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Die Wahrheit · 1904-12-30 · Heft 51 (30.12.1904) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 51 (30.12.1904)
Date
1904-12-30
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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Leite 9 Nr. 51 Die Wahrheit gaffe,9, ein Bortrag des Herrn Dr. M. Grunwald statt. Thema: „Simon von Trient." Mit Borführung von Lichtbildern. Eintritt frei, ohne Karten' ’ " ’ Wien. Montag, den 26. d. M. wurde der Sohn des Großindustriellen und Borstandsmitgliedes der Wiener Kultusgemeinde Moriz Edlen von Kusfner, Ignaz Edler von Kuffner, cm Ottakringer Tempel als Barmizwa zur Tyora anfgerufen. Der Vater des Konfirmanden errichtete aus diesem Anlässe eme Stiftung von 15.000 X für arme Schulkinder und spendete auch für andere wohltätige Institutionen namhafte Beträge. Wien. (Wiener Jüdische T o y n b e e-H alle, XX., Karaf an gaffe 20.) Vortragsorduung: Sonntag, 1. Jänner, S. Abraham: „Die Juden und der Alkoholismus." Montag, 2. Jänner, Dr. A Hausm ann: „Der moderne Landkrieg II." Dienstag, 3. Jänner, S. Bergm an n :. „Kulturhistorische Streifzüge durch zwei Erdteile." Mittwoch, 4. Jänner: Diskujsion. Donnerstag, 5. Jänner, Dr. J.S a m u e l y : „Japan, Land und Leute II." Freitag, 6. Jänner: Bivelerklarung. Samstag, 7. Jänner: Konzert. Wien. Der im zweiten Bezirke bestbekannte Cafetier Herr Wilhelm Wein ing er (Cafe „Adria" II., Große Pfarrgasse), hat vor einigen Tagen mit eigener Lebensgefahr eine alte jüdische Frau, die von einem Pferde niedergestoßen wurde, gerettet. Diese wackere Tat des Herrn Weininger, ist nicht vereinzelt, denn schon zweimal vorher im Jahre 1889 und 1901, hatte er zwei Mädchen vom Tode des Ertrinkens gerettet, nur wußte er es in seiner bekannten Bescheidenheit zu verhüten, daß seine Lebensretluugeu zur Kenntnis der Oeffeutlichkeit und der kompetenten Behörden gelangten. Wien. Der hebräische Konversations-Klub „Jvria" veranstaltet Samstag, den 31. d. M., präzise V28 Utir abends in Oppers Weinstube, LL, Obere Donanstraße 57 eine ="=ö-n mit einem Referate des Herrn Rabbiner Dr. A. K a nt i u f a. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird gebeten. Wien. Der Mädchen- und F r a u e n v e r e i n „B i k u r C h a n l i in" (Krankenbesuch) erhielt in Würdigung seiner außergewöhnlichen Bestrebungen, vonl Herrn Gustav Freiherr» von Springer für seine Vereinszwecke eine Spende von X 200. Jglau. (Einweihung der n eu e n Z e r e m 0 n i e n h a l l e.) Die ganze Weihe wurde programnigemäß durchgeführt. Eröffnet wurde dieselbe mit einem vom Chormelster eigens zu diesem Zwecke komponierten Weihelied, gesungen vom Tempelgesangsverein „Schic Zion." Nach dem Erbauer der Halle, Herrn k. k. Baurat Wilhelm Stiaßuy ans Wien, der dem Baumeister aller Welten dafür dankte, daß ' der Bau ohiie jeden Unfall und Störung beendet wurde und insbesondere des mitwirkenden . Zimmermeisters Karl Bretschneider rühmlichst erwähnte, kam der Präsident der Chewra-Kadischa und Obmann des Bau-Komitees. Herr Wilhelm Oestreiüier, zum Worte. In längerer, wohldurchdachter Rede dankte derselbe dem Herrn k. k. Baurat Stiaßuy, dem Stadtbanmeister und allen mitwirkenden Gewerbetreibenden im Nameil des von ihm vertretenen Bereutes. Er sprach , den edlen Spendern, die den Bau gefördert, der Sradtvertretung für das während des Baues entgegengebrachte Wohlwollen, den lsraelitischell Frauen Jglaus und allen Spendern, die zur inneren Ausschmückung bei- I trugen und den Mitgliedern des Ban-Komitees den herzlichsten Dank aus und gedachte schließlich mit inni'.en Worten der Dahingeschiedenen, die er um Verzeihung bat, daß durch den Ban ihre Ruhe gestört wurde. In formvollendeter Rede dankte der Präsident der Kultusgemeinde, Herr Adolf Lieblich, dem Herrn Baurat Stiaßuy, dem Baumeister Lang für die kunstvolle und gelungene Ausführung des Baues und schloß sich allen Ausführungen des Vorstandes der