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Die Wahrheit · 1905-02-17 · Heft 7 (17.2.1905) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 7 (17.2.1905)
Date
1905-02-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
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.Seite 6.Die Wahrheit;Nr. 7. k:,; / : _ : Zu ihm her von nah und ferne? . Ehren strömeten und .Gnaden,?. ' r ‘ ' " Ihre Kreuzes ihre Sterne: ' 'Sandten stolze Potentaten; . i -.- Schlösser nannt er sein, Karaffen, Gärten, voll von Blütenbamnen, " Heber ihm war ausgeqosien - - Was vom Glück die Men scheu träumen ... . Doch sein Glück, so unerhöret, ' Seine Tonnen goldner Erze, Hatten nicht sein - Herz betöret. Und verhärtet nicht sein Herze. . . Zu dem Gotte seiner Väter Hat er eiferig gebetet, Ohne Haß, wenn andre Beter Anders-zu dem Herrn geredet. Und mit Liebe auserlesen Hing er an den Seinen allen, ' ' Und er ist ein Sohn gewesen, Jedermann ein Wohlgefallen; . Täglich konnte man ihm sehen, Um der Mutter Hand zu fassen, Nach dem kleinen Häuschen gehen In der alten Jndengassen..." Im Hochgefühle einer freien Seele konnte der Dichter neidlos dem Krösus diesen Nachruf widmen, der ihm so mancherlei Lebensgenüsse verschafft hatte, von denen er sich vorher nichts hafte träumen lassen. Der alte Rothschild war bei all seinem Reichtum nicht glücklich gewesen und oft hatte er den jungen Dichter beneidet, der trotz seiner Armut so leicht glücklich zu sein verstand. Der Geist der Dibel. Von D. A. Sulzbach-Rosenfeld. (Fortsetzung.) Warum müssen dem Erdboden gerade jene Früchte, die zur Ernährung der Menschen am unentbehrlichsten sind, mit so vielen Beschwerden und Mühseligkeiten abgerungen werden, während Baumfrüchte u. dgl. fast ohne Mühe und Pflege sich entwickeln und gedeihen? Und warum muß der Mensch — fortgetrieben von den paradiesischen Gefilden erster Ansiedelung — unwirtbare Gegenden mit Lebensgefahr, mühe-, sorgen- und kummervoll aufsuchen und urbar machen, während bei den Tieren jede Gattung in die ihr entsprechende Gegend versetzt wurde, was doch gewiß der göttlichen Allliebe weit mehr enffpricht? Endlich: Warum muß der Mensch, der doch durch die ihm verliehene göttliche Vernunft, Sprache rc. ausgezeichnet, der Gottahnlichkeit teilhastig ist und so hoch über den Tieren steht, dennoch wie diese dahinsterben, verwesen und zu Staube werden? Moses Darstellung der Entstehung des ersten Menschenpaares und dessen Sündenfalles bezweckt eben die Lösung der angeführten Rätsel. I. M. 2, 4—25, 3, 1—24. Aus diesen eben bezeichneten Bibelstellen will ich die besonders bemerkenswerte hervorheben und versuchen, sie einigermaßen zu deuten. Es ist jene Stelle, die die Schilderung enthält, wozu und wie das Weib entstanden und was dessen Bestimmung: Der Schöpfung Zier und Preis ist das Weib; Zier und Preis des Weibes sei: Der Schöpfung Zier und Preis zu sein. Und Gott sprach: „Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei*. Nicht Einsamkeit, Gemeinsamkeit sei des Menschen Bestimmung, in und mit den Gesamtheit und für die Gesamtheit sei sein Beruf, sein Streben. Der Alleinstehende aber kennt nicht Gemeinsamkeit, er kennt nicht Liebe und die Liebe kennt nicht ihn; wen soll er lieben, von wem geliebt werden? Und doch, ist die Liebe nicht die Feder, welche mächtig alle Räder treibt in der gewaltigen Uhr der Natur? Ist sie nicht des Lebens Leben, des Lebens Inhalt? Leben und Lieben ist Ein Begriff; Leben ohne Lieben ist nicht Leben, ist vegetieren; freud-, frucht-,. zwecklos, ein -leerer, verhallender. Schall, ohne Echo, ohne Fortpflanzung,ohne Inhalt, ‘ ohne Wirkung/ •? ’ ' Ich will ihm einen.Behelf machen als ein GM ihn seiner. Vereinsamung entrücke, und ihmals Lebensgefährtin entgegenkomme, auf daß er. ..die Liebe kennen lerne und ihrer auch