Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1904
- Issue
- Heft 48 (9.12.1904)
- Date
- 1904-12-09
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 48. Die Wahrheit Seite 9 schaffung der Kosten erließen sie am 24. Juni 1894 folgenden Aufruf an ihre Glaubensgenossen: ..Seit 25 Jahren wurden wir durch die Reformierung der hiesigen Synagoge gezwungen, eine separaie Betversammlung zu bilden, um unsere Andacht in traditioneller Weise zu begehen. Wir leben jetzt mit unserer Gemeinde in Frieden, jedoch ist unser Betlokal als sanitätswidrig erklärt worden. Wir sehen uns daher genötigt, schleunigst ein passendes Betlokal zu erbauen. Es fehlt uns an jeglichem Fonde zur Bestreitung unserer .Kultusbedürfnisse, und wiewohl wir außerdem an die Hauptgemeinde Knltnssteuer entrichten müssen, ist selbe gesetzlich nicht verpflichtet, uns zu subventionieren. Möge der Leser dieses Ausrufes mit Resormgelüsten noch io sehr ausgestattet sein, möge er sich noch so entfernt fühlen, mich die Notwendigkeit der Erhaltung eines traditionellen Betlokales, verbunden mit einem Bet-Hamidrasch. wo täglich die jüdische Lehre gepflegt, Talmud gelehrt wird, dennoch eingesehen und als Erinnerung an das Alte, ein solches Unternehmen unterstützt werden, denn bei dem heutigen Jndifferentismus ginge die alte Lehre verloren. Wessen Herz noch für das wahre Judentum schlägt, wird sein Schärslein, seinen Verhältnissen entsprechend, beitragen." (Schluß folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien. (I s ra e l i t i s ch e K u ltu s g e m e in d e.j Samstag, den; 10. d. M., 5 Uhr nachmittags, findet eine öffentliche Sitzung des Verj treter-Kollegmms zur Ermittlung und Verkündigung des Resultates der l am 0. Dezember ftatlfindenen Wahlen der Höherbesteuerten statt. I Wien. (Der siebzigste Geburtstag David Ritter von Gutmanus.) j Wie schon berichtet, hat der Großindustrielle David Ritter v. G u t m a n n Freitag, den 2. Dezember, sein siebzigstes Geburtsjahr vollendet. Seinem \ einfachen, schlichten Bürgersinu entsprechend, gedachte er den bedeutungs-! vollen Tag in aller Stille zu verbringen und sich allen ihm etwa zugej dachten Ovationen zu entziehen. Er flüchtete förmlich vor den Kundgebungen j auf seine Besitzung nach Tobitschau. Doch auch dahin, in die stille Zurück-! gezogenheit, sind ihni die tausendfältigen Zeichen inniger Verehrung und! Hochschätzung gefolgt. Die Stadtgemeinde, die Ortsschulen der Umgebung, die Beamtenschaft ließen es sich nicht nehmen, ihm rauschende Ovationen I und vielfache Glückwünsche mit einer Herzlichkeit darzubringen, die für die trefflichen Charaktereigenschaften des Jubilars das sprechendste Zeugnis ist.! Eine einzige Feier gedachte der Jubilar dem Tag zu weihen — ein schönes Werk des Wohltnns. Am 2. d. M. ist nämlich das Altersversorgungshaus ein-; geweiht worden, das David Ritter von Gutmann im Verein mit seinem! Neffen, Bergrat Max Ritter von Gntmann, in seiner Vaterstadt Leipnrk s errichtet hat. Das war seine Feier. Aber trotzdem sind dem Jubilar in! riesiger Anzahl Ehrungen aller Art zuteil geworden, zumeist von solchen I Korporationen und Verbänden, die des Siebzigers unermüdlicher Tatkraft! und Opferfreudigkeit nicht eutraten können. So ernannten die Genieinden > Orlau, Szezakowa und Holleschau ihn zum Ehrenbürger. In Szezakowa > heißt überdies eine Straße von nun ab nach dem Jubilar Gutmanustraße. Ein wahres Kunstmuseum bilden die vielen prachtvollen Adressen, die dem Jubilar überreicht wurden. Es sind durchwegs Kunstwerke, die von Meisterhand stammen. Eine großartige und tiefsinnige Ovation brachte dem Jubilar die Baron Hirsch-Stiftung dar. Sie ließ von Professor William llnger ein Bild des Jubilars radieren und in Kupfer vervielfältigen. Dieses Kunstwerk ist ani Geburtstage in sämtlichen 230 Klassen aller