Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1904
- Issue
- Heft 47 (2.12.1904)
- Date
- 1904-12-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 47. Die Wahrheit. Leite 7. und Architekt Mormorek, Chefarzt und Bczirksrat Dr. M. Schnepp, die kais. Räte Dc. v. Halaszy und Leinberger, Direktor Friedländer, Maler Kaufmann, die Architekten Gärtner und Modern. Dr. Leop. Kohn, Dr. Stern, Dr. Kraus, Dr. Max Pollak, Dr. Oskar und Dr. Paul Groag, Dr. Emil Spitzer. Dr. Mittler u. a. m; ferner erschienen zur Gratulation der Vorstand des Bethausvereines un IX. Bezirk unter Führung' des Vizepräsidenten Dr. M. Schnepp, welcher in einer Ansprache an den Brautvater die großen Verdienste desselben um den Verein und das Judentum hervorhob. Dem Brautvater überreichte die Deputation eine prachtvolle „Järdiniöre," gefüllt mit Myrten- und Orangenblüten. Dann kamen zu gleichem Vorgehen die Vorstandsmitglieder des israelitischen Wohltütigkeirsvereines im IX. Bezirk „Frauenhort", geführt von der Präsidentin Frau Rosa Zifferer. Erst gegen 5", Uhr hörte der Zudrang der Gratulanten auf. Wie». Der Tempel in der Müllnergasse bot am 27. v. M. lim die Mittagsstunde einen imposanten feierlichen Anblick dar. Das schmucke Gotteshaus, in welchem die Vermählung des Frl. Rosa B ra mm e r, Tochter des allgemein beliebten Kafetiers Herrn Moriz Brammer, mit Herrn Max Adle r stattfand, war in allen feinen Räumen dicht besetzt. Den Trauungsakt vollzog Herr Gemeinderabbiner Dr. Gelbhaus, der in seiner gehaltvollen Ansprache den Familiensinn der Familie Brammer schilderte und wie alle sich um das Oberhaupt der Familie, Herrn Moriz Brammer, schaaren. Mit warmen Worten gedachte der Rabbiner auch der verblichenen Mutter der Braut der es leider nicht vergönnt war, an diesem Freudentage teilzunehmen. Den gesanglichen Teil der Feier besorgte Herr Oberkantor Kläger mit dem bestgeschulten Chore. Nach der Trauungszeremonie empfingen die Neuvermählten die herzlichsten Gratulationen von den zahlreichen Anwesenden. Wie». Samstag, den 3. Dezember findet im Leopoldstädter Tempel bei dem um Vz9 Uhr beginnenden Hauptgottesdienste die Barmizwafeier des Konfirmanden Hans Schwarz, Sohn des durch sein mannigfaches humanitäres Wirken bekannten Obmannes des Vereines zur Bekleidung armer alter Männer und Vizepräsidenten der Toynbee-Halle, Herrn Isidor Schwarz, statt. Wien. (Verein zur Hebung der G e w e r b e.) Am Sonntag, den 4. Dezember u. c., präzise 7 Uhr abends, findet im großen Festsaale des niederösterreichischen Gewerbevereines, I., Eschenbachgasse 11 ein Vortragsabend des Vereines statt. Tagesordnung: Vortrag des kais. Rates Adolf Schwarz: „Die sozialen Verhältnisse in Amerika und die 'Weltausstellung in St. Louis" mit ganz neuen Lichtbildern (Skioptikon). Auch für Damen höchst interessant. Wien. M. Edelhofers Volksorpheum, II., Rothen Sterng. 7a. Die hier so beliebte polnische Theater- und Varieteegesellschaft hat am 28. November die Novität „I ü d e l e mit dem Tlimik" zur Aufführung gebracht, ein Lebensbild, das sich weit über den Rahmen eines Varietees erhebt. Es ist ein fesselndes Kulturbild, welches von dem Mitgliede S. Lerescu verfaßt und in feinsinniger Weise vertont ist. Das Sujet dieses Volksstnckes behandelt die zionistische Bewegung und ist eine Verherrlichung des leider zu früh verstorbenen großen Führers der Zionisten Dr. Th. Herzl. Die Darsteller brachten die dargestellten Charaktere musterhaft zur Geltung und sind in erster Reihe der Autor als Dr. Herzl, sodann die Herren R e i ß m a u n, Lion, K a n n e r, Brandes, P o dsamcze, sowie die Damen Lerescu, Kanu er, Weinberg zu neunen. Die rührige Direktion hat mit diesem interessanten Bilde aus dem dunklen Osten einen Schlager allerersten Ranges erworben. Wien. Mittwoch, den 30. November, ist hier der Börsenrat Herr Theodor K a n t o r im 61. Lebensjahre gestorben. Der Verblichene, der