Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1905
- Issue
- Heft 9 (3.3.1905)
- Date
- 1905-03-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seiü 6. Die Wahrheit Nr. 9. auch auf das Niveau menschlicher Leidenschaften und Triebe herab; sie waren oft nichts mehr als Kraft- oder Uebermenschen, mit allen Gebrechen, Mängeln und Schwächen der Erdbewohner behaftet. Den heidnischen Völkern war auch nicht das sittliche Bewusstsein die Quelle ihrer religiösen Ueberzeugung, ihres Glaubens an eine hehre Wesenheit. Der Götzenkult war vielmehr der Ausfluß einer Gemütsdepression, veranlaßt durch die Ohnmacht gegenüber der elementaren Gewalt der Natur und ihrer Ereignisse, durch das beängstigende Gefühl vor dem strafenden Arme der zürnenden Götter und ihrer in Naturkatastrophen sich verkündenden Gewalt. Moses aber lehrte, Gott Dank-, Löb- und Bittgebete darzubringen, ER möge in seiner Allgüte und Aübarmherzigkeit den Menschen den Weg eines tugendhaften, sittlichen Lebenswandels erleuchten. Nicht der Erniederung und Demütigung vor der allgewaltigen Natur, sondern der Erhebung und der Erbauungan dieser großartigen Schöpfung galt die religiöse Ueberzeugung Moses, aus welcher die Anhänger und Verehrer seiner Lehre Mut und Hoffnung für das Leben schöpfen sollen, um die schweren Schicksalsschläge, in welchen nur Prüfungen Gottes erblickt werden müssen, in Geduld und Demut zu tragen und dadurch das Vertrauen und den echten, ungeheuchelten, unerschütterlichen Glauben an Gott und seine Vorsehung zu betätigen. So ward die Lehre Moses der lebendige Born, aus welchem das Judentum in den Zeiten der größten Verfolgung, Beraubung und Ermordung Kraft und Ausdauer schöpfte, auf Dem ihm durch seine göttliche Mission angewiesenen Posten auszuharren, von demselben nicht zu weichen. Längst sind die heidnischen Völker des Altertums vom Erdboden verschwunden, vom Schicksalssturme hinweggefegt worden; nur das in alle Weltecken zerstreute, durch seine verschwindende Minderheit zu jedem Widerstande unfähige Judentum vermochte standzuhalten und wie ein Fels inmitten der Wogen des brandenden Meeres sich zu behaupten. Das geistige Band, welches der unerschütterliche, feste Glaube art einen wahren, übersinnlichen Gott um den in tausende über die ganze Erdoberfläche verstreute Atome aufgelösten jüdischen Volkskörper schlang, erwies sich stärker und fester, als alle irdische Macht und Gewalt und wird auch in der Zukunft es können. Dürfen wir unseren tausende Jahre so kraft- und ruhmvoll blank und hehr gehaltenen Schild, unsere geistige, einzige Schutzwaffe, die unfern Vätern in den Zeiten der größten Stürme, der höchsten Bedrängnis nicht entwunden werden konnte, unsere heilige jüdische, durch die Lehre unseres größten Propheten, Moses, uns verkündigte Tradition, um eines irdischen, vorübergehenden, äußeren, unseres inneren Lebensglückes uns oft beraubenden Vorteiles leichtfertig und vielleicht gar mutwillig aus der Hand geben und das mächtige Band, das uns mit unserer ehrwürdigen Vergangenheit und unseren Vätern verbindet, lockern oder gar lösen??! Verschiedene Nachrichten. Wien. Freitag abends, den 3. März d. I., Predigt im Leopoldstädter Tempel. Wien. Der Senior der Bethausvorsteher der Wiener Kultusgemeinde, Herr Adolf Stiaßny, beging