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Die Wahrheit · 1904-12-16 · Heft 49 (16.12.1904) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 49 (16.12.1904)
Date
1904-12-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Die Wahrheit Nr. 49. Hermann Landau- London für die Anglo-Jewish. Association, Wilhelm Pappen heim- Wien für die Israelitische Allianz m Wien, Rechtsanwalt Dr. B o d enh eimer-Köln für das zionistische Altionskomitee, Dr. Mark W a r s ch a w s ky-Petersburg, Advokat Dr. Stern- Bukarest, Prof. D. S i m o n f e n - Kopenhagen. Nachdem die Versammlung über den Abstimmungsmodus schlüssig geworden, erstattete Herr Dr. Paul Nathan-Berlin, Geschäftsführer des „Hilfsvereins der deutschen Juden", baS Referat über die jüdische Auswanderung aus Osteuropa und ihre Organisation. An die Ausführungen des Referenten schloß sich eine überaus lebhafte und eingehende Debatte, welche am Tage darauf fortgesetzt worden ist. Allseitig wurde anerkannt, daß nn Interesse der Inden Osteuropas eine Organisation der Auswanderung geschaffen werden muß. Zugleich wurde einmütig hervorgehoben, daß in keiner Weise Maßregeln ergriffen werden dürfen, die geeignet find, eine Steigerung der Auswanderung herbeizuführen, daß die Auswanderer insbesondere auf Geldunterstützuirg seitens des Komitees nicht zu rechnen haben. Die positive Aufgabe der zu schaffenden Organisation muß vielmehr sein, die Auswanderer über die Vorbedingungen aufzuklären, inner denen allein ein Verlaßen ihrer osteuropäischen Heimat ratsam ist. Es soll den Auswanderern alsdann auf ihrer Reise Rechtsschutz gewährt und für eine möglichst billige und gute Fahrt auf den Eisenbahnen und Schiffen gesorgt werden. Diese Aufgaben sind zu lösen von Komitees, die jedes einzelne Land im Anschluß an die bestehenden zuständigen Organisationen selbständig zu schaffen hat. insofern sie nicht bereits vorhanden sind. Die nötigen Informationen für jene Komitees sollen durch ein ständiges Bureau, das alle erforderlichen Materialien zu sammeln har, herbeigeschafft werden. Der Zusammenhang zwischen den einzelnen Ländern wird gewährleistet durch periodisch wiederkehrendc Konferenzen, entsprechend derjenigen, wie sie in Frankfurt a. M. stattgefunden hat. Diese Anschauungen der Versammlung fanden ihren Ausdruck in nachstehenden Resolutionen: „Davon ausgehend, daß in keiner Weise irgend etwas unternommen iverden darf, was zur Auswanderung ermuntern könnte, wird beschlossen: 1. Daß die einzelnen Länder Vorsorge treffen, damit die osteuropäische Auswanderung von Land zu Land überwacht werde. 2. Daß ein spezielles Bureau mit dem Sitze in Berlin für Jnformationszwecke gebildet wird. Die daselbst eingehenden Informationen werden den zuständigen Organisationen zur Verfügung gestellt; die Organisationen behalten aber das Recht der unmittelbaren Einziehung der Information. Das Bureau in Berlin wird seitens des „Hilfsvereins der deutschen Inden" und der Großloge U. O. B. B. für Deutschland ins Leben gerufen. 3. Daß periodische Konferenzen zur Behandlung der östlichen Emigrationsfragen zusammentreten. Die Einberufung steht dem Vorsitzenden des Berliner Bureaus für Jnformationszwecke zu oder sie findet auf Antrag einer der großen jüdischen Wohlfahrtsorganisationen statt." Nach Annahme dieser Resolutionen, die fast einstimmig von der Versammlung gebilligt wurden, ging man zur Erörterung von Detailfragen über die Lage in einzelnen Ländern und Städten über. Das Ergebnis dieser Debatten läßt sich kurz in folgender Weise zusammenfassen: Da die Auswanderung infolge starker Ansammlungen in den Großstädten Englands und infolge der vielfach traurigen Lage des jüdischen Proletariats in Amerika keine Aussicht auf eine Linderung der Not bietet, so erklärten sich die verschiedenen Organisationen bereit, znr Besserung der Lage der osteuropäischen Juden in deren Heimatländern nach allen Richtungen, insbesondere auch durch Schaffung von Arbeitsgelegenheiten, entsprechend den Landesgesetzen helfend beizuttagen. Der Vorsitzende, Herr James Simon, schloß mit Dankesworten die durchaus harmonisch verlaufene Versammlung, indem er der Hoffnung Ausdruck gab, daß die gefaßten Beschlüsse unseren Glaubensgenossen zum Segan gereichen werden. Nach den ernsten Beratungen vereinigte ein von dem Frankfurter „Hilfskomitee für die osteuropäischen Juden" veranstaltetes Festmahl die auswärtigen und heimischen Delegierten, wobei in zahlreichen Toasten der Befriedigung über das verheißungsvolle Ergebnis der Konferenz Ausdruck gegeben wurde. Der Geist der Kidel. Von A. D. Sulzbach-Rosenfeld. (Fortsetzung.) Diese unendlich traurige, immer