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Die Wahrheit · 1905-01-27 · Heft 4 (27.1.1905) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 4 (27.1.1905)
Date
1905-01-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 4. Die Wahrheit Seite 7 Li-:.-,:.--. Zosef-Regierungs-Jubiläums-Hospiz für arme Israeliten in Karlsbad" und dem Wohltätigkeitsvereine „Maskil el Dol." Betreffs der Errichtung einer Bildungsanstalt für Religionslehrer wird beschlossen, zunächst die österreichischen Kultusgemeinden in einem Zirkularschreiben zu ersuchen, sich an der Aktion betreffend Errichtung einer Religionslehrerbildungsanstalt zu beteiligen. Gleichzeitig wird die Kommission H aufgefordert, binnen einer Frist von drei Monaten diesbezüglich eingehend begründete Anträge zu stellen. Es werden an 340 Parteien periodische Unterstützungen (Monats- und Quartalsgaben) im Gesamtbeträge von L 49319-84 bewilligt. Als prinzipielle Norm für die Jngerenz des Kultusvorstandes bei Bestellung von Vereinsrabbinern für subventionierte Bethausvereine wird beschlossen, daß zur Kreierung der Stelle eines Rabbiners für ein Vereinsbethaus überhaupt, sowie zur Anstellung eines Vereinsrabbiners die Zustimmung erforderlich sei. Bei neu zu gründenden Bethausvereinen ist jedesfalls ein diesbezüglicher Paragraph in das Statut aufzunehmen. Schluß Ler Sitzung um Y|2 Uhr nachmittags. Der Geist der Didel. Von D. A. Sulzbach-Rosenfeld. (Fortsetzung.) Anders wohl verhält es sich mit jenen Satzungen, mit denen Moses den damaligen, allgemein oder örtlich tief eingewurzelten Anschauungen und Begriffen Rechnung tragen mußte, um nicht durch unzeitigen Widerstand gegen diese, oder gar durch Bekämpfung derselben seine groß und edel angelegten Pläne zu gefährden. Besonders wahrnehmbar tritt dies zutage beim Opserkult. Dieser ist gewiß absolut unvereinbar mit Moses hehrer Auffassung der übersinnlichen Gottesidee, die zum vollen Bewußtsein der Menschheit zu bringen, stets sein eifrigstes Bestreben war und-.die.-Basis seiner.ganzen erhabenen Lehre bildet. Er mußte den Opferkult dennoch beibehalten, weil zur damaligen Zeit und noch lange nachher, „ehren" mit „opfern" identisch war. Eine andere Art der Gottesverehrung war unbekannt und unvereinbar mit den aus der Urzeit überlieferten, allgemein und tief eingewurzelten Begriffen der Gottesverehrung. Aber trotz des Beibehaltens des Opferkults, dem Moses noch überdies, wohl scheinbar nur, so hohe Bedeutung und Wichtigkeit beilegte und den er daher dementsprechend ausgestaltet und ausgestattet hatte, verstand er es dennoch, gerade durch die Art und Weise des Gewährens, demselben auf das wirksamste zu begegnen, und wieder war es Moses' weitausschauender Blick, der ihn Maßnahmen ergreifen ließ, die am geeignetesten waren, sowohl die Allgemeinheit des Opferns als auch den gänzlichen Wegfall des Opferns vorzubereiten. Diese Absicht bewerkstelligte Moses, indem er zum Opfern ausschließlich nur den Priesterstand autorisierte und ebenso ausschließlich als Ort des Opferns nur die Stätte des Heiligtumes der Bundeslade bestimmte. Er sah nämlich im voraus die Zeit kommen, in welcher es nicht jedem der immer zahlreicher werdenden und immer weiter sich ausbreitenden Bekenner der erhabenen Gottesidee wegen der allzugroßen Entfernung möglich sein wird, .an jener Stätte in Palästina dreimal im Jahre zu erscheinen, mm all die Opfer darzubringen, zu denen man während des ganzen Jahres verpflichtet war oder sich . verpflichtet fühlte. II. M. 34, 23: „Dreimal im Jahre sollen alle deine Männlichen erscheinen vor dem Angesichte des Ewigen, des Gottes Israels" u. a. m. Mit dem jährlichen dreimaligen Erscheinen in der Metropole des Reiches war wohl auch der Zweck verbunden, alle Glaubensgenossen mit den wichtigen Institutionen und Persönlichkeiten der Metropole sowohl, als miteinander in steter Kontinuität und in immerwährende Berührung zu bringen. Moses versprach sich hiedurch zweierlei: einerseits bei leinen Brüdern die Gottesidee fortwährend wach zu erhalten, Zu befestigen und zu vertiefen; anderseits infolge ihrer voraussichtlichen Dezentralisation sie zu Verbreitern derselben zu