Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1905
- Issue
- Heft 5 (3.2.1905)
- Date
- 1905-02-03
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 9, Nr. 5. Die Wahrheit. Bezirksschulrat Dr. Markus Spitzer, I. Sekretär kais. Rat Dr. Theodor Lieben, dann der englische Botschaftskaplan Rev. William H. Hechler, Maler Isidor Kaufmann, Prof. Jgn. Brüll, Dr. Edmund Kohn, Dr. Bela T a u s s i g, Herr S. Simon, die Schriftsteller Dr. I. S. B l o ch mnd Dr. M. L ö w y u. a. ein, um die interessanten Sammlungen zu besichtigen. Besonders tiefen Eindruck machte auf die Besucher das derzeit im Museum ausgestellte große Oelbild von S. Hirszenberg „G o l u s" oder „I n d i e B e r b a n n u n g". Der Präsident der Gesellschaft, Baurat W. Stiaßny, begrüßte die Erschienenen mit einer längeren Ansprache, legte denselben einige besonders bemerkenswerte Objekte vor und machte dabei interessante Mitteilungen über den Kunstwert und die Art der Erwerbung dieser Objekte. Der hierauf angetretene Rundgang durch das Museum führte auch in die „gute Stube", und wurde dein anwesenden Arrangeur derselben, Herrn Maler Isidor Kau fm a nn, schmeichelhafte 'Anerkennung zuteil, wofür der Künstler mit der ihm eigenen Art besonderer Bescheidenheit dankte. Nach Besichtigung der Knnstschätze ergriff Präsident Dr. Stern das Wort, um Herrn Baurat Stiaßny nicht nur für den gebotenen Kunstgenuß zu danken, sondern ihn auch zu dem schönen Werke, das er mit dein „Jüdischen Museum" geschaffen, zu beglückwünschen. Gleichzeitig gab Dr. Stern die Zusage, daß er sich gerne nach der Richtung bemühen wolle, um das Bild Hirszenbergs dem .„Jüdischen Museum" zu erhalten. Wien. (Bortrag.) Donnerstag, den 9. Februar, d. I., präzise 1h& Uhr abends, sinder im Festsaale des Ingenieur- und Arckitekten- Bereines, I., Eschenbachgasse 9. ein Bortrag aus der' Geschichte der Inden statt. Der Vortragende und das Thema werden durch die Tagcsblätter j bekanntgegeben werden. Eintritt frei ohne Karten. Wien. Der „I ü d i s ch e S ch u l v e r e i n für den IX. B e- .z i r k" hat den I. Vizepräsidenten der Wiener Kultusgemeinde, Herrn Hof- und,Gerichtsadvokaten Landesschulrat Dr. Gustav K oh n, zum Ehrenpräsidenten gewählt, und Herr Dr. Kohn hat sich bereit erklärt, diese Wahl .anzunehmen. Wien. Am 28. v. M. war der Sterbetag der seligen Frau Regine H i r s ch, Gattin des >1. Vizepräsidenten der israelitischen Kulmsgemeinde, Herrn kais. Rat Moriz H i r s ch. Aus diesem Anlasse wurden Herr kaiserlicher Rat Hirsch und dessen Sohn im Tempel in der Seitenstettengasse zur 'Thora gerufen und spendeten größere Beträge verschiedenen wohltätigen .Zwecken. Wien. Freitag, den 27. v. M., fand die Beerdigung des Seniorchefs der Firma Breisach & Co., Herrn Börsenrat Julius Breisach, runter überaus zahlreicher Teilnahme statt. Oberkantor Singer mit dem Chore exekutierte die üblichen Trauergesänge. Wien. Am 27. Jänner ist hier Herr Richard Schüller, Gesellschafter der Firma Joses Schüller und Sohn, im 47. Lebensjahre gestorben. . Der Verblichene, der eine tieftrauernde Witwe, Frau Olga Schüller, und 3 Kinder hinterläßt, war ein seltener Charakter, der durch vielseitige Betätigung edler Menschenliebe sich allgemeiner Achtung und Wertschätzung erfreute. Besondere Fürsorge wandte er dem israelitischen Humanitätsverein für die westlichen Bezirke zu, in welchem er durch viele Jahre als Schriftführer wirkte. Das Leichenbegängnis fand am 29. Jänner unter großer Teilnahme statt. An seiner Bahre sprachen Rabb. Dr. Taglicht und Dr. Carl Löwy namens des Humanitätsvereiiies für die westlichen Bezirke. -Ehre seinem Angedenken! Wien. Herr H. Bane r, Hoflieferant, I., Fleischmarkt 2, feiert mit seiner Gattin Henriette, geb. Beck, am 2. Februar d. I. das .silberne Hochzeitsfest und gleichzeitig den 25jährigen Bestand seines Geschäftes. Wien. Der Brigittenauer humanitäre. Verein zur Bekleidung und 'Ausspeisung armer Schulkinder „Die B r ü d e r" hielt Donnerstag, den r26. Jänner, im Restaurant Schwarz, XX., Klosterneuburgerstraße 