Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1905
- Issue
- Heft 6 (10.2.1905)
- Date
- 1905-02-10
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Da Pinchas noch im Krankenhaus weilte, so wurde von jeder formellen Verlobung abgesehen, welche dann gleichzeitig mit dem Genesungsfest des Bräutigams gefeiert werden sollte, wenn auch in Abwesenheit des Teinitz'schen Ehepaares, welches erst zur Hochzeit zu kommen versprach. Bei dem Kranken hatte die Anwesenheit seiner Verlobten Wunder gewirkt. Er genas rasch und erholte sich zusehends. Seine Kräfte kamen wieder, und noch im Lause des Winters wurde Pinchas aus dem Spitale, gleichzeitig aber auch aus dem Militärdienste entlassen. Die Aerzte hatten dem Genesenen eine längere Erholungsreise verordnet. Als Ziel derselben wählte er die alte Schlesierstadt, woselbst er seinen Vater aussuchen wollte. Es war nicht leicht. Näheres über Leopolds Vater zu erfahren. Denn studiert hatte er weder an einer der dort bestehenden Lehranstalten, noch hatte er irgend welchen Privatunterricht genommen, beides ließ sich feststellen. Seine in Breslau lebenden Verwandten waren schon alt und konnten sich nur schwer des Vetters Leibele erinnern, welche vor langer Zeit ihre Gastfreundschaft in Anspruch nahm. Pinchas stellte sich als Sohn jenes Telekauer vor, und die alten Leute versprachen, ihm behilflich zu sein zur Ausfindung seines Vaters. Nach langem Forschen und Aufwendung großer Geldopfer war es Pinchas gelungen, den Ort ausfindig zu machen, woselbst sein Vater seine letzte Lebenszeit verbrachte. Zu einem Akiba hatte Leopold, wie Frau Eva dereinst zu ihrer verstorbenen Tochter richtig bemerkt hatte, nicht das Zeug in sich, und da er zu geistigen Ausbildungen weder Lust noch Talent hatte, griff er zu seinem ftüheren Metier und nahm die Stelle eines Werkführers in einer größeren Spiritusbrennerei an, die ihn wohl nährte, aber durch seinen unregelmäßigen Lebenswandel begünstigt, seine Kräfte gänzlich untergrub, so daß er bald darauf gestorben war. Mehr konnte Pinchas nicht erfahren. Ein Branntweinbrenner ist bei seiner Herrschaft und Umgebung kein solch wichtige Persönlichkeit, als daß man seinem Schicksale eine besondere Aufmerksamkeit widmet. So viel konnte der junge Mann aus zerstteuten Andeutungen, die Verschiedene machten, erkennen, daß sein verstorbener Vater sich keines besonders guten Rufes erfreute. Bevor Pinchas die Gegend verließ, besuchte er das Grab des unbekannten Vaters, besorgte auf dasselbe einen ähnlichen Grabstein, wie er ihn schon ftüher aus das Grab seiner Mutter hatte setzen lassen, sttstete in der Gemeinde eine Fundation, deren Ertrag dazu dienen sollte, am Sterbetage zwei alte Männer auf seine Ruhestätte zu schicken, um dort zu beten. So hatte der Sohn alle Pflichten der Pietät erfüllt und heim ging es zu seiner alten Großmutter und seiner jungen Braut, um sich zu Hause ganz der Wirtschaft zu widmen, eigentlich sie zu lernen. War trotz der eifrigen Bemühungen Sophies, den Sohn mit der Großmutter gänzlich zu versöhnen, immer noch in der Seele des jungen Mannes eine Art von Bitterkeit zurückgeblieben, da er den frühzeitigen Tod der Mutter nicht ganz vergeben konnte, so harte diese Reise auch diesen Rest von Bitterkeit entfernt, und in die Wehmut bei der Erinnerung an die Mutter mischte sich die Verehrung für die alte Frau, deren Scharfsinn den Charakter Leopolds so richtig beurteilt und das Schicksal ihrer Tochter an dessen Seite richttg vorausgesehen, die cs als Pflicht betrachtet hatte, ihr Kind vor dem dasselbe bedrohende Unheil zu warnen und zu bewahren. Ein ganz anderer, wie er ausgezogen, war Pinchas zurückgekehrt. Die zwei Frauen, welche sich indessen eng aneinander geschlossen hatten, konnten sich diese Veränderung in dem Wesen des von beiden so geliebten jungen Mannes nicht erklären, freuten sich aber sehr darüber. Die Hochzeit des Brautpaares wurde in Hlinov gefeiert. Der alle Kreisrabbiner hatte seinen Austtitt aus dem Amte so lange verschoben, um seinen Lieblingen den priesterlichen Segen unter dem Trauhimmel erteilen zu können. Dies war seine letzte Amtshandlung. Volkswirtschaft. Niederösterreichische Escompte - Gesellschaft. Die stimmberechtigten Herren Aktionäre werden hiermit zu der am Samstag,- den 4. März d. J., um 6 TJhr abends, im Gebäude der Gesellschaft, I., JTreiung Nr. 8, stattfindenden zweiiindfünfzigsten ordentlichen Generalversammlung eingeladen, in welcher folgende Gegenstände zur Verhandlung gelangen werden: 1. Vortrag des Rechenschaftsberichtes des Verwaltungsrates und Vorlage des Bilanz-Abschlusses pro 1904. 