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Die Wahrheit · 1904-12-23 · Heft 50 (23.12.1904) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 50 (23.12.1904)
Date
1904-12-23
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit. dir. -50. Zugleich verdient hier die Bemerkung hervorgehoben zu werden, daß den Männern, welche den „Verein zur Unterstützung russischer Juden" leiten, Anerkennung und Lob zollen ist. Dieselben sind keine Millionäre, wohnen nicht in Palästen, verfügen nicht über große Reichtümer, führen kein gesellschaftlich glänzendes Leben, sind keine eigennützigen Streber uno Mandatenhascher und haben auch nicht einen öffentlichen Beruf; denn außer den drei erwähnten Herren Dr. Holzer, Dr. Vierer und Oberkanwr Halpern erfüllen die übrigen Herren der Vereinsleitung ihre materielle Lebensaufgabe mit Fleiß und Redlichkeit und entbehren auch nicht der Lebensmühen. Und dennoch arbeiten sie im Interesse der Armen und Elenden, unserer russischen Stammesbrüder, in der uneigennützigen Weise an jedem Tage unermüdlich und haben viel zu tun, um alle Hindernisse zu beseitigen, die ihnen entgegenstehen, um ihrer j Aufgabe gerecht zu werden. Darum ergeht h i e r die d r i n g e n d e Aufforderung an alle Reichen und Wohlhabenden in Israel, besonders aber in Rußland, diesem Verein die gebührende und ausgiebige Geldunterstützung zuzuweisen. Mögen die Reichen und auch die Rabbiner und alle, welche die jüdische Nächstenliebe zu fördern imstande sind, Sammlungen veranstalten, um Geldbeiträge für die Unglücklichen einzuheben, und hieher zu senden. Das Geld ist zu senden an den bedeutenden Finanzmann und wahrhaften Philanthropen*) kaiserlichen Rat Jakob Stroh in Lemberg, der die Beiträge dem Verein übermitteln wird. Dies ist eine dringende und nachhaltige Mahnung an die genannten Adressen, daß sie nicht schlafen und nicht schlummern bei dem Unglücke Israels. Der Geist der Kidel. Von A. D. Sulzbach-Rosenfeld. (Fortsetzung.) n. Die Weltgeschichte, das sichtbare Weltgericht, sie ist das Fundament all unseres Wissens, Forschens, Denkens; Strebens und Ringens. Und wie und wann beginnt diese ewige Geschichte der Menschheit? Mit dem Buche Moses! in den Worten: „Und Gott sprach: Wir wollen Menschen machen" rc. „Es ist nicht gut, daß der Mensch allein bleibe" rc. Und „Chawah gebar den Kain" rc. - Dieses Buch Moses war und ist, wie Moses selbst, eine geschichtlich hervorragende, epochale und monumentale Erscheinung eminentester Bedeutung; denn diesem Buche Moses verdankt die Menschheit seit mehr denn 3000 Jahren, nicht nur die ersten geschichtlichen Daten, sondern auch die ersten bleibenden, wahrhaft ethischen Begriffe des menschlichen Bewußtseins und den geläuterten und unverfälschten abstrakten Gottesbegriff, den reinen Monotheismus — bar jeder Zutat. Diese ewigen Wahrheiten sind denn auch die eigentliche, ausschließliche Tendenz des ganzen Buches Moses. Und die in diesem Buche enthaltenen Lehren seinen Brüdern unverwüstlich einzuimpfen und mundgerecht zu machen, auf daß sie dieselben dann den andern Völkern vermitteln, erachtete Moses als erhabensten Zweck und glorreichstes Ziel seines göttlich erleuchteten, himmelanstrebenden Geistes. Auf die Erreichung dieses hohen Zieles war denn auch unverwandt sein weit ausblickender Geist gerichtet; ihm widmete er sich mit aller Hingebung und Aufopferung seines großen Jchs. Diese erhabensten Begriffe, diese ewigen Wahrheiten, bilden demnach ausschließlich das Wesen, den Inhalt, den Inbegriff des Judentums, dessen Berus daher darin gipfelt, die erkannten *) Kaiserlicher Rat Stroh errichtete vor 25 Jahren eine Volksküche, wo um einen sehr billigen Preis ein ganz gutes Mittagsessen zu haben ist, und wo die Mittelschüler ganz umsonst verköstigt werden. Seine Leistung zur Vergrößerung des Siechenhauses auf eigene Kosten und die T h e e a n st a l t ist von großer Bedeutung, ebenso das Vermieten von Wohnungen mit sehr billigen Preisen an minder bemittelte Witwen uud eine Heiratsstiftung für arme brave jüdische Mädchen und noch