Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1905-02-17 · Heft 7 (17.2.1905) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 7 (17.2.1905)
Date
1905-02-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3062972-3063265-3063272--03531-3070295
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 7. Die Wahrheit. Seite .7 Moses wies auch darauf hin, wie hoch belohnt und gesegnet Noa wurde für seine Widerstandskraft gegen Verführung, indem er gleichsam zweiter Stammvater der Menschheit wurde und ihm auch fast derselbe Segen und die Befugnis des Herrschens mber alle Lebewesen, wie dem Adam, zuteil ward. (I. M. 9,1—3.) Aber. auch darauf wies Moses hin, wie leicht auch der Besten einer fehlen und welche Folgen auch das unscheinbarste Fehlen nach sich, ziehen kann: „Noah trank von dem Weine und ward trunken" rc. I. M. 9, 20—27. (Schluß folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien Sonntag, den 12. d. M., */45 Uhr abends, veranstaltete der Vorstand der israel. Kultusgemeinde im Tempel in der Seitenstettengaffe ein Requiem für den kürzlich verstorbenen ehemaligen Präsidenten der Kultusgemeinde, Herrn kais. Rat Heinrich Klinget. Das schwarz drapierte Gotteshaus zeigte sich, wie immer bei außergewöhnlichen Anlässen, viel zu klein, um die zahlreichen Trauergäste zu fassen. Außer der Familie des Verblichenen waren der gesamte Vorstand der Kultusgemeinde unter Führung des Präsidenten Dr. Alfred Stern und der Vizepräsidenten Dr. Gustav K o h n und kais. Rat Moriz Hirsch, die Obmänner .faft sämtlicher Wiener Bethans- und Hnmanitätsvereine, sowie zahlreiche hervorragende Persönlichkeiten der Wiener Gemeinde anwesend. Nach Ausführung des großen.Sulzer'schen Requiems durch Oberkantor Singer unter Assistenz des unter persönlicher Leitung des Chormeisters Professor Sulz er stehenden verstärkten Chores hielt Oberrabbiner Dr. Gütern a n n die Gedächtnisrede, in welcher er das ausgezeichnete Wirken des verstorbenen Präsidenten mit treffenden Worten zeichnete. Wien. (Vortrag ans jüdischer Geschichte.) Donnerstag, den 23. Februar 1905, präzise l/s8 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architekten-Vereines, I., Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Dr. A. Kaminka statt. Thema: Josephus Flavins. Eintritt frei ohne Karten. Wien. Sonntag, den 12. Februar, 11 Uhr vormittags, fand im Sitzungssaale des Tempels, VIII., Neudeggergaffe 12, die diesjährige ordentliche Generalversammlung des „Israel.Franen-Wohltätigkeits-Vereines im VIII. Bezirke der Stadt Wien" statt, an welcher als Vertreter der .Kultusgemeinde Herr Baurat Ritter von Go 1 dschmidt. ferner Herr kais. Rat Dr. Ko hn, Herr Gemeiuderat Donat Z iss e rer und Frau, Frau kais. Rat Schesstel, Frau Koppstein und viele Vereinsmitglieder teilnahmen. Die verdienstvolle Präsidentin des Vereines, Frau Amalie B e ck, begrüßte zunächst die erschienenen Gäste und Vereinsmitglieder und erstattete sodann ausführlichen Bericht über die Tätigkeit des Vereines im abgelaufenen Jahre, der namhafte Beträge zur Unterstützung armer kranker und in Rekonvaleszenz befindlicher Frauen auswandte, sich wie alljährlich an der Aktion des „Verbandes zur Unterstützung armer jüdischer Wöchnerinnen" mit einem Jahresbeiträge beteiligte, Zinsbeiträge bewilligte und außerdem noch 140 arme Kinder mit Winterkleidern versorgte. Entsprechend der zunehmenden Tätigkeit des Vereines wurde die Zahl der Vorstandsdamen von 10 aus 18 erhöht. Baurat Ritter von Goldschmidt beglückwünschte den Verein namens der Kultusgemeinde zu seiner. außerordentlich ersprießlichen Wirksamkeit und hieraus'wurde der Jahresbericht und der Rechnungsabschluß genehmigend zur Kenntnis genomnien und die Neuwahl des Vorstandes vollzogen. Nach Erledigung der Tagesordnung hielt kais. Rat Dr. Kohn einen Vortrag über die geplante Bereinigung der Wiener Wohltätigkeitsvereinc, dem