Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1905
- Issue
- Heft 8 (24.2.1905)
- Date
- 1905-02-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 8. Die Wahrheit. Nr. 8. Gemeinde dokumentierte damit, daß sie versteht, ihre vorzüglichen Söhne, j ans welche sie stolz ist, nach Gebühr zu würdigen und die richtige Wert-! schätzung zum Ausdrucke zu bringen. Herr Wolner dürfte vielen Männern in Israel als Musterbild gelten, daß die Größe der Männer nicht darin besteht, wenn sie in der Großstadt namhafte Stellung einnehmen und gar irgend welches Ehrenamt bekleiden, sie von ihrem Ursprünge, woher sie eigentlich stammen und wo ihre Wiege gestanden, nichts mehr wißen wollen, oder gar wie manche, die aus kleinlichen, nichtssagenden Gründen von ihrer Heimat mit Verachtung sprechen und ihr Bestreben darnach gerichtet ist, in dem großen Kreise Äemter und Würden zu erreichen, während sie die Gemeinde, der sie so manches verdanken, vergesien. Wahre Seelengröße vergißt nie den Ort, woselbst die ersten Liebesworte der Eltern und Spielgenoffen zu vernehmen waren. Ein eklatantes Beispiel ist hiezu Herr Samuel Wolner, den der himmlische Vater noch zahllose Jahre zum Stolze seiner Familie und Vaterstadt und zur Zierde der Menschheit erhalten möge. Budapest DiePesterChewra-Kadischa hat in ihrer unlängst abgehaltenen außerordentlichen Generalversammlung die Wahl des Ausschußes dieses so überaus segensreich wirkenden Vereines vorgenommen. Die Kandidatenliste, die von dem unter dem Präsidium des Hofrates Berthold Weiß entsendeten Kandidationskomitee festgestellt worden war, wurde unverändert angenommen. Den Wahlakt leitete Wahlpräsident Robert Auer. Die Wahl begann um 9 Uhr vormittags und endete erst abends 6 Uhr. Die Beteiligung war eine überaus rege. Während in den früheren Jahren höchstens 460 Wähler erschienen, wurden diesmal 1194 Stimmen abgegeben. Nachstehend die Liste der Gewählten: Jakob Almasi, Karl Back, Dr. Josef Banoczi, Simon Barber, Prof. Dr. Jonas Baron, Ludwig Baumgarten. Ferdinand Beck de Madaras, Arthur V. Bloch, Isidor Blockuer (neu), Jakob Boschan, Dr. Philipp Braun, Karl Jakob Braun /ncu>, Sigmund L. Breitner, Leopold Bricht, David Brust, Alexander Deutsch de Halom, Moriz Drucker, Dr. Julius Frenkel (neu), Josef Freund (neu), Dr. David Fuchs ^neu), Ladislaus Fürst de Maroth <neu), Michael Goldmann, Karl Gomperz, Sigmund Groß, Max Grünbaum, Nathan Halaß, Jakob Hirsch (neu), Sigmund Horvath, Alexander Hatvany-Deutsch, Sigmuird Hehfeld, Emanuel Herzfelder, Max Herzl, Samuel Horner, Jakob Kann, Dr. Max Kelemen, Leopold Keppick, Sigmund Julius Klein (neu), Jakob H. Klein, Leopold Klein, Adolf Kleinmann, Arnold Kohn, Josef Kohn, Wilhelm Kohn, August Kohner, Heinrich Kohner, Max Kramer, Moriz Kunstädter, David Leitersdorfer, Moriz Lemberger, Mayer Lichtschein, Moriz Lindenbaum, Dr. Armin Links, Aodlf Löwy, Eduard Lustig (neu), Dr. Paul Mandel, Ignaz I. Mandl, Moriz Mandl, Adolf Mauthner, Max Meitner, Jakob Messinger, Moriz Müller, Abraham Nagler, Kurialrichter Dr. Ignaz Neuberger de Hlinik, Hosrat Dr. Armin Neumann, Max Oesterreicher, Stefan Popper, Julius Preger, Dr. Adolf Renner (neu), Dr. Moriz Rethy, Moriz Rosenberg. Oskar Rust de Rußt (neu), Dr. Josef Salgo (neu), Ignaz Salzer, Abgeordneter Paul Sandor, Bernhard Singer, Magnat Karl Svab, Dr. Sigmund Schiller, Ignaz Schlesinger, Franz Schwarcz (neu), Dr. Julius Schwarcz, M. L. Schwarcz, kön. Rat Martin Schweiger, Bernhard Spitzer (neu), Ignaz Spitzer, Hofrat Prof. Dr. Moriz Steller, Armin Straffer (neu), Ludwig Strauß, Armin Szabo (Schreyer) (neu), Prof. Dr. Adolf Szili de Szilsarkany, Gustav Taub, Dr. Rudolf Temesvary (neu), Bela Wahl (neu), Abgeordneter Josef Veßi, Adolf Weiner, Salomon Weiner tneu), Hofrat Dr. Philipp Weinmann, Dr. Jakob