit dem ich konfrontiert wurde, erklärte, daß ich nicht der Defraudant sei, ich wurde in Gnaden entlassen und man fahndete weiter nach dem wirklichen Ausreißer. Nach diesem-mich so erschütternden Vorfälle erfolgten wohl noch manche unangenehme Verirrungen, da sie aber nicht so erregter Natur waren wie die letztangeführte, so will ich die Geduld der Anwesenden nicht weiter ermüden. ' Nur über eine Verwechslung will ich noch berichten, denn sie hat einen entscheidenden Einfluß auf meine Existenz gehabt, und mit den Worten des Tauchers aus Schillers Ballade zu sprechen: „Sie war mir zum Heil, sie riß mich nach oben." (Schluß folgt.) Dolksivirtschafl. K. k. pr.v. Oesterreichische Credit-Anstalt für Handel und Gewerbe. Die neunündvierzigste ordentliche General-Versammlung der Aktionäre der k. k. priv, Oesterreichischen Credit-Anstalt für Handel uund Gewerbe findet Montag den 3. April d. I., abends 51/., Uhr, int großen Festsaale des Oesterreichischen Ingenieur- und Architekten-Bereine (I., Eschenbachgasse 9) statt. Gegenstände der Verhandlung sind: 1. Jahresbericht des Verwaltungsrates. 2. Bericht des Revisionsausschusses über den Rechnungsabschluß des Jahres 1904 und Beschlußfassung über denselben. 3. Beschlußfassung über die Verwendung des Reinerträgnisses des Jahres 1904. 4. Abänderung der Zß 2, 4, 15, 26, 30, 43, 56, 60, 74, 77 und 80 der Statuten. 5. Beschlußfassung über die Wahlen in den Verwaltungsrat nach §§ 23 und 24 der Statuten. 6. Wahl des Revisionsausschusses für das Jahr 1905. Die stimmberechtigten Herren Aktionäre, welche an der General- Versammlung teilzunehmen wünschen, werden hiermit eingeladen, ihre Aktien samt Coupons oder die deren Stelle vertretenden Depotscheine der Anstalt spätestens am 6. März d. I., als dem statutenmäßigen Endtermin, zu deponieren, und zwar: in Wien bei der Liquidatur der Anstalt (I. 2tm: Hof 6)~an Wochentagen von 9—12 Uhr, in Bozen. Brünn, Feldkirch, Innsbruck, Karlsbad, Lemberg, Prag, Reichenberg, Triest und Troppau bei den Filialen der Anstalt, in -Budapest bei der Ungarischen Allgemeinen Creditbank, in Berlin bei der Direktion der Disconto-Gesellschaft oder bei der Bank für Handel und Industrie, oder bei S. Bleichröder, oder bei Mendelssohn & Co., in Breslau bei dem Schlesischen Bankverein, in Dresden bei der Allgemeinen Deutschen Credit-Anstalt, Abteilung Dresden, in Frankfurt a. M. bei der Direktion der Diskonto-Gesellschaft oder bei der Filiale der Bank für Handel Und Industrie, in Hamburg bei L. Behrens & Söhne, in Köln bei Sal. Oppenheim jr. & Co., in Leipzig bei der Allgemeinen Deutschen Credit-Anstalt, in München bei Merck, Finck & Co., in Paris bei Os LstbsobUck Orsrss. K. k. Privileg. Allgemeine österreichische Boden-Credit- Anstalt. Die vierzigste ordentliche General-Vers am m l u n g findet am 11. April 1905 in Wien, I., Teinfaltstraße Nr. 8, Vormittags 10 Uhr statt. (* ^Berhandlungsgegenstände: a) Bericht des Gouverneur- Stellvertreters. b) Bericht der Zensoren, o) Beschlußfassung über die Gesellschaftsrechnungen und die Verwendung des Gewinnes (Art. 59, 66 und 67). ä) Wahl von Berwaltungsräteu. e) Wahl eines Zensors. In dieser General-Versammlung sind jene Herren Aktionäre stimmberechtigt, welche mindestens einen Monat vor dem Zusammentreten derselben, daher bis längstens' 10. März l. I., fünfzig Aktien (Jnterimsscheine) nebst Koupons im Sinne des Art. 24 der Statuten bei der Kasse der Gesellschaft in Wien (Teinfaltstraße Nr. 8) oder in Paris (Place Vendome Nr. 16) deponieren.

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