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Die Wahrheit · 1905-01-27 · Heft 4 (27.1.1905) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 4 (27.1.1905)
Date
1905-01-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
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tät^S Nr. 4. Seite 8. Die Wahrheit. So gelang es Moses, nicht nur das von ihm befreite Sklavenvolk in dem kurzen Zeitraum von vierzig Jahren auf eine geistig und moralisch so hohe Stufe zu bringen, daß es an seine göttliche Mission glaubte und dieselbe begriff, sondern daß auch ein Zeitraum von mehr denn dreitausend Jahren, deren größter Teil voll war von unsäglichen Drangsalen, beispiellosen Verfolgungen. Beraubung und Hinschlachtung, ihr, der Volksseele, nichts anhaben, sie nicht beirren, noch alterieren, in ihrer Ueberzeugung von der Unmittelbarkeit ihres Kontaktes mit der Gottheil nicht erschüttern konnte. Dies ist auch das tiefliegende, große Geheimnis der Unüberwindlichkeit Israels. (Fortsetzung folgt.) Uerschiedene Nachrichten. Wie«. Freitag-Abend, den 27. d. M., Predigt im Stadt- und im Leopoldstädter Tempel. Wien. Auch unsere studierende Jugend sollte erfahren, welch großen Verlust unsere Gemeinde durch den Tod ihres stühern Präsidenten des kais. Rates Herrn Heinrich K l i n g e r kürzlich erlitten. Diesem widmete Herr Inspektor M. Kanitz seine Exhorte an die im Stadttempel am letzten Sabbath ungemein zahlreich vertretene Studentenschaft. Redner schilderte in meisterhaftem Bortrage das segensreiche Wirken des Verewigten in unserer großen Gemeinde mrd die Verdienste, die er sich als Mensch und als unser für alles Edle und Gute begeisterte Glaubensgenosse erworben. Stehend hörten die Studierenden diesen Nachruf an, der den Schluß der sabbathlichen Exhorte bildete. Wien. Der allseits verehrte Kultusvorsteher und Präsident des Tempelvereines für den VI. und VH. Bezirk, Herr Baurat Max Fleischer, ist durch das am 24. d. M. erfolgte Hinscheiden seiner Gattin R e g i n e von einem schweren Leid betroffen worden. Für den tiefbetrübten Gatten gibt sich vielseitige, aufrichtige Teilnahme kund. Wien. Am 20. d. M. ist hier, Hegelgaffe Nr. 7, Frau Johanna Frydmann im 79. Lebensjahre gestorben. Die Verstorbene, eine durch seltene geistige Gaben und ungewöhnliche Bildung ausgezeichnete Dame, war die Mutter des Chefredakteurs des „Fremden-Blatt", Hofrates Dr. Marcell v. Frydmann. Wien. („Golus" oder „Die Auswanderer".) Wie hinlänglich bekannt, findet seit länger als vier Jahren beinahe allwöchentlich ein teils größerer, teils minder starker Durchzug rumänischer Emigranten durch Wien statt, die infolge der mißlichen finanziellen und wirtschaftlichen Verhältnisse, zu denen auch die konfessionellen in nicht geringem Maße zu rechnen sind, gezwungen werden, ihr Heimatland zu verlassen und ihnen fremde Lande aufzusuchen, in denen sie für sich und ihre Angehörigen den nötigen Unterhalt finden sollen. Das Elend dieser Unglücklichen, die furch:- bar ausgestandenen Unbilden — namentlich dem Schreiber dieser Zeilen aus eigener Anschauung bekannt — hat ein junger strebsamer Künstler, S. Hirszenberg, in einem trefflichen Bilde verewigt. Dieses Oelgemälde ist denn auch geeignet, auf den Beschauer tiefen und nachhaltigen Eindruck hervorzurufen; der Maler wählte die Winterszeit, ein weites schneebedecktes Feld, darüber sich wölbender grauer Himmel. Durch dieses Feld watet ein Zug Auswanderer, voran ein vom Unglück ergrauter Mann, neben diesem ein jüngeres Weib, dann ganze Familien, Ein Mann in den besten Jahren trägt die Thorarolle, das einzige Hab und Gut der Gruppe, dann schreitet ein Weib mit dem Töchterchen, in der Hand eine Art Samowar — das letzte Stück der ehemals begüterten Familie; ferner sehen wir auf den schwachen Armen eines Vaters ein pausbackiges Baby und so weiter in unübersehbarer Menge die Hunderte von Emigranten. Sie schreiten