Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1904
- Issue
- Heft 50 (23.12.1904)
- Date
- 1904-12-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Leite 4. Die Wahrheit Nr. 50. geschichten des edlen Mannes dargelegt. Die Welt erfährt wieder einmal, wie ein Bekampfer der jüdischen Unmoral und Unsit.tlichkeit in Wirklichkeit a u s s r e h t. * Der Redakteur des „Kikeriki", eines der albernsten und rohesten Blätter, das unter dem Vorwände, ein Witzblatt zu sein, die ernsthafteste Judenhetze betreibt, ist wegen Ehrenbeleidigung zu 300. Kronen Geldstrafe verurteilt worden. Das Blatt batte kürzlich in einem „Eingesendet" gegen einen jüdischen Arzt die ehrenrührigsten Angriffe veröffentlicht. Trotzdem nun dem Blatte die völlig überzeugenden Beweise geliefert wurden, daß es mit diesem „Eingesendet" einem verleumderischen Lumpen ansgeseffen sei, war es um keinen Preis znm Abdruck einer Berichtigung gu bewegen. Der Redakteur ließ sich lieber klagen, so sicher glaubte er, daß Wiener Geschworene einem antisemitischen Witz- und Hetzblatt kein Haar krümmen würden. Die Geschwornen, zn ihrer Ehre sei dies gesagt, gingen aus diesen frechen antisemitischen Witz nicht ein. Sie verurteilten den braven Herrn, der einem Angegriffenen, nur weil es sich um die Ehre eines Juden handelte, auch in dem Falle keine Satisfaktion geben wollte, wo er selbst die Ueberzeugnng eines begangenen Unrechtes hatte. Das ist für ein antisemitisches Witzblatt eine ernste Lehre! Budget der Wiener Kultusgemeinde. In der Sonntag, den 18. Dezember unter dem Vorsitze j des Präsidenten Dr. Stern stattgehabten öffentlichen Plenarsitzung des Kultusvorstandes wurde das Gemeindebudget pro 1905, das die Höhe von nahezu zweieinhalb Millionen Kronen erreicht hat, zur endgiltigen Genehmigung vorgelegt. Wie allgemein üblich, wurde dieser Anlaß von mehreren Rednern benützt, um die einzelnen Zweige der Gemeindeverwaltung kritisch zu beleuchten, allein die mitunter ziemlich bewegte Debatte brachte diesmal wenig neue Gesichtspuntte und führte schließlich zur einstimmigen Annahme des Budgets. Von besonderem Interesse waren die Mitteilungen des Vorsitzenden über die seitens des Präsidiums der Knltnsgemeinde bei der Regierung gemachten Vorstellungen in Angelegenheit der Schulgesetznoveüe des niederösterreichischen Landtages. Wiewohl infolge der gegenwärtigen politischen Konstellation an einen Erfolg der diesbezüglich eingeleiteten Schritte leider nur schwer zu denken ist, werden dieselben dennoch bei allen Glaubensgenossen vollste Zustimmung finden. Im Nachstehendem der ausführliche Bericht über die Sitzung: Ciulauf und Präsidialbericht. Im Einlaufe werden zunächst die Spenden bekannt gegeben. Ferner ein Dankschreiben des Kultusvorstehers Herrn David Ritter von Gutmann für die ihm anläßlich seines 70. Geburtstages überreichte Glückwunschadresse. Im Präsidialberichte erwähnt der Präsident, daß verschiedene, teils anonyme oder pseudonyme Zuschriften, tells Zuschriften von Personen, welche ihre nähere Adresse nicht nngeben, einlaufen, in denen über die israelitische Abteilung aus dem Döblinger Ortssriedhofe verschiedene Beschwerden enthalten sind und das Begehren gestellt wird, daß der Kultusvorstand dagegen irgendwelche Schritte unternehme. Dem gegenüber muß der Präsident bemerken, daß die israelitische Abteilung des Döblinger Ortsfriedhofes nicht der Kültnsgemeinde gehöre, nicht im Besitze der Kultusgemeinde ist. daß sonach dem Kultusvorstande eine Einflußnahme aus die Angelegenheiten der gedachten Friedhofabteilung nicht zustehe, daß vielmehr auch diese Friedhosabteilung gleich dem ganzen Friedhose im Besitze der Stadtgemeinde sich befinde und demnach die Erwerber von Grabstellen oder Grüften den hiesür entfallenden Kaufpreis beim Magistrate