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Die Wahrheit · 1905-01-13 · Heft 2 (13.1.1905) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 2 (13.1.1905)
Date
1905-01-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 2. Die Wahrheit Seite 9 jfnrriy-nT.iir..-'z*jnL*:ä Äußere Wirkungskreis der Flmktionäre der Bethaus-Vereine geregelt und nach Spreugeln eingeteilt werden wird. Schließlich wünscht er dem Vereine weiteres Blühen, und Gedeihen. Nach diesen mit großem Beifall aufgenommenen Ausführungen gibt der Vorsitzende das Resultat der Wahlen bekannt. Es wurden 29 Stimmen abgegeben itnb erscheinen einstimmig gewählt in den Vorstand für eine 3 jährige Mandatsdauer die Herren: Gvttlieb B e t t e l h e i m, Heinrich Goldschmied und Julius Kop stein. In den Ausschuß winden gewählt die Herren: Adolf Frankl. Dr. Alfred Glogau. Leop. Hendl, Adolf Ko hn, Gerson K o r a l e k. Josef Steiner und Isidor T r e b i t s ch. Zum nächsten Punk» der Tagesordnung: „Antrag auf Ernennung eines Ehrenmitgliedes" ergreift der Vorsitzende das Wort. Er bemerkt, daß unter den Mitgliedern sich noch einer befinde, der seit den ersten Anfängen des Vereines — was gewiß schon 45 Jahre sein dürfte, denn seit 38 Jahren ist der Verein schon behördlich genehmigt — den werktätigsten Anteil an der Entwicklung desselben genommen, indem er diese ganze lange Zeit dem Vorstande und Ausschüsse angehört und stets seine besten Kräfte dem Aufblühen und Wachsen des Tempel- Vereines gewidmet habe. Dieser Mann, der auch heute in unserer Mitte weilt, ist Herr Leopold Hendl. Er stelle den Antrag, Herrn Leop. Hendl, in dankbarer Anerkennung der großen Verdienste, die er sich um den Bethans-Verein im IX. Bez. seit dessen Gründung bis zum heutigen Tage erworben habe, zum Ehrenmitgliede zu ernennen. (Dieser mit großem Beifall anfgenommene Antrag wird einstimmig angenommen). Herr Hendl dankt in bewegten Worten für die ihm verliehene Auszeichnung. Eine Anfrage des Herrn S. Fried an den Vertreter der Kultusgemeinde betreffs des Währinger Friedhofes hält der Vorsitzende für nicht zulässig, da dies keine Angelegenheit des Vereines sei, und nachdem Niemand mehr das Wort wünscht, schließt der Vorsitzende mit Dank an die Erschienenen die General-' Versammlung. _ ■ ■ Verschiedene Vach richten Wien. Freitag Abends den 13. d. M. findet eine Predigt im Stadt- und Leopoldstädter-Tempel statt. Wien. („Esra“, Verein der wirklichen Religio n s l e h r e r der Wiener Kultusgemeinde.) Dieser seit nunmehr 14 Jahren bestehende Verein, der zu seinen Mitgliedern jene Lehrpersonen zählt, welche den Religionsunterricht .zu ihrem ausschließlichen Berufe gewählt haben, und in erster Linie die Hebung der geistigen und materiellen Interessen derselben bezweckt, veranstaltete Sonntag, den 7. d. M., in der Religionsschule der Kultnsgemeinde einen Vortragsabend, für den Herr Rabbiner Dr. D. F e u ch t w a n g, einer an ihn seitens der Vereinsleitung ergangenen Einladung sreundlichst Folge -leistend, eine ..Interpretation einiger Texte der ch e i l i g e n Schrift" angekündigt hatte. Lange vor Beginn Äes Vortrages war der geräumige Saal von der Lehrerschaft — auch eine stattliche Anzahl von Mittelschulprofessoren hatte sich eingefunden — sowie von den zahlreich erschienenen Gästen bis auf den letzten Platz gefüllt. Nach Begrüßung der Erschienenen durch den Obmann, Religionslehrer A. Rotier, wies '-dieser vorerst die Ziele und Tendenzen des Vereines „Esra.“ auseinandersetzend, darauf hin, daß die Religionslehrer kat? exochen trotz der Ungunst der Zeiten und trotzdem es ihnen bisher leider nicht gelungen, eine Hebung ihrer materiellen Interessen zu erzielen, dennoch den Mut nicht verlieren, vielmehr nach wie vor unbeirrt von vorübergehenden Zeitströmungen ihren Idealen treu bleiben wollen. Geistige Fortbildung müsse unter solchen Umständen allerdings das alleinige Stahlbad für den Religtonslehrer bilden. Redner begrüßt es ferners namens des Vereines „Esra“ mit Freuden, daß gerade aus den Kreisen ber Herren Mittelschulprofessoren die beherzigenswerte Anregung hervorgegangen sei, durch gelegentliche Diskussionen gemeinsamer Angelegenheiten, durch eingehende Besprechung pädagogischdidaktischer Fragen einen innigeren Kontakt in der Lehrerschaft herbeizuführen und solcherart zur Hebung und Förderung des oielgeläfterten Religionsunterrichtes beizutragen. (Lebhafter Beifall.) — Hierauf ergriff Herr Rabbiner Dr. D. F e u ch t w a n g, von den Anwesenden sreundlichst begrüßt, das Wort, um in einem mehr als ^stündigen Vortrage das 