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Die Wahrheit · 1904-12-02 · Heft 47 (2.12.1904) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 47 (2.12.1904)
Date
1904-12-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6. Die Wahrheit Nr. 47. wollen finden, annehmen, denn nur wer voll und ganz im Glauben Israels aufgehen will, das ganze Gottesgesetz als bindend betrachtet, den nur darf das Judentum in seine Mitte aufnehmen." Weil aber nur der Uebertritt gestattet ist, der aus tiefer innerer Ueberzeugung, aus reiner heiliger Liebe zum Glauben sich vollzieht, deshalb konnte und durfte das Judentum niemals Mission treiben, Liebe für seinen Glauben erzwingen, Andersgläubige gewaltsam bekehren, oder selbst nur durch Worte einzuwirken. Wohl hat auch Israel eine Mission, aber das ist keine Mission der Tat, keine sichtbare Mission; diese vollzieht sich in heiliger Sülle. Israel soll durch das starre Festhalten an seinem Gottesglauben, der Gottesidee immer weitere Verbreitung verschaffen, doch dazu kann und darf er nichts anderes tun, als im Glauben an Gott leben. Das ist auch der Gedanke, der die Bücher der Propheten durchweht. Die gottbegeisterten Männer, sie deuten mit dem raschen Fluge ihres Geistes das Nahen einer schönen herrlichen Zeit uns an, da alle Völker der Erde sich einen, erkennen und bekennen, daß Gott einzig und sein Name einzig. Allein auch von dieser Zeit des Völkerfriedens und der Glückseligkeit auf Erden bemerkt Maimonides (Hilchoth Melachim, Abschn. 12, 1 ff.), „sie wird sich nur durch die volle Anerkennung des einigen einzigen Gottes und durch das Aufhören aller Feindschaften unter den Nationen auszeichnen". Nicht aber, daß alle Erdenbewohner zum jüdischen Glauben sich bekennen werden, denn auch diese Zeit wahrhaften Völkerfriedens ist nicht an die volle und ganze Anerkennung des Gottesgesetzes von allen Nichtisraeliten geknüpft. „Haß und Neid, Krieg und Feindschaft nur werden geschwunden sein, Israel wird ganz seinem Gottesgesetze leben, alle Menschen aber werden erfüllt sein vom Glauben an den einzigen Gott, wie Fluten über Meerestiesen strömen" (ibid.). Strenge war Israel immer nur gegen die Abtrünnigen und Frevler in eigener Mitte, Mission hat es nur im Innern getrieben, denn nur durch das Ausharren im Glauben, durch das Festhalten an der Gottesidee, durch die Ausübung der Gottesgebote soll der reine Monotheismus immer weiteren Kreisen bekannt werden. Darin allein bestand und besteht Israels Mission. Das Judentum war stets stolz auf seinem Glauben, blickte aber niemals mit Stolz auf die Anhänger anderer Bekenntnisse; das Judentum war gegen Andersgläubige immer von größter Duldsamkeit, von weitgehendster Toleranz und Menschenliebe, denn, „die geplagt, werden uns nicht plagen, ihre Schmach hören und nicht erwidern, aus Liebe handeln und an Schmerzen sich freuen, diese sind es, von denen es heißt: „die ihn aber lieben, strahlen wie die Sonne hoch am Firmament." (Sabbath88b.) Dr. H. Sigmundsohn. Verschiedene Nachrichten. Wien. Freitag, den 2. Dezember abends findet eine Predigt im Leopoldstädter Tempel statt. Wie«. Die Reihenfolge der vom Vorstande der israelitischen Kultusgemeinde im Dezember 1904 veranstalteten Vorträge aus jüdischer Geschichte ist folgende: Donnerstag, 1. Dezember: Herr Dr. M. GrUnwald: „Gabriel Rießer." Vorführung von Skioptikonbildern. Donnerstag, 15. Dezember: Herr Dr. E. David: „Maimonides" anläßlich