Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1905
- Issue
- Heft 6 (10.2.1905)
- Date
- 1905-02-10
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8. Nr. 6. Die Wahrheit. Der Mann wieder, warum muß er sorgen- und kummervoll im Schweiße seines Angesichtes ringen und kämpfen, um das klägliche, tägliche Brot zu erhaschen und damit sein kümmerliches Dasein zu fristen? (Fortsetzung folgt.) daß die Frau von Natur aus gleichwertig mit dem Manne sei, und das Bestreben, auch das zarte Geschlecht erweiterter höherer Bildung und dem öffentlichen Leben zuzuführen, mit dem völlig unberechtigten Vorurteil brechend: Bildung beeinträchtige die Mutterlieb' und -Sorge, die Zärtlichkeit, Häuslichkeit und Wirtschaftlichkeit. Ist ja auch der „gebildete" Mann nicht weniger tüchtig als Oekonom, Kaufmann rc. Diese Erkenntnis und dieses erfreuliche Bestreben dürften nun die wahltätige Wirkung zur Folge haben, daß der Frauen Horizont allmählich gar vorteilhaft sich wieder erweitern, ihre Jntellektuellität dementsprechend sich steigern, ihr Jntereffe für das Außengelriebe geweckt und angeregt werden wird. Ihre lebhafte Auftnerksamkeit und reiche Phantasie werden sich sodann mit Eifer den höheren Aufgaben der Zivilisation und Humanität zuwenden, sowie der in rascherem Tempo nun begriffenen Fortentwicklung unserer geistigen Fähigkeiten im Erforschen, Erkennen, Erfassen und richtigen Beurteilen der Erscheinungen in der Natur, in den Beziehungen der Menschen zu einander, ihre Behauptungen, Aufstellungen rc., sowie auch in der Beherrschung und Ausnützung der Natur und ihrer mannigfaltigen und mannigfachen unschätzbaren Kräfte. Durch diese Metamorphose, die gewiß gar bald sich vollziehen wird, denn bedächtig, langsam gelangt der Mann zu einem Urteil oder Entschluß, während die zarten Saiten der Frauenseele, ungemein sensibel, unvermittelt in Schwingung geratend und vibrierend, blitzartig das Richtige empfinden, wird sich dann folgerichtig ihrer Gedanken Richtung nicht mehr ausschließlich darauf konzentrieren, durch Flitter und Tand ihre Individualität zur Geltung zu bringen, um zu erobern; sie werden daher auch nicht ferner zu Sklavinen der Modelaune sich erniedrigen, vielmehr werden sie, nun den Männern geistig ebenbürtig, diese geistig in die Schranken fordern und — so erobern! Verschiedene Nachrichten. Wien. Freitag-Abend, den 10. d. M., Predigt im Stadt- und Leopoldstädter Tempel. Wie«. Ueber Veranlasiung des Kultusvorstandes wird Sonntag, den 12. Februar d. I., um 4 Uhr 15 Minuten nachmittags im Stadttempel eine Trauerfeier für den ehemaligen Präsidenten der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, Herrn kais. Rat Heinrich Klinger, abgehalten. Wie«. (Aus der Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 3. Februar 1905, unter dem Vorsitze des Präsidenten Dr. Alfted Stern. Beginn der Sitzung 10 Uhr vormittags.) An Spenden find eingelaufen: Dr. Norbert K l i n g e r noe der Verlassenschaft nach Herrn kais. Rat Heinrich Klinger je X 500 zu dem Zwecke, daß gemäß der erblafferischen letztwilligen Verfügung dieser Vermächünsbetrag in Verwahrung und Verwaltung des betreffenden Vereines fruchtbringend anzulegen ist. die Zinsen, und nur diese, für die Bereinszwecke zu verwenden und alljährlich als Erträgnis aus dem Legate - auszuweisen sind, und zwar an folgende acht Wohltätigkeits-Institute: Chewra-Kadischa, Jsr. Armen- und Speiseanstalt, Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten, Verein zur Erhaltmrg einer isr. Kinderbewahranstalt in Wien, Verein zur Unterstützung mittelloser isr. Studierender, Jsr. Taubstummen-Jnstitut, Jsr.