vor kurzem seinen 80. Geburtstag, doch hatte sich der Jubilar in seiner bekannten Bescheidenheit alle Ehrungen verbeten. In den Kreisen des Vorstandes zirkuliert eine Adresse für den Jubilar und Samstag wird im Restaurant Khuner ein Bankett stattsiuden. Wien. (Oesterreichisch-Jsraelitische Union.) Montag, den 6. März d. I., präzise V28 Uhr abends, findet im Saale des „Hotel Guch", H., Stefaniestraße 14, eine Plenarversammlung der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" mit folgender Tagesordnung statt: 1. Mitteilungen des Vorsitzenden. 2. Vortrag des Schriftstellers Dr. Hugo Ganz: „Bilder aus dem Osten." (Das ostjüdische Problem.) 3. Anträge und Interpellationen. Angesichts der aktuellen Wichtigkeit des genannten Themas ist auf einen zahlreichen Besuch der Versammlung zu rechnen. Wie«. Wie verlautet, ist der siebente Zionisten-Kongreß für den 27. Juli, den Todestag Herzls (nach jüdischem Kalender) in Basel angesetzt. Es sollen auf demselben zur Verhandlung gelangen: Teilreform des bestehenden Organisationsstatuts und Diskuffion des bis zum Kongreß vorliegenden Berichtes der nach Ostafrika entsendeten Kommission, die gegenwärtig das eventuell zu besiedelnde Gebiet und seine Tauglichkeit zur Kolonisation untersucht. Wien. (Wiener Iüd is ch e To y n b e e-H alle, XX., K a r aj a n g a s s e 20.) Vortragsordnung: Sonntag, 5. März: Konzert. Montag, 6. März, Dr.H. Stransky: Deutsche Literaturgeschichte. II. Dienstag, 7. März, H. L ö w: Hermann Sudermann. Mittwoch, 8. März, Professor Dr. Königstein: Unser Auge. Donnerstag, 9. März. Dr. S. Werner: Ein Kapitel jüdischer Geschichte. Freitag, 10. März: Bibelerklärung. Samstag, 11 März: Konzert. Wie«. Sonntag, den 5. März 1905, präzise 7 Uhr abends, findet im Beth Hamidrasch, Wien, II., Große Schiffgasse Nr. 8, die ordentliche Generalversammlung des Unterstützungs-Vereines „Tomech Ewjonim“ mit folgender Tagesordnung statt: 1. Erstattung des Rechenschaftsberichtes; 2. Wahl des Vorstandes und 2 Revisoren; 3. Eventuelles. Wien. (Voranzeige.) Der Kranken-Unterstützungs-Verein „Liwias Chen" beehrt sich hiemit die Uebersiedelung seines Vereins- Bethaus-Lokales anzuzeigen, welches sich fortab, H., Stefaniestraße 2 (Stefaniehof) zu ebener Erde befindet, in einem zu einer ansehnlichen gottgeweihten Stätte modern eingerichteten, lichten und geräumigen Lokale. Wir laden somit die Herren p. t. Mitglieder, Gönner und Förderer unseres Vereines ein, zu der aus diesem Anlasse am Sonntag, den 5. März a. c., 5 Uhr nachmittags stattfindenden feierlichen Einweihung, bei welcher Se. Ehrwürden Herr Rabbiner M. Mayersohn und Oberkantor Herr M. Seifert aus Baden funktionieren werden. Der Vorstand. Wien. Letzten Freitag abend und Samstag früh fand im Tempel des XVI. Bezirkes der Probevortrag des Herrn M. Matyas, Oberkantors von Neupest, statt und hat die Leistung des jungen Kantors alle Erwartungen übertroffen, welche man berechtigterweise an ihn knüpfte. Herr Matyas verfügt über ein ganz seltenes Stimmmaterial, verbindet den Kunstgesang mit reichem liturgischem Können und hat in der Vereinigung des modernen Vortrags und der alten Weise sensationellen Beifall gefirnden. Wien. Der lit. Geselligkeitsverein jüd. Mädchen „Moria" veranstaltet Sonntag den 5. März einen literarischen