Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1904
- Issue
- Heft 50 (23.12.1904)
- Date
- 1904-12-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Dienste der Gemeinde gewidmet und standest an unserer Seite als guter Kamerad. Darum ist unser Herz von Trauer erfüllt beim Anblick der welken Menschenblume, deren Blüte von so kurzer Dauer gewesen. Doch wir wollen Dein Leben nicht nach den Jahren zählen, sondern nach dem, was Du erstrebt und welchen Inhalt Du ihm gegeben. Ein König überwachte einst die Arbeiten seines Gartens. Unter den Arbeitern sah er einen, der sich durch besonderen Eifer auszeichnete. Diesen berief er zu sich und besprach und beriet mit ihm alle Arbeiten. Des Abends ließ der König allen Arbeitern gleichen Lohn auszahlen. Da beschwerten sich die Arbeiter, daß sie, die den ganzen Tag sich mühten, denselbeu Lohn erhalten, wie jener, der wenige Stunden gearbeitet. „Seine kurze Tätigkeit", antwortete der König, „hat gleichen Wert wie euere Arbeit des ganzen Tages." Wie der König die Arbeiter beurteilte, so wollen wir, lieber Freund, Dich und Deine Lebensart beurteilen. Wenn wir das Leben des Heimgegangenen schätzen nach seiner jugendlichen Begeisterung für alles Gute, und Edle, wenn wir es wägen nach seiner Liebe zu unserem Volke Und unserer Religion; wenn wir die Jahre rechnen nach der Hingebung an seine Pflichten, nach seiner Treue und Ehrlichkeit, nach dem Golde seines reinen Charakters und nach seinem warmfühlenden Herzen für Arme und Notleidende; wenn wir seine Jahre zählen uach der Treue zu seinen Brüdern, nach seiner Liebe zu Vater und Mutter, dann war sein Leben nicht von kurzer Dauer, es war voll Wert und reich an Inhalt. Wenn wir Dich nun hinausgeleiten zur letzten Ruhestätte, da wird der goldene Sonnenstrahl, der Dich so oft erfreute und beglückte, noch einen Augenblick über Deinem Haupte schweben. So schwebte es einen Augenblick über Dir —1 das Märchen von Genesung. Als Du aber von Todesahnen befallen warst, da hattest Du nur einen Gedanken, eine Sehnsucht, ein Gebet: '^3pn f» amcr „Nicht auf fremdem Boden möcht' ich sterben!" Und mit dem Aufgebote Deiner letzten Kraft eiltest Du, gettagen auf den Fittichen des Todesengels ins Vaterhaus, und an dem Herzen der Mutter hat Dein Herz zu schlagen aufgehört, und wurde still, ganz still. Und jetzt, da Wald und Flur, die Du so sehr geliebt, ihren Schmuck abgelegt und die ganze Natur schläft und ruht — ruhest auch Du." Wie». Herr Gustav Freiherr v. Springer hat aus Anlaß des Ablebens seines Bruders, des verewigten Herrn Alfred Freiherrn von Springer, dem Verbände zur Unterstützung armer israelitischer Wöchnerinnen die Spende von X 5000 gewidmet. Wie« (Israelitisch er T e m p e l v e r e i n für die beiden Gemeindebezirke Mariahilf und Neubau.) Donnerstag, den 29. Dezember, präzise 7 Uhr abends, findet im neuen Sitzung sfaale des Vereines, YL, Schmalzhofgasse Nr. 3, die 31. ordentliche Generalversammlung statt. Wien. Im Betlokale des Vereines „B’nei B’rith“ (Trauenfelsgasse) wurde am Sonntag Abend eine solenne Feierlichkeit abgehalten, 'anläßlich der von der Witwe des vor kurzem im Alter von 35 Jahren verstorbenen Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Michael Rappaport der Synagoge gespendeten achtarmigen silbernen Menora und einer Gedenktafel. Die Beteiligung war eine ungemein starke und konnte das Bethaus die Teilnehmer kaum fassen, darunter die Witwe des Verewigten, Frau Emilie Rappaport mit ihren Söhnen, Major B ard ach, der Gesamtvorstand u. A. Obmann Bernhard Ober begrüßte die zahlreich Erschienenen und gab dem Danke Ausdruck für die so erhebende fromme Widmung, zugleich den Wunsch aussprechend für das fernere Blühen und Gedeihen dieses für Thora, Aboda und Gemilath-Chessid so ersprießlich wirkenden Vereines. Herr Rabbiner Dr. Bach hielt die nach Form und Inhalt gleich hervorragende Festpredigt, in der er den Zusammenhang zwischen Vergangenheit