machen, was auch tatsächlich nach ihrer Vertreibung aus Palästina eingetroffen ist. Israel befreundete sich umsomehr mit der oben bezeichneten persönlichen und örtlichen Ausschließlichkeit des Opferns, als die Kenntnis, sowie die überaus strenge Observanz all der vielen und komplizierten Regeln des Opferns fiir den Laien eine schwer zu bewältigende und zeitraubende Prozedur gewesen wäre, anderseits ihnen, den Laien, keine, zum Opfern geweihte Stätte zugebote stand. Auf diese Weise war es nur natürlich, daß mit der Zeit der Eifer und der Reiz des Opferns sich beim Volke allmählich abkühlte. Und als mit der Zerstörung Jerusalems Israel, von dort verttieben, der Opserstätte verlustig wurde, hörte mit einemmale der Opferkult auch gänzlich auf. Man beschräntte sich nun auf mehrere, auf den Opserkult bezughabende Gebete, welche bis aus den heutigen Tag in Geltung sind, so wie auf mehrere Gebete der Erbauung und Erhebung, zumeist Psalmen 2c. Dieser gänzliche Wegfall des Opferkults tangierte aber in keiner Weise den Kern und die Intention der Lehre Moses, dem es überhaupt ferne lag, daß seine Brüder in aller Ewigkeit ein in und für sich abgeschlossenes Volk bilden, das seine Aufgabe, seinen Beruf, seine Mission im Opferkult erschöpft wähnt; vielmehr ging sein Plan dahin, daß sie nur für die Zeit der Sammlung und Konsolidation sich isolieren, um dann gereinigt und geeinigt, gefestigt und bewährt, mit Gott- und Selbstvertrauen hinauszutrecen und als Priestervolk die erhabene, übersinnliche Gottesidee den anderen Völkern zu vermitteln. In dem gleichen Sinne dürste es Moses mit der Schilderung der Entstehung und Entwicklung des Weltalls, insbesondere des Menschengeschlechtes und der daran sich schließenden ausführlichen, weitläufigen Genealogie kaum darum zu tun gewesen sein, apodiktische historische Daten zu liefern, als vielmehr um den moralischen Effekt, den er damit beabsichtigte. Dieser Effekt sollte ihm dazu dienen, seine Brüder der Apathie, dem Marasmus und der Desparation, denen sie in der langen, bangen Sklaverei verfallen waren, zu entreißen und sie für seine erhabene Mission zu begeistern, die darin gipfelte, die übersinnliche Gottesidee in ihrer erhabensten Abstrattheit, Reinheit und Einheit zum Bewußtsein der ganzen Menschheit zu bringen. Für diese Mission hielt nun Moses seine Brüder, ttotz ihrer Knechtschaft, besonders prädestiniert, weil die abstrakte Gottesidee als heiligste Tradition von ihren Urahnen in ihrem Bewußtsein fortlebte und ihnen einzig und allein eigen war. Mit seiner Schöpfungsgeschichte und seiner weitläufigen Genealogie wies nun Moses seinen Brüdern nicht nur ihre glorreiche Abstammung dokumentarisch nach, daß sie nämlich die direkten Nachkommen seien von den vielgekannten, allgemein verehrten und hochangesehenen Fürsten Abraham, Isaak und Jakob, und in weiterer Folge in gerader glorreicher Linie bis zu Adam, dem ersten Menschen; sondern er wies ihnen hiemit auch nach, zu welch hoher, heiliger Mission sie Gott gleich vom Beginne der Schöpfung aus bestimmte, nämlich zu Empfängern, Bewahrern und Verbreitern der erhabenen übersinnlichen Gottesidee, und daß durch diese ihnen zu übertragende heilige Mission sie eigentlich ausschließlicher Zweck und alleiniges Ziel der ganzen Schöpfung seien. V. M. 32, 8—9: ..Als der Höchste Besitz gab den Völkern, als ER die Menschenkinder sonderte, stellte ER fest die Grenzen der Stämme, nach der Anzahl der Kinder Israels. Denn des Ewigen Teil ist Sein Volk, Jakob das Zugemessene Seiner Besitzung." Wie gehoben und der sie bedrückenden Lage aus einmal entrückt, mußten seine Brüder sich durch dieses erhebende Bewußt-! sein fühlen! Mußten sie nicht zugleich von der erhabenen, über- > sinnlichen Gottesidee ganz durchdrungen werden, da sie doch! nun ohne dieselbe die Schöpfung und sich selbst sich gar nicht j mehr denken und vorstellen konnten! Tatsächlich ward auch hiedurch die Volksseele Israels von dieser erhabenen Gottesidee so intensiv beherrscht und durchgeistigt, daß sie in unmittelbarem ununterbrochenem, innigstem Kontakt mit der Gottheit sich wähnte

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