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Die Wahrheit · 1904-12-09 · Heft 48 (9.12.1904) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 48 (9.12.1904)
Date
1904-12-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 48. Die Wahrheit Lette o. Augen ihrer neuen Religionsgenossen nicht nur eine Haltlosigkeit, sondern sogar eine gewaltige Schande. Was hat das Judentum als solches von den Nenjnden zu erwarten? Nichts Gutes! Denn sie sind, selbst wenn sie Inden bleiben, für das Judentum verloren und schädigen nur dasselbe durch ihre verderblichen Beispiele. Und was haben wir von den Kindern der Nenjnden zu erhoffen? Diese werden, so die Mittel ihrer Eltern es erlauben, von christlichen Bonnen und christlichen Gouvernanten im christlichen Sinne erzogen; denn christliche Erzieherinnen betrachten es als ihre heiligste Pflicht, junge Jndenseelen dem Christengvtte zuzuführen und dadurch deren Seelenheil zu retten. (?!...) Daher kommt es, daß viele Judeukinder erröten, wenn sie hören, daß sie Juden sind. Uns sind Fälle bekannt, tvo reiche Judendamen, die ein leidliches Deutsch ulld ein annehmbares Ungarisch sprechen, denen man aber dennoch annierkt, daß sie Jüdinnen sind, von ihren jüdischen Enkelkindern anhören müssen: „Großmama, Tn sprichst schon wieder jüdisch, gewöhne Dir doch so etwas ab!" . . . So sprechen schulpflichtige, also schon etwas verständige Kinder. Wir hörten aber auch ans dem Munde eines fünfzehnjährigen Jndenmädchens, das keine christliche Erziehung erhalten, sondern im jüdischeit Elternhanse erzogen wurde und das erst im Vorjahre die Bürgerschule absolvierte, den ans jüdischem Munde geradezu unglaublichen Ausspruch: „Die christliche Religion ist doch die Hauptreligion!" . . . Und dieses Mnstermädchen eines Nenjnden hat acht Jahre hindurch an dem jüdischen Neligionsnnterrichte teilgenommen und vom Religionsprofessor aus der Religion einen Zweier, demnach eine gute Note erhalten!!!... Soll hiefür wirklich nur allein das Familienhaus verantwortlich gemacht werden, und sollte es denn doch nicht noch andere Faktoren geben, denen die Schuld, ja sogar die Hauptschuld au diesen wahrhaft desolaten und geradezu unhaltbaren Zuständen im jüdischen Familienleben und in der Jugenderziehung mit voller Berechtigung aufgebürdet werden muß? Wie alljährlich, so haben die Inden — die Nenjnden taten's freilich nicht — am letzten Sühnseste zu Mincha seufzend geklagt: »Die frommen Männer sind nicht mehr. Niemand mehr lehrt und erfüllt das Gotteswort, gleich Moses, dem Lehrer des israelitischen Volkes, diesem bescheidensten aller Menschen," Klingt das in unserer Zeit nicht wie eine Anklage, und könnte man dabei nicht daran erinnert werden, daß unsere Religionsprosessoren — Ehre den Ausnahmen — weder ihren Lehren, noch ihrer Bescheidenheit nach, imstande sind, ihrem leuchtenden Vorbilde auch nur im geringsten naheznkommen. Und wenn dann die Söhne Israels weiter klagend seufzten: „Die glaubenstreuen Männer sind dahin und keiner da, der wüßte Rat zu schaffen, wie A h r o n, der, als eine Pest ansbrach, das Volk geschützt hat mit seinen Priesterwaffen. Er stellte vor dem Tod sich aus und hemmte der Verpestung Laus." Muß man da nicht unwillkürlich an die modernen Rabbiner und Prediger denken, die so rein gar nichts tun, um den in wahrhaft erschreckender Weise um sich greifenden Abfall ihrer Gemeindemitglieder, wenn schon nicht ganz unmöglich zu machen, so doch wenigstens 51t verringern. Geistige Führer Israels! Lernet von der verpönten Mission nur Eines: ..Tätigsein!" Eben jetzt weilen wieder vier bis fünf ihrer erprobtesten Missionäre in unserem lieben Judapest. Diese sind aus weiter Ferne hieher gekommen, weil die Mission hofft, durch diese ihre Sendboten unter den hiesigen Inden einen ausgiebigen Seelensang zu machen und dadurch ans ihre enormen Kosten zu kommen. So gabs erst vor einiger Zeit einen Bekehrnngsversnch en gros. Die Armen unter den hiesigen Juden feierten ihren llona kippur im Stadtwäldchen, und zwar geschah solches unter Gottes freiem Himmel, was nicht gebilligt werden kann, weil es einmal der Weihe des Tages und der heiligen Handlung nicht entspricht, und dann, weil es zum anderenmale den nichtjüdischen Pöbel heranlockt, dem das Tun und Treiben