und Zukunft des Judentums in herrlichen Worten schilderte, anderseits an die ttauernde Witwe, wie überhaupt an sämtliche Anwesende den begeisternden Appell richtend, die Heranwachsende Jugend in religiösem Sinne und Geiste zu erziehen, auf welche Weise am besten das Andenken unserer edlen und großen Männer, die allzufrüh aus unserer Mitte gerifien wurden, forterhalten wird. Die kantorale Funttion versah Herr S ch o r aus Fünfhaus in vorzüglicher Weise, so daß unstreitig die ganze Feier einen bleibenden wohltuenden Eindruck erzielte. —«. Wien. Der Lehrer-Verein im II. Bezirke veranstaltet am 12. Februar 1905, im Prachtsaale des Hotel Kontinental ein Kostümkränzchen ohne Kostümzwang. Wie«. Vergangene Woche wurden in der Weinstube Grosß, H., Praterstraße 13, 63 Kinder von der Tischgesellschaft daselbst mit warmen Winterkleidern beschenkt. Trotzdem Herr Ignaz Beckmann sein Amt als Obmann der Tischgesellschaft bereits niedergelegt hat, hat er sich dennoch ganz in den Dienst der guten Sache gestellt und gebührt ihm das Hauptverdienst, daß es möglich wurde, auch heuer so viele Kinder zu bekleiden. Möge es Herrn Ignaz Beckmann, welcher auch in anderen Vereinen seinen Wohltätigkeitssinn bekundet, gegönnt sein, stets in vollster Rüstigkeit Mizwos und gute Taten ausüben zu können. r. Wie«. Der literarische G es e l l i g k e its v er ein jüdischer Mädchen „M oria" entwickelt wie alljährlich eine rege Tätigkeit und hat im Laufe weniger Wochen mehrere sehr gelungene literarische Nachmittage veranstaltet. Am 14. November hat Herr Dr. B. Kurrein in außerordentlich fesselnder Weise Hejermanus „Judenstteich und Ghetto" besprochen. Ungeteilter Beifall lohnte die vorzüglichen Ausführungen. Sonntag, den 27. November hielt Herr M. Berkovitz einen wohldurchdachten Vortrag über das Thema: „Die Frau in der talmudischen Literatur." Schriftsteller Herr Heinrich Glücksmann hat Sonntag den 11. Dezember über „Das Judentum in der lyrischen Poesie" glänzend gesprochen und knüpfte an seinen Borttag eine meisterhafte Rezitation der besprochenen Dichtungen. Sonntag, den 25. d. M. wird jur. Herr Fritz Löhner einen: Vortrag über das Thema „Zur Mission der Zionistin" halten. Beginn 31/2 Uhr nachmittags im Kongreßjaale, H, Türkenstraße 9. Üläste herzlich willkommen. Jglau. Letzten Sonntaghat, wie bereits in voriger Nnmmer mitgeteilt wurde, unter großer Teilnahme der Bürgerschaft und in Abwesenheit der städtischen und kommunalen Autoritäteu die Einweihung einer neuen Zeremonienhalle auf dem israelitischen Friedhofe in Jglau stattgefunden. Zu der Feier waren .erschienen: Der Bürgermeister von Jglau Jnderka mit dem Vizebürgermeister kaiserlichen Rat Kilian und zahlreichen Gemeinderäten, in Vertretung des Bezirkshauptmannschaft Oberkommissär Dr. Bach, in Vertretung der Garnison Major Glogar nebst einer größeren Anzahl von Offizieren des 81. Infanterie-Regimentes, in Verttetung des Landwehrkommandos Hauptmann Mossan nebst mehreren Landwehroffizieren und Militärärzten, Vertreter des evangelischen Presbyteriums, Professoren derLandes-Oberrealschnle, Oberfinanzrat Kloß, Finanzrat Dr. Kohn und Oberkommissär Stein, die Landesgerichtsräte Lorenz und Lieber, sodann an der Spitze des gesammten Kültusvorstandes der Präsident Direktor Lieblich, der Vorstand der frommen Bruderschaft mit dem Präsidenten Oesterreicher, Rabbiner Dr. Uuger, der Erbauer der Zeremonienhalle Baurath Stiatzny aus Wien, Baumeister und Gemeinderat La n g aus Jglau, Vertreter der benachbarten Kultusgemeindeu, darunter von Dentsch-Brod, Groß-Meseritsch, Pirnitz und eine überaus große Anzahl von Bürgern der Stadt Jglau nebst ihren Damen, so daß die neue große Halle vollständig gefüllt war. Nach Vortrag eines Weiheliedes durch den Tempelgesangverein übergab Baurat Stiaßny in einer Ansprache das eben vollendete Gebäude seiner Bestimmung und dankte hiebei seinen Mitarbeitern, insbesondere dem Baumeister Lang und