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Die Wahrheit · 1905-02-10 · Heft 6 (10.2.1905) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 6 (10.2.1905)
Date
1905-02-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 6. Die Wahrheit. Seite 9. Wien. Sonntag, den 12. Februar, um 11 Uhr vormittags, -findet im Sitzungssaale des Tempels, VIIL, Neudeggergasse 12, die fünfte ordentliche Generalversammlung des israelitischen Frauenwohltätigkeitspereines im VIII. Bezirke der Stadt Wien statt. Tagesordnung: 1. Genehmigung des Jahresberichtes und des Rechnungsabschlusses sür das /Jahr 1904; 2. Neuwahl in die Vereinsleitung: 3. Berühr der Revisoren; 4. Anträge und Interpellationen. Wien. Sonntag, den 12. Februar, 3 Uhr nachmittags, findet im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde, I., Seitenstetteugafie 4, die 39. ordentliche Generalversammlung des Kranken-Unterstützuugs- und 'Humanitätsvereines „Gomle Chesed" (Wohltätigkeit aus Pietät) statt. Tagesordnung: 1. Eröffnung durch den Obmann und Bericht über das Ergebnis des Jahres 1904. 2. Bericht der Revisoren. 3. Neuwahl von acht Ausschußmitgliedern an Stelle der durch Ablauf ihrer Mandatsdauer ausgetretenen Herren M. Ban m, Dr. M. B l n m e n t h a l, Dr. S. E l i a s, Dr. Leo E h r e n t h e i l, Louis Flamm, Michael I o k l, David Kornfeld, Michael Neurath, sowie Wahl von zwei Revisoren und zwei Ersatzrevisoren. (Die ausscheidenden Mitglieder sind wieder wählbar.) Sollte die ordentliche Generalversammlung um 3 Uhr nicht beschlußfäh.g sein, so wird die nach halbstündiger Pause um */24 Uhr als nächstfolgend anberaumte, ohne Rücksicht auf die Zahl der Anwesenden abgehalten. Wien. Der im XX. Bezirke allgemein geschätzte praktische Arzt Herr Dr. Jacob Schreiber ist von einem herben Geschick betroffen worden. Seine jugendliche Gattin, Frau Else Schreiber, geb. Haas, der er vor kaum Jahresfrist die Hand zum Lebensbunde reichte, ist durch den unerbittlichen Tod in der Blüte des Lebens hinweggerafft worden. Schon während der dreiwöchentlichen Krankheit war die Teilnahme aller Bevölkerungsschichten eine sehr intensive und erst als die Katastrophe eintrat, bildete dieses tragische Geschick eines jungen Eheglückes den allgemeinen und lebhaftesten Gesprächsstoff im Bezirke. Bei dem Mittwoch, den 8. d. M. stattgefundenen Leichenbegängnisse kam die Anteilnahme der Brigittenauer jüdischen Bevölkerung in eklatanter Form zum Ausdruck. Die Trauerräume waren von Leidtragenden dichtgefüllt, als präzise 10 Uhr vorm. Herr Oberkautor Josef Baffer, assistiert von einem Männerqnartett, dasjoschew besesser anstimmte. Der mit Blumen bedeckte Sarg wurde gehoben und unter Vorantritt des Brigittenauer Tempelvorstaudes, geführt von dem Obmann Herrn Hermann Eltbogen, setzte sich der Trauerzug in Bewegung hinaus nach der entfernten Totenstadt. In der Zeremonienhalle des Zentralfriedhofes rezitierte Oberkantor Baffer das hazur tomim mit tiefer Empfindung, worauf Rabbiner Dr. David der Verblichenen einen ergreifenden Nachruf hielt. Unter den Anwesenden bemerkten wir: Herrn Dr. Herzfeld, Oberkautor Mayer Schorr, Dr. Clemens Rochmes samt Gemahlin, Dr. Schlayer, Dr. Redlich, Dr. Armin Süß, Leopold Spira, Ignatz Körner, Berthold Kaiser, Herm. Kohn, Frau Dr. Emilie Weiß, Frau Dr. Roth, Frau Dr. Weinstein, Frau Josef Kohn u. v. A. Wien. Der Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter veranstaltet Sonntag, den 12. d. M., einen Vortragsabend im Kongreßbnreau, IX., Türkenstraße 9, bei welchem Kollege Schacher! über „Maxim Gorki" sprechen wird. Beginn präzise 4 Uhr. Gäste willkommen. Baden. Unter dem