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Die Wahrheit · 1905-01-27 · Heft 4 (27.1.1905) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 4 (27.1.1905)
Date
1905-01-27
Page
– (sequence 9)
Language
German
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UILUR 9h-. 4. Die Wahrheit. Leite 9. einzelnen Juden und denen der politischen Parteien im Staate. Deshalb können die Zionisten auch mit den nationalen Parteien gehen, weil diese -ein politisches und wirtschaftliches Programm haben. Die deutschen Juden sind mit festen Banden der Sprache und Kultur an das deutsche Volk gebettet. Auch die Zionisten unter den deutscheil Juden haben ein Interesse -daran, daß ihre Kinder in deutschen Schulen herangebildet werden, daß die Kultur, die sie umgibt, deutsch sei. Darum unterstützen sie, auch ohne sich für Deutsche auszugeben und als solche sich im Vordergründe des nationalen Kampfes zu betätigen, wovon sie schon der Takt abhalte, die nationale Politik der Deutschen, beziehungsweise die der deutschen Fortschrittspartei. Dr. Eppinger habe daher mit seiner Aktion gegen die Zionisten unrecht- Diese verlangen, daß die deutsche Forischrittspartei in -dem Kampfe innerhalb der Judenschaft vollkommen neutral bleibe. Bielitz. Am 17. d. M. verstarb hier der Fabrikant, Herr Arthur Riesenfeld, der sich seines biederen Charakters wegen allgemeiner Sympathie erfreute. Neutra. Am 18. d. M. starb hier Frau Josefine von Engel de P e s k o d a r. Präsidentin des Neutraer israelitischen Frauenvereines. Die große Verehrung, die die Verblichene genoß, kam in der imposanten Teilnahme am Leichenbegängnis zum Ausdruck. Szakolcza. Bei der in der hiesigen Gemeinde kürzlich stattgehabten Wahl der Kultusgemeinde-Nepräsentanz, wurde Herr Hermann Schefranek zum Präses, Herr Gustav Klei n zum II. Präses und Herr Norbert T o l m a i zum Kassier gewählt. Sämtliche Herren genießen in der Gemeinde allseitige Sympathien. Literatur. Verzeichnis einer Heinrich Heine-Bibliothek. Bon Friedrich Mayer. Mil einem Fakkzimile und zwei Beilagen. Leipzig 1905. Dyksche Buchhandlung. VI und 176 S. -Großoktav. 4 Mk. 50 Pfge. Die neueste Bibliographie zur Heine-Literatur, welche durch Form und Ausstattung an „Salomon Hirschts Verzeichnis einer Goethe-Bibliothek' unwillkürlich erinnert, fußt auf der von Prof. Dr. Ernst Elster veranstalteten historisch-kritischen Ausgabe von Heinrich Heines Werken. (Leipzig, Bibliogr. Institut, 1887 ff., 7 Bände.) Absolute Vollständigkeit hat der Herausgeber und glückliche Besitzer der Sammlung (Leipzig, Teubnerstraße 16) nur dort angestrebt,' wo es sich seit 1817 um die ersten Ausgaben -oder solche Veröffentlichungen handelt, welche für die Textkritik Irgend eine Bedeutung haben. Selbstverständlich dürfte kein bedeutendes Werk von denen fehlen, die sich mit Heine direkt oder nnit der Literatur des sogenannten jungen Deutschlands im allgemeinen befassen. Vor allem wertvoll ist das sehr reichhaltige Verzeichnis von kleinen Aufsätzen aus einer Reihe längst verschollenen Zeitschriften, wobei nicht nur die zitierten Nummern vorrätig sind, sondern die letzteren besinden sich meist in einem Quartal, Semester oder Jahrgang vereinigt, wodurch sich in solchen Fällen auch die Einbandbezeichnung erklärt. Erwähnt seien z. B.: Abendzeitung, Rhein.-Westf. Anzeiger, Europa, Eisenbahn, Berliner Figaro, Rheinische Flora, Freihafen, Freimütige Gesellschafter, Horizont, Jahreszeiten, Komet, Frankfurter Konversationsblatt, Mitternachtblatt, Mittervachtzeitung, Stuttgarter 9Norgenblatt, Braunschweiger Morgenzeitung, Omnibus, Phönix, Pilot, Planet, Telegraph, Voleur, Revue de Paris, Zeitung für die elegante Welt, Zuschauer re. Da die Bibliothek als Ganzes zum Verkaufe steht, möge mur noch dem Wunsche Ausdruck gegeben sein, daß elftere vielleicht durch die Munifizenz eines modernen Mäcen uns erhalten bleibe und nicht gleich so vielen anderen Sammlungen über den Qzean wandere. Zur Geschichte der Juden in Brünn während des XVII. und XVIII. Jahrhundertes. Von Hans W elz l, (Separatabdrnck aus der „Zeitschrift des deutschen Vereines für die Geschichte Mährens und Schlesiens." 8. Jahrg. Heft 3—4.) Druck und Verlag von Rudolf M. Rohrer in Brünn. 1905. 