16, seine diesjährige Generalversammlung ab. Der Obmann, Herr Heinrich 'Weiner, der sich große Verdienste um die Armenpflege im Bezirke erworben hat, eröffnete 8 Uhr abends die Versammlung, indem er die erschienenen Mitglieder und Abordnungen anderer Vereine aufs herzlichste begrüßte und sodann dem kürzlich aus dem Leben geschiedenen ehemaligen Präsidenten der Wiener Kultusgemeinde, Herrn kais. Rar Heinrich Kling er, -ehrende Worte des Gedenkens widmete. In dem hieraus folgenden Berichte über die Vereinstätigkeit im abgelaufenen Jahre betonte der Obmann, daß es möglich war, 260 Kinder vollständig mit warmen Winterkleidern zu versehen und überdies 342 Paar Schuhe separat zu verteilen. Für diesen Zweck wurde ein Betrag von X 4219-50 aufgewendet. Allerdings ist diese respektable Leistung nicht das alleinige Verdienst des Vereines, da -die israelitische Kultusgemeinde hiefür eine ganz namhafte Subvention bewilligte und auch der Brigittenauer Frauen-Unterstützungsverein sich materiell an dieser Aktion beteiligte Der Bericht schloß mit folgenden Worten: .„Allen, die dazu beigetragen haben, unsere jüdischen Kinder gegen die Unbill der rauhen Jahreszeit zu schützen und schulfähig zu machen, sei Herzlichster Dank gesagt und daran die Bitte geknüpft, auch künftig dieses mit armen Juden so stark bevölkerten Bezirkes nicht zu vergessen und alle Kraft aufzubieten, um zur Linderung der Not beizutragen." Nach Erteilung des Absolutoriums ergriff Herr Sekretär Jos. Kohn das Wort und hielt eine von weiten Ausblicken getragene formvollendete Rede, die wir leider wegen des knapp bemessenen Rannies nicht im Wortlaut veröffentlichen können. Herr Volksschullehrer Faltischek, der als Borstandmitglied eine geradezu aufopfernde Tätigkeit in dem Vereine entfaltet, schilderte sehr drastisch die tristen Zustände unter der Brigittenauer Judenschaft. Herr rKultusvorsteher Eltbogen verwies darauf, daß demnächst über Initiative der Kultusgemeinde eine Enquete aller in Wien wirkenden jüdischen Wohltätigkeitsvereine zum Zwecke der Fusionierung stattfinden werde. Frau Dr. Emilie Weiß trat der Anschauung des Herrn Eltbogen entgegen, indem sie der Befürchtung Ausdruck gab, daß die Brigittenauer Armen unter einer Zentralisierung empfindlich leiden könnten. Es sprachen noch Herr D n b und Herr Adolf Schreiber, jeder mit Begeisterung für die gute Sache, und zum Schluffe hielt wieder Herr Weiner ein wirkungsvolles Resums. Die Liste des neuzuwählenden Vorstandes, durch Herrn Polatschek proponiert, wurde über Antrag des Herrn Schnitzler per Akklamation angenommen. Es erscheinen sonach die folgenden Herren in den Vorstand gewühlt: Heinrich Weiner, David Pollatschek, S. Schwarz, Dr. Jos. Kohn, Herrn. Eltvogen, Edm. Hirsch, Jakob Goldner, Arthur Grab, Josef FalNschek, S. Liebet, Berthold Kaiser, Leopold Svira und Jakob Bauer. X. Ch. Baden. (Rabbinatsjubiläu in.) Am 6. Februar d. I. feiert Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Wilhelm Reich das Jubiläum seiner 25jährigen Amtswirksamkeit in Baden. Unser Herr Rabbiner hat sich durch sein segensreiches Wirken ungeteilte Anerkennung und zahlreiche Verehrer erworben, welche es sich nicht nehmen lassen werden, den Jubiläumstag des beliebten Seelsorgers und Predigers festlich zu begehen. Wessely. Am Sonntag, den 29. Jänner, hat in Wessely in Mähren das Leichenbegängnis der nach kurzer Krankheit im jugendlichen Alter von 28 Jahren verstorbenen Frau Lorte R o s e n b l a t t. Gattin.des Holzhändlers Herrn Adolf Rosenblatt, stattgefunden. Wie sehr sich die Verewigte der Sympathie und Wertschätzung aller Kreise ersreute, erwies die ungewöhnlich zahlreiche Beteiligung an dem Leichenbegängnisse, bei ivelchem nicht nur unsere Glaubensgenossen, sondern auch die bänerl che Bevölkerung aus den mehrere Stunden entfernten Ortschaften Welka, dem Geburtsorte, und Jawornik, dem früheren Wohnorte der Verblichenen, erschienen waren. Der Rabbiner von Ung.