der Juden, das sie nicht verstehen und nicht begreifen, zum gemeinen Spott dient Sogar die Sendlinge der Mission — es sind dies zumeist aus Polen und Rußland herbeizitierte getaufte Juden — hat die Feier im Freien angelockt. Sie verteilten unter der andächtigen Beterschar ihre schalen Traktätchen lind versuchten die Menge zum Abfälle zu bewegen. Diesmal nützten die Schmeichelworte und die Bekehrungskünste der Missionäre verflucht wenig, denn offenbar gab es unter diesen armen Juden auch nicht einen — Nenjnden! . .. Bndape st. _____ D. H. Spitzer. Der Geist der Kibet. Von D. Rosenfeld-Sulzbach. Motto: „Dringt mau ein in den „Geist" unserer Bibel — als ein Universum offenbart sie sich dem ersraniuen ijentiflen Auge. Nicht tote Buchstaben einer toten Sprache, eines verschollenen Volkes, einer Mnm'.eu.zeit — nein, lebendige, belebende, erleuchtende und erhebende Worte göttlichen Geistes, ewiger Wahrheit bilden daun die Zebriftzeieben der Lehre Moses, des göttlich Erleuchteten." Ein verlegenes Lächeln umsptelt das Antlitz des von moderner Bildung übersättigten Jünglings beim Anblick eines in das Studium des altehrwürdigen Schrifttums vertieften, an ihm sich erbauenden Greisenkopfes. Dieser Jüngling, der alle Brücken, welche uns mit unserer zwar traurigen, düstet en aber ruhmvollen Vergangenheit verbinden, abgebrochen wissen möchte, um in dem allgemeinen, breiten Suome der Menschheit nicht erkannt, zu verschwinden, sucht allem ans dem Wege zn gehen, was auch nur den leisesten Schein auf seine Zugehörigkeit zu nnsereni vielgehaßten Volksstamme werfen könnte. Und da kann es uns llicht wundernehmen, daß er mit eitler gewissen unüberwindlichen Scheu an den unverwüstlichen und unvergeßlichen Denkmälern unseres ältesten Schrifttums vorbei gehl, nicht etwa so aus Scham vor seinen andersgläubigen Mitbürgern, sondern aus Scham vor sich selbst, vor seiner Charakterlosigkeit und moralischen Feigheit, die ihm jedesmal in Erinnerung und zum Bewußtsein gebracht werden, so oft er die unauslöschlichen Dokumente jüdischer Vergangenheit zu Gesicht bekommt, die sein weltbürgerliches Gewissen nicht zur Ruhe kommen lassen. In seinem Lebensbernse voll und ganz ausgehend, glaubt er auch jeder Verpflichtung sich entziehen zu dürfen, die große Schuld, die uns das Vermächtnis des Gründers unseres Volkstums auferlegt, zu tilgen, die heilige Tradition unseres Volkes sortzupflanzen unb sortznbilden. Diese, mit ehernem Griffel der tausendjährigen Leidensgeschichte des Judenthnms eingegraben, ist es, welche uns ans jeder Zeile unserer heiligen Schrift entgegenatmet, den gesunkenen Mut wieder ausrichtet und die Hoffnung auf die Erfüllung der durch die heilige Bibel uns überwiesenen Mission nicht erlöschen, nicht ersterben läßt. Fast fürchten wir, einer Geringschätzung der Heiligen Schrift uns schuldig zu machen, wenn wir aus ihre Wertschätzung von Seite Jener Gewicht legen würden, die sich darin gefallen, aus minderwertigen moralischen Motiven sie mit einer blasierten Vornehmheit ztl ignorieren und als ein längst überlebtes Kapitel menschlicher Kultur in den Drkus der Vergangenheit zu versenken. Die Heilige Schrift erleidet dadurch keinen Abbruch, weil sie der Stütze problematischer Charaktere nicht bedarf und ans sie auch leicht verzichten kann. Viel betrübender erscheinen die Ansechtllngen, denen die Bibel seitens einzelner, unstreitig hervorragender Fachgelehrter in jüngster Zeit ausgefetzt ist. Hier wird ihr bald ihre historische Echtheit, bald ihr geistiger Urheber, Mosis, streitig gemacht und der Glaube an die historische Mission des Begründers des jüdischen Volkstums in Zweifel gezogen. Die Bibel ist in ihren Angen mir ein Mythenkranz, der lim das Haupt eines mytischen Moses, gewunden wird. Alle diese Behauptungen können lind wollen wir ebeilfowenig widerlegen, als die Widersacher der Heiligen Schrift sie zu beweisen imstande sind. Für den eigentlichen geistigen Wert der Bibel kommt weder ihre Echtheit noch ihre Unechtheit, weder die Ueberzengung von der historischen Persönlichkeit eines Moses noch der Zweifel an seine Existenz in Frage. Sie bleibt vom Streite der Meinungen unberührt gleich einem Fels inmitten der Wogen des brandenden

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