Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1905
- Issue
- Heft 4 (27.1.1905)
- Date
- 1905-01-27
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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MÜerr.-lMM. Lantoren-Leitung. I Adolf GrünMeig I Chormeister der israelitischen Kultusgemeinde in Arad. I Das war ein Mann, der als der Sohn eines Chasen, man könnte wohl sagen, im Synagogengesange geboren, inmitten des Synagogengesanges sein ganzes Leben hindurch gewirkt und auch in dieser frommen Wirksamkeit im hohen Alter am 18. Jänner d. I. zu seinen Vätern einging. Diese Skizzierung der Grünzweig'schen Lebensbetätigung genügte allerdings, um dessen Bedeutung den heutigen unverantwortlich leichtfertigen Werdegang moderner Kantoratsjünger um Manneshöhe überragen zu sehen. Im Jahre 1829 in Szered in Ungarn geboren, später als „Kol Singerl" bei S ch m a j e L e i p n i k, hierauf bei Sabel in Nachod und Mieslitz wirkend, erwachte im Herzen des Kindes der mächtige Drang, Musikstudien zu machen, und er griff, in Anbetracht des Mangels kostspieliger Hilfsmittel zur Violine und Guitarre. Die Melodien der Geige und die kärglichen Harmonien der Guitarre mögen die allerersten Regungen nach ernster musikalischer Ausbildung gewesen;fein. Nach vielen drängenden und stürmischen Phasen treffen wir ihn endlich im Jahre 1846 am Wiener Konservatorium, sich ernsten Studien widmend, von welchen er wieder durch die Ereignisse der Achtundvierziger Jahre abgedrängt wurde. Doch schon die Fragmente der im Konservatorium erlangten Musikwissenschaft genügten dem strebsamen, doch gar so mittellosen jungen Grünzweig, um ihn zu ermutigen, die ihm angebotene Dirigentenstelle beim Synagogenchore in Kolin herzhaft zu übernehmen. Von Kolin führten die Verhältnisse Grünzweig alsbald wieder nach Triesch, von hier nach Trebitsch, nach Kromau, nach Steinamanger; überall Chöre gründend, unterrichtend und weiterziehend, bis seine Tüchtigkeit ihm endlich im Jahre 1855 einen bleibenden Wirkungskreis als Dirigent des Synagogenchores in der vornehmen Gemeinde zu Arad verschaffte. Fortan arbeitete Grünzweig, ohne die stetige eigene Vervollkommung außer Acht zu lassen, an dem Ausbau der dortigen Synagogengesangsverhältnisse, als Musikschriftsteller in der Wiener Musikzeitung (1862—1865), wie auch als städtischer Musiklehrer verdienstvoll und allgemein anerkannt. Auch als synagogaler Musikkomponist bewährte sich Grünzweig in dem veröffentlichten Werke „Semirotli schel schabbos“ aufs vorteilhafteste. Wer Erschöpfendes bezüglich der komponisüschen Tätigkeit Grünzweigs erfahren will, der lese die Rezensionsartikel in der „Oesterr.- ungar. Kantoren-Zeitung" (XV111—XXI) vom Jahre 1888. Mit Adolf Grünzweig scheidet wieder einer der zielbewußten Vertreter des Synagogengesanges von uns, zielbewußt vornehmlich deshalb, weil seine Entwicklung im alten Synagogengesange wurzelte und er teils durch inneren Antrieb, teils im Anstürme der Verhältnisse sich veranlaßt fand, an den fortschrittlichen Arbeiten des modernen Synagogengesanges nach besten Kräften Anteil zu nehmen. Er war ein idealer Spender jener künstlerischen Hilfsmittel, die die Herzen züm Himmel erheben, möge ihm nun auch himmlischer Frieden beschieden sein! Wir werden ihm stets ein treues Angedenken bewahren. 8 . . . Der Weinberg. (Parabel.) „Meinen Weinberg habe ich nicht gehütet." Hob. L. I. 6. Samuel der Levite erzählt: Es war einmal eine Stadt, wo sie lag, berichtet die Legende nicht; ihr könnt euch also eine beliebige Stadt in irgend einem Lande denken. Diese besaß als gemeinschaftlichen Gemeindebesitz einen herrlichen und großen Weinberg. Er trug die köstlichsten Trauben, die den besten Wein lieferten. Die Väter der Stadt übergaben also den Weinberg einem, wie sie meinten, fürsorglichen und verständigen Hüter. Er sollte den Gemeindebesitz so verwalten, daß alle Bewohner der