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Die Wahrheit · 1905-01-20 · Heft 3 (20.1.1905) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 3 (20.1.1905)
Date
1905-01-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Nr. 3.!WAL?8LLlL^LÄMI Die Wahrheit. Alle Sinne waren in .seinem Gehöre konzentriert; er lauschte mit verhaltenem Atem, ob er die ihm wohlbekannten schlürfenden Schritte vernähme, ob die alte Frau bald einträte, den Brief von Teinitz in der Hand. Seine Körperschwäche war aber allzugroß, als daß er auf die Dauer die Anstrengungen des Aufhorchens ertragen hätte. Seine Augen schlossen sich müde. Der Kranke verfiel in einen heilsamen Schlummer. Was war das? Träumte er, wachte er? Es schien ihm, als schlössen sich zarte Frauenhände um seinen Nacken, und ein warmer Mund drückte leidenschaftliche Küsse auf seine Augen, auf seine Lippen. Mühsam öffnete er die Augen, welche noch immer mit dem Schlafe kämpften. Ueber ihn gebeugt stand diejenige, an die er während seiner ganzen langen Krankheit mit unbezwinglicher Sehnsucht gedacht hatte — seine Sophie. Tränen umflorten ihre schönen, blauen Augen, als sie die bleiche Gestalt ihres Jugendfreundes betrachtete. So lange sie ihn schlafend wähnte, überschüttete sie den heimlich Geliebten mit ihren Küssen, ohne auf die Gegenwart so vieler ftemder Zeugen zu achten, doch als er die Augen öffnete, erschrack sie, wie eine bei einem schweren Verbrechen Ertappte. „Dank, Dank Dir, daß Du gekommen bist," hauchte Pinchas mit schwacher Sümme, „daß Du die letzte Bitte eines Sterbenden erfüllt hast." „Sprich nichts so Trauriges, mein armer Freund, Du irrst, denn Du wirst leben, wirst gesunden, wirst glücklich werden." Traurig schüttelte Pinchas sein Haupt. ..Glücklich? Nein, das kann ich niemals werden, selbst wenn ich leben bleibe und gesunde. Für mich giebt es nur ein einziges Glück, das aber zu groß ist, als daß es von mir zu erreichen wäre." „Kein Glück liegt zu hoch, als daß es für einen festen Willen unerreichbar wäre." Sophie bebte vor innerer Erregung. Sie wußte ja, was der Kranke meinte, sie hätte ihm ja so gerne zugejubelt: „Das Glück, was Du ersehnst, das besitzest Du ja vollauf, ich liebe. Dich ja aus vollstem Herzen, sei nur nicht so schüchtern und habe nur Mut zu ftagen, siehst Du denn nicht, daß ich darauf warte?" Laut sagte sie: ..Was Dir als unerreichbar scheint, ist Dir vielleicht näher, als Du glaubst, ist vielleicht ganz bei Dir." ..Ja, so ist es," nickte der Kranke voll innerer Befriedigung. „Du bist bei mir und bleibst da die kurze Zeit, die mir noch vergönnt ist, an Deinem Anblick mich zu freuen.' Sophie kämpfte mühsam mit den ausbrechenden Tränen. „Sprich nicht so, lieber Pinchas, Du tust mir mit diesen Worten wehe, mehr, als Du ahnen kannst; ich habe die weite Reise zu Dir gemacht, in der Absicht, zu Deiner Genesung beizuttagen, und Du verzögerst jetzt selber mit solch düsteren Gedanken und Gesprächen Deine Genesung und vereitelst unser Bestreben. Mit welch schwerem Herzen wird me,in Vater uns verlassen, wenn er Dich in solch verzweifelter Stimmung zurücklassen muß?" „Dein. Vater, ist er denn auch hier? Und warum kam er nicht zu mir?" „Ja, lieber Pinchas, konntest Du denn glauben, daß er mich allein reisen läßt, und dann wollte er Dich ja auch Wiedersehen und sich persönlich von Deinem Befinden überzeugen. Er wartet draußen auf dem Gange mit Deiner gütigen Großmutter des Augenblickes, bis ich ihn hereinrufen werde." Bei der Erwähnung seiner Großmutter verschwand der heitere Ausdruck aus den Zügen des Kranken, seine Stirne faltete sich. Sophie beM8te wohl die Veränderung, welche mit ihrem Freunde vorgefalW war, hütete sich aber, ihn um Aufklärung darüber zu fragßWEigentlich hatte sie es nicht notwendig, denn Frau Eva, welM das liebliche Mädchen sogleich ins Herz geschlossen hatte, suchte ihr kein Hehl daraus, . welche Wandlung sich in dem? Benehmen ihres Eickels vollzogen hatte. (Fortsetzung folgt.) Ungarische Allgemeine Creditbank. Die am 5. Jänner 1905 abgehaltene ausserordentliche Generäl-Versammlung der Aktionäre der Ungarischen Allgemeinen Creditbank hat die Erhöhung des Aktienkapitals von 17 Millionen Gulden, beziehungsweise 84 Millionen Kronen, auf 44 Millionen Kronen im Wege der Ausgabe von 25.000 Stück mit 400 Kronen volleingezahlter neuer Aktien beschlossen und zugleich bezüglich der Ausübung, des laut Artikel 9 der Statuten den Besitzern der alten Aktien zugesicherten Bezugsrechtes folgende Modalitäten festgesetzt : 1. Die Aktionäre haben unter den weiter unten folgenden Bedingungen im Verhältnisse von siebzehn alten zu fünf neuen Aktien das Bezugsrecht auf die neuen Aktien. Sich ergebende Aktienbruchteile werden nicht berücksichtigt. 