Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1904
- Issue
- Heft 45 (18.11.1904)
- Date
- 1904-11-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr.- 45?/ Die; WGrheits Lette 7,- und Ausgänge-aus der I. ilnd II. Gallerie geplant, welche in zwischen' ■ dem Tempek ünd den beiden Wohntrakten herzustellenden Zwischenbauten untergebrachh. werdensoflesi. Bei diesem' Astlasse würde -auch./durch die Errichtung von Klosett einem , fühlbaren Mangel abgeholfen werden"können/ Endlich hat sich -die Notwendigkeit ergehen, eine Adaptierung der beiden Wohngebäude, insbesondere eine. Ausbeffexung der Dächer vorzütiehmen. - V -Das Vertreterkollegium hat nun nach wiederholten Beratungen unter Genehmigung /der vom - Architekten Marmore! vorgelegten Pläne tlnd Wtenvchanschläge Folgendes beschlossen: .1. Die Schaffung je eines Notäusganges in der Mitte der beiden Seitenschiffe. 2. Der Ersatz des bisherigen hölzernen Dachstuhles über dem Mittelschiffe dnrch einen eisernen Dachstuhl und Reparatur der Dachstühle oberhalb der Seitenschiffe. 8. Die Errichtung.von Zubanten an den beiden Seitentrakten behufs Schaffung separater Stiegen ans der I. und II. Gallerie. 4. Ersatz der durch den Umbau beschädigten Fußböden und Umwechslung der tapezierten Spieltüren in Glastüren. 5. Die Schaffung neuer Eisen-Fenster und Verglasung. 6. Adaptierung der beiden Wohngebäude und Ausbesserung der Dachstühle derselben. Nach längerer Debatte, an welcher sich die Herren Baurat Stiaßny, Hermann Eltbogen, Wilhelm Knfsner, Ritter von Taußig, Hofrat Taußig, Ritter von Goldschmidt, Salo Cohn und Wilhelm Pollak beteiligen, werden die Anträge des Vertreterkollegiums einhellig angenommen und der Architekt Oskar Marmore! mit der Durchführung der in Rede stehenden Arbeiten betraut. Bei diesem Anlasse spricht der Präsident unter lebhafter Zustimmung der Versammlung dem Herrn Banrat Max Fleischer für seine in dieser Angelegenheit in einem früheren Stadium betätigte, uneigennützige Mühewaltung den Dank aus. Nach Gewährung von Subventionen an verschiedene Wohltätigkeits-Vereine und Anstalten wird die Sitzung um 1 Uhr nachmittags geschlossen. Waisenhaus für israel. Mädchen. Der hochherzigen Stiftung einer edlen Dame, der im Jahre 3896 verstorbenen Frau Charlotte Mero res-J tzeles, verdankt die Wiener Kultnsgemeinde ein neues zweites Waisenhaus für Mädchen, im XIX. Bezirke Gebhardtgasse, dessen feierliche Schlußsteinlegung Dienstag den 15. d. M., 11 Uhr vormittags, stattfand. Das geräumige Vestibül war in einen Festsaal umgewandelt, den die von Palmen nmrankte Büste des Kaisers schmückte. Zur Feier hatten sich eingefnnden: Als Vertreter der Statthalterei Oberbaurat Michael Fellner, als Vertreter der Polizeidirektion Bezirksleiter Polizeirat Pompe, Bezirksvorsteher Wenzel Kuhn, der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern mit den beiden Vizepräsidenten Dr. Gustav Kohn und kaiserlicher Rat Hirsch und den Vorstandsmitgliedern Salo Kohn, Oberfinanzrat Dr. Rappaport, Hofrat Taussig, Emil Horner, kais. Rat I. Weil, und kaiserlicher Rat Wilhelm Pollak, dann Feldmarschallieutenantswitwe Madeleine Gerlich Edle von Gerlichsburg, Baronesse Valentine v. Rothschild, Frau Regierungsrat Fanny Gintl, Frau Oberrabbiner Dr. Güdemann, Frau Dr. Sophie Grünseld, Frau Dr. Bloch, Reichsratsabgeordneter Dr. Vogler, die Gemeinderäie Allmeder. Dr. Ritter v. Dorn und Dr. Reisch, der Präses der türkischisraelitischen Gemeinde in Wien Licco Adutt, Superintendent Prosfessor Dr. v. Seberenyi, Professor Dr. Königstein, Direktor- Heller des Blindeninstitntes auf der Hohen Warte, Landesgerichtsrat Dr. Spitzkopf, Kustos Dr. Frankfurter, die Rabbiner Dr. David, Dr. Feuchtwang, Dr. Gelbhaus, Dr. Taglicht, Dr. Reich-Baden, Dr. Rosenmann-Floridsdorf, 1. Kantor Blatt, Ober-Kantor Schorr, die kais. Räte Lichtenstadt, M. Waizner und Wilhelm, Tempelvorsteher Stiaßny, Wasservogl, Armenvorsteher Jellinek, Oberinspektor Engel der Nordwestbahn, Konsul Marek, Direktor Fischer der israelitischen Kinderbewahranstalt, der Präsident des Vereines zur Hebung der Gewerbe S. Brod, Gremialrat S. Heit^Vürsteher S^ Steiner, die Mitglieder des Kuratoriums- Oberrabbiner Dr.: Güdemann, Dr. Leop. Libitzky und Dr. Felix Katzau» die Mitglieder des Damenkomitees re. Nach einem stimmungsvollen Präludium wurde die Feier mit der Absingung des Psalm 118 von weil. Professor Salomon Sulzer eröffnet, den Oberkantor Singerbegleitet vom Chorpersonale, mit mächtiger KlMgwirkung vvrtrug. Sodann verlas- Banrat Architekt