Chewra-Kadischa mit vollem Herzen an. Er dankte auch dem Herrn Bürgermeister Jnderka, den anderen Vertretern Der Stadtgemeinde, den Vertretern der löbl. Behörden und des löblichen Offizierskorps für ihr persönliches Erscheinen beim Weiheakt. Zum Schluffe kam das Schiwißi vom Tempelgesangsverein zum Vortrage, in welchem unser allgemein beliebter Oberkantor D. Weisz ein Solo, komponiert von seinem Freunde und Kollegen Oberkantor Kornitzer aus Klattau mit innigsten Gefühlen und bravuröser Leistung sang. *) Eine Chewra-Sude vereinigte die Mitglieder der Chewra-Kadischa zu einer geselligen Unterhaltung, bei welcher der Präsident der Kulrnsgemeinde, Herr Adolf Lieblich, den Kaisertoast sprach, welchem alle Anwesenden begeistert zustimmten. Der Präsident der Chewra-Kadischa, Herr Wilhelm Oestreicher, erörterte eingehend die Leistungen der Chewra-Kadischa auf dem Gebiete der Krankenpflege und hob die besonderen Verdienste der Vereinsärzte, sowie der anderen Herren Aerzte rühmlichst hervor, die uneigennützig unseren armen Glaubensgenossen Beistand leisten; gedachte ferner der verdienstvollen Verwaltung des Kassiers Herrn Ignatz Kohn und des rühmlichen Wirkens der Gaboim, der Herren Wnrmsohn, Reiniger und Grünfeld und sämtlichen Herren Vorstandsmitgliedern, und dankte insbesondere dem Senior der hiesigen Aerzte, dem greisen Dr. D. Kraus, der jahrelang als Vereinsarzt verdienstvoll im Vereine wirkte. Dank und Anerkennung zollte er auch den beiden Herren Obmännern kais. Rat Hellmann und Pokorny und den Mitgliedern des Tempelgesangsvereines für die freundliche Mitwirkung bei der Weihe der Halle und hob die künstlerische Leistung des Herrn Oberkantors Weisz rühmlichst hervor. Die Verdienste, die sich der Vereinspräsident, Herr Wilhelm Oestreicber um den Bau erwarb, erörterte Herr Baurat Stiaßuy in einem sinnreichen Vergleiche, welcher von allen *) Die ausgezeichnete Weiherede des allgemein verehrten Rabbiners Dr. Unger ist an anderer Stelle dieses Blattes wiedergegeben. Anwesenden durch Zurufe auf den Vereinspräsidenten beifälligst ausgenommen wurde. Mit dem Benschen, vorgebetet vom Oberkantor Weisz. schloß die Unterhaltung, die allen Teilnehmern in angenehmer Erinnerung bleiben wird. Ungar.-Brod. Vorige Woche ist einer der Aeltesten unserer Genieinde, Herr Wolf B r a m m e r, im 86. Lebensjahre gestorben. Der Verblichene, ein ausgezeichneter Jude und großer Wohltäter, war ei» Mann des entschiedensten Fortschrittes, für welchen er bei allen Gelegenheiten in der Gemeinde einrrat. Mit großer Liebe und Verehrung hinge» auch seine Kinder an dem alten Vater, zu dem sie wie zu einer patriarchalischen Gestalt aufblickten. Er hinterläßt drei Söhne, den bekannten Wiener Kafetier Herrn Moriz Brammer, und die Herren Salomon und Emanuel Brammer und zwei Töchter, Frau Rosa Schnee und Frau Julie Steinschneider, Kafrtiersgattin in Wien. Das Leichenbegängnis fand unter überaus zahlreicher Beteiligung der hiesigen Bevölkerung ohne Unterschied der Konfessivn statt. Brody. In aller Stille hat auch heuer wieder, wie es seit Dezennien alljährlich geschieht, die Verwaltung des Schulbekleidnngsfondes einen ausgezeichneten Wohltärigkeitsakr geübt. 150 Mädchen wurden mit warmen Schuhen, und mehr als 150 Knaben mit Stiefeln ausgestattct. Unser verdienstvoller Knltnspräsideut und langjähriger Schulliispektor, Herr Lasar Bloch, ließ es sich nicht nehmen, trotz seiner vielseitigen Beschäftigung dieser humanitären Handlung beizuwohnen und reichte jedem Knaben mit eigener Hand sein paar Stiefel. An der Spitze der Verwaltung befindet sich Herr Schulinspektor Dr. B. Groß, der mit Liebe und Sorgfalt dieses Amr versieht: ihm zur Seite stehen die verchrlichen Damen, Frau Friedrike H u r w i tz, Frau Miranda S ch a p i r a, Frau Karoline Loewenherz, Frau Salomea H a l p e r u und Frau Fanni K i tz. Leider sind die Fondsmittel und die gesammelten Spenden viel zu gering, um bei der schrecklich zunehmenden Verarmung der hiesigen