Schulen der Baron Hirsch-Stiftung feierlich enthüllt worden. Zu gleicher Zeit wurde in allen Ländern Ritter von Gutmann als Wohltäter gefeiert. Das Beamtenpersvnal des Stammhauses in Wien stiftete seinem Senior das Oelbild Gutmanns, das von nun an die neuen Bureauräume der Firma schmücken wird. Aus der großen Anzahl jener Korporationen, die sich mit Adressen und sonstigen Angebinden einstellten, seien ermähnt: Das Eisenwerk Witkowitz, das ein schönes Aquarell überreichte, das Waisenhaus Döbling, das ein Bild des Hauses sandte, die israelitischen Kultusgemeinden Wien, Baden und Holleschau, der Bergbau Jawvrzno, der ein Huldigungsbild widmete und aus Anlaß des Freudentages die Büste des Siebzigers bekränzte. Dann die Gesellschaft für Knust- und historische Denkmäler des Judentums, der Verein zur Unterstützung israelitischer Handwerter und Kleingewerbetreibender, der Verein zur Hebung der Gewerbe in Wien, die Sodafabrik Szezakowa, der Verein Frauenhort in Wien, die Allgemeine Poliklinik in Wien, die Jaworznoer Gewerkschaft in Wien, der Waisenverein und die Israelitische Allianz in Wien, die israelitisch-theologische Lehranstalt in Wien, Bet-Hamidrasch in Wien, Verein zur Förderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten in Wien, Israelitische Armenanstalt in Wien, der österr.-ungar. Kantoren-Verein in Wien, der Gemeinderat der Stadt Szezakowa, der Verein „Weißes Kreuz" in Wien, der Veteranenverein Jawvrzno und Umgebunng, das Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchenhort in Wien, die Gemeinde Tobitschau, die Stadtgemeinde Mährisch-Ostrau, das Kaiser Franz Josef-Ferienheim in Wien und der Verein zur Unterstützung mittelloser israelitischer Studierender. Sie alle verehren in Gutmann ihren unermüdlichen Wohltäter. Fast endlos ist die Reihe von illustren Persönlichkeiten, die dem Jubilar teils persönlich, teils brieflich und telegraphisch hre Sympathien in herzlichster Weise zum Ausdrucke brachten. Wien. (C h a n n k a - F e i e r in der i s r. Bersorgungs- A n st a l t.) Am Sabbat-Chanuka (3. Dezember 1904) fand in der israel. Bersorgungsanstalr wie alljährlich eine Chaaukafe:er stalr, zu welcher erschienen waren: der Präsident der isr. Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern mit den Vorstehern Salo Kohn und Oberfinanzrat Dr. Rappaport, die Rabbiner Dr. E. David, Dr. D. Feuchtwang und Dr. Taglicht mit Gemahlinnen, Tempelvorsteher "Adolf Stiaßny, das Ehrendamenkomitee Fran Präsidentin Jda Diamant, mit den Damen Adler, Eisenschitz, Geisenheimer, Fröhlich, Güdemann, Kolisch, von Mises und Teleky, Excellenz Feldmarschall-Lieutenantswitwe Madeleme Gerlich von GerUchsburg. die Herren Benno Rothziegel. Jakob Kann, Steinhübel, Siegfried Beer und Gemahlin, Hugo Kadisch und Gemahlin, Sekretär Dr. Emil Adler, Verwalter Rudolf Koditschek und Gemahlin, die Beamten Peterseika und Gemahlin, Kohlmann, Schäfer, Brösler, die Aerzte der Anstalt Dr. Frisch und Dr. Kann u. v A. Im Betsaale wurde die Feier mit dem von Herrn Oberkantor Bela Gntmann mir seinem Chore meisterhaft vorgetragenen Gebeten eingeleitet, und die Chanukalichter entzündet. Herr Rabbiner Dr. David Feuchtwang hielt eine ans das Fest bezügliche Predigt, m welcher er die Fürsorge des .Kultusvorstandes und des Ehrendamenkomirees, besonders der Frau Präsidentin Jda Diamant, hervorhob und der Verdienste des verstorbenen Herrn Obermgenieur von Mises gedachte. Redner dankre dem Qbmanne der Anstalt Herrn Salo Kohn für das der Anstalt gespendete Bild des verewigten Herrn von Mises und schloß mit dem Wunsche, es möge das Licht der Humanität in dieser Anstalt nie erlöschen. Die festlich beleuchtete Anstalc machte auf die Gäste einen erhebenden und zugleich ergreifenden Eindruck. Der Kultusvorsteher spendete sür die Insassen eine Festjanse und wurde dieselben