Nachmittag. Referent ist Herr Dr. Hermann Kadisch und spricht über das Thema: „Die Judenfrage und die soziale Lage." Beginn präzise 3l/2 Uhr nachmittags, im Kongreßsaale IX., Türkenstraße 9. Gäste herzlich willkommen. Wien. Oberkantor D. Schlamm hielt vergangenen Samstag im Tempel Fugbachgasse einen Vortrag und hat sowohl durch seine klangvolle schöne Stimme als auch durch seinen effektvollen Vortrag allgemeine Anerkennung gefunden. Wien. Der akademische Verein der spanischen Israeliten in Wien „Esperanza" veranstaltet Samstag, den 4. März, im großen Festsaale des „Hotel Metropole", wie alljährlich, das „E s p e r an z a-K r ä n z ch e n", das gewiß auch heuer seinen Ruf als Elitekränzchen der Wiener Gesellschaft bewähren wird. Wien. Sonntag, den 5. März, findet im „Ballsaale Ronacher" eine Tanzakademie des bestbekannten Tanzinstitutes H e i m a n n - Singer (H. Praterstraße 43mit anschließendem K o st ü m - K r ä n zch e n (ohne Kostümzwang) statt. Entree per Person im Vorverkauf X 2.—, an der Kassa X 5.—. Wien. Dienstag, den 7. d. M., 8 Uhr abends, findet in Herlinger's Saallokalitäten, II., Taborstraße 36, ein Konzert zu Gunsten hier weilender Russen, bei welchem tüchtige Kräfte Mitwirken werden, statt. Karten sind im Cafe Zentral, H., Taborstraße 25 und im Restaurant Herlinger zu haben. Wien. Der Herausgeber des Werkes „Ekew-An owo“r bec den ganzen Erlös dem Vereine zur Unterstützung armer kranker Israeliten gewidmet hat, spricht hiemit den Herren Spendern im Namen des Vereines seinen Dank aus. Bisher liefen folgende Spenden ein: Ackermann, Rabbiner, Brandenburg X 3-51. Adler Emil Dr., Wien X 2.—. Antscherl Mor. Prof. X 3.-. Artell Naftali X 4.—. Auspitz Theodor X 4.—. Axelrad I. X 5.—. Bamberger X 3.—. Bardowitz Leo Dr., Rabbiner, Mödling X 3.—. Baumwald L. X 5.—. Bels I. M. X 2.— . Berger Alfred Dr. X 10.—. Bettelheim Gottl. X 10.—. Bernfeld Adolf X 5.—. Blau Jakob X 2.—. Blau L., Wsetin X 1.—. Bondi Markus X 10.—. Bondi Hugo, Frankfurt a. M. X 5.87. Bondi Josef Dr. X 2.—. Brach Saul, Rabbiner, Nagy-Magyar X 1.—. Brodi L. X 5.—. Breier Georg, Eisenstadt X 5.—. Bunzlau Rudolf Dr. X 4.—. Bibliothek des Rabbiner-Seminars Berlin X 3.51. Biß, Boskowitz X 4.—. Bloch I. S. Dr. X10.— Chewra-Kadischa, Raab X 10.—. Cohn Salo X 20.—. Deutsch A. Dr., Rabbiner, Prag X 2.—. Deutsch A., Baden X 2.—. Diamant Salomon, Vag-Ujhely X 2.40. Dukesz Ed.. Rabbiner, Altona X 6.—. Ehrenfeld Dr., Rabbiner, Prag X 2.—. Ehrenfeld Jakob X 5.—. Engel Michael X 10.—. Feilbogen Dr. X 4.—. Felsenberg M. & S. X 10.—. Fischer Josef X 1.—. Fleischer Max, k. k. Baurat X 4.—. Frankfurter Dr. X 3.—. Frankl Dr. X 2.—. Friedmann Mayer, Lektor X 2.—. Friedmann S., Rabbiner X 2.—. Freistadt X 2.—. Gabriel I., Eisenstadt X 5.—. Gerstl Ludwig X 2.—. Groß Simon, Raab X 2.—. Grünfeld Dr. X 3.—. Goldmann Brüder X 10.—. Goldschmidt Josias X 2.—. Gstettner Lazar, Preßburg, X 4.—. Heit S. X 10.—. Heller Wilhelm X 2.—. Herzl Sigmund, Raab X 10.—. Hildesheimer M. Dr., Rabbiner, Berlin X 5.—. Hildesheim Arnold Dr. X 10.—. Hirsch Aron & Sohn, Halberstadt X 10.—. Hirsch Benjamin X 5.80. Hirsch Leopold X 2.—. Hofmann Bernat, Neutra X 5.— - Hofmann Max X 2.—. Hofbauer X 5.—. Hönigsbeer L., Mattersdors X 2.—. Herlinger Ignaz X 5.—. Jeiteles Bertold Dx., Prag X 2.—.