die Versammlung zustimmenden Beifall zollte. Wien. Dienstag, den 14. d. ist Herr Moriz Holzmann, der Vater des Amanuensis an der Wiener Universitäts-Bibliothek Herrn Dr. Michael H o l z m a n n, nach kurzem Krankenlager im 75. Lebensjahre gestorben. Dem trostlosen Sohne, der mit seltener Liebe an dem alten Vater hing, wenden sich allgemeine Sympatien zu. Die Leiche wurde zur Bestattung in den Heimatsort Piesling in Mähren überführt. Wien. (Wiener JüdischeToynbe e-H alle, XX., K a rasa n g a s s e 20.) Bortragsordnung: Sonntag, 19. Februar, Dr. Leopold Kohn: Messianität und Judentum. Montag, 20. Februar, Doktor H. S t r a n s k y: Thema Vorbehalten. Dienstag, 21. Februar, M. Berkowicz: Die Frau im jüdischen Schrifttum. Mittwoch, 22. Februar, Pros. Dr. I. P o l l a k: Bau und Verrichtung der Sinneswerkzenge. Donnerstag, 23. Februar, Dr. Alex. Hausmann: Das Geld. Freitag, 124. Februar: Bibelerklärung. Samstag, 25. Februar: Konzert. Sonntag, 26. Februar, Pros. Dr. W. Jerusalem: Der Ursprung der Sprache. Wien. Die Bereinslokalitäten des Indischen Schulvereines für den IX. Bezirk befinden sich ab 9. Februar, IX, Glasergasse 24. Wien. (BereinzurHebung derGewerbe.s Am Samstag den 18. Februar, 8 Uhr abends, findet in Khuners Restauration, I., Adlergasse 6. eine Experten-Versammlunz statt. Tagesordnung: 1. Vorschläge über Verbesserungen der empfehlenden Verzeichnisse. 2. Diskussion über allgemeine gewerbliche Angelegenheiten. Wien. (Literarischer Geselligkeitsverein jüdischer Mädchen „Moria".) Sonntag, den 19. d. M., wird Herr Hermann Blumenthal, Schriftsteller, eine Vorlesung „Eigener Dichtungen" halten. Beginn 3*4 Uhr nachmittags, im Kongreßsaale, IX., Türkenstraße 9. Gäste herzlich willkommen. Wien., (Markus Weißmann.) In den nächsten Tagen — um Klein-Purim herum — wird der bestens bekannte Gelehrte und jüdische Dichter und Schriftsteller, Herr Markus W e i ß m a n n, seinen 75jährigen Geburtstag und das fünfzigjährige Jubiläum seiner schriftstellerischen Tätigkeit begehen. Wer Markus Weißmann ist, brauchen wir unseren Lesern nicht erst zu sagen. Sein Name gehört seit einem vollen Halbjahrhundert der hebräischen modernen, aber doch nicht modernisierenden Literatur an und ist in den jüdischen Gelehrtenkreisen unter dem Namen »n"!Q" — die Abbreviatur von Markus Weißmann Chajuth — durch zahllose poetische und prosaische Schriften, die zu den besten Erzeugnissen des Geistes gehören, populär geworden. Eines seiner größern selbständigen Werke ist das Geist und Herz erfrischende, poetische Buch cn'T' C'ö^n '“Cn aus Grund der vom Dichter tief ausgesaßten Massvrah als die Frucht ernsten jahrelangen Fleißes anzusehen, welches einen bleibenden literarischen Wert besitzt. Mit der Tiefe seines Wissens verbindet Herr Weißmann die gewinnendste Bescheidenheit und die einen wahren Weltweisen kennzeichnende Anspruchslosigkeit, die von allen edlen Menschenfreunden um so größere Anerkennung und Würdigung verdient, als der greise Jubilar nur zu oft unter bedrängten Berhältniffen mit der Not des Tages zu kämpfen hat und sich glücklich schätzen wird, wenn Freunde und Schätzer der hebräischen Literatur ihm durch Anschaffung des vorerwähnten, wahrhaft gediegenen Buches, welches vom Verfasser, Wien. II., Zwerggasse 5, zum Preise von K 3 zu beziehen ist, eine verdiente Förderung in seiner materiellen Lage zukommen lassen möchten. Dem Verdienste seine Krone! ss— Wien Mittwoch, den 22. Februar, 7 Uhr abends, findet in den Saal-Lokalitäten „zum goldenen Widder", II., Taborstraße 36, die 25. ordentliche General-Versammlung desLeopoldstädter.Kranken-Unterstützungs- Bereines „N ä ch st e n l i e b e" statt. Wien. Der humanitäre Geselligkeitsverein der Büg-Szereder in Wien veranstaltet Sonntag, den 19. Februar, V»9 Uhr abends, im Festsaale „(Bayrischer Hof)" II., Taborstraße, eine Wohltätigkeits-Akademie verbunden mit