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Die Wahrheit · 1905-01-06 · Heft 1 (6.1.1905) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 1 (6.1.1905)
Date
1905-01-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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WWW yw— Nr. 1. Die Wahrheit. Seite 7. Len letzteren gleichgestellten Funktionäre der Kultusgemeinde aus -Eigenem zu ersetzen. Der Vorsitzende kann diesen Antrag, da er nicht statutenmäßig eingebracht, nicht in der Generalversammlung behandeln lassen, sondern nur als Anregung für den Vorstand betrachten, mit welcher sich der letztere beschäftigen wird. Kais. Rat Ruzicka glaubt, daß der Wunsch aller dahin geht, den Verein unabhängig zu erhalten und den Angestellten die sorgenlose Existenz zu verschaffen, die sie verdienen. Gäbe es eine freie Konkurrenz bei den Leichenbegängnissen, dann brauchte der Vereinsvorstand für die Funktionäre nicht zu sorgen, denn vermöge ihrer ausgezeichneten Leistungen würden sie gewiß allgemein begehrt werden. Aber ein anderer Faktor will nicht die freie Konkurrenz, und darum müsse der Vorstand mit allem Nachdruck im Interesse der Funktionäre gegen die bestehenden Privilegien ankämpfeu. In diesem Sinne beantragt der Redner, die vorjährige Resolution mit besonderem Nachdrucke zu erneuern und in der Generalversammlung das lebhafteste Bedauern darüber auszusprechen, daß dem Kultusvorstande ein ganzes Jahr nicht genügt hat, zu dieser Frage in irgend einer Form Stellung zu nehmen. Herr Salo Cohn erklärt sich bereit, diese Resolution zu übernehmen und im Kultusvorstande zu vertreten, und hierauf wird der Antrag Ruzickas einstimmig angenommen. Die vom kais. Rat Friedrich Pollak vorgelegte Bilanz mit dem Rechnungsabschluß pro 1904 wird nach Beantwortung einer Anfrage des Herrn B a r k a n durch den Vorsitzenden einstimmig genehmigt, und hierauf über Antrag der Revisoren, Herren Ignaz R e s ch o f s k y und Leopold S t o w a s s e r, dem Vorstande das Absolutorium erteilt. Nach Wiederwahl der bisherigen Revisoren und der Ersatzrevisoren, Herren Dr. Carl Löwy und Ignaz Klein referiert kais. Rat Friedrich P o l l a k über die Aufnahme eines durch Annuitäten rückzahlbaren Darlehens in der Höhe von 50.000 Kronen zur Deckung der notwendig gewordenen Adaptierungen und Umbauten.- Die klaren und lichtvollen Darlegungen des Redners, der die Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit der vom 'Vorstande beschlossenen Lösung und deren ausgezeichnete Durchführung durch den Präsidenten auseinandersetzt, werden von der Versammlung beifällig aufgenommen und hierauf erteilt dieselbe, über Antrag des Herrn S. S t e i n e r, die einstimmige Genehmigung zur Aufnahme des Darlehens in der angesprochenen Höhe. Nach kurzer Debatte, in welcher sich Herr Bar kan für die Erhöhung des Mitgliederbeitrages und die Herren S. L e mb erg er und Leopold Goller st epper gegen die Erhöhung aussprechen, wird der Antrag des Vorstandes, den Mitgliederbeitrag in bisheriger Höhe zu belassen, angenommen. Behufs Vornahme der Vorstandswahlen werden die Herren David Kohn, Leopold Gollerstepper, S. Lemberg er und Ignaz Klein als Skrutatoren gewählt. lieber Anregung des Herrn Salo Cohn, als Vereinsmitglied, wird von der Anhörung der üblichen Kandidatenreden Abstand genommen, da die Wiederzuwählenden durch ihre vieljährige ausgezeichnete Tätigkeit im Vorstande genügend bekannt seien. Die Herren Leo Bauer, Herm. Liebermann Friedrich Pollak und kais. Rat Josef Toffler erklären sich zur Annahme einer Wiederwahl bereit, und Vizepräsident Dr. Engel empfiehlt mit sehr warmen Worten, an Stelle des verstorbenen Herrn Albert I a n o w i tz e r, dessen Sohn Herrn Bernhard I a n o w i tz e r zu wählen, der sich schriftlich um ein Vorstandsmandat bewirbt und sein Fernbleiben von der Generalversammlung durch eine vor einigen Tagen notwendig gewordene Meise ins Ausland entschuldigt. lieber die Kandidatenfrage entspinnt sich eine lebhafte Debatte, an welcher sich die Herren Ignaz Klein, David Kohn, Salo Cohn, Leop. Goller st