Wilhelm Stiaßny die Schlußsteinurkunde. Diese verzeichnet, daß die in Wien am 16 Jänner 1896 verstorbene Frau Charlotte EvanMerpres-Jtzeles ihren Nachlaß, der. sich, nach Abzug der Vermächtnisse, Gebühren und Kosten ans-nahezu zwei Millionen Kronen belief, zur Begründung eines Waisenhauses für israelitische Mädchen in Wien bestimmt habe. Das Kuratorium wählte eine Aera an der Ecke der Bauernfeldgasse und Heiligenstädterstraße im XIX. Bezirke im Ausmaße von von 7596 Quadratmeter. Mitte September waren Ban und innere Einrichtung vollendet. Gleichzeitig wurden die ersten 25 Zöglinge ausgenommen. Zur Leitung des Waisenhauses, zur Ueberwachung der Erziehung der Kinder :c. wurde ein Schutzdamenkomitee eingesetzt, an dessen Spitze die Witwe des Kurators Adele Edle v. Mises steht und dem angehören: Nina Hahn, Margit Ornstein, Bertha Pollak, Frieda Strauß, Rosa Weil und Klara Winkler. Die ärztliche Leitung wurde Dr. Heinrich Haase übertragen. Den Plan zu dem Hause verfaßte Baurat Wilhelm Stiaßny, die Bauleitung war dem Architekten Ignaz Reifer übertragen. Die Statthalterei hatte als ihren Vertreter den Oberbaurat Michael Fellner in das Kuratorium entsendet. Nach Verlesung der Schlußsteinurkunde wurde dieselbe eingemauert und hierauf hielt Banrat Stiaßny folgende Ansprache: „Hochwürdiger Herr Oberrabiner! Hochgeehrter Herr Präsident der Kultnsgemeinde! Verehrte Festversammlung! Nach alter Sitte und mit jenem Brauche, wie er seit Jahrhunderten geübt worden und gefestigt ist. haben wir soeben den letzten Stein den Mauern dieses Hauses eingesügt. Das Kuratorium dieser Stiftung, welche im Sinne der verewigten Stifterin einem Werke der Menschenfreundlichkeit dienen soll, hat mit der Durchführung desselben mich und eine große Anzahl von geschätzten Mitarbeitern betraut. Es hat der Vorsehung gefallen, unser Werk zu schützen, so daß unsere Arbeit ohne Fehl und Unbill zu gedeihlichem Abschlüße gebracht werden konnte. Verehrte Versammlung! Die Schlußsteinlegung an einem öffentlichen Zwecken gewidmeten Hause ist ein Fe st der Arbeit! Bei allen zivilisierten und ethisch hochstehenden Völkern ist zu allen Zeiten die "Arbeit in hohem Ansehen gestanden. So auch bei uns Juden. Im Deuteronomium, Kapitel 30, Vers 19, sagt Moses, der erhabene Stifter unseres Glaubens: Ich habe Dir Leben und Tod vorgelegt, auf daß Du das Leben erwählst! Einer unserer berühmten Lehrer und Weisen, Rabbi I s m a e l, sagt im Keduschin, daß eine der vier Hauptpslichten, welche ein Vater gegen seinen Sohn zu erfüllen hat. darin bestehe, daß er ihn e i n e Arbeit erlernen lasse und er fügt hinzu: das Üeben, säh immus, das ist die "Arbeit. Und in dieser geehrten Versammlung ist gewiß nicht einer, der diesem Satze „Leben i st "A r b e i t" nicht unbedingt beipflichten würde. Was ist auch zu vergleichen, mit dem Hochgefühl, das die Brust des Mannes erfüllt, der mit Befriedigung auf eine glücklich vollendete Arbeit blicken kann. Und so wird immer der Satz gelten: „Meister ist nur der, der sein eigenes Werk achtet", und ein zweiter Satz: „Nur das ist ein gelungen Werk, das seinem Meister Achtung einslößt." Möge der allmächtige Baumeister aller Welten, der Ehrwürdige aller Zeiten attik jomim, dieses Haus in seinen erhabenen Schutz nehmen, es schirmen und behüten, auf daß es noch in fernen Zeiten den menschenfreundlichen Sinn seiner Begründer bekunde. Bevor wir nun dieses Haus seiner künftigen Bestimmung übergeben, richteich an Sie, hochwürdiger Herr Oberrabbiner, an Sie verehrter Herr Präsident und au Sie alle, verehrte Festgenossen, die Bitte, das Werk der drei Hammerschläge-zu vollführen. Sie werden dadurch die Vollendung dieses Baues feierlich verkünden. Sie werden dem neuerbauten Hause die volle Weihe verleihen. Sie werden aber auch, indem Sie die symbolische Arbeit der drei Hammerschläge leisten, der Arbeit jenen Tribut an Ehre zollen, welchen ihr auch der Höchste im Staate nicht versagen darf. Mir aber sei es vergönnt, mit dem von mir erwählten Meisterspruche zu schließen : Wer den wahren Sinn der Dinge will erschauen, Muß den Stein mit eigener Hand behauen!" Nach der Zeremonie der drei Hammerschläge hielt der Präsident des Kuratoriums, Oberrabbiner Dr. Güdemann, die Festrede, in welcher er zunächst der edlen Stifterin und aller Jener gedachte, die dieses schöne Werk fördern halfen und sodann in geistvoller Weise ausführte, daß das Heidentum das Recht der Kinder und der Waisenpflege nicht kannte, und erst dem Judentum es Vorbehalten blieb, diese humanen Prinzipien zur