63 S. Oktav. „Die Schicksale der Juden gehören zu den außerordentlichsten der Weltgeschichte. Die größten Interessen, die großartigsten Leidenschaften boten den Stoff zu dem Drama ihrer Geschichte. Wie die Kämpfe, die Leiden, die Erfahrungen der jüdischen Nation unvergleichliche sind, so auch ihre Standhaftigkeit, ihre Treue für nationales Gesetz, ihre Begeisterung für Glauben und Gedanken. Wie sie in der Zerstörung über den ganzen Erdboden an sich selber eine statistische Weltkarte bilden, ans der sich die Farben des Klimas und der Zonen abzeichnen, so sah auch die Weltgeschichte in der bunten Fülle ihrer geistigen Produktion keine Aeußerung, an der sich die elastische unverwüstliche Tätigkeit der Juden nicht beteiligt hätte, und wie die Liebe, der Enthusiasmus, den sie für ihre Güter besaßen, unerschöpflich, war auch der Haß, der Fanatismus, das Vorurteil gegen sie unsäglich. Ruhe und Gleichgiltigkeit war seit zweitausend Jahren niemals der Himmel, unter dem sie wohnen; die Welt, die ihnen gegenüberstand, war in Lagern für oder gegen sie gespalten. Ihre Religion war ein Quell menschlicher Liebe und humaner Bildung, aber die Humanität und die Liebe ist ihnen bis auf diesen Tag durch sonderbare Verhältnisse nicht aus dem Vollen zuteil geworden." Diese vor einem halben Jahrhunderte geschriebenen Worte des gelehrten Verfassers des Artikels „Juden" in der Encyklopädie von Er sch und Grube sind gewiß auch heute noch zutreffend. Mit jeder neuen Publikation aus reinen ungetrübten Quellen entwickelt sich die klare Erkenntnis, wie weit das Drama der Juden in der Geschichte der Vergangenheit, auch unseres eigenen Vaterlandes, gespielt hat. Wir erinnern z. B. an die in den letzten Jahren erschienenen, auch in diesen Blättern eingehend gewürdigten Werke: „Die Rechtsverhältnisse der Juden in den deutsch-österreichischen Ländern, mit einer Einleitung über die Prinzipien der Judeugesetzgebung in Europa während des Mittelalters", von Dr. I. C, Scherer, Leipzig 1901, sowie an die „Urkundlichen Beiträge der mährischen Judenschaft im XVII. und XVHI. Jahrhundert", von Willibald Müller, Olmütz 1903. Auch die neueste zum größten Teile aus dem emsigen Studium der Protokolle des Brünner Rates von 1668—1800 erslossene historische Studie ist geeignet, uns zum — Nachdenken zu veranlassen. Zeit und Umfang hindern uns leider, näher auf dieselbe einzugehen. Wir heben aus dem reichen Inhalte nur einzelne Kapitelüberschriften hervor: Der Einlaß beim Judentor, Die Leibmaut, Jahr- und Wochenmärkte, Vom Handel, Das Wohnen in der Stadt, Auf der „Kröna", Die neue Welt, Der Kreuzhof und Altbrünn, Der Beftandjud von Gurem, Die hebräische Buchdruckerei, Vor Gericht, Religionsübung, Uebertritte zum Christentum rc. Möge hingegen das Werk die verdiente Beachtung nnd Anerkennung, sowie zahlreichen Leserkreis finden. Neueste Erscheinungen: B r a b e c Adolf: „Im Bauernhof." Ländliches Drama. 8°. Wien 1904. C. W. Stern. 2 Mk. Beer-Hofmann Rich.: „Der Graf von Charolais." Ein Trauerspiel. Berlin 1905. S. Fischer. Mk. 3'50, geb. Mk. 4'50. B r o d y Alex.: „Der Königssohn." Ein Sittenbild. Aus dem Ungarischen von Joses Hölzel. 8°. Budapest 1904. F. Sachs. Mk. 2. Franzos Karl Emil: „Der Gott des alten Doktors." Erzählung. 2. Titel-Aufl. 8°. Stuttgart 1904. I. G. Cotta Nachs. Mk. 2, geb. in Lwd. Mk. 3. Franzos K. E.: „Ungeschickte Leute." Geschichten. 3. Titel-Aufl. 80. Ebd. 1904. Mk. 1. Franzos K. E.: „Der kleine Martin." Erzählung. 3. Titel-Aufl- 8". Ebd. 1904. Mk. 2-50, geb. in Lwd. Mk. 3-50. Friedjung Heinrich: „Um die Vorherrschaft in Deutschland. 1859-1866." 2 Bde. 6. Aufl. 8°. Stuttgart 1905. I. G. Cotta. Mk. 14, geb. Mk. 16. G o m p e r z Theodor: „Esiays und Erinnerungen," mit dem Bildnisse des Berfasiers von Fr. v. Lembach. Stuttgart 1905. Deutsche Verlagsanstalt. Mk. 7, geb. Mk. 8. Gumplowiz Ludwig: „Geschichte der Staatstheorien." Innsbruck 1905. Wagner. Mk. 12. Hausleiter Pros. Dr.: „Die Autorität der Bibel." 6. Ausl. München 1905. C. H. Beck. Psg. 80. H e r b st F.: „Mose hat von mir geschrieben." Betrachtungen über das erste Buch Moses. 2. Aufl. 3 Tle. Elberfeld 1905. Buchhandlung der evangel. Gesellschaft. Geb. Mk. 4'80. | Münz Rabb. Dr. L.: „Ein Buch für die jüdische Ehefrau." Mit j einer Beigabe: „Lehren unserer Weisen über die Erziehung der Kinder."! 8°. Frankfurt a. M. 1905. Hosmanu. Psg. 80. j Schwarz Adolf: „Streiflichter aus das amerikanische Wirtschaftsleben. Wien 1904. I. Eisenstein & Co. Mk. 5. I Salfeld Sigmund: „Die Judenpolitik Philipp des Großmütigen."! Frankfurt a. M. 1904. Mk. 1. I (Ausführliche Besprechung obiger Werke vorbehalreu.)

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