Weiß, Mänfted Weiß de Csepel, Emanuel I. Weiß, Josef Weltner, Albert Wertheimer, Dr. Moriz Wittmann, Josef Wolfner de Ujpest, Ludwig Wolfner de Ujpest, Julius Winterberg, Josef Zwack. Zum Schluffe votierte die Generalversammlung dem Leiter des Wahlaktes Robert Auer Dank für seine unparteiische Mühewaltung. Budapest. tAd els v er l e ih un g.) .Die Sonntagsnummer des ungarischen Amtsblattes veröffentlicht ein a. f). Handschreiben, welches den Chefs der Budapester Eisengroßhandlungsfirma Hermann A. Frankel & Böhne, Gottlieb und Heinrich Frankel und ihren gesetzlichen Nachkommen in Anerkennung ihrer Verdienste auf dem Gebiete der Volkswirtschaft den ungarischen Adel mit dem Prädikat „de V a s v a r" taxftei verleiht. Budapest. (Kongreß der israelitischen Orthodoxen.) Die „Bud. Korr." meldet auf Grund authentischer Informationen: Die orthodoxe Partei der israelitischen Religionsgenoffenschaft hat im Wege der. orthodox-israelitischen Durchführungs - Kommiffion beschlossen, für den 27. d. M. nach Budapest einen Landeskongreß eiuzuberufen, in welchem die Modifikation des israelitisch-orthodoxen Organisationsstatuts beraten und die Wahl des Präsidenten der Durchführungs-Kommission vorgenommen werden soll. Da jedoch laut den auf die Regelung der jüdischen Religionsverhältniffe bezüglichen Statuten die Israeliten orthodoxer Richtung, keinen besonderen Kongreß haben und es — da die Veranstalter des Kongreffes zur Abhaltung eines solchen Kongreßes an kompetenter Stelle weder um Erlaubnis, noch auch um Ermächtigung gebeten haben — nicht konstatiert werden kann, ob die geplante Modifikation des Organisationsstatuts nicht geeignet ist, eine Störung der Einheit der israelitischen Religion herbeizuführen, ist der in Aussicht genommene Kongreß lediglich als eine Konferenz privaten Charakters zu betrachten. Literatur. „Die Stimme der Wahrheit", Jahrbuch für wissenschaftlichen Zionismus, nennt sich ein zionistisches Sammelwerk, deffen erster Jahrgang demnächst in der Verlagsbuchhandlung von N. Philippi in Würzburg erscheinen wird. Das umfangreiche, sorgfältig vorbereitete und in jeder Hinsicht vornehm ausgestattete Sammelwerk repräsentiert den ersten Versuch, die alle Gruppen des Judentums lebhaft interessierenden Probleme des Zionismus in wissenschaftlich vertiefter Weise vom zionistischen und nichtzionistischen, vom jüdischen und christlichen Standpunkte zu beleuchten. Die hervorragendsten Vertreter aller Richtungen im Zionismus haben sich mit ausführlichen Arbeiten eingestellt: Neben Dr. Max Nordau, Dr. Alfred Noffig, Israel Zangwill, M. Uffischkin finden wir Oskar Marmorek, Heinr. Dork-Steiner, Dr. K. Lippe, Dr. Daniel Pasmanik, Mathias Acher (Dr. Natan Birnbaum), Dr. Adolf Kurrein, Prof. Dr. Israel Friedländer, Dr.. Martin Buber, Dr. Osias Thon, Dr. M. Aschkanaze, Dr. M. I. Berdyczewski, Dr. Jakob Thon, Dr. D. Fink, Dr. Arthur Ruppin und eine Reihe anderer zionistischer Schriftsteller. Die Bedeutung dieser Aufsätze ist umso größer, da ja der Zionismus seit dem Auftauchen des Ugandaprojektes und dem Ableben Dr. Theodor Herzls in einer Uebergangsphase sich befindet und nach einem neuen Programme ringt. Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden. Die erste Nummer der vom Bureau für Statistik der Juden, Berlin-Halensee. Westfälische Straße 46, herausgegebene „Zeitschrift, für Demographie un.d Statistik der Judeu" ist soeben erschienen. Die Zeitschrift bringt im Hauptteil größere Originalabhandlungen,. im „Statistischen Archiv" zuverläßige, quellenmäßig belegte, statistische und demographische Nachrichten über die Juden aus aller Herren Länder. Der einleitende Artikel „ZurphysischenAnthropologieder Juden", stammt aus der Feder des Berliner Anthropologen Prof. v. Luschan„ bekanntlich einer ersten Autorität