Stadt, und insonderheit die Armen, seine Früchte genößen. Was tat aber der Hüter? Er hinterging mit gleißnerischen Worten seine Auftraggeber, verwendete den Ertrag des Weinberges für seine Zwecke und hütete des Weinberges nicht, wie man es von ihm erhofft.. Da er auch schon alt und schwachköpfig geworden war, beschlossen die Stadtväter, einen gewissenhafteren Hüter zu bestellen. Dieser war das gerade Gegenteil seines Vorgängers. Bis zur Selbstverleugnung arbeitsam uud uneigennützig, suchte er des Weinberges Ertrag allen zugänglich zu machen, ja er gab sogar von. seinem Gute her, um die Armen nicht zu verkürzen. Was, meint ihr, geschah? Die selbstsüchtigen Seelen, die den Edelmut des Hüters nicht verstanden, an der Spitze der eigennützige frühere Hüter des Weinberges, verlästerten das edelmütige Tun des sich ganz, für das Gemeinwohl aufopfernden Mannes, und mit falschen Anklagen bezeichnet ihn der neidische Hüter als das, was man jetzt mit dem Worte Streber zu benennen pflegt. Er habe nicht den Weinberg der Stadt, sondern seinen Weinberg gehütet.. Mißmutig zog sich ob der Falschheit der Menschen der wackere Hüter zurück, denn alle stimmten in den Ruf der Ankläger ein. Wieder folgte die Menge dem Dornstrauch und nicht dem Oelbaum. Der Weinberg aber ging zugrunde und ist jetzt ein Steinhaufen und Füchse haben ihn zu ihrem Tummelplätze gewählt. Ihr fraget nochmals, wo sich dies zutrug? Ihr müßt, nicht viel suchen. Es gibt solche Weinberge viele, und auch der falschen und treuen Hüter genug. Die Menschen aber verstehen auch heute noch nicht die Treue zu würdigen und vermögen sichzur Höhe des Edelmutes nicht emporzuschwingen. Verschiedene Nachrichten. Wien. („Es r a") In der am 21. d. M. stattgehabten Generalversammlung wurden folgende Herren in die Vereinsleitung gewählt: Obmann: A. Rotter; Obmann-Stellvertreter: Dr. I. Weiß; Kassier: L. Wiesner; Schriftführer: Dr. M. Rosenfeld; Beisitzer: M.. Stengel, M. Rindskopf, W. Breier. Wien. (Wiener JüdischeToynbe e-H alle, XX., Kar aj a n g a s s e 20.) Vortragsordnung : Sonntag, 29. Jänner, Hermann Berliner: Thema Vorbehalten. Montag, 30. Jänner: Borleflmg aus- Schiller. Dienstag, 31. Jänner: Diskussion. Mittwoch, 1. Februar: Doktor I. Samuely: Das Telephon. Donnerstag, 2. Februar, Dr Heinrich Kohn: Vom Urquell des Rechtes. Freitag, 3. Februar: Bibelerklärung.. Samstag, 4. Februar: Konzert. Floridsdorf. Freitag, den 20. und Samstag, den 21. hielt Herr- Eduard Regner, Kantor in Wien, einen Probevortrag tn unserer Gemeinde. Herr Regner, der über einen ungemein sympathischen Bariton mit prachtvoller Koloratur verfügt und sich als ein nach allen Richtungen ausgebildeter Chasen erwies, verstand es, sowohl in traditioneller als auch in moderner Vortragsweise, das Publikum zu fesseln und erwarb sich allgemeinen Beifall und vielseitige Sympathien. - Kirchberg a. Wagram. Am 15. Jänner feierte der Hiesige- Kantor und Religionslehrer, Herr Josua Salzer, mit seiner Gattin das Fest der silbernen Hochzeit, zu welcher Feier sämtliche Gemeindemitglieder mit ihren Frauen erschienen. Dem Jubelpaare wurden viele Geschenke und Glückwünsche übermittelt und auch aus der Ferne langten zahlreiche Telegramme und Gratulationen ein. Um 3 Uhr nachmittags fand ein Festmahl statt, bei welchem viele Toaste auf das Jubelpaar ausgebracht wurden.. Besonders hervorgehoben sei die Rede des Herrn Vorstehers Elieser Schlesinger, der die Anhänglichkeit und den Pflichteifer des Jubilars rühmend erwähnte und ihn auch fernerhin des Wohlwollens und der Freundschaft der Gemeinde und des Vorstandes versicherte. Tief gerührt dankte der Jubilar für die ihm dargebrachten Sympathiebeweise und Geschenke. Herr Leopold Salzer, ein Sohn des Jubilars, spendete der Gemeinde zur Erinnerung an den Festtag seiner Eltern ein goldgesticktes Mäntelchen zum Sefer Thora, wofür ihm der herzlichste Dank des Vorstandes zuteil wurde.