vieles andere. und erfaßten ewigen Wahrheiten immerdar und allüberall unentwegt zu repräsentieren uud zu betätigen, bis sie — Gemeingut der ganzen Menschheit -geworden. Und nur dem Festhalten dieser erhabenen Lehre verdankt das Judentum nicht nur seinen Jahrtausende währenden Bestand, sondern es sicherte ihm diesen auch in die fernste Zeit. Durch die der Lehre Moses innewohnende Kraft der Wahrheit und Ueberzeugung und durch die Hoheit und Erhabenheit ihrer Intentionen überragt, überstrahlt und überdauert sie all den Kunst- und Götterkult — bei noch so edler Erfassung der Materie — der Indier, Egypter, Griechen und Römer, das körperlich Schöne, Mächtige zu verherrlichen, zu idealisieren, göttlich zu verehren. Himmelhoch über diesen erhebt sich die die geistige Erfassung des übersinnlichen Gottesbegriffes und des ethischen Bewußtseins. Das geistige Auge sucht Geistiges, das Sinnliche dem sinnlichen Auge überlassend. Der übersinnlichen Gottesidee und des ethischen Bewußtseins wahrhaft innewerden, ist des Denkens höchste Vollkommenheit, des Wissens höchste Errungenschaft, unserer Seele höchster Triumph: sie weiß sich eins mit und in Gott, dem Schöpfer und Erhalter der E n t w i ck l u n g s k r a f t des Weltalls. In der Erkenntnis und dem seligen Bewußtsein ihrer Gottesebenbildlichkeit ist die Seele denn auch eifrig bestrebt, durch stete Uebung von Recht, Gerechtigkeit und All-Liebe, wie Gott heilig, sich zu heiligen. Wie die Schöpfung durch die vom Schöpfer ihr verliehene Entwicklungskraft entstanden und in immerwährender Fortentwicklung begriffen ist. wie die Menschheit ihren geistigen Horizont stetig erweitert und erhöht, ebenso ist die Lehre Moses durch die im Pentateuch so voll uud ganz zum Ausdrucke und zum Verständnisse gebrachte „übersinnliche. Gottesidee und die derselben entsprechende Ethik" darnach angelegt, sich - immerwährend, trotz Hindernisse, zu erweitern und Gemeingut aller Nationen zu werden. Ihre erhabenen Prinzipien dringen ein und vertiefen sich immer mächtiger und geläuterter in das Bewußtsein der Menschheit, bis jener Tag. herangenaht, an den ..Ihwh" als ..Einheit" anerkannt und Sein heiliger Name „Ewig-Einzig" den ganzen Erdball beherrschen wird: „W’hojoh Ihwh l’melech al kol hoorez, bajom baliu jihjeb Ihwb ecliod n’sclimo ecliod!a Wohl ist der Fortschritt nach dieser Richtung hin minimal, fast unscheinbar und von vielen Rückfällen gehemmt und unterbrochen; allein langsamen Ganges ist die zu gedeihlichem Ende führende natürliche Entwicklung, ebenso wie jede natürliche Gestaltung, wie die Entwicklung der Natur selbst, keine Sprünge leidet, sondern allmählich dem Endziele, der Vollkommenheit entgegengeht. * * Wohl gab es zu allen Zeiten, vor und nach Moses, gelehrte, aufgeklärte, weise und erleuchtete Männer; aber all die uns geschichtlich bekannten hervorragenden Geister und Heroen, selbst jene, die mehr denn 1000 Jahre nach Moses auftraten, vermochten es nicht, zu einer so hehren Auffassung der Gottesidee, des Gottesbegriffes, sich aufzuraffen und anfzuschwiugen, wie — Moses! Moses allein brachte es zuwege, daß der erhabenste Gottesbegriff, in welchen er sich unentwegt vertiefte und in dem er gewißermaffeu aufging, zu seinem und zum vollen Bewußtsein der Menschheit gelangte. Niemandem gelang es! denn niemand verstand es, die erkannten Wahrheiten, die reichlich und mannigfach gesammelten eigenen und fremden Erfahrungen, die umfassend und erschöpfend gekannten geschichtlichen Begebenheiten und Daten, Traditionen und Vermächtnisse, Sagen und Mythen, Dichtungen und Erzählungen zu Nutz und Frommen seiner Brüder in geistiger und ethischer Beziehung, mit selbst- und rastloser Hingebung, mit Konsequenz und Energie, mit unermüdlicher Ausdauer, mit Liebe und Wohlwollen s o zu verwerten, in Taten umzusetzen, durch Aneiferung, Aufklärung und Bildung wirksam beizubringen und zu vertiefen, wie — Moses, unser erhabener, göttlich erleuchteter Lehrer und Meister, dessen Erscheinung einzig, unerreicht in

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