2. Berichterstattung des Revisions-Ausschusses über den Rechnungs-Abschluss des Jahres 1904. 8. Beschlussfassung über die Verwendung des Reinerträgnisses des Jahres 1904. 4. Antrag des Verwaltungsrates auf Abänderung der Statuten. (Insbesondere §§ 28—45.J 5. Wahl von Mitgliedern des Verwaltungsrates. 6. Wahl von vier Mitgliedern in den Revisions-Ausschuss zur Prüfung der Rechnungs-Abschlüsse des Jahres 1905. (§ 46 der Statuten.) Die stimmberechtigten Herren Aktionäre, welche als solche drei Monate vor dem Zusammentritte der Versammlung in den Aktienbücheru der Gesellschaft eingetragen waren und an der Generalversammlung teilzunehmen beabsichtigen, werden hiermit eingeladen, ihre Aktien vom 9. Februar 1 J. angefangen bis längstens 18. Februar, 4 Uhr nachmittags, bei der Liquidatur der Niederösterreichischen Eskompte - Gesellschaft zu erlegen. Die Aktien sind arithmetisch geordnet, mittelst einer einfachen Konsignation einzureichen, und wird dem Einreicher hierüber eine Empfangsbestätigung erfolgt, gegen welche nach abgehaltener Generalversammlung die Aktien rückgestellt werden. Je zehn Aktien geben das Recht auf eine Stimme. Wünscht ein Aktionär sein Stimmrecht durch einen anderen stimmberechtigten Aktionär auszuüben, so hat er die betreffende, auf den Namen des gewählten Vertreters lautende Vollmacht auf der Rückseite der Legitimationskarte auszustellen. Wien, am 9. Februar 1905. Der Verwaltungsrat. K. k. priv. wechselseitige Brandschaden-Versicherungs-Anstalt in Wien. Aus dem Rechenschaftsberichte dieser Anstalt für das Jahr 1904 sind nachstehende Gebahrungs-Resultate zu entnehmen: In der Gebäude-Versicherungs-Abteilung hat sich die Zahl der Versicherungen von 103.879 auf 104.452, die Versicherungssumme von 1.804,091.488 K auf 1.870,806.397 K erhöht. In der Mobilar- Versicherungs-Abteilung ist die Zahl der Versicherungen von 45.766 auf 49.899 und die Versicherungssumme von 332,591.144 K auf 359,975.426 K gestiegen. Der Gesamtversicherungsstand beider Abteilungen erhöhte sich daher im Jahre 1904 um 94,099.191 K — von dieser Summe. entfallen auf die Stadt Wien 51,128.929 K — und beträgt 2.230,781.823 K. Die Zahl der Versicherungen ist von 149.645 auf 154.351 gestiegen. Die Prämien-Einnahme betrug in der Gebäude-Versicherungs-Abteilung 1,736.338 K, in der Mobilar- Versicherungs-Abteilung 539.954 K und in der ganz selbständigen Hagelschaden - Versicherungs - Abteilung 45.832 K, zusammen 2,322.124 K, erhöhte sich daher gegen das Vorjahr um 53.683 K: Das Jahr 1904 war infolge der außergewöhnlichen Trockenheit .des Sommers ein ungünstiges Schadenjahr. Es wurden an Schadenvergütungen für Gebäude 1,018.355 K, für Mobilien 183.388 K und für Hagelschäden 19.161 K zuerkannt. An Zinsen von den verschiedenen Vermöge usbeständen wurden 350.051 K vereinnahmt. An gesetzlichen Feuerwehrbeiträgen wurden 39.246 K, an Feuerwehren und Gemeinden zur Anschaffung von Löschgerätschaften freiwillige Beiträge in der Höhe von 14.110 K und als Remunerationen für besonders erfolgreiche Löschhilfe bei Bränden 10.746 K verausgabt. Die Betriebsrechnung weist folgende Gebahrungs-Ueberschüsse aus: in der Gebäude-Versicherungs- Abteilung 236.676 K, in der Mobilar-Versicherungs-Abteilung 85.217 K und in der Hagelschaden-Versicherungs-Abteilung 23.388 K. Die Ueberschüsse der beiden letzteren Abteilungen fallen statutengemäß den Reservefon den zu. Der Ueberschuss in der Gebäude-Versicherungs-Abteilung wurde in Gemässbeit der S§ 14 und 15 der Anstaltsstatuten aus dem Abteilungs-Reservefonde auf 346.717 K ergänzt, und wird den Abteilungs-Mitgliedern dieser Betrag d. s. 20°/0 ihres im Jahre 1904 vorgeschriebenen, normalmässigen Versicherungsbeitrages rückerstattet, beziehungsweise auf ihre Beitragsleistung im Jahre 1905 gutgeschrieben. Die Anstaltsfonde betragen zusammen 8,245.614 K, wovon auf den Reservefond der Gebäude-Versicherungs-Abteilung 6,537.138 K auf jenen der Mobilar-Versicherungs-Abteilung 1,080:214 K und auf den Reservefond der Hagelschaden-Versicherungs-Abteilung: 628.262 K entfallen.