Bevölkerung sämtliche Hungerleider dieser Schule selbst mit der notdürftigsten Fußbekleidung versorgen zu können. Die armen Kleinen der ersten Klassen werden nur mit winzigen Beiträgen bedacht und wegen mangelnder Bescduhung bleiben dieselben meist von der Schule weg. Tank der Fürsorge des Herrn Lasar Bloch werden auch heuer für 600 Kronen Mäntel für die ganz armen Schulkinder augeschafft. Es ist geradezu herzzerreißend, wie diese armen Schulkinder schon mit einer spärlichen Fußbekleidung versehen, in der Strenge des Winters in leichten, zerfetzten Mäntelchen zur Schule eilen, wo viele, ja sehr viele hungernd, selbst ohne Frühstück, bis zum Mittag weilen und erst dann in der hiesigen Volksküche ihren eingeschrumpften, leeren Magen mtt einer warmen Mahlzeit laben und stärken. Ich appelliere hiemit an alle Gönner und Freunde der Kleinen, ihre Wohltaten in reichlichem Maße denselben zuzuwenden, wodurch regelmäßiger Schulbesuch und fortschreitende Lernerfolge ermöglicht werden können, die einzige Zukunft der armen Kinder, die nach Beendigung der Schule sich dem Handwerke oder dem Studium zuwenden. Möge es mir auch hier gegönnt sein, im Namen der armen Kleinen den oberwähnten Damen, den edlen Herren Lasar Bloch, Dr. B. Groß und Herrn Schuldirektor Dr. Leop. Herz l, wie auch allen Wohltätern der isr. Volksschule den tiefgefühlten Dank auszusprechen. M. Markstein. Budapest. Herr kön. Rat Martin Schweiger hat seines vorgerückten Alters wegen von seinem Ehrenamte — er bekleidet schon seit 37 Jahren das Amt eines Präsidenten der israelitischen Landeskanzlei — abdiziert, was mit lebhaftestem Bedauern zur Kenntnis genommen und dem scheidenden Präsidenten Dank und Anerkennung ausgesprochen wurde. Die Neuwahl ergab: zum Präsidenten der israelitischen Landeskanzlei Dr. Moriz Mezei, und zum Vizepräsidenten Joses Hatva ny-Deut sch de Hatvan. Auch dem ehemaligen Sekretär, kön. Rat Dr. Josef Simon, wurde Dank und Anerkennung gezollt. Budapest. Der Präsident der Budapester Straßeneisenbahn-Gesellschaft und der ungarischen .Kaufmannshalle, Herr Heinrich I e l l i n e k, ein Neffe des unvergeßlichen Kanzelredners Dr. Jellinek in Wien, ist von Seiner M a j e st ä t d e in K ö n i g durch Verleihung des Titels eines königlich ungarischen .Hofrates ausgezeichnet worden. Budapest. (Todesfall.) Nach blos eintägigem Krankenlager verschied in der Morgendämmerung des ersten Wochentages der fromme und gottergebene Herr Joseph G e l l 6 r i im hohen Alter von 81 Jahren. Gellöri verfügte über gründliches hebräisches und profanes Wisien. die sich beide in ihm harmonisch vereinten. In seinem Mannesalter war er Pächter und Industrieller und domizilierte erst in Szarvas und danrr in Szegedin. In beiden Städten spielte er im jüdischen Gemeindeleben eine hervorragende Roll». Als guter Ungar — seine Muttersprache war die ungarische — wie nicht minder als eifriger Patriot na am er am öffentlichen Leben dieser kernmagyarischen Städte lebhaften Anteil. Aber auch als Familienvater zeichnete er sich durch die mustergiltige Erziehung seiner Kinder aus. Er übersiedelte ihretwegen vor vielen Jahren schon nach Budapest, wo dieselben geachtete Stellungen einnehmen. Sein Aeltester, „sein Moriz", ist der vortreffliche Direktor des ungarischen Landesindustrievereines, welcher von des Königs Majestät, mit dem königlichen Ratstitel ausgezeichnet wurde. Einer seiner Söhne ist haupstädtrscher Buchdruckereibesitzer und einer ist Oberbeamter in der Gizellamühle. Außer diesen Söhnen trauern um ihm seine greise Witwe, mit der er 51 Jahre lang in der zufriedensten Ehe lebte, und drei Töchter. Schlicht und einfach, wie Gestört gelebt, so mußte auch )eiu Begräbnis vor sich gehen. Seinem Wunsche gemäß erhielt er ein Leichenbegängnis letzter Klasse, ohne; Sang und ohne Klang und doch imposant durch die Menge der Leidtragenden, die'demselben änwohnte. Der christlichen Feiertagen wegen

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