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Die Wahrheit · 1904-12-30 · Heft 51 (30.12.1904) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 51 (30.12.1904)
Date
1904-12-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Die Wahrheit. Nr. 51. fomrte die Familie keine Traueranzeigen aussenden und doch verbreitete fich die Trauerkuude in den weitesten Kreisen. Bei dtzr Moutggs näkhmitags 2 Uhr stattgefundenen Leichenfeier war auch der Bubapefier Talmud-Verein durch eine Deputation vertreten, deren Führer,Rabbiner Mayer-Freund und Sekretär Moriz Eppler waren. Sein Andenken bleibt ein ehrenvolles! v.Ä. 8 Budapest. Letzten Donnerstag-Abend hielt der Miskolczer Rabbinats-Affessor Michael Herskovits im Sitzungssaale des Budapester Talmudvereines (Vasvari kul utcza) einen talmudischen und einen homiletischen Bortrng, denen ein erlesenes gelehrtes Publikum anwohnte. Unter de» Erschienenen bemerkten wir: den Knltuschef der Pester israelitischen Religiousgemeinde Ludwig Adler, den Präsidenten der Pester Chewra Kadifcha Jakob Bo sch an, den Tempelvorsteher Julius Adler, den Chewra-Borsteher Em. Z. Weiß, den Synagogenvorsteher Abraham Nagler, den Großkaufmann Lazar E p p i n g e r, Direktor Arnold K o h n, Rabbiner Mayer Freund, die Talniudisten Schlesinger und Weiß u. a. Präsident Eduard Fleischmann begrüßte als Vorsitzender die Anwesenden und ließ sodann den Rabbiner Herskovits durch eine Deputation unter Führung des Vorstandsmitgliedes Gustav Taub in den Saal geleiten. Der Rabbiner wurde bei seinem Erscheinen durch Elsenmrd Willkommenrufe empfangen. Die gediegenen Vorträge desselben fanden ungeteilten Beifall und riefen eine derartige Begeisterung hervor, daß der Vorstand und der Ausschuß sofort zusammentrat, um die Rabbinerwahl vorzunehmen. Es erfolgte hierauf mit Stimmeneinhelligkeit die Wahl des Michael Herskovits zum Rabbiner des Budapester Talmudvcreines. Der ueugewählte Rabbiner wurde neuerdings eingeholt. Präsident Eduard Fleischmann teilte ihm den Beschluß der Vereinsleitung in einer ungarischen Ansprache mit. Der neugewählte Rabbiner dankte gerührt in einem korrekten Ungarisch für die Ehre, die ihm zuteil geworden, und versprach das ihm entgegengebrachte Vertrauen zu rechtfertigen. Der Vereinsvorstand machte sodann auf telegraphischem Wege das Wahlergebnis nach Miskolcz bekannt. D. H. S. Budapest. Letzten Sabbat fand in der Synagoge der Pester israelitischen Religionsgemeinde eine Rambamfeier statt. Rabbiner Moses Feldmann hielt anläßlich der 700. Wiederkehr des Sterbetages Maimondes die Gedenkrede auf den großen Sohn Israels, den zweiten Moses, der sich durch seine unvergleichlichen Werke ein Denkmal für alle Zeiten errichtet und sich durch sein gottesgefälliges und menschenbeglückendes Leben und Wirken die Unsterblichkeit errungen hat. Hamburg. Herr Gustav Tuch, dessen Wirken auf dem großen Gebiete der Wohltätigkeitsbestrebungen weit über die Grenzen Hamburgs hinaus bekannt ist und der besonders für die bedrängten österreichischen Glaubensbrüder außerordentlich viel geleistet hat, beging am 21. Dezember seinen 70. Geburtstag. Dem Jubilar, der das Prädikat edel im vollsten Sinne des Wortes verdient, kamen von verschiedenen Seiten aufrichtige Glückwünsche zu, denen wir uns gerne anschließen. Ueber seine philanthropische Tätigkeit wollen wir demnächst ausführlicher berichten. Der Aindling. Erzählung von Babette Fried, Prag. (12. Fortsetzung.) Noch ziemlich jung an Jahren, verlobten wir uns fast zu gleicher Zeit. Während ich die liebenswürdige Waise meines Amtsvorgängers heimzuführen im Begriffe war, wählte Reb Mechuel eines reichen Hofbesitzers einzige Tochter. Als er mir das robuste, nur für die Wirtschaft lebende Mädchen als seine Braut vorstellte, konnte ich im Herzen das Bedauern nicht unterdrücken. „Es ist mir leid um Dich, mein Bruder Jonathan," sagte ich mir im Stillen. Mein Mitleid war aber nicht richtig angebracht, denn mein Freund lebte mit feiner Auserwählten in der denkbar glücklichsten Ehe. Er brauchte aus seinem Wissen keinen Erwerb zu machen, wie ich es tun mußte, und konnte, ungestört durch Nahrungssorgen, lernen nach Herzenslust bis an sein frühzeitiges Ende. Ich erhielt die Nachricht von der Geburt seines Töchterchens sowie öfters schwärmerische Schilderungen seiner ungewöhnlichen Geistesgaben und Fortschritte, die es in allem machte. Die Nachricht von dem Tode des Guten war die letzte, die ich aus diesem Hause empfing, bis heute." Erschöpft, nicht so von dem langen Sprechen, denn das war er ja gewöhnt, als von der Wucht der auf ihn eindringenden Erinnerungen, hielt der alte