seines 700jährigen Todestages. Donnerstag, 22. Dezember: Herr Dr. M. Grunwald: „Aus der Geschichte der Juden in Deutschland und Oesterreich." (Vornehmlich für die reifere Jugend.) Vorführung von Skioptikonbildern. Donnerstag, 29. Dezember: Herr Dr. D. Feuchtwang: „Raschi." Alle Vorträge finden präzise x/s8 Uhr abends im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereines, L, Eschenbachgasse 9 statt. Eintritt frei ohne Karlen. Wien. (WienerJüdischeToynbee-Halle,XX.,Karaj a n g a s s e 20.) Vortragsordnung: Sonntag, 4. Dezember, Rev. W. H. Hopkins: „Eine Reise im Orient." (Mit Demonstrationen.) Montag, 5. Dezember, H. May: „Chemie des Alltags." — Dienstag, 6. Dezember, Kolom. Frender: „Jüdische Aerzte im Orient und Spanien." — Mittwoch, 7. Dezember: Diskussion. — Donnerstag, 8. Dezember, Dr. Leop. Kahn: „Die Makkabäer." — Freitag, 9. Dezember, Dr. Arthur Schwarz: „Bibelerklärung." — Samstag, 10. Dezember: Konzert. Wien. Anläßlich des 70. Geburtstages des Präsidenten der „Baron Hirsch-Stiftung für Galizien," Herrn David Ritter v. Gutmann, wird über Auftrag des Kuratoriums am 2. Dezember d. I. in sämtlichen Stiftungsschulen eine Feierlichkeit veranstaltet und ein Bildnis des Herrn Ritter v. Gutman enthüllt werden. Die Ehrung des verdienstvollen Präsidenten ist gewiß am Platze, doch werden hoffentlich die nicht unerheblichen Kosten derselben von den Mitgliedern des Kuratoriums getragen werden, denn es wäre sicherlich nicht den Intentionen des Jubilars entsprechend, daß Stiftungsgelder zu Ovationen für seine Person Verwender werden. Wien. Samstag, den 3. Dezember, 1jib Uhr abends, findet im Tempel zu Fünfhaus, Turnergasse 22, aus Anlaß der Kinderbekleidung ein feierlicher Gottesdienst mit Predigt statt. Wien. Donnerstag, den 8. Dezember, '^3 Uhr nachmittags, findet im Tempel der israelitischen Kultusgemeinde, XV., Turnergasse 22, eine öffentliche Schulprüsung der Talmud-Thora-Schule für die Bezirke XU bis XV statt. Wien. Donnerstag, den 8. Dezember, 2 Uhr nachmittags, findet im Leopoldstädter Tempel die Trauung des Fräulein Olga Königsberger, Tochter des vor einigen Jahren verstorbenen Beamten der Wiener Kultusgemeinde, Herrn Nathan Königsberger, mit Herrn Heinrich Hahn statt. Wien. <Verlobung.) Fräulein Elisabeth Peterselka, Tochter des Herrn Max Peterselka, erster Kantor der israelitischen Knltusgemeinde, hat sich mit Herrn Hermann Rosenblum verlobt. Wien. Samstag, den 26. v. M. abends fand im Lcsesaal des Kaufmännischen Vereines die diesjährige Generalversammlung des „Vereines für unentgeltlichen Arbeitsnachweis" statt. Nach Begrüßung der erschienenen Mitglieder und Gäste hielt der Vorsitzende Dr. Alois Klemperer dem im Berichtsjahre verstorbenen Vorstandsmitgliede Herrn Heinrich Teltscher einen tiefempfundenen Nachruf. Sodann erhielt der Obmann des Exekutivkomitees Dr. Bela Taussig das Wort zur Berichterstattung, worauf der Schriftführer Dr. Gustav Langstein den Ausweis über die Zahl der Anmeldungen, Zuweisungen und Vermittlungen, und der Kassierer kaiserl. Rat Karl Hirsch den Kassaausweis zur Verlesung brachte. Sehr beifällig wurde die Mitteilung anfgenommen, daß das Bureau schon Mitte Oktober die 10.000. Vermittlung seit seiner Eröffnung (im November 1899) überschritten habe. Nicht minder erfreute die Konstatierung, daß die steigende Tendenz in den Erfolgen des Vereines auch im Berichtsjahre angehalten hat. Die Zahl der erzielten Vermittlungen ist