trister und drastischer zutage tretende Tatsache drängt sich nun allen Unbefangenen, allen Bessergesinnten täglich mehr auf und ruft zur energischen Abwehr und Bekämpfung des verderblichsten aller Schädlinge. Und wahrlich, es wäre eine ganz abnorme Erscheinung, gliche der Verlauf des gegenwärtigen antisemitischen Sturmlaufes nicht jenen unzähligen Angriffen auf die Bekenner der erhabensten, der übersinnlichen Gottesidee, des reinen unverfälschten Monotheismus. Wir sehen ferner, zur Genugtuung aller von der antisemitischen Verlogenheit Nichtbelörten, die Zeichen sich mehren, daß, so wenig die ftüheren Angriffe und Verfolgungen es vermochten, der ewigen Wahrheit in ihrem allmäligen Fortschreiten hindernd entgegenzutreten, es umsoweniger die derzeitige Koterie antisemitischer Gesinnung zuwege bringen wird, der Wahrheit ein Paroli zu bieten, sie zurückzudrängen oder ihren Fortschritt zu hemmen, zumal die Aufklärung dermalen denn doch ein höheres Niveau erklommen, als in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts es sich noch ahnen ließ. Die antisemitische Gilde wird ihr ähnlichst herbeigewünschtes Ziel, auf den Trümmern der zersetzten Gesellschaft ihre rabulistisch terroristische Gewalt- und Willkürherrschaft dauernd-zu etablieren, nie und nimmer erreichen? Niemals noch hat auf die Dauer sich behauptet, was aus unlauteren Motiven gezeitigt wurde. Ist aber der Antisemitismus etwas anderes, als eine Entfesselung brutalster Instinkte gegen eine „numerische Minderheit"?! Nur diese ist das Mißgeschick, das Verhängnis Israels. Der Ursprung, die Urquelle all der unzähligen Angriffe auf seine Existenz. . Diese „Minderheit" ist aber eine Folge des gewiß höchst löblichen Prinzips, auf jede numerische Expansion zu verzichten, indem Proselytenmacherei, Seelenfang dem Judentum widerstrebt, weil dies gegen die Intention unserer Bibel ist, die die Entstehung der Menschen mit dem Satze: Und Gott schuf den „Menschen" in Seinem Ebenbilde re. beginnt — den Menschen" überhaupt, „nicht nur den Juden"! Es wäre daher ein höchst vermessener Eingriff in die göttliche Prärogative, eine gar arge Usurpation, eine sträfliche Verletzung gegen das dritte Gebot, das uns die allertiefste Ehrfurcht Gottes zur heiligsten Pflicht macht, wollten wir uns dreist unterfangen, die göttliche Allweisheil zu korrigieren. So verstieße, Andersgläubige bekehren zn wollen, auch gegen die Tradition des Talmud, der ausdrücklich betont, daß die „Frommen" unter den „Nichtjuden" auch der „ewigen Seligkeit" teilhaftig seien. „Nicht die Form", nur die „Betätigung edler Gesinnung" macht den „Frommen", den „Gottgefälligen ". Wohl macht die Bibel HI, M. 19, 33-34, es uns zur Pflicht, auch den ..Fremdling", den ..Nichtjuden", ..wie uns selbst" zu lieben, ihn zu belehren, aufzuklären — nicht aber zu bekehren. Nur, wen innere, vorteillose Ueberzeugung dazu drängt, der wird in den Schoß des Judentums ausgenommen, respektive „zum Uebertritt zngelassen', wie Josnas und der Stammfürsten Verhalten gegen die Gibeoniter als klassisches Beispiel gelten kann. Josua, Kap. 9. Wo, wann, womit und wodurch gaben also die erhabene Lehre Moses, oder die Bekenner und Verehrer dieser Lehre Anlaß zu Haß und Verfolgung?! Allein die der numerischen Minderheit innewohnende Schwäche reizt die niederen Triebe jener, die die Macht der Mehrheit für sich haben. Die Bekämpfung, Verhöhnung, Bedrückung und Vergewaltigung der Schwächeren finden wir in der Geschichte aller Zeiten — als das „Bleibende in der Erscheinungen Flucht '. An dem Schwächeren ihr Mütchen kühlen, ihn drangsalieren und auf dessen Kosten ihre Hab- und Herrschsucht befriedigen, ist das Schiboleth Aller, die ihre Macht zu unlauteren egoistischen Zwecken mißbrauchen. Die Unzulänglichkeit aber solchen Beginnens beweist die Tatsache, daß noch alle bisherigen Anschläge gegen die Bekenner und die Lauterkeit und die überwältigende Macht der Lehre Moses ausnahmslos — zn Schanden wurden.-Was die antisemitische Gilde — sicher gegen ihre eigene Absicht — erreicht hat. ist: erstens die allgemeine Erkenntnis ihrer verderblichen Absichten und dann — ein immer fester werdendes Band der bedenklich locker gewordenen Zusammengehörigkeit aller Bekenner der Lehre Moses. Heil Allen, denen es beschieden ist, den endlichen Sieg und Triumph der Wahrheit mitzufeiern! Mit dem gekrönten Psalmisten auszurufen: „Nein, nicht dem Verderben, nicht dem Tode bin ich geweiht! Nein, ich sterbe nicht! Ich lebe! die Herrlichkeit und die Wunderwerke Gottes noch fernerhin zu verkünden! Verhängnisvoll wohl läßt Gott mich fühlen Seines

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