Vorsitze der Frau Vizepräsidentin Julie Leitner wurde am 4. Februar 1905 die Generalversammlung des israel. Frauen-Wohltätigkeitsvereines in Baden abgehalten. Zu Beginn der Generalversammlung hielt die Frau Vorsitzende der kürzlich verstorbenen Frau Bettina Schreiber, welche sich durch 15 Jahre als Präsidentin dieses Vereines große Verdienste um denselben erworben hat, einen warm empfundenen Nachruf, welchen die Anwesenden stehend anhörten. Zum Zeichen der Anerkennung dieser Verdienste hat die Vereinsleitung von der verstorbenen Frau Präsidentin ein Bild anfertigen lassen. Hiefür wird von Frau Marie Schreiber, namens der Familie Schreiber, der Dank ausgesprochen. Sodann wird vom Schriftführer Anton Schneider der Rechenschaftsbericht verlesen und mit Befriedigung zur Kenntnis genommen. Der Kassaverwalterin, Frau Agnes Felder, dem Schriftführer sowie der ganzen Vercinsleitung wird für ihre Mühewaltung Dank und Vertrauen votiert. /In die Vereinsleitung wurde Frau Rabbiner Jenny Reich gewählt. In der hierauf erfolgten Konstituierung der Veremsleitung wurde als Präsidentin Frau Julie Leitner. Vizepräsidentin Frau Rosa Schneider, Kaffaverwalterin Frau Agnes Felder, ferner in den Ausschuß die Damen Sophie Leitner, Jenny Reich, Rosa Scheu, Marie Schreiber, zu Beiräten die Herren Moritz Leitner, Moritz Schreiber und Anton Schneider gewählt. St. Pölten. (I ü d i s ch er L it eratur v e rein.) Am Dienstag, den 31. Jänner l. I., hielt Herr D. R u d o l f e r, Rabbiner der Kultusgemeinde Amstetten, einen mit großem Beifalle aufgenommenen Vortrag über „Maimonides". Im Anschlüsse an denselben fand die statutenmäßige Generalversammlung statt. Gewählt wurden: I. Präsident: Se. Ehrwürden .Herr Rabbiner Dr. Schächter; II. Präsident: Herr Siegfried S ch w a r z; I. Schriftführer: Herr Rudolf Frank; II. Schriftführerin: Fräulein W u r m f e l d; Kassier: Herr Reis: I. Revisor: Herr Mandl; II. Revisor: Herr Bl ei er; I. Bibliothekar: Herr Hahn; II. Bibliothekarin: ' Fräulein Reis. Trebitsch. Am 3 d. M. ist der hiesige Kultusvorsteher, Herr Leopold O r n st e i n, Seniorchef der Firma Leopold O r n st e i n, im Alter -von 61 Jahren gestorben. Der Verblichene erfteute sich allgemeiner Sympathien in den weitesten Kreisen. Jglau. In dem Hause seines Sohnes, des k. k. Landesgerichtsrates Herrn Eduard Schütz in Brüx, ist am 31. Jänner der pensionierte Schuldirektor, Herr Salomon Schütz, im 83. Lebensjahre gestorben. Unter der Leitung dieses gewandten und hochverdienten Schulmannes, der ein Kulturträger nach Osten war, entwickelte sich die jüdische Schule der Czernowitzer Kultnsgemeinde zu einer blühenden Musteranstalt, die in Galizien kaum ihresgleichen hatte. Vor ungefähr anderthalb Dezennien zog sich der Verewigte wegen seiner angegriffenen Gesundheit in den Ruhestand zurück und lebte seit geraumer Zeit ui Brüx, wo er wegen seines feingebildeten Charakters und seiner urbanen Umgangsformen sich der allgemeinen Hochschätzung zu erfreuen hatte. Ehre seinem Andenken! Budapest. (Israelitische Gesellschaftsreise nach dem heiligen Lande.) Die von einem internationalen Komitee initiirte Gesellschaftsreise der Israeliten nach dem heiligen Lande hat besonders m Oesterreich-Ungarn und Deutschland großen Anklang gefunden und haben besonders aus Deutschland so zahlreiche angesehene Persönlichkeiten ihre Teilnahme gesichert, daß für die Gesellschaft ein Separat- Dampfer gechartert wurde. Der Rendezvousplatz der Teilnehmer ist die schöne Hauptstadt Ungarns, Budapest, die Pforte des internationalen Verkehres nach dem Orient. Trotzdem sich der Zentralsitz des Komitees aus technischen