Rabbi inne und griff mit zitternden Händen nach der Tasse schwarzen Kaffee, welche die Hausfrau unterdessen zurechtgestellt hatte. Teinitz machte die Bemerkung: „Trotz alledem ist das Kind auf so ungewöhnliche Art zu uns gekommen, daß ich große Bedenken trage, meine Tochter in dieses Haus zu schicken." „Freilich waren Liese Umstände höchst ungewöhnliche," entgegnete der Rabbi, „aber die Wege Gottes sind rätselhaft und dessen Schickungen uns Sterblichen unbegreiflich; doch alleswird sich aufklären zu seiner Zeit. Ich muß Ihnen gestehen, lieber Teinitz, daß der. Pinchas, als ich ihn in der Schule kennen lernte, einen recht unvorteilhaften Eindruck auf mich gemacht hat. Er schien mir geistig nicht ganz normal zu sein, ein reines .Rachmones, Jahr für Jahr besuchte ich diese Gemeinde, inspizierte die Schule, indem ich die Kinder einer Prüfung unterzog, konnre aber bei dem Pinchas keine Spur irgend welchen Verständnisses ^entdecken. Bei der Unzahl von Kindern, die mir während meiner jährlichen Rundreise zu Gesichte kamen, ist es wohl nicht gut möglich, irgend einem eine besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Dieses Kind aber übte eine besondere Anziehungskraft auf mich aus, ich konnte den Gedanken an es nicht los werden. Nicht etwa darum, weil es eine Waise war, auch nicht weil der Knabe allgemein als Rachmones betrachte! wurde — leider gibt es in meinem Sprengel sehr viele Waisenkinder und so manches Rachmones — aber etwas Besonderes, Unerklärliches nahm mich für dieses Kind ein. Nun heute hat es-der Brief seiner Großmutter zur Genüge erklärt, die Aehnlichkeit mit seinem mir so unendlich teueren Großvater." Nach einer Pause fuhr der Rabbiner fort: „Das Kind mochte ungefähr acht Jahre alt gewesen sein, als ich wieder einmal die Prüfung seiner Klasse vornahm. -Pinchas erhielt von mir, wie jedes andere Kind, die Hand voll Zuckerwerk, während ich an die besten Schüler der Klasse zur Belohnung ihres Fleißes und zur Aufmunterung für die anderen je ein Exemplar des Jahrbuches ..Debora" verteilte. Da mit einem Male fühlte ich instinktiv die Blicke von klein Pinchas auf mich gerichtet, daß es mich bis ins Herz rührte. „Mögst Du auch so ein Buch haben, Kleiner," fragte ich ihn. Hochrot vor Freude nickte mir der Junge bejahend zu. Ich griff in die Tasche und holte noch ein Buch heraus, welches tch vorrätig hatte und reichte es ihm. Nie in meinem Leben vergesse ich das Aufleuchten dieses verschleiert scheinenden Auges. Der Blick voll unendlicher Dankbarkeit und Liebe, der mich traf, sagte mir, daß dieses Kind, trotz der großen Sorgfalt seiner Pfleger, -eine auf unbegreifliche Weise zurückgebliebene Pflanze sei, welche eines befruchtenden Regens und belebenden Sonnenscheins bedürfe, um zu gedeihen und das Versäumte nachzuholen. Durch Ihr unermüdliches Bestreben, meine lieben Freunde, ist ihm beides geworden, wofür ich Ihnen im Namen seines verewigten Großvaters meinen herzlichen Dank ausspreche. Im darauffolgenden Jahre, als ich wiederkam, entsann ich mich des Vorfalles mit dem Buche, und fragte lächelnd den Knaben, ob er etwas gelesen habe?" „Etwas?" antwortete derselbe, „ich habe alles gelesen und kenne das ganze Buch auswendig!" „So war es auch. Wo immer ich das Buch aufschlug,, überall sagte mir der Junge alles her. Und mit welchem Verständnis?! Von da an ist die geistige Nacht, welche das Kind umgeben, von ihm gewichen und hat dem göttlichen: „Es werde Licht!" Platz gemacht." Als der Rabbi geendet hatte, begann Reb Schlome: „Ehrwürden! was sollen wir aber der Frau Goldberg auf ihren Brief antworten? Sollen wir ihr Verlangen erfüllen? Bitte, raten Sie uns." „Das ist Sache der Zunächstbeteiligten. Kommen Sie her, mein Kind," sagte der alte Herr freundlich zu dem errötenden Mädchen. „Was werden Sie mir antworten, wenn ich Sie mit den Worten der heiligen Schrift frage: „Willst Du zu diesem Manne gehen?" (Fortsetzung folgt.) (Berlosungsverlust.) Im Monat Jänner finden die Ziehungen der Kredit-, Donau-Regulierungs-, II. Boden- und Salm-Lose, sowie mehrerer anderer Lose und Obligationen statt, deren Verlosung mit dem kleinsten Treffer, beziehungsweise Nominal-Betrage bedeutende Verluste verursacht. Die Versicherung gegen diese Verluste übernehmen die Zenträl- Depositenkasse und Wechselstube des Wiener Bankvereins, sowie dessen Filialen in Prag, Graz, Brünn, Aussig an der Elbe, Budapest, Lemberg, Czernowitz, die Exposituren in Proßnitz, Wiener-Neustadt und St. Pölten und Zweiganstalten in den Wiener Bezirken. Näheres iur Inserat der genannten Wechselstube.

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