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Die Wahrheit · 1905-02-10 · Heft 6 (10.2.1905) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 6 (10.2.1905)
Date
1905-02-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 6. Diese trägt Sorge, daß sämtliche Unterstützungen und Ablehnungen in dem ihrer Leitung unterstehenden Zentral- Armenkataster vorgemerkt werden. Dieser Zentral-Armenkataster ist ein wichtiger Behelf der zentralisierten Armenpflege. Es ist das Bindeglied, durch welches alle Htlfsstellen untereinander in ständigem Wechselseitigem Kontakte erhalten werden. Der Zentral-Armenkataster wird seiner Ausgabe gerecht, indem er einerseits von allen Hilfsstellen über alle Unterstützungen und Ablehnungen fortwährend in Kenntnis erhalten wird, andererseits den anfragenden Hilfsstellen die Antezedentien eines jeden Unterstützungsfalles sofort bekanntgibr. Durch den Zentral-Armenkataster wird der Verband das Interesse und die werktätige Anteilnahme der Privatwohltäter erwecken und rege halten, indem er ihnen über die Verhältnisse, über Dürftigkeit und Würdigkeit, sowie über bereits von anderen Seiten erteilte Unterstützungen der ihre Hilfe anrufenden Armen detaillierte Auskünfte zu geben in der Lage ist. Gegebenen Falles werden diese Wohltäter dem Verbände Beträge zn Gunsten der von ihnen empfohlenen Armen zur Verfügung halten, bezw. überweisen. Es sei hervorgehoben, daß durch die Zentralisation, wie jie hier gedacht und projektiert ist, die Autonomie der einzelnen .Institute nicht berührt wird. Die Beschränkung, welche jede verbandsangehörige Institution im allgemeinen Interesse sich auferlegt, bezieht sich im wesentlichen nur auf den Umfang, die Art und Weise der Erhebungen. In ihrer finanziellen Gebarung und in ihren Entschließungen bezüglich der Hilfeleistungen sind alle Institutionen vollkommen unabhängig. Es ist daher die vorgeschlagene Reform absolut keine Finanzsrage, sondern nur ein Mittel, die Armenpflege mit einem neuen Geiste zu erfüllen und sie auf eine zeitgemäße Grundlage zu stellen. Eine gemeinsame Verbandskasse für Unterstützungszwecke soll nicht gebildet werden. Die einzigen Ausgaben des Verbandes als solchen sind Regiekosten (Bureau, Drucksorten, Porto), welche von den verbandsangehörigen Institutionen auf Grund eines Aufteilungsschlüssels (Mitgliederzahl oder Jahreseinnahmen) gedeckt werden. Außer dem inneren Werte der Reformen sprechen auch die Erfahrungen, die anderwärts mit ähnlichen Einführungen gemacht worden sind, für dieselbe. Trotz größerer Leistungen und erhöhten Effektes sind die Ausgaben nicht gestiegen. Mag auch die Zentralisation nicht das Allheilmittel der Armenpflege sein, welches erst mit der Lösung der sozialen Frage gefunden werden wird, so ist sie doch ein Gebot des vorwärtsdrängenden Fortschrittes, eine Einrichtung, welche den Wohltätigkeits-Instituten, den Privatwohltätern und den wahrhaft Dürftigen gleichermaßen zum Besten gereicht. Der durch die Zentralisation ins Leben gerufene Verband wird den Brennpunkt bilden für alle auf die Förderung der jüdischen Armenpflege gerichteten Bestrebungen. Der Verband wird die berufene Instanz sein für den Austausch und die Verwertung der Erfahrungen, für neue Anregungen, für die Beratung von Verbesserungen und Neueinführnngen. Alle, welche der Ueberzeugnng sind, daß die Armenpflege, mag sie nun wie die konfessionelle als Ausfluß der Glaubenskehren werktätige Religionsübung, mag sie wie die freiwillige interkonfessionelle Betätigung altruistischer, sozialethischer Gefühle, oder wie die öffentliche Armenpflege Anwendung gesetzlicher Normen sein, nicht nur mit Herz und Gemüt, sondern auch mit Verstand und Gerechtigkeitssinn geübt werden muß, alle, welche erkennen, daß die praktische Armenpflege wie jede andere Verwaltung auf bestimmten, der ihr eigenen Oekonomie und Technik entsprechenden Regeln basieren muß, können nicht anders als für eine neue zeitgemäße Ordnung der jüdisch-konfessionellen Armenpflege im Sinne der Zentralisation sich aussprechen imb entscheiden. _ Der Geist der Dibel. Von D. A Sulzbach-Rosenfeld. (Fortsetzung.) Mit der nun unmittelbar darauf folgenden Erzählung des Sündenfalles des ersten Menschenpaares wies Moses auf das Degenteil aufrichtiger ehelicher Vereinigung hin, um zu zeigen: Seite 7 sobald anderweitiges Verlangen als gegenseitige aufrichtige Liebe sich der Gatten bemächtigt, gar bald das Verlangen nach »verbotener Frucht" sich einstellt, schlangenartig das