lautlos dahin, ohne Ziel, ohne Heimat, ohne zu wiffen wohin! Darunter mehrere, denen man es ansieht, daß sie bessere Tage gesehen. Man muß das Bild sehen, die Feder sträubt sich, alle Details zu schildern! Auch mehrere Ansichten (Landschaftsbilder aus Palästina) von A. N e u m a n n gelangen zur Ausstellung, die im M u s e u m für jüdische Altertümer, II., Praterstraße 23, stattfindet, und zwar ist dieses ausnahmsweise geöffnet: heute Freitag, Sonntag und Montag von 2—4 Uhr, Samstag wie gewöhnlich von 11— 1 Uhr. E. J. Wien. Montag, den 23. d. M., 7 Uhr abends, hielt Frau Henriette Weiß, die energische Borkämpferin für Pflegerinnenschulen in Oesterreich, die auch vor einigen Jahren mit vieler Wärme, aber leider mit wenig Erfolg für die Heranbildung jüdischer Krankenpflegerinnen am Wiener Rothschild-Spital agitiert hatte, im „Wissenschaftlichen Klub" vor einem zumeist aus Damen bestehenden Publikum einen höchst interessanten Bortrag über die „Distriktskrankenpflege in London". An der Hand eigener Erfahrungen zeigte die Vortragende das segensreiche Wirken der englischen Pflegerin, ihren großen Einfluß auf die Förderung der Hygiene und die Hebung der sozialen Lage der breiten Volksschichten und sprach den beherzigenswerten Wunsch aus, daß auch in Oesterreich, wo dieser Frage in Verknüpfung mit den auf die Bekämpfung der Tuberkulose gerichteten Bestrebungen in neuester Zeit einige Aufmerksamkeit zugewendet wird, das Beispiel Englands und Deutschlands Nachahmung und ausreichende materielle Unterstützung finde. Reicher Beifall lohnte die Vortragende am Schluffe ihrer überaus anregenden Ausführungen. Auf die Bemerkungen bezüglich der Einführung von Pflegerinnen am Wiener jüdischen Spital wollen wir demnächst eingehender zurückkommen. Wien. (Verein zur Hebung der Gewerbe.) Dieser Verein, der nebst seinen vielen ernsten Aufgaben auch die Volksbildung auf sein Programm geschrieben, hielt am Sonntag, den 22. d. M., im großen Festsaale des niederösterr. Gewerbevereiues einen Vortragsabend ab, der allgemeinen. Biduugszwecken bestimmt war. Der Herausgeber des „Wiener Almanachs" und Schriftsteller Herr Jaques Jäger, soeben von einer Forschungsreise aus Island zurückgekehrt, hielt bei übervollem Saale und großem Andrange der Zuhörer einen hochinteressanten Vortrag über Island und dessen Bewohner, sowie über deren Handel und Gewerbe. An der Hand von 80von ihm selber aufgenommenen, künstlerisch ansgeführten Bildern versinnlichte er seine dort gemachten Wahrnehmungen und erntete hiefür wiederho.t allseitigen und wohlverdienten Beifall. Die Zuhörerschaft rekrutierte sich teilweise aus Anhängern des Vortragenden Schriftstellers, zum Teile aus Freunden des Vereines. Unter den vielen Industriellen und Gewerbetreibenden bemerkte man auch den Präsidenten der Oesterr.-ungar. Kolonial-Gesellschaft, Fürsten Wrede und dessen Gemahlin, die Hofräte von Becker, Nechvalsky, von Sachs und deren Frauen, Oberlandesgerichtsrat von Neubauer, Dozent Dr. Grünfeld, General v. Obermayer; die Professoren Dr. Kanitz, Antscherl, Lippmann, Rabbiner Dr. Kaminka, Akademischen Maler Kurtz, Baronin Morawetz-Dierkes, Dr. Zins, Dr. Kohn^ Dr. Bräuner, Dr. Schorstein, Baurat Riedl, die Industriellen Bujatti,. Fürth, Kohn, Stern, die Präsidentin des Wiener Hausfrauen-Vereines und verschiedener anderer Vereine rc. Bei Eröffnung der Versammlung hielt Präsident B r o d dem unvergeßlichen und verdienstvollen Vereinsmitgliede und Förderer, kaiserlichen Rat Heinrich K l i n g e r, einen marinen Nachruf. Wien. Soeben erschien das Werkniyj (Vorteil der Demütigkeit), dessen ganzer Erlös seitens des Herausgebers dem „Vereine zun Unterstützung armer kranker Israeliten" gewidmet ist. Der Verein, dessen Hauptaufgabe darin besteht, die jüdischen armen Kranken in den Krankenhäusern, die die Speisegesetze strenge beobachten, mit ritueller Kost zu versehen, nimmt mit Recht