Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1904
- Issue
- Heft 49 (16.12.1904)
- Date
- 1904-12-16
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Oesterr-Ungar. Kantoren -Zeitung. Konzert des Vereines zur Wege! hebräischer Mnstk. Was seit Jahren von Vielen zur Wiedererweckung und Konservierung des entschwindenden alt-jüdischen Gesanges herbeigewünscht und erstrebt wurde — ist jetzt Ereignis: Der seit zirka zwei Jahren in Berlin begründete ..Verein z u r P f l e g e hebräischer Musik" veranstaltete vor kurzem im Saale der Singakademie sein erstes Konzert unter Leitung seines eifrigsten Mitbegründers, des Chordirigenten der Neuen Synagoge, Herrn Kapellmeister A. K e l l e r m a n n. Es dürfte nicht überflüssig sein, das Referat hierüber durch einige Worte über die Vorgeschichte dieses, meines Wissens bis jetzt einzig dastehenden Vereins, einznleiten. Die Musik, als das wirksamste Mittel auf Herz und Gemüt einzuwirken, wurde von jeher bei allen Nationen zur Weckung der religiösen Andacht angewendet und je nach der nationalen Eigenheit der Beter gestaltet. Während aber jede Nation eifrigst bestrebt ist, auch inbezug auf ihre öffentliche Andachtsform ihre überkommene Eigenheit zu bewahren, erachteten die führenden Geister der mit der Emanzipation beglückten Juden es für erforderlich, ans eigenem Antriebe, quasi als Dank für die Emanzipation zu allererst den altüberlieferten Synagogengesang abznschafsen und einen dem Judentume fremden Gesangstyl einzuführen. Wohl mag der gottesdienstliche Gesang in mancher Synagoge inbezug auf Kunst verwahrlost gewesen sein: da war wohl eine Verbesserung erforderlich, nicht aber eine fast gänzliche Umgestaltung. Als eine der ersten vollzog die Wiener Gemeinde diese Umwandlung und nur dem Umstande, daß damit der sel. Meister Sulzer betraut wurde, ist es zuzuschreiben, daß hierin dort nicht so radikal verfahren worden als anderswo. Berlin z. B. ging darin viel weiter durch Einführung der Orgel, und der hiesige Regenerator des Synagogengesanges, der sel. Lewandowski, fand es für besser, seine Kompositionen auf den Styl Bachs oder Mendelfohns als auf den alt-jüdischen Gesangstyl aufzubauen. Seine vieljährige Alleinherrschaft auf dem Berliner synagogal-gesanglichen Gebiete entwöhnte den größten Teil der Gemeinde dem althergebrachten Synagogengesang, der hier in Vergessenheit zu geraten drohte. Eines der alten Mitglieder, denen die unvergleichliche Innigkeit und Schönheit der alten jüdischen Gesangsweisen aus ihrer Jugendzeit lieb und wert geblieben, der selige Prost Steinthal, regte deshalb vor zirka acht Jahren in mehreren Zeitungsartikeln die Sammlung, Konservierung und Pflege dieser alt-jüdischen Gesänge an. Seitdem fanden mehrmals öffentliche Aufführungen von nicht gebräuchlichen Gesängen statt, deren Auswahl durch minder hiezu Berufene aber so ungeschickt und unglücklich war, daß sie der erwähnten Anregung mehr geschadet als genützt. Da trat vor zirka zwei Jahren eine Anzahl angesehener hiesiger Glaubensgenossen als „Verein zur Pflege hebräischer Musik" zusammen, und unter der bewährten und unermüdlichen Leitung des Herrn Kellermann ist nun dieser Verein am zweiten Chanukah-Abend ins wirkliche Leben getreten, damit gleichsam am Tempelweihefeste dem alt-jüdischen Gesänge eine neue Weihe gebend. Wiewohl die Auswahl der Piecen des ersten Konzertes meiner Anschauung nach nicht ganz den Intentionen entsprach, die sich dieser Verein stellen sollte, so trugen doch die meisten den Charakter des alt-jüdischen