-Ostra, Herr Dr. Sunon F r i e d m a n n, und Oekonom Herr M. Haas aus Welka hielten der Verstorbenen ehrende Nachrufe, welche auf die Anwesenden ergreifenden Eindruck ausübteu. Olmütz. (Hat eine konfessionslose Person das Recht, während des Gottesdien st es elnen Tempel sitz zu benützen?) Bei Beantwortung dieser das jüdische Kultuswescn rangierenden Frage, ob die Anwesenheit einer konfessionslosen Person im Gotteshause Aergernis erregen und die Andacht stören würde, gestatte ich mir Folgendes zu bemerken: Es ist selbstverständlich, daß bei richtiger Beurteilung dieser nicht unwesentlichen Frage in erster Linie die hiefür geltenden gesetzlichen Bestimmungen als auch nicht minder die religiösen lokalen Verhältnisse in Betracht gezogen werden müssen. Es obliegt gar keinem Zweifel, daß die Betätigung des religiösen Lebens nach dem Artikel 15 des Staatsgrundgesetzes keine derartige sein darf, daß ein Mensch, der aus der Religionsgemeinschaft ausgeschieden ist, trotzdem an den gemeinsamen Religionsübungen seiner ehemaligen Religionsgenossen teilnimmt. Da nun ein solcher Austritt aus der Religionsgemeinschaft den offenbaren Willen bekundet, dieser Gemeinschaft nicht mehr anzugehören, so müßte die Teilnahme einer solchen Person an den Religionsübungen wie ein Hohn für die ganze Gemeinschaft erscheinen und müßte die Gemeinde im Gotteshause selbst hochgradig erregen, so daß der Zweck des Gottesdienstes, der eine ungestörte gemeinsame Religionsübung zur Voraussetzung hat, gehindert würde. Ich bin daher der unmaßgebenden Anschauung, daß einer Person, welche aus einer Religionsgemeinschaft, sei es der Kultussteuer wegen, oder unter welchen Motiven immer ansgetreten ist, die Beteiligung an dem Gottesdienste dieser selben Religionsgemeinschaft nicht zu gestatten sei und daß dieselbe, wenn sie trotz ausdrücklichem Verbote des Kultusvorstandcs in den Tempel kommt, einen Sitz benützen will und den Platz trotz Aufforderung nicht verläßt, aus dem Gotteshause zu weisen ist. In unserer Gemeinde hat sich ein solcher Fall nicht ereignet. Doch ist es zweifellos, daß eine derartige Handlungsweise in jeder Religionsgemeinschaft starkes Aergernis erregen und den berechtigten Unwillen der Gemeindemitglieder Hervorrufen würde. Die gerichtliche Entscheidung üher einen ähnlichen Vorfall in einer mährischen Gemeinde, wo ein Konfessionsloser aus dem Tempel entfernt werden mußte und dieses Umstandes halber klagbar gegen den Kultusvorsteher aufgetreten ist, wurde nunmehr dahin gefällt, daß letzterer mit der Begründung freigesprochen wurde, daß er kraft seines Amtes für die Ruhe und Ordnung im Tempel zu sorgen gehabt und diese habe er durch die Anwesenheit des Konfessionslosen für gestört gehalten. Die Berufung des betreffenden Klägers an die zuständige höhere Gerichtsbehörde wurde kostenpflichtig abgewiesen. A. S t ö ß l e r. Brody. Vergangenen Freitag wurde Herr Lasar Bloch, der bei der Feier des 90. Geburtstages seines in den weitesten Kreisen allverehrten Vaters in Budapest anwesend war, hier wieder einstimmig zum Präsidenten der Handels- und Gewerbekammer gewählt. Es ist dies ein Ehrenamt, dessen Herr Bloch sich in jeder Beziehung würdig zeige; überhaupt werden alle Ehrenämter, denen er vorsteht, von ihm mit der größten Pflichttreue, Pünktlichkeit und Gewissenhaftigkeit versehen. Er ist Kultuspräsident, Schulinspektor, Gemeinderat und Verwaltungsmitglied fast aller hiesigen humanitären Anstalten. Sein biederer Charakter, seine unbeugsame Ehrlichkeit erwerben ihm hier allgemeine Sympathie sowohl bei Juden, wie auch bei den Christen. A. N. Czernowitz. Die „Bukowinaer Post" schreibt: B ö s e B e ispiele'verderben guteSitten. Wir haben in der letzten Nummer zwei Ernennungen bei der Finanzdirektion gebracht, von der der eine Ernannte ein Jude ist. Wir heben dies hervor, weil wir erfahren, daß speziell diese Ernennung nickt leicht zustande kam. Unser neuer Finanzkandesdireftor, Herr Hofrat K n i p f e r, kann — wie es schon der Abgeordnete Nikolai v. Wasfrlko in seiner Budgetrede im Landtage gesagt hat — es nicht