seinem Bauleiter Architekten Reiser für ihre Unterstützung. Herr Wilhelm Oe st er reicher übernahm das Haus in die Verwaltung seines Vereines. Hirauf hielt der Kultuspräses Direktor L i e blich eine schwungvolle Ansprache, iu welcher er der gemeinnützigen Tätigkeit der Wohltätigkeits-, insbesondere der Frauenvereine in Jglau gedachte. Mit ■ einer Weihpredigt schloß die Feier. Bielitz-Biala. (I s r. H a n d w e r k e rv e r e i n.) Mit den Mitteln dieses unter Leitung des Herrn Rudolf K e st e l stehenden Vereins wurden auch diese Woche 25 junge Leuie mit Winterkleidung und Schuhwerk beteilt. Zu der Veranstaltung hatte sich ein größeres Publikum, besonders jüdische Gewerbetreibende, eingefunden. Herr Obmanu Kestel eröffnete den Akt mit einer Ansprache an die Lehrlinge über die Bedeutung des Handwerkes, das seinen Mann unabhängig macht und frei und ihn zu einer Selbständigkeit gelangen, wie nicht viele andere Berufe. Deshalb sollten sich die jungen Leute die Erlernung ihres Handwerks unverdrossen, mit Lust und Liebe angelegen sein lassen. Gott ergeben, bescheiden, fleißig und willig und folgsam gegen die Lehrer sein und die guten Lehren beherzigen, die sie in den sonntäglichen Religionsstunden des Herrn Lehrers Stein empfangen. Der Bericht für 1904 verzeichnet das Ableben zweier Mitglieder, H. D. Robinsohn und S. Drechsler, und dankt für die dem Vereine zugewendeten Unterstützungen von den Herren B. Schösser 100 X, Michael Braun 50 X, Th. Pollak 40 X, Alois Lembergee 30 X, K. Beder 20 X, Schmelz 10 X und Lustig 10 X sowie den durch Herrn S. Tugendhat vermittelten Monatsbeitrag von 12 X. In dem 22jährigen Bestehen des Vereines konnten bereits 175 Lehrlinge freigesprochen und 40 Lehrlinge bei Wiener Meistern untergebracht werden. Zwei ehemalige Lehrlinge besuchen mit Unterstützung des Vereines die Werkmeisterkurse an der Staatsgewerbeschule. — Einer der beteilten Knaben sprach im Namen der Uebrigen dem Vereine den Dank aus. Herr Med. Dr. Haas richtete au die Lehrlinge eine Ansprache über den Wert des freien Gewerbes und die Notwendigkeit eines intelligenten Handwerkerstandes. Herr Obmann Rudolf Kestel, in dessen Händen sich die gesamte erfolgreiche Fürsorge für die Lehrlinge konzentriert, bewirtete dieselben später auf eigene Kosten noch mit einer Jause. Raab. (Kinderbekleidung.) Der Raaber und Raabszigeter israel. Frauenverein hielt, wie alljährlich so auch diesmal unter der Leitung der edelmütigen Päsidentin Frau Johanna Herzl-Keppich eine erhebende Schulkinderbekleidung-Chanukafeier. Anwesend waren außer dem Präsidium sämmtliche Ausschußdamen und viele geladene Gäste; ferner Oberrabbiner Herr Dr. Moritz Schwarz, Vereins-Sekretär Herr G. Wilhelm S z ö g y i, Schuldirektor Herr Geza V a j d a und von den Lehrern nnd Lehrerinnen Frl. Fanny G 0 l l und Herr S. Vau mgarten. — Herr Oberrabbiner hielt eine solenne Ansprache an die Schuljugend, sie zu Dank und Anerkennung aneifernd gegen ihre Wohltäter, und sich in erster Reihe für die edelmütige Betätigung der Frau Präsidentin und des Ausschusses dankbar zu erweisen, deren ganzes Bestreben in der Bemühung kulminiert, daß die Knaben und Mädchen vor der bittern Kälte des Winters geschützt seien. Ein enthusiasmiertes dreifaches Eljen! auf die allgemein geliebte und hochverehrte Präsidentin erscholl uun aus den Lippen der zarten Kinder. Hierauf folgte die Danksagung eines Zöglings und schließlich ergriff der Schuldirektor das Wort, den anwesenden Vereinsdamen den tiefgefühlten Dank der Schuljugend aussprechend. Ein abermaliges Eljen erfolgte. 142 Kinder wurden mit kompletten Winteranzügen und einer ftugalen Jause bedacht. Effegg. Dem 2. Kantor Herrn Aron Kirschitzky wurde, nachdem derselbe den Eid als ungarischer Staatsbürger in die Hände dis Esseker Bürgermeisters königlichen Rat Grass abgelegt hatte, das Definitivum mit: Pensionsberechtigung seitens der Esseker Kultusgemeinde einstimmig, erteilt.