eine allgemein geachtete, hervorragende Stellung in der Wiener Geschäftswelt einnahm, war auch ein außerordentlich wohltätiger Mensch, der zahlzeicheu Vereinen fördernde Unterstützung angedeihen ließ. Sein Hinscheiden erweckt vielfache Teilnahme. Das Leichenbegängnis findet Freitag, den 2. Dezember statt. Wien. Freitag, den 25. Nopember, fand das Leichenbegängnis der Frau Emilie Kraus, Gattin des Herrn S. Kraus, Schwiegermutter des Oberkantors E. Weiß aus Budweis, statt, welcher auch in ergreifender Weise die Funktion versah. Die Verblichene war eine fromme, wohltätige Frau und in ihren Kreisen sehr geachtet. Wien. Dienstag, den 29. v. M. fand unter zahlreicher Teilnahme das Leichenbegängnis des Herrn Julius Lewi statt. Der Verblichene, der infolge seines edlen Charakters und seines hervorragenden Wohltätigkeitssinnes eine in allen Kreisen hochgeachtete Persönlichkeit war, entstammte einer angesehenen frommen Familie; dessen Vater war nahezu 40 Jahre Rabbiner der sephardischen Gemeinde in Temesvär. Er hinterläßt eine Gattin, welche ihm eine treue, hingebungsvolle Gefährtin war, und mehrere Schwestern. Die Trauerftlnktionen versahen Rabbiner Papo und Oberkantor Bauer, sowie der Chor Unter Leitung des Dirigenten Kantor Lömit. Wien. Sonntag, den 4. Dezember, 4 Uhr nachmittags, findet im israelitischen Blinden-Jnstitut auf der Hohen Warte die vom Kuratorium veranstaltete Chanukafeier der Jnstitutszöglinge statt. Wien. Der theologische Vetein der Hörer an der isr. theol. Lehranstalt in Wien veranstaltet Dienstag den 6. Dezember Sli2 Uhr abends im Festsaale des Hotels „Zentral" die Chanukafeier mit folgendem Programm: 1. Begrüßung durch den Präsidenten Herrn phil. A. Beck. 2. Anzünden der Chanukaltchter, Herr Oberkantor B. Guttmann mit Männerchorbegleitung. 3. Deittsche Festrede, Herr phil. A. Frankfurter. 4. Deklamation, Herr Th. Äöiß, Mitglied des „Deutschen Bolkstheater." 5. Hebr. Festrede, Herr phil. K. Kupfer. 6. Musikverträge des Herrn Konzertmeisters I. Zimbler und eines Streichquartetts. 7. Liedervorträge, Herr Oberkantor B. Guttmann. Die Klavier und Harmoniumbegleitung wird von Herrn Leo Ascher besorgt. Wien. Am 8. Dezember d. I., 1 Uhr nachmittags, findet in Neudörfl bei Wr.-Neustadt im Restaurant Gellis die Trauung des Fräulein Paula Schischa, Tochter des hochachtbaren Kaufmannes Josef Schischa in Neunkwchen, mit Herrn Dr. Gottfried Freudmann, Sohn des Herrn Aron Freudmann, Wien, statt. Wien, i Verein zur Ausspeisung armer israelitischer Schulkinder des XII., XIII.. XIV. und XV. Bezirkes.) Alle unsere geehrten Mitglieder, Gönner und Freunde erlauben wir uns auf diesem Wege zu der am 4. Dezember um '/,5 Uhr in Neumann's Restauration, XIV., Schwendergafie 2 stattfindenden Chanukafeier unseres Vereines höflichst einzuladen. Wir geben an diesen Tagen unseren Schützlingen. 34 Knaben und 38 Mädchen, eine Festjause und haben auch dafür gesorgt, daß die Kleinen teils mit warmen Winterkleidern, teils mit anderen praktischen Geschenken bedacht werden. Wir hoffen bestimmt, daß recht viele unserer Mitglieder, Gönner und Freunde der Chanukafeier beiwohnen werden. Brünn. Sonntag, den 4. Dezember, 1 Uhr nachmittags findet im israelitischen Tempel die Trauung des Herrn Max Hickl, Redakteur der „Jüdischen Volksstimme", mit Fräulein Anrelie Reich statt. ^obofitz. Am 19. November ist hier der Rabbiner, Herr Heinrich Saar, nach langem schweren Leiden un 50. Lebensjahre gestorben. Ter Dahingeschiedene war schon seit vier Jahren leidend und versah trotzdem mit größter Aufopferung sein Amt. Herr Saar wurde am 19. Februar 1855 in Hochlibin bei Podersam geboren und widmete sich gleich feinem Vater, der ebenfalls Rabbiner und Kantor war, dem gleichen Berufe. Als Kantor wirkte er in Lieben, Liebeschütz, Franzensbad und kam im Jahre 1885 in gleicher Eigenschaft nach Lobositz, wo er im Jahre 1890 die Rabbinerwürde