epper, Ignaz Reschofsky, kais. Rat Friedr. Pollak und Dr. Engel beteiligten. Von Herrn Ignaz Reschofsky wird Herr Leopold Waller und von Herrn Ignaz Klein Herr Leopold -Goller st epper zur Wahl empfohlen. Hierauf erfolgte die Wahl, bei welcher 37 Stimmzettel abgegeben wurden. Gewählt wurden: Leo Bauer (35 Stimmen), Herrmann Liebermann (35 Stimmen), Friedrich Pollak (35 Stimmen), kais. Rat Josef Toffler (36 Stimmen), auf 3 Jahre. Generalkonsul Bernhard I a n o w i tz e r (32 Stimmen) auf 1 Jahr. Nach Verkündigung des Wahlergebnisses wird die Generalversammlung geschlossen. Leket Joscher des 31. Iofefb. Moses.) Von Rabbiner Dr. M. L. Stern-Triesch. (Schluß.) Das Kleinliche ist da der perlende Tautropfen, in welchem die große Welt sich spiegelt. Darum, weil diese Frommen die ganze Welt, den hohen Himmel und die weite Erde mit Jerusalem gekrönt, im Herzen und im Gemüte trugen, war es ihnen so leicht, von jeder Scholle hinwegzuziehen und fanden sie allüberall, auch auf dem Scheiterhaufen, ihr Alles im wohlbestellten Glanze beisammen. Dem Ungelehrten aber, der diesen Zusammenhang der Normen mit dem Weltgauzen nicht kennt, dem sind diese einfach eine reine, sittlich hohe, dem Gotte Israels gehorsame, das Herz erhebende, gesunde Lebensweise, die vor Sittenverfall und Niedergang schützt. Liest man Lek et joscher mit Verständnis, dann dämmert noch eine andere merkwürdige Erkenntnis auf. Von uns Juden wird die Assimilation an die occidentale Kultur und Bildung verlangt. Aber Leket joscher, welches eine genaue ausführliche Schilderung der innern und äußern Lebensweise eines jüdischen Mannes in seiner Umgebung enthält, zeigt uns schon im Jahre 1470 diese Assimilation vollendet, voll zarter Rücksicht und ästhetischer Korrektheit, voll des sieghaften, die rohen Sinne lenkenden Geistes, voll der die blinden Leidenschaften erhellenden Aiifklärung. Nur die Assimilation der europäischen Völker an die europäische Kultur und Bildung steht noch aus!!! Josef b. Moses, dessen feinsinniges Lebenswerk Herrn Doktor I. Freimann nach 470 Jahren die Auferstehung zu; verdanken hat und selbst von Grätz noch nicht gekannt gewesen zu sein scheint, hat seine Kolektaneen derart angelegt, daß diese | ein recht anschauliches Lebensbild seiner Zeit gewähren. Ein | Schüler, Famulus und Verehrer Israel Jsserleins, unternahm er j es, die Lebensweise seines gefeierten Lehrers zu schildern, sein j Verhaltest beim Erwachen, Aufstehen, beim Gebete, beim Essen | an gewöhnlichen Tagen, an Sabbalh-, Fest-, Fast- und Trauer - tagen, seinen Umgang mit Gästen, mit den Gemeindevorstehern,! mit den Hausgenossen, seine zärtliche Verliebtheit in der Ehe, die Art, wie er die religiösen Obliegenheiten erfüllte, sein Wissen und Können, seine Sentenzen, seine sachlichen Entscheidungen, seine Tischgespräche, sein Predigten, seine Aufilärungen über fragliche Gegenstände bringt er genauestens zur Darstellung, so daß als Resultat ein kompletter Schulchan Aruch Orach Chaim, abgelauscht vom praktischen Leben eines Gottesfürchtigen, herauskam. Ein Schulchan Aruch ohne Paragraphe, ohne Oktroyrung als Gesetz, ohne jede andere Autorität als die, die sich aus der Nachahmungswürdigkeit empfiehlt. Und dieses halachische Moment des vom Verfasser zum Leben und Wirken erweckten Buches ist es vorzüglich, worüber ich mich noch ganz besonders aussprechen möchte. Das 60 Jahre nach Leket joscher erstandene Werk des Josef Karo wird in der neuesten Zeit arg bemängelt. Es sei, wird behauptet, das Werk eines fleißigen, aber wenig durchleuchteten Sammlers, ein Massenkörper ohne Seele, mehr gebieterisch als erziehend und belehrend. Etwas mag ja schon daran sein, da sich ja tatsächlich bald seine gewaltige Ausgestaltung durch Schach und Ture Sahab, in sehr bedeutungsvoller Weise auch durch den Machazith haschekel als unabweisbares Bedürfnis herausstellte. Dieser Mangel war jedoch sein großer Vorzug, durch den allein *) Ein neues Buch des Vereines „Mekize Nirdomim“ von Rabbiner i Dr. Jakob Frei mann in Holleschau.

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