Gründen in Budapest befindet, besteht die 120 Teilnehmer zählende Gesellschaft kaum zum dritten Teile aus Ungarn. Das weitaus größte Kontingent lieferten Deutschland, Oesterreich, Bosnien, Belgien, Holland, Dänemark rc. Die israelitische Pilgerfahrt wird demnach einen internationalen Charakter haben und wird die Gesellschaft sowohl in Budapest, als auch in Alexandrien, Jaffa, Jerusalem, Damaskus, in den jüdischen Kolonien, Kairo rc. festlich empfangen werden. Der Anmeldungstermin wurde beim Komitee bis 15. Februar verlängert. Györ. Am 29. Jänner d. I. veranstaltete der Raaber Israelitische Frauenverein den ersten Konzertabend zugunsten der hiesigen Hilfsbedürftigen, auf Anregung und unter Leitung unserer edelmütigen und allgemein hochgeachteten Vereinspräsidentin Frau Johanna H e r z l - K e p p i ch gemeinsam mit dem Ausschuß. Der Erfolg und das Ergebnis dieses Konzertes waren überaus günstig; es ist dies aber auch nicht anders zu erwarten gewesen, wenn wir die Nameu der Künstler nennen, die hiebei mitgewirkt. Vor allem war es der rühmlichst bekannte Herr Oberkantor Bela G u ttm a n n aus Wien, der als xiöes äs rosistanes durch seinen Herz und Gemüt entzückenden Gesang das nach Hunderten zählende, den vornehmsten Kreisen angehörende Publikum zu frenetischem Beifall hinriß. Und was wir besonders hervorheben müssen und was unserem humanitären Verein unvergeßlich bleiben wird, ist die liebenswürdige Bereitwilligkeit und die Selbstlosigkeit des Herrn Gnttmann, mit welcher er unserer Einladung Folge gegeben und hiedurch allen nicht allein einen geistigen und seelischen Genuß verschafft, sondern auch die größte Dankbarkeit unseres Vereines und auch jene unserer Hilfsbedürftigen, infolge des glänzenden materiellen Erfolges, sich erworben hat. Zum Gelmgen des Konzertabends haben auch beigetragen: Frl. Emma M a i t l n s k y, Opernsängern: aus Budapest; Frl. Irma S z e n d r ö i, die höchsttalentierte Tochter unseres Handelskammer-Sekretärs, sowie auch Herr Dr. Emil F l e s ch. Tarnopol. Am 4. d. M. ist hier kaiserlicher Rat Bernhard Schütz, Seniorchef der Firma Bernhard Schütz & Sohn Otto in Tarnopol, im 69. Lebensjahre gestorben. Er war Präsident der Tarnopoler israelitischen Kultusgemeinde, Präses der Direktion der Sparkasse der Stadt Tarnopol, Gemeinderat und Affessor der Stadtgemeinde, Mitglied des Bezirksausschusses sowie der Handels- und Gewerbekammer und Zensor der Oesterreichisch-ungarischen Bank. Stuttgart, 4. Februar. (Ein unverwüstlicher Sänger.) Gestern hat hier Heinrich Sontheim, der Nestor der deutschen Bühnensänger in voller körperlicher und geistiger Frische seinen 85. Geburtstag gefeiert. Als Beweis für die seltene Lebenskraft, der das hochbetagte Geburtstagskind sich erfteut, mag angeführt sein, daß bei dem Festmahl, das ihm am Abende im Kreise seiner Freunde und einstigen und jetzigen Kollegen im Hotel Marquard veranstaltet wurde, Sontheim die Erschienenen durch de» Bortrag einer Reihe von Liedern erfreute, die in ihm immer noch den Stimmgewaltigen und den Meister der Bortragskunst von ehedem erkennen ließen. Feuilleton. Der Kindling. Erzählung von Babette Fried, Prag. (Schluß.) IX. Reb Schlome Teinitz war nach einer Anwesenheit von acht Tagen von dem Gute der Frau Goldberg abgereift und nach Hause zurnckgekehrt, seine Tochter in deren Obhut zurücklassend. Gern wäre er noch länger geblieben, aber dies ging nicht gut an, er durfte ja seiner Gemeinde nicht zeigen, daß er auf die Dauer entbehrlich sei. Genug, daß er wußte, daß die beiden jungen Leutchen ein Brautpaar seien.

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