Herz beschleicht, den Sinn bestrickt und berückt, bis endlich der Mensch als Opfer seiner Unaufrichtigkeit, Pflichrvergeffenheit und Treulosigkeit gegen andere und sich selbst der Versündigung und dem Verderben anheimfüllt. Die dargetanen verhängnisvollen Folgen des Genusses „verbotener Frucht' sollte seine Brüder zur strengsten Enthaltsamkeit anregen und ihnen die Nachteile, die Schädlichkeit und die Gefahren schwacher Widerstandskraft gegen Verführung drastisch vor Augen führen. Anderseits wollte Moses mit der umständlichen Erzählung des Sündenfalles des ersten Menschenpaares feinen Brüdern plausible Gründe angeben für die auffallenden Erscheinungen in der Beschaffenheit, Gestaltung und im Leben der Geschöpfe, besonders aber in dem der Menschen, in Anbetracht der allwaltenden göttlichen Gerechtigkeit und Allliebe. Wie kommt es zum Beispiel, daß die riesige, gewaltige Schlange, entgegen allem größeren Getier, auf ihrem Bauche, ihrem Leibe sich winden und krümmen muß und in den Staub verurteilt ist, während der schwächliche Mensch aufrecht, das Haupt gen Himmel, mächtig und gebieterisch einherfchreitet? Wohl ist es des Menschen Bestimmung, seinen Blick, seinen Geist nach oben, sein Streben aufwärts, znm Hehren zu richten, nicht nach unten, zur Erde, znni Irdischen; allein es haben auch sonst die Tiere allzumal sich eignende Gliedmaßen, um ihre Weiterbewegung bewerkstelligen 31t können, ohne mit ihrem Leibe in unmittelbare Berührung mit dem Erdboden zu kommen. Ferner: Weshalb ist die Frau, der Mutterfreuden beschieden sind, solch langen, bangen, beängstigenden, schmerz- und qualvollen Stunden und Tagen unterworfen, was gar oft ihr Sein, chr Leben bedroht, untergräbt, vernichtet?! Und warum ist sie überdies noch dem Manne untergeordnet, nachdem sie es doch eigentlich ist, die die Fortpflanzung des Menschengeschlechtes mit eigener Lebensgefahr vollbringt, wofür sie gewiß vielmehr Dank, Anerkennung und Verehrung seitens des Mannes und der Gesellschaft beanspruchen dürfte und finden sollte?! Und wie kommt es, daß sie trotz alldem und ungeachtet, daß sie — nach ehemaliger Anschauung — dem Manne untergeordnet, gehorchend und eigen, gleich dem Sklaven unfrei, unselbständig und willenlos — dennoch ihre Sehnsucht, ihr Verlangen, Trachten und Streben nach und zu dem Manne hat?! Außerdem scheint doch die Frau nach ihrer äußeren, ebenmäßigeren, zarteren, gleichsam verfeinerten und idealeren Erscheinung und nach ihrer zeitlich reiferen, körperlichen und geistigen Entwicklung — von Natur ausgebildeter, vervottkommter und höherstehend als der Mann? Woher also dennoch ihre Untertänigkeit? *) *) Wie es aber wirklich kam, daß die Frau dem Manne gegenüber in eine untergeordnete Stellung geriet und ihr Sinn der Eitelkeit und Kleinlichkeit sich ergab, das dürste wohl größtenteils in ihrer körperlichen zarteren und schwächeren Konstitution gelegen haben. Wie nämlich überall in der Natur das physisch Stärkere dominiert, so wars auch bei den Menschen, miolange sie ihrer intellektuellen Ueberlegenheit der rohen Gewalt gegenüber sich nicht voll bewußt waren. So kam denn auch die Frau, als die physisch schwächere, dem Manne gegenüber in eine sozial untergeordnete Stellung. Die Männer nabmen nun, als die alleinigen Herren der Schöpfung, alles auf die freie und kräftige Entwicklung der körperlichen und geistigen Anlagen Abzielende für sich allein in Anspruch, was — wie natürlich — ihren Horizont stetig erweiterte, ihre Jntellektuellität steigerte, während Horizont und Jntellektuellität bei den Frauen durch die ihrer Tätigkeit zugewiesenen monotonen, geistlosen Arbeiten in Haus, Hof und Feld allmählich sich verringerten und beschränkter wurden, bis ihr Interesse an dem Außengetriebe gänzlich schwand, ihre geistige Rezeption sich abschwächte, ihr Sinn sich abstnmpfte und schließlich ihrer Gedanken Richtung säst ausschließlich aus ihre eigene physische Individualität sich konzentrierte, die zu schmücken, zu verschönern, zu verherrlichen und — gleich den Wilden — durch Flitter und Tand zur Geltung zu bringen, ihr ganzes Sein beherrschte, ihre Lebensanschauungen gefangen nahm, ihr Sinnen, Trachten und Streben völlig absorbierte und — ihres Daseins Triebfeder und Leitmotiv: Eitelkeit und Kleinlichkeit wurden. Hierin dürfte jedoch in absehbarer Zeit Wandel e intreten durch die in neuerer Zeit in immer weitere Kreise sich Bahn brechende Erkenntnis, Die Wahrheit

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