-theolog. Lehranstalt, L. D. Königsbergsche Mädchen-Erziehungs-Jnstitut, zusammen X 4000. — Dr. Norbert Kling er noe der Verlassenschaft nach Herrn kais. Rat Heinrich Klinger zur Errichtung einer Heinrich Klinger Gedächtnis-Stiftung beim Wiener Detha-Midrasch-Vereine K 500. — Dr. Norbert Klinger noe der Frau Charlotte Klinger für 33 Institute und Vereine X 1570. — Louis Ortlieb für den Verein zur Verpflegung Brustkranker auf dem Lande X 600, für das Spital X 200, für das Versorgungshaus X 200, zusammen X 1000. — Anonymus für das Altersversorgungshaus X 200, für die Talmud-Thora X 100, zusammen X 300. — Frau Arnold Rosenthal zur Verteilung an aus dein Spital entlassene bedürftige rekonvaleszente Frauen X 100. — Bruno Steiner für den Präsidialfond für Armcnbeteilung X 100. — Kais. Rat Leop. Sachs für die Brigittenauer Schulküche K 50. — „Ausbildungsschülerinnen Frl. Fr." für die Brigittenauer Schulküche X 44. — Elise Löbel zur Verteilung an Arme der Bezirke X"VI—XVII, anläßlich der Beerdigung des sei. Herrn Oskar Löbel X 10. — Ignaz W e i n st e i n für die Brigittenauer Schulküche K2. — Aus der Sparbüchse der kleinen Johanna Lö w y, Hotzenplotz, für die Brigittenauer Schulküche X 2. Im Einlaufe gelangen zur Verlesung: Ein Erlaß der Statthalterei, mit welchem das Ergebnis der am 9. Dezember 1904 stattgehabten Wahlen in den Kultusvorstand und die am 6. Jänner 1905 vollzogene Konstituierung des Kultnsvorstandes zur Kenntnis genommen werden; weiters eine Zuschrift des Herrn Baurates Max Fleischer, in welcher derselbe dem Kultusvorstande für die Bekundung der Teilnahme anläßlich des Ablebens seiner Gattin, der seligen Frau Regine Fleischer, und für die derselben erwiesene letzle Ehre den Dank ausspricht. Dem Anträge des Bertreterkollegiums, es sei für den verewigten vormaligen Präsidenten, kais. Rat Heinrich Klinger, eine Gedächtnisfeier im Stadttempel zu veranstalten, schließt sich die Versammlung einmütig an. Die Bestimmung des Zeitpunktes und der Modalitäten hat durch das Präsidium im Einvernehmen mit dem Bethausvorstande zu erfolgen. Als Vertreter des israelitischen Religionsunterrichtes im Wiener Bezirksschulräte wird auf die Dauer der mit 1. Juli 1905 beginnenden neuen Funktionsperiode dieser Schulbehörde der Kultusvorsteher phil. et jur. Dr. Markus Spitzer, welcher dieses Mandat bereits seit einer Reihe von Jahren versieht, einhellig wiedergewählt. Ueber Vorschlag des Vorstandes der Chewra-Kadischa wird die Berufung des Herrn Karl Lang als Vorstandsmitglied der Chewra- Kadischa im Sinne der statutarischen Bestimmungen genehmigt. Gnadengaben an Personen, welche im Dienste der Gemeinde beschäftigt waren, beziehungsweise an deren Hinterbliebene, werden für das Jahr 1905 mit dem Gesamtbeträge von X 30.229-75 bewilligt. Verschiedene vom Vertreterkollegium, beziehungsweise von den berufenen Kuratorien erfolgte Stiftungsverleihungen werden zur Kenntnis genommen. Jnbetreff der Behandlung der Austritte aus dem Judentume wird beschlossen, daß die Einsichtnahme in das Austrittsregister über Verlangen, jedermann zu gestatten sei. Nach Erledigung von Kultussteueraugelegenheiten wird die Sitzung um halb 2 Uhr nachmittags geschlossen. Wien. Ueber Veranlassung des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde Wien findet Donnerstag, den 16. Februar 1905, präzise 1lß Uhr abends, im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereines, I., Eschenbachgaffe 9, eine Vorlesung des Herrn Adolf W e i s s e, Direktor des Deutschen Volkstheaters, statt. Thema: „Jüdische Poesien." Eintritt frei ohne Karten. Wien. Im „Jüdischen Musen m" gelangen in dieser Woche zur Ausstellung: 1. Eine Serie von