Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1905
- Issue
- Heft 1 (6.1.1905)
- Date
- 1905-01-06
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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WfWW Nr. 1.' Die Wahrheit Seite 9 4ich, daß uns nur solche Tiere erlaubt sind, welche die Eigenschaft' besitzen, uns durch ihr Fleisch einen neutralen Saftzufluß zuzufnhren, der am wenigsten imstande ist, unsere echt menschliche, -ethische und intellektuelle Einwirkung hindernd z» beeinflnssen, nach dem wohlberechtigten Satze: ..Der Mensch ist. was er ißt." Außerdem ist Fleisch, dem das Blut ganz entzogen, weit weniger der Fäulnis unterworfen. Gleich die erste Stelle im Pentateuch, das Blntverbot 'betreffend, sowie die später folgenden desselben Themas drücken -sich sehr dezidiert in diesem Sinne ans. Als Noahs erstes Tun, nachdem er die Arche verlassen, darin bestand, fiir seine Errettung ans der Sintflut ein Dankopfer zu bringen, wurde ihm, 'der bisher nur auf Pflanzenkost angewiesen, (I. M. 1, 29: „Siehe, Ich gebe euch alles samentragende Kraut, das auf der Fläche -der ganzen Erde und jeden Baum, woran samentragende Baumfrncht, euer seien sie zur Speise") als Belohnung für sein 'Dankpflichtgefühl die Erlaubnis des Fleischgennsses nur unter der Bedingung und Einschränkung gestattet, wenn er sich „jeglichen Blutgenusses strengstens enthalte". I. M. 9, 3—4: „Alles Regsanie. was lebt, euer sei es zur Speise, wie das grüne Kraut gebe Ich euch alles. Doch Fleisch mit seinem Leben, seinem Blute, sollt ihr nicht essen." „Aber auch euer Blut eures Lebens werde ich fordern; von der Hand jedes Tieres werde Ich es fordern; so auch von der Hand des Menschen, von der Hand jedes seines Bruders, seines Nebenmenschen, werde Ich fordern das Leben des Menschen. Wer Menschenblnt vergießt, durch Menschen soll sein Blut vergossen werden; denn im Ebenbilde Gottes machte ER den Menschen." Daß Moses bei jeder sich bietenden Gelegenheit das Blutverbot eindringlichst warnend wiederholt, wie folgende und -andere Bibelstellen dartun, beweist zur Genüge, welche nachteiligen, höchst schädlichen Folgen für die Menschen Moses dem Blutgenusse beilegte. III. M. 17, 10—14: „Und jedermann aus dem Hanse Israel oder von den Fremdlingen, die sich aufhalten unter ihnen, der irgend Blut genießet: so werde Ich 'Meinen Zornblick richten auf die Person, die Blut ißt, und sie ausrotten ans der Mitte ihres Volkes; denn die Seele des Fleisches ist im Blute und Ich bestimmte es für euch auf den Altar, eure Seele zu versöhnen; denn das Blut ist es, das die Seele versöhnt. Darum sprach ich zu den Kindern Israels: Niemand von euch soll Blut essen, auch der Fremdling, der sich aufhält unter euch, soll kein Blut essen." „Und Jedermann von den Kindern Israels oder von den Fremdlingen, die sich aufhalten unter ihnen, der Wildbret oder Geflügel erjagt, das gegessen wird, so lasse er das Blut anslaufen und bedecke es mit Erde" — damit selbst der Anblick des Blutes gemieden werde, da derselbe auf viele abstoßend oder gar verwildernd wirkt. Schlachtvieh kommt hiebei nicht in Betracht, da dessen Schlachtung zumeist in geschlossenen Räumen oder an entlegenen Orten vorgenommen wird; „denn das Leben alles Fleisches ist sein Blut mit seiner Seele, darum sprach Ich zu den Kindern Israels: Blut von irgend einem Fleische sollt ihr nicht essen, denn die Seele alles Fleisches ist sein Blut, wer es ißt, soll ausgerottet werden." Diese nochmalige Wiederholung der Motivierung des Blutverbotes kann doch nur dahin gedeutet werden, daß die angeführte Begründung, der Genuß des Blutes sei darum verboten, weil dasselbe zu Opferzwecken, und zwar zur „Versöhnung der Seele" verwendet werden soll, nicht ernst zu nehmen sei, sondern daß diese Motivierung nur im Sinne des Volkes und der damaligen Auffassung der Gottesverehrung, die im Opfer von Tieren, geschah. Es mußte nun jedermann, sich den Blutgenuß auch deshalb versagen, weil er zu befürchten hatte, sonst sein Seelenheil aufs Spiel zu setzen. V. M. 12, 23—25: „Nur sei fest, daß du das Blut nicht essest; denn das Blut ist das Leben und du sollst nicht essen das Leben mit dem Fleische. Du sollst es nicht essen, aus die Erde sollst du es gießen, wie Wasser. Du sollst es nicht essen, damit es dir wohlergehe, dir und deinen Kindern nach dir, wenn du tust das Rechte in den Augen des Ewigen." — Bei solch dezidierten Ausführungen und Erörterungen, bei solch präzisen Bestimmungen betreffs des Blutvergießens und -Genießens, wie sie unsere Bibel, die doch einzig und allein unser ganzes moralisch-religiöses Leben beherrscht, so nachdrücklichst wiederholt, entblöden si.b unsere Hab-, raub- und blutgierigen Gegner dennoch nicht, in frecher Verlogenheit und Verwogenheit uns das Blitlmärcheu und den Ritualmord trotzdem imputieren und aushalsen zu wollen. (Fortsetzung folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien. (I s r a e l i t i s ch e Ku l tus g e m e in d e.) Freitag, den 6. Jänner, 10 Uhr vormittags, findet im Sitzungssaale, I., Seitenstettengasse 4, 2. Stock, eine öffentliche Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde statt. Tagesordnung: Konstituierung des Vorstandes. Wien. Samstag, den 7. Jänner, 7 Uhr abends, findet im Zeremoniensaale des Tempels, IX., Müllnergafie 21, die ordentliche Generalversammlung für das 38. Vereinsjahr des israelitischen Bethausvereines „Obs^vra-Lstb-HattUab" ini IX. Bezirke statt. Wien. Dienstag, den 27. Dezember v. I., um 6 Uhr abends, fand inl Beth-Hamidrasch eine lvürdige M a i m o n i d e s - F e i e r statt. Ein zahlreiches distingu>erres Auditorium fand sich ein, so daß die allerdings sehr beschränkten Räume — genau v i e r E l l e n für die Halacha — sich als viel zu klein erwiesen. Galt eS doch, den beiden Altmeistern der jüdischen Wissenschaft zu lauschen: Rabbiner Dr. Schmiedl und Lektor Friedmann, welche beide das verwöhnteste Publikum zu fesseln vermögen. Jeder in seiner Weise entzückte die Hörer durch seine geistvollen! Ausführungen. Besonders pikant wirkte beim elfteren die Parallele zwischen Maimonides und dem berühmten RechtSgelehrten I h e r i n g in Bezug auf den Kampf ums Recht. Wie Jhering es für eine heilige Pflicht erklärt,! auf seinem Rechte zu bestehen, so erklärt Maimonides den Schwur als! die heiligste Pflicht, wenn cs gilt dem Rechte zum Siege zu verhelfen. I Friedmann wiederum har eine Lanze für die hebräische Sprache eingelegt, > indem er den Nachweis führte, daß nur das hebräisch geschriebene! Werk M i s ch n e Thora den Namen des Maimonides der Nachwelt! überliefert hat. Beiden Gelehrten wurde vom dankbaren Auditorium ein j kräftiges Jasclier koach zugerufen, was wir hiermit auch tun. i Wien. Am 20. Dezember v. I. fand die 37. ordentliche General-; Versammlung des israelitischen HumanitütSvereines für die westlichen Be-! zirke Wiens „Nachlath Jeschurun" im Freitisch lokale, VI., Kollergerni gaffe 1, unter zahlreicher Beteiligung statt. Der Präses Herr Dr. Karl l L ö w y begrüßt die Beremsmitglieder sowie die erschienenen Gäste, dari unter Frau Th. König als Vertreterin des Frauenmohltätigkeitsvereines,! Herrn Baurat Max Fleischer als Präsidenten des Tempelvereines für : Mariahilf und Neubau, sowie das Ehrenmitglied des Vereines Herrn! Dr. I. S. Bloch. Aus dem von Herrn Dr. Karl L ö w y verlesenen s Jahresberichte entnehmen wir, daß die segensreiche Tätigkeit des Vereines! allseitige Förderung verdient, denn er erhält einen Freitisch für arme! Schulkinder, gewährt Unterstützungen an Arme, bekleidete auch heuer wieder I 50 arme Kinder und verausgabte im heurigen Jahre für diese Zwecke l X 7000. Leider sind aber die Mitgliederbeiträge im Rückgänge und es ist s dem Vorstande nur durch die Veranstaltung eines Theaterabendes unter Leitung des Präsidenten sowie einer Akademie, welche Vorstandsmitglied Herr Lemberger arrangierte, möglich gewesen, den großen Anforderungen zu entsprechen, da diese Abende einen Reinertrag von X 1518 abgeworfen haben. Der Präses bittet daher die Vereinsmitglieder, sich eifrig zu bemühen, neue Mitglieder und Gönner dem Vereine anzuwerben. Der Verein entspricht einem hohen Bedürfnisse für die Notleidenden dieses Bezirkes und verdient allseitige Unterstützung jedes Menschenfreundes. Herr Leopold Pick meldet sich, um ein Komitee zu bilden, welches in diesem Sinne wirken soll. Kassaverwalter Herr König verliest den Rechnungsabschluß, welcher ebenso wie der Bericht des Revisors Herrn H. Lie bermann znr Kenntnis genommen wird. Die laut § 15 der Statuten heuer zum Austritte gelangenden Vorstandsmitglieder Herren Richard K n e p l e r, Ignaz R e s ch o f s k y, Moriz T i l l e r und Jaques Winkler werden einstimmig wiedergewählt, ebenso die bisherigen Revisoren Herren Liebermann und Ernst Schüller. Herr Dr. K a h n gibt Anregungen, um die berechtigte Propaganda für diesen Verein ausgiebig zu verwerten. Herr Baurat Fleischer spricht als Vorstandsmitglied des Tempelvereines, wie auch als Vereinsmitglied dem Vorstände in warmen Worten den Dank für sein eifriges und selbstloses Wirken aus. Zum Schluffe betont noch Herr Dr. Bloch, daß der Vereinsvorstand stolz darauf sein kann, solche Erfolge zu erzielen und speziell in den letzten zehn Jahren, trotz der Ungunst der Zeiten, auf große Fortschritte Hinweisen kann. Er wünscht dem Vereine, auch weiterhin immer größere Ausdehnung zu gewinnen. Hierauf dankt der Präses für die Anerkennung, welche den Leistungen des Bereinsvorstandes zuteil wurden, und schließt die Generalversammlung. Wien. (Wiener Jüdische T o y n b e e-H a l l e, XX., Kar„aj a n g a s s e 20.) Vortragsordnung: Sonntag, 8. Jänner, Dr. I. S amuely: Japan, Land und Leute. IIL Montag, 0. Jänner, Dr. I. Jerusalem.