Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1904
- Issue
- Heft 50 (23.12.1904)
- Date
- 1904-12-23
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Wahrheit Seite 9 Nr' 50. -seiner Art dasteht, dessen Geburt, Leben und Tod so natürlich, einfach, ergreifend, wahr und erhaben ist! Was könnte man zu dieser höchsten, erhabensten Idee von der Uebersinnlichkeit Gottes., welche Moses so vollkommen und erschöpfend erfaßte und zur Darstellung brachte. Ergänzendes oder Neues hinzufügen??!! Mit - vollstem Rechte ruft daher Moses aus, V, M. 18, 7: „Tut nichts dazu, tut uichs davon!!' Das erreichbare Höchste hat e r erreicht! Unerreichbares erreichen wollen, ist babylonische Torheit, Ueberhebung, turmhohe Selbstüberschätzung! Verkünden, behaupten: „Unerreichbares erreicht zu haben", oder solches von jemandem behaupten, verkünden, ist Humbug. Irreführung, Blasphemie!! Wohl -war die abstrakte Gottesidee den Ebrüern seit ihrem Bestände zu eigen; denn diese war es ja eigentlich, wodurch sie sich von den anderen Nationen unterschieden hatten; allein bi-istang waren sie noch nicht zur vollsten Erfassung des höchsten Gottesbegriffes — der übersinnlichen Gottesidee — gelangt. Sie kannten die abstrakte Gottesidee nur als Ueberliefernng oder ans derselben, und zwar: als ,.El eljonu obersten oder .höchsten" Gott; „ei schadaj4 „allmächtigsten' Gott, wie es auch in II. M. 6, 3 ausdrücklich hervorgehoben wird: „Und Ich erschien dem Abraham, dem Zizchak und dem Jakob „als Gott der Allmächtige", aber mit ..Meinem Namen Ihwh" bin Ich von ihnen . nicht erkannt worden!" Anderseits hatte die gar lange, bange egyptische Sklaverei mit ihrer zielbewußten Grausamkeit eine solch deprimierende Wirkung auf die Nachkommen Jakobs geübt, daß sich ihnen selbst der Begriff der abstrakten Gottesidee so sehr getrübt, beinahe verwischt hatte, daß sie im Uebermaße ihrer Gedrücktheit und physischen Ueberanstrengund — m'kozer ruach um’awodoh koschoh — aus Moses gar nicht hörten. Unter solchen Umständen geriet Moses in Zweifel, ob nud unter welchem Namen, mit welcher Bezeichnung er eigentlich den Begriff der abstrakten Gottesidee und mit dieser ihre — seiner Brüder — glorreiche Abstammung, Vergangenheit und Tradition in ihrer Erinnerung zurückrnfen könnte. Rechenschaftsberichtes über allgemeinen Wunsch Umgang genommen wurde, entwarf der Obmann Herr Eltbogen in freier Rede ein anschauliches Bild der Finanzgebarung. Er betonte, daß die Lage des Vereines keine ungünstige zu nennen sei, zumal es ihm möglich war, das Budget-Erfordernis von etwa X 23.000-— auch in diesem Vereinsjahre aus den eigenen Mitteln zu bestreiten und noch ein Ueberschuß von X 5218 65 aus dem Gebarungsausweis resultiere. „Dank der Opferwilligkeit unserer Mitglieder," so führte der Redner aus, „ist es möglich geworden, den Gottesdienst zu einem mustergiltigen auszugestalten und für denselben Funktionäre von großen Fähigkeiten zu akquirieren, der Besuch unseres Gotteshauses vermehrt sich in erfreulicher Weise und bildet dasselbe einen Anziehungspunkt auch für Glaubensgenossen aus den andern Wiener Bezirken. Wir dürfen auch zuversichtlich hoffen," schloß der Redner, „daß die noch in Schwebe befindliche Rabbinerfrage einer gedeihlichen und allseits erwünschten Lösung in Bälde zugeführt werden wird." lieber die Erklärung des Obmannes. insbesondere mit Bezug auf einen Gemeinderabbiner, entspann sich nun eine Debatte, in welche auch Herr Dr. Heinrich Schreiber eingriff und mit der ihm eigenen glänzenden Rednergabe in sehr entschiedener, aber trotzdem