gleichzeitig von mehreren Wohltätern mit Gebrauchs- und Genußgegenständeu reichlich bedacht. Wien. (W l e n e r I ü d i s ch e T o y n b e e - H a l l e, XX., K a r ajangasse20.) Vortragsordnung: Sonntag, 11 Dezember, Dr. Sigm. Werner: „Bolkswanderuug in alter und neuer Zeck". Montag, 12. Dezember, Dr. Josef Jerusalem: „Oesterreichische Verfassungsgeschichte II". Dienstag, 13. Dezember, Herr Hermann Löw: „Friedrich Hebbel"' Mittwoch, 14. Dezember, Professor Dr. Joses Pollak: Ban und Verrichtung der Sinneswerkzeuge III". Donnerstag, 15. Dezember, Dr. Karl Lifczis: „Armut im Recht II". Freitag, 16. Dezember: „Bibelerklärung." Samstag, 17. Dezember: Konzert. Wien. Samstag, den 3. d. M., fand im Leopoldstüdter Tempel das Barmizwafest des Hans Schwarz, Sohn des bestbekannten Obmannes des Vereines zur Bekleidung alter Männer, Herrn Isidor Schwarz, statt. Rabbiner Dr. Schmiedl hielt an den Kvnfirmanden, der d e Haftorah in ausgezeichneter Weise rezitierte, eine herzliche Ansprache, in welcher die Verdienste des Vaters als Wohltäter und Menschenfreund hervorgehoben wurden, und Oberkantor Guttmann trug den üblichen Mi-Scheberach vor. In der Wohnung fanden sich zahlreiche Deputationen und Persönlichkeiten zur Gratularion ein. Der Konfirmand hielt eine schöne Barmizwa-Rede worauf der Festgeber Herr Isidor Schwarz in einer längeren Ansprache, die Gäste begrüßte und besonders dem greisen Rabbiner Dr.Schmiedl huldigte. Wien. Sonntag, den 4. d. M., fand im türkischen Tempel die Trauung des Frl. Magdalene B r a t m a n n. Tochter des Herrn Moriz Bratmann und Nichte der Frau Rosa Marmorek, mit Herrn Julius Fuchs aus Gr.-Meseritsch in Gegenwart eines zahlreichen distingmerten Publikums statt. Den Trauungsakt vollzogen Rabbiner Papo und Oberkantor Bauer. Wien. Dienstag den 6. d. M. fand im Tempel in der Seitenstettengasse die Trauung des Fräulein Aliee Frankl, Tochter des Herrn Regierungsrat Frankl, mit Dr. Moritz Bing aus Köln statt. Das herrlich mir Blumen geschmückte Gotteshaus bot im hellen Lichterglanz einen imposanten Anblick dar. Unter den vielen Hochzeitsgästen seien besonders hervorgehoben: Polizeipräsident Ritter von Habrda mit Gattin und Töchtern, Zentral-Jnspektor Freiherr von Gorup, die Polizeirüte Stuckart, Windt und Presser, Regierungsrat Tr. Kropf, Kommissär Nikles, Baronesse von Rothschild, der Präsident der Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern mit den Herrn Kultusvorstehern Baurat Stiaßny. Salo Kohn, Dr. Schnabel, Dr. Stein, Emil Horner, Hofrat Professor Pollitzer, Professor Brüll, I. Sekretär der isr. Kultusgemeinde kais. Rät Dr. Lieben, Sekretär Dr. Adler, Sekretär der Baron Hirsch-Stiftung Dr. Ascher, kais. Rat Dr. Kohn, kais. Rat Wilhelm u. v. A. Die Feier begann mit dem wirkungsvollen Bortrage des Nn-to^rr durch Oberkantor Singer mit Chor-, Orgel- und Harfenbegleitung. Hierauf richtete Herr Oberrabiner Dr. Güdemann eine gehaltvolle Ansprache an das Brautpaar und mit den üblichen Jegenssprüchen schloß die Trauunaszeremonie. Allseitig wurden den Branrelrern und dem Brautpaare die herzlichsten Gratulationen zuin Ausdrucke gebracht. Wien. Mittwoch, den 7. Dezember, 5 Uhr nachmittags fand seitens des „Theresien-Kreuzer-Bereines zur Unterstützung armer israelitischer Schulkinder" im Vereinshause II., Hut. Augarteustraße 35 die Verteilung von Winterkleidern an die Zöglinge des Vereines statt. Nach der Beteilnng besichtigten die zahlreichen Gäste unter Führung der Vorstandsmitglieder die Mädchen-Arbeitsschule und die Arbeitsrüume des Knabenhortes. Wien. Sonntag, den 11. Dezember, '/,3 Uhr nachmittags, findet im „Hotel Central,,, II. Taborstraße 8, die diesjährige Kinderbekleidung des humanitären Geselligkeitsvereines „Rudolfsbund" statt. Sonntag, den 22. Jänner 1905, veranstaltet der genannte Verein, an dessen Spitze der