21. und 22. Kapitel des 1. Buches der Könige, die Geschichte von Nabots Weinberg und die Prophezeihung Michajehus' enthaltend, in geistreicher und höchst origineller Weise zu interpretieren. Indes die bescheiden angekündigte Interpretation erweiterte sich alsbald zu einer lebendigen und eindrucksvollen Schilderung der damaligen Zeit. Schon die klassische Uebersetzung der beiden Kapitel, die eine durchaus eigenartige Auffassung bekundet, erregte die gespannte Aufmerksamkeit des Auditoriums. Diese steigerte sich in noch erhöhtem Maße, als der Vortragende den kulturhistorischen Hintergrund, das geistige und sittliche Milieu, wie es in den Tagen Achabs herrschte, in wenigen Zügen klar und anschaulich schilderte, die einzelnen dramatisch bewegten Szenen gleichsam wie aus einem Relief plastisch heransarbeitete und in meisterhafter Weise mit einigen Pinselstrichen ein packendes Zeitgemälde vor das geistige Auge zauberte. Durch Heranziehnng zahlreicher Stellen aus Talmud und Midrasch sowie deren geistreiche Deutung verstand es der Redner, der von ihm geschilderten Szenerie ein eigenartiges Kolorit zu verleihen und so die ungeschwächte Aufmerksamkeit der Zuhörer bis zum Schluffe zu erhalten. Langanhaltender, lebhafter Beifall lohnte die überaus anregenden Anssührnngen des gelehrten Vortragenden. Wie wir erfahren, haben sich bereits mehrere hervorragende Gelehrte dem Vereine „Esra". der zu seinem am 7. d. M. erzielten Erfolge nur zu beglückwünschen ist, mit wissenschaftlichen Vortrügen bereitwilligst zur Verfügung gestellt. Wien. (V o r t r a q.) Donnerstag, den 19. Jänner 1905, präzise VaS Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereines, I., Eschenbachgasse 9, ein Bortrag des Herrn Dr. Max Grunwald statt. Thema: „Ans Prozeßakten des Mittelalters". Mit Vorführung von Lichtbildern. Eintritt frei ohne Karten. Wien. Mittwoch den 18. Jänner 1905, 8 Uhr abends, findet in Oczerets Restaurant, X., Keplergasse 7, die ordentliche Generalversammlung für das 29. Vereinsjahr des israeiitischen Tempelvereines im zehnten Bezirke statt. Wien. «Wiener Jüdische To yn b e e-H a ll e, XX., Karajan g a s s e 20.) Vortragsordnung: Sonntag, 15. Jänner, Adolf G e l b e r: 300 Jahre Hamlet. Montag, 16. Jänner, Dr. Alexander H a u s m a n n: Der moderne Landkrieg. II. Dienstag, 17. Jänner, S. Abraham: Die Juden und der Alkoholismus. II. Mittwoch. 18. Jänner: Diskussion. Donnerstag, 19. Jänner, M. Berkowicz: Perez Smolensky. Freitag, 20. Jänner: Bibelvortrag. Samstag, 21. Jänner: Konzert. Wien. Der Mädchen- und Frauen-Berein „B i kn r C h a u l i m" (Krankenbesuch) hat für Sountag den 15. Jänner d. I. eine außerordentliche Generalversammlung im Sitzungssaale der israelitischen Kultnsgemeinde, I., Seitenstettengasse 2, einberufen, um Vorschläge zur Aenderung der Statuten vorzulegen, da die bisherigen der Ausdehnung des Vereines nicht mehr genügen. Nebenbei Bericht über die bisherige Tätigkeit des Vereines. Zahlreiches Erscheinen der p. t. Mitglieder im Interesse der guten Sache sehr erwünscht. Wien. Sonntag den 8. d. M. fand im Festsaale des Hotel „Bristol" die Trauung des Frl. Else Frankl, Tochter des Tuchfabrikanten Herrn Ignatz Frankl, mit Herrn Emil Jsakievicz statt. Den Trauungsakt vollzogen Oberrabbiner Dr. Güdemann und Oberkantor Singer. Wien. Die Reihe der Probevortrüge am Ottakringer Gemeindetempel eröffnete Freitag den 6. d. M. und Samstag den 7. d. M. der Kantorkandidat Herr Sch echter, Sohn des Czernowitzer Oberkantors S ch e ch t e r, und erntete mit seinem feinfühligen Bortrage wie durch seine;chöne Tennorstimme vielen Beifall. Wien. In der Donnerstag den 29. Dezember abgchaltenen Generalversammlung des Vereines „Thorat-Chesed", der sich die Unterstützung armer, in einer Jeschiwah studierender Wiener Kinder zur Aufgabe gestellt hat, wurden nachfolgende 8 Vorstandsmitglieder gewühlt: Herr Isidor Frommer Obmann, Herr Emil Katzler Obmannstellvertreter, Herr M. A. Fürst Kassier, Herr I. Löwy Schriftführer, Herr Heinrich Kohn Kontrollor und die Herren Leopold Rosenbaum, Heinrich Schiff und Samuel Diamant als Ausschußmitglieder. Wie». (Der 102. Geburtstag der Zweitältesten Frau Wiens.) Am 18. d. M. feiert die hier, Simmeringer Hauptstraße Nr. 45, wohnhafte Frau Katharina Blau ihren 102. Geburtstag. Die Matrone ist zu Karlburg bei Preßburg geboren und wohnt seit mehr als einem halben Jahrhundert in Wien. War sie auch zeitlebens nie mit Glücksgütern gesegnet, so hinderte sie das keineswegs, ihren angeborenen guten

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