vornehmer Weise gegen die Wiener Knltusgemeinde sprach. Seine Ausführungen gipfelten in der Aufstellung des Postulates: „Die Anstellung eines Gemeinderabbiners ist ein unerläßliches Erfordernis für diesen Bezirk der den zehnten Teil der gesamten Judenschaft Wiens beherbergt. Es obliegt der Kultusgemeinde die Pflicht, für die religiösen und ethischen Bedürfnisse dieser 1400 in der Brigittenau lebenden Juden in ausgiebigem Maße zu sorgen und wir gemahnen sie eindringüchst an diese ihre Pstichr. wenn wir nicht anders genötigt sein sollten, einen anderen Faktor im Staate anrnfen zu niüssen." In Anbetracht der Wichtigkeit des Punktes 3 wurde eine Verschiebung in der Tagesordnung vorgenommen und solcher zunächst in Beratung gezogeni Herr Sekretär Jos. K o h n beantragte als Referent die Erhöhung des Mitgliedsbeitrages von X 8.— auf X 12.— und trat in der Begründung für seinen Antrag mit viel Geschick, Wärme und Energie ein. In der hierüber abgesührten Debatte war es vornehmlich wieder.Herr Dr. Heinrich Schreiber, der mit großer Beredsamkeit diesen Antrag im Hinblick auf die schwache Leistungsfähigkeit der Mitglieder bekämpfte, jedoch mit Rücklicht ans die Person des Antragstellers, den er als intimen Freund und überzeugnngstrenen und opferfreudigen Glaubensgenossen schätze und ehre, dem Anträge zum ndest ein Begräbnis zweiter Klaffe wünschte. Bei der hierauf erfolgten Abstimmung wurde dieser Antrag auch von der Mehrheit der Versammlung abgelehnt. Die sodann vorgenommeue Wahl ergab folgendes Resultat: Tie Herren Josef W ü n s ch, Moritz Traube, Adolf Feuer wurden wieder- und Herr Dr. Jakob Roth, der im Vorjahre aus dem Vorstande ausgetreten war, neugewählt. N. Ch. (Fortsetzung folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien. Freitag-Abends, den 23. Dezember 1904, Predigt im Leopoldstädter Tempel. Wien. (Vortrag aus jüdischer Geschichte.) Donnerstag, den 29. Dezember d. I., präzise 1.28 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architekcen-Bereines, I., Eschenbachgasse 9, ein Bortrag des Herrn Dr. D. Fe u ch t w a n g statt. Thema: „Raschi, anläßlich seines 800. Todestages." Eintritt frei, ohne Karten. Wien. Dienstag, den 27. d. M., findet im Betha-Midrasch, II., Tempelgasie 3, eine M a l m o n i d e s s e i e r statt, bei welcher Rabbiner Dr. S ch m i e d l und Lektor Friedman n sprechen werden. Wien. (Wiener Jüdische T o y n b e e-H a l l e, XX., Kar ajangasse20.) Vortragsordnung: Sonntag, 25. Dezember: Konzert. Montag, 26. Dezember: Dr. Jofef Jerusalem: Oefterreichische Berfassungsgeschichte. IV. Dienstag, 27. Dezember, Agronom S. Abraham: Die Ernährung der Haustiere im Vergleich zur uuserigen. II. Mittwoch, 28. Dezember, Prof. Dr. Josef Pollak: Bau und Verrichtung der Sinneswerkzeuge, IV Donnerstag, 29. Dezember, Dr. Siegmund Werner Schiller. HI. Freitag, 30. Dezember: Bibelerklärung. Samstag, 31. Dezember: Konzert. Wien. Das bestbekannte Hotel und Restaurant M. G u th, II., Stefaniestraße 14, hat durch Adaptierung eines zweiten Traktes eine Vergrößerung von 50 Zimmeril erhalten und wird gewiß in Zukunft um so größeren Zuspruch seitens des jüdischen Publikums finden. Wien. (Generalversammlung des B r i g i t t c n a u e r T e m p e l v e r e i u e s.) Donnerstag, den 15. d. M.. fand die diesjährige Generalversammlung des Brigittenaner Tempelvereines in den Lokalitäten des Cafö Körner, XX., Wallensteinstraße 2, statt. Präzise 8 Uhr abends eröffuete der Obmann, Kultusvorsteher Herr Hermann Eltbogem die Bersanimlung, indem er die zahlreich erfchieneuen Mitglieder