Tanzkränzchen. Das Reinertrügnis fließt dem Fonde des Vereines zur Errichtung eines Altersversorgungs- und Siechenhauses in Vüg-Szered zu. Wien. (Verein jüdisch-jugendlicher A r b e i t e r, IX., Türkenstraße 9.) Sonntag, den 19. Februar 1905, um 3 Uhr nachmittags, im Restaurant Haar, XX., Trenstraße 12. öffentliche Bereinsversammlung- Tagesordnung: 1. Warum organisiert sich die arbeitende jüdische Jugend? Referent: Dr. Heinrich Kohn. 2. Der Verein zur Beförderung der Handwerker unter den inländischen Israeliten. Referent: Dr. Heinrich K o h n. 3. Eventuelles. Gäste herzlichst willkommen. Arbeitende Jugend erscheinet zahlreich! » Baden. Der bei der hiesigen Kultusgemeinde angestellte Tenorist, Herr Aron S ch i m k o w i tz, hatte infolge plötzlicher Erkrankung des Oberkantvrs M. Seifert, Freitag, den 3. d. M. und am darauffolgenden Samstag Gelegenheit, den Gottesdienst mit Chor zu verrichten und erntete sowohl durch seine angenehme sympathische Stimme, sowie auch durch seinen schönen Bortrag vielen Beifall, der um so verdienter war, als Herr Schimkowitz sich ganz unvorbereitet seiner Aufgabe entledigte. Trebitsch. Die Beerdigung des am 5. d. M. hier verstorbenen Kultusvorstehers und Großkansmannes, Herrn Leopold Ornstei n, welche am Dienstag, den 7. d. M., stattfand, gestaltete sich zu einer imposanten Tranerkundgebung der hiesigen Bevölkerung. Zahlreiche Freunde und Bekannte des Verblichenen hatten sich im Trauerhanse, in dessen Vestibüle die Leiche aufgebahrt war, eingefunden. Nach Absingung eines Psalmes durch den Oberkantor Herrn M. Fuchs sprach namens des hiesigen Männergesangvereines, welcher in dem Verblichenen seinen langjährigen ehemaligen Obmann und sein Ehrenmitglied verliert, Herr S. Fried warme Worte des Abschiedes, worauf die vollzählig erschienen Bereinsmitglieder einen ergreifenden Chor sangen. Dann wurde die Leiche, geleitet von einem schier endlosen Zuge, an dessen Spitze das Veteranenkorps, die Feuerwehr, die Mitglieder des hiesigen Männergesangvereines und die des Lese- und Geselligkeitsvereines dahinschritten, nach der alten Synagoge gebracht. Im Tempel hatten sich inzwischen der Bezirkshauptmann Statthaltereirat I. Schoch mit den Beamten der Bezirkshauptmannschast, der Bürgermeister der Stadtgemeinde Trebitsch, I. F. K u b e ä mi: sämtlichen Gemeinderäten, Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden, ferner der Bürgermeister der Gemeinde Unterkloster und der Jsraelitengemeinde Trebitsch, der Ausschuß der Kultusgemeinde Trebitsch, die Vertreter der Kultusgemeinde Groß-Meseritsch und anderer Gemeinden, der Ausschuß der Chewra-Kadischa u. v. a. eingesunden. Nach den üblichen rituellen Gesängen feierte Rabbiner Dr. P o l l a ck die ausgezeichneten Eigenschaften des Dahingeschiedenen als Sohn, Gatten und Vater, rühmte dessen warme j-Fürsorge für die Verwandten und dessen Anteilnahme an dem Schicksale aller jener, die mit ihm in Berührung kamen. Mit beredten Worten pries er dessen hervorragende Tatkraft, die ihn von kleinen Anfängen zu einer hochangesehenen Stellung in der kaufmännischen Welt und in der Gemeiude emportrug, und hob besonders anerkennend des Verstorbenen unerschütterliche Glaubensstärke hervor, welche zeitlebens die Triebfeder der Handlungen und die sittliche Grundlage des Charakters des Toten gebildet und ihn zu dem Amte eines Vorstehers der Kultusgemeinde so ausgezeichnet befähigt habe. Der Redner schilderte die Verdienste, die sich der Verblichene um die Durchführung des Religionsunterrichtes an den Trebitscher Schulen und um die Wohltätigkeitsinstitute erworben hatte, und pries als dessen Hauptwerk, das dem Toten ein bleibendes Andenken in der Gemeinde sichern wird, die Erbauung der herrlichen Zeremonienhalle und den Ausbau der Zufahrtsstraße zum Friedhofe, auf welcher der Tote nunmehr

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.