erlangte. Vor drei Jahren beging er das 30jährige Amtsjubilänm. In der hiesigen israelitischen Kultusgcmeinde wirkte er in verdienstvoller Weise durch volle 19 Jahre. Der Verstorbene war ob seines jederzeit freundlichen und zuvorkommenden Wesens beliebt und erfreute sich bei Allen, die ihn kannten, ohne Unterichied der Konfession, ob seines ehrenhaften und biederen Charakters bester Wertschätzung. Oedenburg. i,D as jüdische B e r s o r g u n g s h a u s.) Im israelitischen Fraucnverein wurde über Antrag seiner Präsidentin, Frau Soma Bethlen, die Errichtung eines israelitischen Versorgungshauses für sieche Greisinnen und Greise beschlossen. Das Projekt fiel auf fruchtbaren Boden und sieht dank der Opferwilligkeit aller Bevölkerungskreise der Stadt, wie die einlaufenden Spenden besagen, seiner baldigen Verwirklichung entgegen. Berlin. Dem Verband für Statistik der Juden (Zentrale: Berlin- Halensee) iü es nach langwierigen Verhandlungen über die Beschaffung der pekmiiären Mittel, dank den Bemühungen seines Kuratoriums, an dessen Spitze Sanitätsrat Dr. Maretzki und Geh. Sanitütsrat Tr. Blnmenthal stehen, gelungen, die von der letzten Plenarversammlung in Aussicht genommene Errichtung eines ständigen Bureaus für Statistik der Juden zu verwirklichen. Das Bureau, das seine Geschäftsräume in Berlin-Halensee, Westfälische Straße 46, hat und von dem Nationalökonomen und Statistiker Dr. Arthur Ruppm geleitet wird, ist seit dem 1. Oktober 1904 in Thätigkeit und hat neben anderen Aufgaben die Bearbeitung des neuen Jahrgangs des „Statistischen Jahrbuchs des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" und eine Untersuchung über den Anteil der Juden am Schulwesen in Preußen in Angriff genommin. Das Bureau wird ivoranssichtlich schon am 1. Januar l905 ab) eine „Zeitschrift für Demographie und Staristik derJuden" herausgegeben, die neben monographischen Abhandlungen alle über die Juden in den einzelnen Ländern veröffentlichten statistischen Daten enthalten und auf diese Weise ein Archiv für die Statistik der Juden sowie ein Mittel zur Vorbereitung der angestrebten Demographie und Statistik der Gesammtjudenheit bilden soll. Die Errichtung eines fachmännisch geleiteten Amtes für die Statistik der Juden stellt den ersten bedeutsamen Schritt zu einer genauen Erforschung der sozialen Verhältnisse der Juden dar. Es ist zu hoffen, daß die Erkenntnis von der Wichtigkeit und Notwendigkeit dieser Forschungen sich vertiefen und in der Ausrüstung des Bureaus mit entsprechenden Mitteln seinen Ausdruck finden wird, damit das Bureau sich entwickeln und seiner Aufgabe in immer weiterem Umfange gerecht werden kann. Dresden. (Das Verbot des Schächtens.) Der Verband deutscher Juden ist beim sächsischen Handelsminister dahingehend vorstellig geworden, daß bei der beabsichtigten Regelung der kommunalen Schlachthäuser den Gemeinden die Möglichkeit entzogen werde, aus eigener Machtvollkommenheit das Schächten zu verbieten. Der Verband erklärte, daß derartige Verbote als Eingriff in die verfassungsmäßig gewährleistere Gewissensfreiheit der orthodoxen Juden angesehen werden müßten. Bukarest. Gelegentlich der Einweihung eines neuen Verwaltungsgebäudes in Bottoschani wurde zu Ehren des anwesenden Ministers des Innern, Basilie Laskar, ein Bankett Veranstalter, an dem auch Vertreter der jüdischen Bevölkerung teilnahmen. Dr. Olivenbaum brachte folgenden Toast aus: „Die jüdischen Einwohner Bottoschanis, diese friedliche, das Vaterland und die Dynastie liebende Bevölkerung, erhebt durch mich dieses Glas zu Ehren und aus die Gesundheit des Herrn Ministers, in der Hoffnung, daß unter den befreienden Reformen, welche derselbe vollführt hat und noch vollführen wird, zum Wohle und Fortschritte des rumänischen Landes, er auch seinen Schutz und seine Aufmerksamkeit den jüdischen Gemeinden zuwenden wird, die heute isoliert und ohne gesetzliche Grund-