herzlichst begrüßte, und widmete hierauf den in diesem Jahre aus dem Leben geschiedenen Mitgliedern: Adolf W e i ß. Hermann R a n z e n h o s e r, Jakob L i e b i e i n und Markus Elias, wie insbesondere dem kürzlich verstorbenen Vorstandsmitglied Herrn Adolf K u m m e r m a u n tiefempfundene Worte des Gedenkens; er gedachte ferner auch des in diesem Jahre^dahingeschiedeneu Kultusvorstehers Herrn T e l t s ch e r, der ein warmer Frennd und Förderer des Brigittenauer Tempelvereines war, sowie der Manen weil. Dr. Theodor Herzls. Die Versammlung ehrte das Andenken der Verblichenen durch Erheben von den Sitzen und beschloß, diese Trauer- Kundgebung in das Protokoll aufzunehmen. Da von der Verlesung des Wien. Unter außerordentlich starker Beteiligung der akademischen Kreise und der Schriftstellermelt fand am 16. d. M. vormittags das L-ichenbegänguis des Mittwoch nachmittags so jäh aus dem Leben geschiedenen Prof. Dr. Emil S z a n t o statt. Die große Beteiligung zeigte, welcher Wertschätzung sich der Verstorbene als Gelehrter, als Lehrer und als Mensch erfreute. Die ganze Trauergesellschaft gab dem Sarge, dem ein Blumenwageu mit Kränzen der Fakultät, des Seminars, der engeren Wiener Kollegen und Freunde vorausfuhr, das Geleite auf den Döblinger Ortsfriedhof, wo die Beerdigung in der Familiengruft stattjand. In der Zeremonieuhalle hielt, nachdem Oberkantor Singer das Trauergebet stimmungsvoll vorgetragen hatte, Hofrat Prvffeffor Bormann im Namen der Universität und insbesondere im Namen des Instituts, dem der Verstorbene durch ein Vierteljahrhundert angehörte, in dem er sein zweites Vaterhaus, seine zweite Familie gefunden habe, einen überaus warm empfundenen und das Wesen Szantos als Gelehrter, als Lehrer, als Freund und Mensch wirksam und ausdrucksvoll schildernden Nachruf. Mit herzlichen und tiefempfundenen Worten sprach er ihm den Dank aus für alles Schöne. Er rühmte seine Betätigung auf dem großen Gebiete der griechischen Altertumswissenschaft, seine umfassende und mannigfache Bildung, seinen feinen Formsinn, seine tiefe und eindringliche Beherrschung der mannigfachen Probleme der Forschung, die er mit neuem Material > bereichert habe, seinen fließenden und klaren Vortrag, sein intensives und! nie erlahmendes Interesse für Schüler. Freunde und Kollegen und seinen j reinen und lauteren Charakter, seinen Frohsinn und Witz und seine Schlag-! fertigfeit. Doch darf man mit dem Schicksal nicht hadern. Szanto sei das! Glück, das die von ihm geliebten Alten am höchsten schützen, zuteil ge- - worden: die Euthanasis, ein rascher, schöner und leichter Tod. Nachdem : Prof. Wickhoff im Namen der Freunde und Prof. Grün b erg im Namen der Familie warme Worie gesprochen niid die Anwesenden Erd-; schollen ins frühe Grab geworfen hatren, verließen alle tief ergriffen die; Stätte des ewigen Friedens. Wien. Bei dem um 16. d. iH. stairgefuudenen Leichenbegängnisse i des Sekretariatsbeamten der Kttlkusgemeinde, Herrn Jakob Z o l l s ch a n,! waren voni Vorstände Herr Präsiden! Dr. Alfred Stern und Herr Baul rat Theodor Ritter von G v l d i ch m i d t. sowie ein großer Teil des Beamtenkörpcrs anwesend. Auf Wunsch der Familie des Verstorbenen ist die Mitwirkung eines Rabbiners und Kantors unterblieben. Am Grabe hielt der Beamte der Kultusgemeinde Herr I. B r a u n im Namen der Kollegen dem Verblichenen folgenden Nachruf: „Im Namen der Beamten der Kultusgememde entbiete ich Dir, dem lieben Kollegen und Freunde, den letzten Gruß. Mit Deinem ganzen Wesen, Deinem ganzen Sein, Deinem vollen Können hast Du Deine