auf 2524 gestiegen, wovon 1936 auf männliche und 588 auf weibliche Arbeitskräfte der verschiedensten Berufe entfielen. Mit Interesse vernahm man auch, daß im Berichtsjahre fast 4700 Parteien an den Schaltern abzufertigen waren. Nach Erstattung des Berichtes erbat sich der Delegierte der Kultusgemeiude kaiserl. Rat Jonas Weil das Wort, um dem Vereins- Vorstände den Dank des Vorstandes der Kultusgemeinde für die erfolgreiche und aufopfernde Tätigkeit auszusprcchen. Im Namen der Mitgliederschaft dankte Herr M. Baum dem Vorstande für dessen ersprießliche Tätigkeit und brachte mehrere Anregungen vor. Nach einstimmiger Genehmigung des Jahresberichtes und des Gebahrungsausweises erfolgten die Ergänzungs- und Ersatzwahlen und wurden die auf Grund des Statuts nach fünfjähriger Mandatsdauer ausgelosten Herren Dr. Alois Klemperer, kaiserl. Rat Johann Lichtenstadt und Dr. Bela Taussig wieder-, und an Stelle der verstorbenen Vorstandsmitglieder die seit einiger Zeit ohnehin kooptierten Herren kaiserl. Rat Karl Hirsch, Direktor Moriz Koritschoner, Sigmund Popper per Akklamation neugewählt. In seiner Schlußansprache wies der Vorsitzende darauf hin, daß der Verein nunmehr sein erstes Lustrum vollendet habe, und gedachte in warmen Worten des um die Organisation des Vereines so hochverdienten ersten Obmannes des Exekutivkomitees, des verstorbenen Herrn Sigmund Rosenfeld. Auf die Tätigkeit des Bureaus zurückkommend, betonte er das Prinzip der Individualisierung, j von welchem ausgegangen werden müsse, da ja die Feinde der jüdischen ] Gemeinschaft diese für jeden Einzelnen, der etwa durch schlimme Verj hältnisse auf Abwege gerät, verantwortlich machen. Durch die Worte des | Vorsitzenden angeregt, sprachen noch die Herren Reichsratsabgeordneter j Dr. Julius Ofner vom Standpunkte menschlicher Fürsorge für Unterdrückte, - wie es die jüdischen Arbeiter sind, und Rabbiner Dr. E. David vom i Standpunkte der jüdischen Wohlfahrts-Tradition. Reichlicher Beifall lohnte die Redner, mit deren dankenswerten Ausführungen die anregende Versammlung schloß. Wien. Am 27. v. M. feierte Herr Gottlieb Bettelheim, Obmann des Bethauses im IX. Bezirk die Vermählung seiner Tochter Fräulein Rosa Bettelheim, mit Herrn Hans Lemberger, Beamten des Wiener Bankvereins. Die Feier vollzog sich in der Wohnung des Brautvaters. Um 21l2 Uhr nachmittags füllten sich die prächtig dekorierten Räume des Hauses mit einer distinguierten Gesellschaft, welche Zeugen des Trauaktes waren. Die Trauungszeremonie vollzog der Gemeinde- und Vereinsrabbiner Herr Dr. Gelbhaus, welcher eine geistreiche Ansprache an das Brautpaar hielt und die Verdienste der beiderseitigen Familien um die Kultusgemeinde Wiens hervorhob. Oberkantor Kläger brachte einen von ihm zu dieser Feier verfaßten „Miadir" in erhebender Weise zum Vortrag, wobei er von dem vollzähligen Tempelchor unter der bewährten Leitung des Kantors Pekarnik unterstützt wurde. Nach beendeter Trauungsfeierlichkeit begann um 3 Uhr der Gratulationsempfang. Hunderte von Freunden und Bekannten der beiderseitigen Familien fanden sich ein, um die Eltern und das Brautpaar zu beglückwünschen. Unter den Erschienenen bemerkten wir: Frau Baronin Äorupp, Frau Direktor Popper, Fräulein Irma von Halaszy, den I. Vizepräsidenten der israelitischen Kultusgemeinde, Landesschulrat Dt. Gustav Kohn, die Kultusvorsteher Salo Kohn, Salo Landau

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