Gesanges: In Nr. 1 a W'seeraw von Naumburg ist die alte bekannte Melodie des Duchan (Priestersegen)Iverwendet; Nr. 2 Akdomaus, nach Aufzeichnungen des sel. Kantors Kellermann in München, ist auf die Schewuos-Melodie aufgebaut. Nr. 3 Streichquartett von Paul E r t e l: Variationen über die bekanntesten Synagogal-Melodien. Nr. 4: Tikanto Schabbos für Chor, Solo und Soli von Spiewak, aus meiner Sammlung von Gesängen im alt-jüdischen Styl. Nr. 5: „Ruth" für Sopran-Solo und Chor von Naumburg. Der französische Text dieser originell schönen oriental-jüdischen Weise wurde von Herrn Kellermann durch den hebräischen Urtext aus Ruth: AI tifgeij wi ersetzt. Außerdem kamen zum Bortrag: An’im s’miros aus Ehrlichs „Liturg. Zeitschrift" und Tow l’hodos von Schubert aus Sulzers „Schir Zion“ I. Die Ausführung der Gesänge wie des Streichquartetts war echt künstlerisch und erntete stürmischen Beifall seitens des zahlreichen Auditoriums. Der aus zirka 100 freiwilligen Personen bestehende gemischte vierstimmige Chor sang geradezu musterhaft, dank der wochenlangen Einübungsarbeit und der meisterhaften Leitung des Herrn Chordirigenten Kapellmeister Kellermann. Bon den Solisten zeichnete sich insbesondere die berühmte Koloratursängerin Frau Heymann- Engel (eine Tochter des Amsterdamer Oberkantors) aus, und ihr echt chasanisch empstndungsvolle Vortrag des mit Läufern und Trillern fast überreichen Tikanto Schabbos fand nicht endenwollenden Beifall. — Das einzig Störende bei diesem voll und ganz gelungenen Konzert war für viele der Bortrag der hebräischen Texte seitens der Sänger mit unbedecktem Kopfe. Hoffentlich wird Herr Kellermann diesen leicht zu vermeidenden Fehler bei den nächsten Aufführungen von hebräischen Gesängen beseitigen. Berlin. S. D ub o w s ky. Konkurs. Zur Besetzung der in der Arader isr. Kultusgemeinde neusystemisierten Stelle eines Oberkantor-StellYertreters wird hiermit der Konkurs ausgeschrieben. Konkurrieren können Kantoren, die vorzügliche musikalische Kenntnisse, eine gutgeschulte, angenehme und klangvolle Tenor- oder Baritonstimme und überhaupt alle für diese Stelle erforderlichen Fähigkeiten besitzen und das 35. Lebensjahr nicht überschritten haben. Mit dieser Stelle ist ein fixer Jahresgehalt von 1600 Kronen, freie Wohnung im Tempelgebäude oder 400 Kronen jährliches Quartierpauschaie und die üblichen Emolumente verbunden. Eigenhändig geschriebene, mit den erforderlichen Zeugnissen über Befähigung und bisherige Wirksamkeit belegte Gesuche, in welchem auch Alter und Familienstand des Konkurrierenden anzugeben ist, sind bis 31. Dezember d. J. an den gefertigten Gemeindevorstand einzusenden. Unter den zu Probefunktionen zu berufenden Kantoren hat nur der für diese Stelle Gewählte Anspruch auf Ersatz der Reisekosten. Arad, im November 1904. Der Vorstand der Arader israel. Kultusgemeiude. Konkurs. Bei der israel. Kultusgemeinde in Kremsier, in Mähren, gelangt die Stelle eines Vorbeters, der gleichzeitig 'l 'w 'p sein muss, zur Besetzung. Mit diesem Posten ist ein Jahresgehalt von 1000 K, freie Wohnung nebst Nebenemolumenten verbunden. Bewerber, die das 40. Lebensjahr nicht überschritten, österreichische Staatsbürger sind, wollen ihre mit Zeugnisabschriften versehenen Gesuche bis 15. Jänner 1905 an den gefertigten Kultusvorsteher einreichen. Der definitiv Angestellte ist zur Pension berechtigt. Reisespesen werden nur dem Acceptierten vergütet. Die Zeugnisabschriften werden nicht retourniert. Kiemsier, am 8. Dezember 1904. Der Kultusvorsteher. Knöpfelmacher.