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Die Wahrheit · 1905-02-03 · Heft 5 (3.2.1905) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 5 (3.2.1905)
Date
1905-02-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Iü£^i Seite 8. Die Wahrheit. Nr. 5. Sein Herz war krank, sein gutes edles Herz. Das ist im Menschenleben so, daß so oft die guten Herzen die kranken Herzen sind. Gewiß haben die Eltern wie alle Eltern, als ihnen das Knäblein geschenkt wurde, wenn auch nicht gesprochen, so empfunden, das freudeerfüllte Profetenwort: „Ein Kind ist uns geboren, ein Knäblein uns geschenkt!" Heller Jubel herrschte im Hause. Und das Kind gedieh und seltene Gaben des Geistes zeigten sich im zartesten Alter. „D er kluge Sohn erfreute den Vater." — — Da tarn ba§ Unglück. Im achten Lebensjahre erkrankte das Kind, um nicht mehr wieder zu genesen. „Zart und einzig geliebt war ich von meiner Mutte r." Denn nimmer ruhte das Mutterherz und mit bebender Hand und zaghaftem Blicke wurde das heißgeliebte Kind durch das stets bedrohte Leben geleitet und gelenkt. Jedes Abendrot brachte neuen Kummer, jeder Morgen erneute Sorge um das an einem Faden hängende Leben. Wie reichlich aber entschädigte der edle Knabe und Jüngling die Eltern und liebenden Geschwister. Die Talente der Vorfahren — eri st das einzige Enkelkind unseres berühmten Glaubensbruders Rabbi Saul Jsak Kaempf s. A. — wurden in dem jugendlichen Geiste wach. Das stänke Herz war ein Dichterherz, die schwache Hand tine Künstlerhand, das Auge ein Künstlerauge. Und dies Alles aus eigener, eingeborener Kraft, ohne Lehrer und Schule, ohne Leitung und Unterricht. Die edelste Freude an Natur und Schöpfung gab der Allgütige dem hartgeprüften Jüngling' als Ersatz für viele, bittere Entbehrung. „W elch' eine klaffende Bresche ha st du, unser Sohn, in uns er Haus gelegt." Wie bitterlich weinen die dich abgöttisch verehrenden Eltern, wie weinen deine dich hegenden und liebenden Geschwister, die edlen Großeltern, denen „ihre Augenweide" genommen. Pflicht aber ist es, Gottes Schickung in Fassung und Würde zu ertragen. Der Hinblick auf die frommen Vorfahren von Vater- und Mutter- Seite erhöht diese Pflicht. „Wer sein Kind begräbt, dem ist die Schuld vergebe n", sagen unsere Talmudweisen; womit sie gewiß dem Gedanken Ausdruck verleihen, daß es für Eltern kein entsetzlicheres Weh gibt, als ein geliebtes, gutes, edles, hochbegabtes Kind frühzeitig ins Grab legen zu müssen. Das ist die schwerste Heimsuchung, eine Wunde, die niemals ganz vernarbt. Gott aber wird auch diese Eltern trösten. Sie können sich aufrichten au dem Gedanken, das Leiden des Entschlafenen mit unendlicher Sorgfalt und Liebe gemildert und das zarte kurze Leben des Kindes durch bewundernswerte Aufopferung verschönt und versüßt zu haben. „Der Ewige trockne alle Tränen von ihrem Antlitze" und gebe dem entschlafenen Jüngling Ruhe und ewigen Frieden!" Der Geist der Distel. Von D. A. Sulzbach-Rosenfeld. (Fortsetzung.) IV. In gleich genialer Weise und blumenreicher Sprache, zu gleich edlem Zwecke seiner erziehlichen Absichten und entsprechend und anpassend den damaligen örtlichen Begriffen und Anschauungen, erklärte und deutete Moses seinen Brüdern die Erscheinungen und Vorkommnisse in der Natur und im Leben der Menschen, um auch die Lebensanschauung und die Lebensführung seiner Brüder in Einklang zu bringen mit der erhabenen, übersinnlichen Gottesidee und den aus dieser sich ergebenden Erwägungen und Anforderungen in kultureller, sozialer, sanitärer und ökonomischer Beziehung. Diese seine weisen, trefflichen, lehrreichen und dem Tatsächlichen entsprechenden Ausführungen entwickelte Moses zu einer Reihe von Begebenheiten in zusammenhängender Reihenfolge. Moses beginnt mit der Schilderung der Entstehung und successiven konsequenten Entwicklung des Weltalls und aller Lebewesen, insbesondere der Menschen. Nach dieser Schilderung entstanden die Menschen nicht nach Art und Weise der anderen Lebewesen; vielmehr entstand die ganze Schöpfung für die Menschen, die Er nach Götterart formte und bildete, indem Er sie mit Attributen höherer Art ausstattete: mit Vernunft, Sprache, ethischem Bewußtsein, moralischem Empfinden, Phantasie, Poesie, Sittlichkeits- und Rechtlichkeitsgefühl. Psalm 8, 6: „Du hast ihn göttlichen Wesen „wenig" nachgesetzt: Du hast ihn mit Ehr und Schmuck gekrönt." Durch diese Attribute werden die Menschen der Gottähnlichkeit teilhaftig und befähigt, sowohl alles Irdische zu beherrschen. Psalm 8, 7: „Du ernennst ihn zum Beherrscher Deiner Werke und legst zu seinen Füßen Alles" als auch über dasselbe sich zu erheben, wie Gott heilig, sich zw heiligen und im Tode noch von den anderen Lebewesen sich zü. unterscheiden. Diese fallen mit ihrem Tode der Verwesung, der Vernichtung, der gänzlichen Vergessenheit anheim, die Menschen hingegen können durch Entwicklung ihrer sie auszeichnenden Seelenkrüfte die Unsterblichkeit erringen, indem sie in der künftigen, kommenden — olom habbo — in der Nachwelt fort-- leben in ihren Nachkommen durch die natürliche, successive Fortpflanzung der überkommenen oder eigenen seelischen Attribute — gilgai haneschomoh — Seelenwanderung, sowie in der dankbaren, verehrenden Erinnerung der Mit- und Nachwelt, durch Werke seelischer Begabung, Geistesprodnkte, Ergebnisse edlen Gemütes. . Moses Schilderung der Entstehung des Weltalls in sechs Tagen galt dem Sabbath als einer der vornehmsten Satzungen der Lehre Moses in sozialer, ökonomischer und kultureller Hiusicht: Allgemeiner, vollständiger Ruhetag zur Erholung Aller nach sechstägiger Tätigkeit, nach vollbrachter Arbeit, die ' des Menschen Los und Bestimmung ist. um sich die Natun dienstbar zu machen, und so, sich und sie vervollkommnend, Herr der Schöpfung zu werden. (I. M. 1, 27—28.) ■ V. Und nun, nachdem Moses seinen Brüdern ihre Beziehung, zur Gottheit und die ihnen von der Gottheit zugewiesene Bestimmung angedeutet und erhärtet hatte, beleuchtete er ihnen ihr eigenes, gegenseitiges Verhältnis zu und untereinander. So voallem — mit der Schilderung der Entstehung und des Gebarens des ersten Menschenpaares — die Ursache und das Tatsächliche der gegenseitigen, unbezwinglichen Sehnsucht und Zuneigung der beiden aufeinander angewiesenen Gatten in der ehelichen Vereinigung, durch welche die beiden Gatten gleichsam „Ein Fleisch" werdend, Vater und Mutter verlassen, Alles sie Trennende und jede Scheu vor einander bannend, Ein Gefühl, Ein Empfinden, Eine Sorge, Ein Interesse, Ein Streben und Ein Verlangen haben: der gegenseitigen, innigsten, selbstlosen, aufopfernden Liebe, insofern sie sich der gegenseitigen, engsten Zusammengehörigkeit auch voll bewußt sind. Und diese Liebe ehelicher Vereinigung, diese innigste Zu-- sammengehörigkeit, sie ist das Fundament der ganzen menschlichen Gesellschaftsordnung, der Familie, der Stämme, der Gemeinden, der Völker, der Staaten, und in weiterer Konsequenz: Impuls der Zusammengehörigkeit der Gesamtheit des Menschengeschlechtes — der Impuls der Zivilisation! Sie ist die höchste Potenz der Poesie, mit welcher wir die Natur, sie ihres Urzustandes entkleidend, in veredelter Form in unfern Dienst stellen und so uns über das Tier erheben. Die Erhabenheit eines wahrhaft innigen ehelichen Zusammen-' lebens bringt den Menschen erst recht zum Bewußtsein strengster,, aufopfernder, selbstloser Pflichterfüllung und Pflichttreue gegen die Familie, die Nebenmenschen rc.; endlich znm Bewußtsein, einer hehren Macht, die in den wunderbaren, weisen, ewigen: Naturgesetzen der Entwicklung und des Gedeihens der kleinsten' Organismen und der Höchstorganisierten, der Menschen, ihrem Ausdruck findet — zur Gotteskenntnis, zum Gottesbewußtsein. Tatsächlich finden wir auch zu allen Zeiten bei allen Stämmen, Nationen und Völkern die eheliche Vereinigung als eine höchst heilige, der Natur selbst entlehnte, erhabene Institution, spontan hochgehalten, verherrlicht, gepriesen und besungen — deren Verletzung aufs strengste, ja sogar mit dem Tode, geahndet wird. (Fortsetzung folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien. (Muse u m für jüdische Altertümer.! Einer Einladung des Kuratoriums Folge leistend, fanden sich Dienstag, den 31. Jänner, 6 Uhr abends, im Museum für jüdische Altertümer, 11.^ Praterstraße 23, mehrere Herren vom Knltnsvorstande, darunter der Präsident Dr. Alfred Stern, der Vizepräsident kais. Rat Moriz Hirsch, Dr. Alfted Berger, Prof. Dr. S. E h r m a n n, Baurat Theodor Ritten v. G o l d s ch m i d t, Architekt Oskar M a r m o r e k, Salo L cr n d a'u^

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