auf dem Gebiete des jüdischen Rassenproblems. Der Kopenhagener Statistiker Julius Sulomon ist mit einer Abhandlung über die Mischehen in Kopenhagen, Dr.. Arthur Ruppin mit einer solchen über die Kriminalität von Juden und Christen in Deutschland vertreten. Sehr reichhaltig ist das „S t a t i st i s ch e Archiv", bas Mitteilungen über die Bevölkerungsziffer, die Bildungs- und Berufsverhältniffe. die Bevölkerungsbewegung, die Einwanderung der Juden aus Deutschland, Oesterreichs Ungarn, Italien, Dänemark, den Vereinigten Staaten, Indien u. s. w. enthält. Die Zeitschrift bezeugt durch ihren Inhalt am besten, daß tatsächlich ein Bedürfnis für ein solches statistisches Organ vorlag. Das wird auch noch dadurch anerkannt, daß zahlreiche hervorragende Fachmänner als Mitarbeiter der Zeitschrift genannt werden. Der Abonnementspreis beträgt 6 M. für das ganze Jahr, 3.50 M. für das halbe Jahr. Bestellungen sind direkt an das „Bureau für Statistik der Juden", Berlin- Halensee, Westfälische Straße 46, zu richten. Das neueste Heft von ,Oft und Weft^, illustrierteMonatsschrift für modernes Judentum (Verlag von „Ost und West", G. m. b. H., Berlin NW. 23, Altonaerstraße 36), welches deu V. Jahrgang eröffnet, bringt eine reiche Fülle von interessanten Beiträgen. An der Spitze steht ein Aufruf an die weitesten Kreise des jüdischen Publikums, insbesondere an die jüdische Jugend zum' Sammeln von Materialien zur „jüdischen Volkskunde" — Lieder, Melodien, Sagen, Volksbräuche, — welche „Ost und West" fortan in ausgiebigerem Maße zu pflegen sich vorgenommen hat. Im Anschluß bringt das Heft eine prachtvolle jüdische Volksmelodie nebst dazugehörigem Text, bearbeitet von H. L i w s ch ütz, und den Anfang einer Serie „Aus der jüdischen Sagen-und Märchenwelt" von B a r A m i, der einige herrliche Vol^erzählungen bietet, die einen tiefen Einblick in das Weben der jüdischen Volksseele gewähren. Zwei bereits früher in dieser Zeitschrift veröffentlichte Volkssagen hat M. A. Klausner poetisch bearbeitet. A. Ben-Esra behandelt in einem Aufsatz „Philosophie der Zerstreuung" eine der brennendsten jüdischen Fragen der Gegenwart. Lesser Urys Schaffen, von dem eine jüngst bei Keller & Reiner in Berlin eröffnete Ausstellung von über 70 Gemälden des Meisters eine glänzende Uebersicht bietet, behandelt der bekannte Kunstkritiker M. R a ps i l b e r in geistvoller und erschöpfender Weise. Prof. Dr. A. Wünsche bringt eine feinsinnige Abhandlung über die Poesie der Bibel. Eine besondere Aufmerksamkeit verdient die ergreifende psychologische aus dem. Hebräischen übersetzte Novelle „Das große Los" von S. F r e i d k i n. Neueste Erscheinungen: Splettstoisser W.: Biblische Geschichte für die Vorschulen: höherer Lehranstalten. Berlin 1905. Trewitsch's Sohn. Pfg. 60. W e r n e ck e Robert: „Der biblische Geschichtsunterricht in deu Volksschulen." IH. Oberstufe. Bearbeitet von Rich. Wiener. I. Teil des alten Testaments. Delitzsch 1905. R. Pabst. Mk. 1-60, geb. in Lwd. Mk. 2. Funk Dr. Salomon: Das Grundprinzip des biblischen Strafrechtes nach Maimonides und Hofrat Müller. Zum 700 jährigen Todestage Moses Maimonides. Berlin 1904. M. Poppelauer. Pfg. 60. (Ausführliche Besprechung obiger Werke Vorbehalten.) Der kleine Wunderarzt. Ein russisch-jüdisches Märchen. Erzählt von Armin Wilkowitsch. Der kleine Dan schnürte sein Ränzlein, nahm den Wanderstab zur Hand und zog auf „gut Glück" in die weite Welt hinaus. Was sollte der arme Knabe auch noch länger in seinem Geburtsstädtchen machen? Sein Vater fiel im Kriege für Kaiser und Vaterland, und seine Mutter, die den Gatten mit allen Fasern ihres Herzens liebte, vermochte den herben Schlag nicht zu überwinden und starb an gebrochenem Herzen. Der kleine Dan blieb ganz einsam in der Welt. Wohl luden ihn die