oder beim magistratischen Bezirksamte bezahlen. Der Kultusvorstand sei sonach nicht in der Lage, über das vorher erwähnte Begehren irgend eine Verfügung zu treffen. Nachdem der Präsident einen Rapport über die finanziellen Ergebnisse bis zum 15. Dezember 1904 erstattet hatte, erfolgte die Agnoszierung der am'27. November 1904 bezw. 9. Dezember 1904 vorgenommenen Wahlen der Vorstandsmitglieder und Vertrauensmänner. (Die Verlautbarung derselben erfolgt in der offiziellen Kundmachung an anderer Stelle dieses Blattes.) Nach Mitteilung des bereits veröffentlichten Programmes der für die bevorstehende Saison geplanten „Vorträge aus jüdischer Geschichte" erfolgt die Beratung über das Budget für das Jahr 1905. Vize-Präsident kaiserlicher Rat Hirsch erstattet folgendes Referat: „Der Voranschlag pro 1905, welcher Ihnen heute zur Beratung und Beschlußfassung vorliegt, steht unter dem Zeichen der außerordentlichen Ausgaben. Ich werde mich daher im allgemeinen nur darauf beschränken, diese zu besprechen und behalte mir eventuelle nähere Ausführungen für die Spezialbezw. General-Debatte vor. Die bedeutendste außerordentliche Ausgabe wird der Leopoldstädter Tempel erfordern. Wie Ihnen bekannt, hat sich teils aus Grund behördlichen Auftrages, teils als Folge der durch den Vorstand veranlaßten genauen Besichtigung des Tempels die Notwendigkeit ergeben, verschiedene Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Zur Deckung, der voraussichtlichen Kosten dieser Arbeit ist ein Betrag von L 110.000.— in das Budget eingestellt. ach Vornahme dieser Adaptierungen sind nach dem Ausspruch der Sachverständigen konstruktive Arbeiten im Leopoldstädter Tempel für Jahre hinaus iticfjt erforderlicb und sind weitere Ausgaben aus diesem Titel in absehbarer Zeit nicht zu erwarten. Weitere außerordentliche Ausgaben ergeben sich durch verschiedene Arbeiten, sowie durch Anschaffung eines neuen Harmoniums für den Tempel Innere.Stadt, für welchen Zweck zusammen K 7000. — eingestellt sind. Desgleichen ist für die Anschaffung eines neuen Harmoniums im Leopoldstädter Tempel ein Betrag von K 4000.— für verschiedene größere Arbeiten in den Gemeindebethäusern Fünshaus und Währing ein Betrag von zusammen K 4000.— eingestellt. Der Zustand der Mikwah erfordert dringendst die Vornahme größerer Adaptierungen, für welchen Zweck nebst einer Reserve von K 6000.— ein Betrag von K 6000.— veranschlagt ist. Für das Spital sind verschiedene Renovierungen und Neuherstellungen in Aussicht genommen und ist für diesen Zweck ein Betrag von K 13.660.— veranschlagt. Schließlich ist noch für die Herstellung einer Verbindungsstiege des Gemeindehauses mit dem Hanse Seitenstettengasse 2 und für die Umgestaltung und Einrichtung der für Bureauzwecke neu gemieteten Lokalitäten im Hanse Seitenstettengasse 2 ein Betrag von K 4500.—, für verschiedene Herstellungen und Renovierungen im Gemeindehause Währing ein Betrag von K 2000.— präliminiert. Damit wären die bedeutendsten außerordentlichen Posten besprochen und es erübrigt nur, bezüglich der laufenden Gebarung einige Worte zu bemerken: Gelegeutlich der Vorlage des Rechnungsabschlusses für das Jahr 1903 habe ich meiner Besorgnis Ausdruck gegeben, daß die Gemeinde den großen Anforderungen nicht gewachsen sein wird, welche die Erhaltung des nunmehr sertiggestellten Spitales stellt. Mit umso größerer Genugtuung erfüllt mich die Ihnen allen bekannte Tatsache, daß durch die hochherzige munifizente Spende des Herrn Baron Nathaniel Rothschild nunmehr ohne weitere Belastung des Gemeindebudgets das Spital in seinem vollen Umfange belegt werden kann. Ich knüpfe daran die Hoffnung, daß auch durch! die Verwirklichung der geplanten Maßregeln in ökonomischer > Beziehung es möglich sein werde, das Gemeindebudget zu ent-