künstlerisch augefertigten Handzeichnungen, Ansichten der Synagoge zu Worms und der Raschi- Kapelle daselbst, nach den Angaben des Herrn A. Epstein als Studien zu seinem Werke: „Jüdische Altertümer in Worms und Speier", nach der Natur ausgenommen; dem Museum gespendet von dem Mitgliede des Kuratoriums Herrn A. E p st e i u. 2. Preis-Konkurrenzen um die freiherrlich Rothschild scheu K ü n st l e r sti p e n d i e n von den Bildhauern Arthur Immanuel Löwenthal, Geza Salzmann, F. C. Becher, Fritz Herlinger, Richard Hudl. Wien. (Wiener JüdischeToynbe e-H a l l e, XX., Karaj a n g a s s e 20.) Vortragsordnung : Sonntag, 12. Februar, Doktor I. Samuely: Das Telephon. Montag, 13. Februar, akad. Maler Otto Herschel: Einiges über Kunst. Dienstag, 14. Februar: Diskussion. Mittwoch, 15. ■ Februar, Felix Salten: Vorlesung. Donnerstag, 16. Februar, Max dl ad) et: Gerhart Hauptmann. IE. Freirag, 17. Februar: Bibelerklärung. Samstag, 18. Februar: Konzert. Sonntag, 19. Februar, Dr. Leopold Kahn: Messianität und Judentum. — Die Kurse der Toynbee-Halle haben Montag, 6. Februar, begonnen. Vorläufig finden folgende Kurse statt: Jeden Montag, 1/28 Uhr abends, Schnittzeichnen. (Frl. Jsabella Kohn.) Jeden Dienstag, 1/48 Uhr abends, Englisch. (Frau Jda Berliner.) Jeden Donnerstag, 1li8 Uhr abends, Französisch. «Frl. Rosa S p i e l m a n n.> Ort der Kurse: Religionsschule der israelitischen Kultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 2. Wien. Samstag, den 4. d. M., beging der rühmlichst bekannte Lektor Weiß seinen 90. Geburtstag, aus welchem Anlasse sich bei dem greisen Gelehrten, der leider körperlich schon sehr geschwächt ist, viele Gratulanten einfanden. Die Glückwünsche des Beth-hamidrasch überbrachten Kultusvorsteher Dr. Markus Spitzer und kais. Rat Moriz W a i z n e r. Herr David Ritter v. Gutmann ließ nebst aufrichtigen Glückwünschen eine Ehrengabe durch Herrn Rabbiner Dr. Schmied! übermitteln. Auch von anderer Seite erhielt Lektor Weiß zahlreiche Geschenke und Gratulationen. Wien. Sonntag, den 12. Februar, findet im Tempel, VI., Schmalzhofgasse 3, die Trauung des Fräulein Paula Hofmann, Tochter des Obmannes des Tempelvereines für Wieden und Margarethen, Herrn Adolf Hofmann, mit Herrn Hermann Schlesinger statt. Wien. Sonntag, den 29. Jänner d. I., 5 Uhr nachmittags, fand die Generalversammlung des Bethausvereines „Am Volkert" II. , Fugbachgasse 7, unter dem Vorsitze seines Obmannes, Herrn Adolf Schrämet, statt. Seitens der Kultusgemeinde war niemand erschienen und entschuldigte der Vorsitzende den delegiert gewesenen Herrn Dr. Markus Spitzer, der durch Unwohlsein verhindert war, zu erscheinen. In seiner Eröffnungsansprache gedentt der Obmann des verstorbenen ehemaligen Präsidenten der Kultusgemeinde, Herrn kais. Rates Heinrich Klinger, Ehrenmitgliedes dieses Vereines, und hat sich die Versammlung züm Zeichen der Trauer von den Sitzen erhoben. Sodann wird der Rechenschaftsbericht verlesen und genehmigend zur Kenntnis genommen. Ueber Antrag der Revisoren Wessely und Kraus wird dem Vorstande das Absolutorium erteilt und demselben der Dank für seine Mühewaltung ausgesprochen. Die ausscheidenden Herren Schramek, Ehrenfeld, Reiser, Bauer,. Bernhard und Jofef Fischer werden wiedergewählt, als Vertrauensmann Herr David K o h n kooptiert. In der hierauf erfolgten Konstituierung des Vorstandes wurden gewählt: Adolf Schramek, Obmann; Hermann Ehrenfeld, Obmann-Stellvertreter; Jgn. Reiser, Schriftführer^ Jukius Beck, Schriftführer-Stellvertreter; Josef Fische r, Kassier; Elkan Bauer uud H. Kaiser, Kontrollore; Salomon Beck, Mittler^ Singer und Wilhelm B a n d l e r, Tempelvorsteher.