teilhaftig werde? und so sein ünerganztes Ich durch ein Wesen ergänze,' das.gleichsam gehitdet aus einem Teile seines eigenenIch's zarterer.Natur, milderen? reinereii,Sinnes, weicheren^ empfänglicheren, -'liebevolleren Herzens ist.. ., . ‘ ' Nicht des Mannes wilde, stürmische Leidenschaften werden der Frau zuteil: ruhigen, sanften Blutes sind Milde, Zartsinn, Reinheit und Unbefangenheit ihr'Los. , . - ’ Mit diesem von Natur hehr veranlagten Wesen, durch Liebe engst verbunden, bildet der Mann .ein voll- und selbstständiges Ganzes, in- und miteinander, als Einheit lebend, strebend, kämpfend, schaffend und wirkend für sich, für die Familie, für die Mitmenschen, für die ganze, große Gesamtheit der menschlichen Gesellschaft. Welch tiefes, psychologisches Erfassen des menschlichen Wesens verrät diese zielbewußte, geistreiche Schilderung der Entstehung des ersten Menschenpaares,, die das Tatsächliche im Leben in einem Bilde so treffend und belehrend zur Darstellung bringt,' das den Begriffen seiner Brüder so sehr entsprach!! An die Erzählung von dem Verlangen nach der verbotenen Frucht und deren Folgen schließt sich die der verbrecherischen Tat Kains als weitere Folge mangelnder oder unaufrichtiger Liebe. Die aufrichtige Liebe aber ist das vornehmlichste Moment, das uns von den Tieren trennt, über dieselben hoch erhebt und den Menschen zum Menschen stempelt, zum Ebenbilde Gottes; sie ist's, die vereint, verbrüdert, veredelt und ein Band um alle Menschen schlingt; sie ists daher auch, die stets alleiniger Impuls unserer Verlangen, unserer Handlungen sein soll und sein muß. Diese Untat Kains bot nun Moses Gelegenheit, seinen Brüdern zu zeigen, zu welch unheilvollen Konsequenzen die Lieblosigkeit den Menschen verleitet; wie sie niedere Gesinnung, Mißgunst, Neid, Eifersucht und Rachsucht in Gefolge hat; wie sie nur zu oft in Haß und Verrat übergeht und — bis zum Brudermord ausarten kann; wie dann die Gewissenspein so sehr den Menschen foltert und martert, ihn scheu, rat- und ruhelos, unstät und flüchtig umher irren läßt, bis er endlich, im Tode oder in aufrichtiger Reue, wieder Ruhe findet. An diesem Beispiele zeigte Moses auch, wie anderseits das Erkennen, Bekennen und aufrichtige Bereuen begangener Schuld dem Menschen wieder Vertrauen zu sich selbst einflößt, ihm Ruhe und Stetigkeit gewährt, neuen Lebensmut und frische Lebenskraft ihm verleiht. So ruft Kain in seiner Seelenangst verzweifelnd aus: „Zu groß ist meine Schuld — die ihr innewohnende Strafe nicht zu ertragen!!" Nachdem er aber seine Schuld erkannt, bekannt und bereuet hatte, ließ er sich beruhigt nieder zur Seite des Edens. (I. M. 4. 11—16.) Nachdem Moses seinen Brüdern die Bedeutung und die Folgen unlauterer Handlungen Einzelner belehrend und warnend beleuchtet und erörtert, schilderte er ihnen die Sintflut als Folge der allgemeinen überhandgenommenen Verderbtheit: wie diese, so sie die Allgemeinheit erfaßt, eine Gefahr für die Gesamtheit der Lebewesen involviere und sogar zur Katastrophe für unfern Erdball hätte werden können, diese Eventualität jedoch hintangehalten wurde, da es denn doch immer noch Ausnahmen gibt und geben wird, die den Sinn für Wahrheit, Gerechtigkeit und ideales Streben nicht nur sich bewahrt, sondern sie auch in die Massen zu tragen und bei denselben wachzurufen, die unerschrocken und unermüdlich bemüht sind, bis ihr edles Streben von Erfolg gekrönt ist — Zola — selbst wenn die Verderbtheit bereits in alle Klassen und Schichten gedrungen ist. So sehen wir, daß Noah, trotz der allgemeinen Verderbtheit um ihn her, einen wahrhaft stommen Lebenswandel führte. I. M. 6, 9: „Doch Noah war ein gerechter, tadelloser Mann, selbst in seiner Zeit und unter seinen Geschlechtern; mit Gott wandelte Noah."

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