einen ersten Rang unter den Humanitätsinstituten ein, was auch in den Attesten der Professoren sämtlicher Kliniken anerkannt wird. Der Krankenwärter des Vereines, der seit mehr als zwei Dezennien die armen Kranken in den Spitälern allwöchentlich besucht, machte die Erfahrung, daß die unglücklichen armen Kranken und Siechen lieber Hungerssterben, bevor sie andere als auf rituelle Weise znbereitete Speisen zu sich nehmen. In Anbetracht dessen ergeht namens dieser unglücklichen Menschen an unsere verehrten Glaubensgenossen die dringendste Bitte, diesem Vereine ihre Gunst zuznwenden, demselben durch Anschaffung obigen Werkes den hiefür freiwillig zu bestimmenden Betrag, sowie überhaupt ihre materielle Unterstützung ungesäumt direkt an die Zahlstelle des Vereines, II., Untere Augartenstraße 17 (Präses Marcus B o n d i, der auf Wunsch benanntes Werk einsendet» gütigst übermitteln zu wollen. Wien. Der Lehrer - Verein im II. Bezirke veranstaltet am 12. Februar 1905 in den Prachtsälen des .Hotel Continental ein Kostüm- Kränzchen ohne Kostümzwang, dessen Reinerträgnis dem Unterstützungsfonde des Vereines zufließt. Die Ballmusik besorgt die Kapelle des k. u. k. Jnf.-Reg. Nr. 60, das Tanzarrangement Herr Professor Julius Singer.. Im Gemütlichen werden die D'Dornbacher mit ihren Sängern konzert.eren.. Wien. Fräulein Elise R a u s n i tz, Tochter des bekannten. Cafetiers Rausnitz, II., Kaiser Josefstraße, ehemaligen Hotelbesitzers in, Vöslau, hat sich mit Herrn Isidor Krauß, Liqueurfabrikanten. in Wien, verlobt. Der Bräutigam ist der Sohn des verstorbenen: Max Krauß, ehemaligen Tempelvorstehers des Bethausvereines „am. Volkert", welcher auf dem Gebiete der Humanität bis zu seinem erfolgten Ableben Außerordentliches geleistet hat, und erfreuten sich die verstorbenen Eltern des Verlobten im II. Bezirke der größten Hochachtung und Ver-- ehrung. Baden. Sonntag, den 22. d. M., fand die Generalversammlung? der hierortlgen Chewra-Kadischa zum Zwecke der Neuwahl des Vorstandes statt. Als gewählt erschienen die in der früheren, dreijährigen Wahlperiode fungierenden Herren: Moriz Leitner (Präses) und die drei Vorsteher Anton Schneider, Sigmund Rausnitz und Gustav- Oedenburger. Als Ersatzmänner wurden gewählt die Herren Max Löbel,. (Wiederwahl) und Philipp Rotholz (neu). Die Wiederwahl dieser Herren zeigt das große Vertrauen, das die Mitglieder der Chewra-Kadischa in die Verwaltung dieser Männer setzen. Sämtliche Wahlen erfolgten mit: großer Majorität und wurden nur einige Stimmen auf einzelne Namen zersplittert. Prag. Dr. Emil Margulies aus Teplitz richtete Ende vorigen Monates an den Führer der deutschen Fortschrittspartei in Böhmen, Dr. Eppinger, einen offenen Brief, in dem er das Verhältnis zwischen den zionistischen Juden und der deutschen Fortschrittspartei erörtert. Der offene- Brief geht davon aus, daß Dr. Eppinger, auf Intervention eines jüdischen Mitgliedes der deutschen Fortschrittspartei, den Zionismus als eine der deutschenFortschrittspartei feindselige Richtung bezeichnete und bei den deutschliberalen Blättern in Teplitz und Prag eine Aktion wegen Nichtaufnahme von zionistischen Angelegenheiten eingeleitet habe. Dr. Margulies erklärt. Dr. Eppinger habe sich hier in einen Streit zwischen Zionisten und Assimilanten innerhalb der Judenschaft eingemengt, der die deutsche Fortschrittspartei gar nicht berühre. Der Zionismus sei eine unpolitische Bewegung. Der Nationalismus, zu dem sich die Zionisten allerdings bekennen,. sei nicht identisch mit dem Nationalismus der Völker, unter denen die Juden leben. Denn es fehle ihm die Beziehung zum geschlossenen Territorium, ferner fehle den Juden untereinander auch die Kongruenz der wirtschaftlichen und sozialen Interessen, denn sie gehören den verschiedensten Klaffen an. Dagegen bestehe jene Kongruenz zwischen den Interessen dev

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