2. Für die seitens der Aktionäre auf Grund ihres Bezugsrechtes zu beziehenden neuen Aktien sind per Stück dem vollen Nominalwert entsprechend K 400.— und für den Reservefonds K 300.— einzuzahlen, ferner die vom 1. Jänner 1905 an bis zum Tage der Einzahlung nach den obigen Beträgen gerechneten öprozentigen Zinsen zu berichtigen. 3. Behufs Geltendmachung dieses Bezugsrechtes sind die alten Aktien in Begleitung von zwei Nummernverzeichnissen — zu welchen Formularien bei den Anmeldestellen unentgeltlich, zur Verfügung stehen — in der Zeit vom 4. bis 18. Februar >905 zum Zwecke der Abstempelung in den bei jeder der nachgenannten Stellen üblichen Geschäftsstunden vorzuweisen: in Budapest bei der Kassa der Gesellschaft; in Wien bei der K. k. priv. Oesterreichischen Kreditanstalt für Handel und Gewerbe; bei dem Bankhause 8. M. v. Rothschild; in Berlin bei der Direktion der Disconto- Gesellschaft bei dem Bankhause S. Bleichröder; in Frankfurt a. M. bei der Direktion der Disconto- Gesellschaft. 4. Zugleich mit der Anmeldung des Bezugsrechtes sind bei der Anmeldungsstelle für jede zu beziehende neue Aktie für den Reservefonds K 300.— nebst 5 Prozent Zinsen nach diesem Betrage vom 1. Jänner 1905 bis zum Anmeldungstage einzuzahlen. Jeder Aktionär, welcher sein Bezugsrecht bis zum obigen Termine und in der vorerwähnten Weise nicht ausübt, wird des Bezugsrechtes verlustig. 5. Die seitens der Aktionäre vorgewiesenen Aktien werden von der Anmeldestelle mit folgender Klausel „Elöveteli jog gyakorolva, 1905. Bezugsrecht ausgeübt" abgestempelt und nach erfolgter Abstempelung dem Aktionär, samt einem Exemplar des Nummemverzeichnisses, auf welchem der Betrag der auf das angemeldete Bezugsrecht entfallenden neuen Aktien verzeichnet wird, zurückgegeben. Gegen Rückstellung dieses Scheines und gegen Zahlung des Kapitalbeitrages von je K 400.—, zuzüglich 5 Prozent Zinsen vom 1. Jänner 1905 bis zum Uebemahmstage, werden die neuen Aktien mit Coupons per 1. Mai 1906 acht Tage nach der Abstempelung ausgefolgt. 6. Dieser Kapitalsbetrag ist bei sonstigem Verluste des Bezugsrechtes sowie des laut Punkt 4 für den Reservefonds entrichteten Betrages bis längstens einschliesslich 31. März 1905 auF einmal an derselben Stelle, an welcher die alten Aktien abgestempelt wurden, einzuzahlen. * 7. An den deutschen Stellen werden nur mit dem deutschen Reichsstempel versehene neue Aktien ausgegeben. Die Kosten des deutschen Reichsstempels haben die Aktionäre zu tragen 8. Die Besitzer der neuen Aktien nehmen vom 1. Jänner 1905 an, an dem Geschäftsergebnisse sowie an sämtlichen, den Aktionären zukommenden Rechten in gleicher Weise wie die Besitzer der alten Aktien teilt nur steht den Besitzern der neuen Aktien bezüglich der Verwendung des im Jahre 1904 sich ergebenden Geschäftsergebnisses sowie bezüglich der das Jahr 1904 betreffenden Jahresrechnungen und Bilanz ein Stimmrecht nicht zu. 9. Die ausser dem Nominalwerte der Aktien für den Reservefonds geleistete Zahlung wird — nach Abzug der mit der Emission der neuen Aktien verbundenen Spesen — dem Reservefonds zugeschlagen werden. Budapest, den 5. Jänner 1905. _Ungarische Allgemeine Creditbank. K. k. priv. allgemeine österreichische Boden-Credit-Anstalt. Die Nummernliste der am 31. Dezember 1904 bei der 44. Verlosung der 4prozentigen Pfandbriefe der k. k. priv. österr. Boden- Credit-Anstalt gezogenen Stücke sowie das Verzeichnis der bei den früheren Verlosungen gezogenen, aber bisher noch nicht zur Einlösung präsentierten Pmndbriefe werden, bei der Hauptkassa in Wien auf Verlangen unentgeltlich verabfolgt. Die Verzinsung der am 31. Dezember 1904 gezogenen 4proz. Pfandbriefe hört mit 1. April 1905 auf. Die Coupons verloster Pfandbriefe werden zufolge Art 144 der Statuten zwar fortan ausgezahlt, jedoch wird deren Betrag bei der Einlösung der Stücke vom Kapital in Abzug gebracht. Wien, 31. Dezember 1904. Die Direktion.

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