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Die Wahrheit · 1904-11-11 · Heft 44 (11.11.1904) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 44 (11.11.1904)
Date
1904-11-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Die Wahrheit Nr. 44. :ette 8. rabbiners. 5. Ansprache des Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde. 6. Schlußchor, Psalm 113, Vers 22—24. 7. Bolkshymne. Wie». Sonntag, den 6. d. M. fand unter überaus zahlreicher Teilnahme das Leichenbegängnis des am 4. Mvember nach längerem Leiden verstorbenen Bethaus- und Chewra-Kadischa-Vorstehers, Herrn Adolf Rosenbaum, statt. Der Verblichene nahm vielfachen tätigen Anteil an dem jüdischen Vereinsleben in Wien und genoß Sympathien in den weitesten Kreisen. Auch der Tempelverein im VL Gemeindebezirke verliert an ihm ein opferwilliges und treues Mitglied. Unter den Trauergästen bemerkte man den ersten Vizepräsidenten der Kultusgemeinde Dr. Gustav Kohn mit dem Vertreter Ritter v. Goldschmidt, den Präsidenten der Cyewra Kadischa Salo Cohn mit dem Vizepräsidenten Doktor Spitzer und den Vorstehern Heit, Kann und Steiner, den Präsidenten des Mariahilfer Tempelvereines Baurat Fleischer, Bethausvorsteher Adolf Stiaßny, Abordnungen zahlreicher Vereine re. Im Trauerhause sprach Rabbiner Dr. Tagleicht, in der Zeremonienhalle am Friedhofe Oberrabbiner Dr. Güdemann. Die kantoralen Funktionen versah Oberkantor Singer unter Assistenz der ersten Kantoren Schiller und Blatt. An der Bahre sprachen noch Dr. Gustav Kohn namens des Bethausvorstandes, Dr. Spitzer namens der Chewra Kadischa, Sekretär Fleischer namens der österr. israelitischen Union und Herr Sonnenschein im Namen des Obmannstellvertreters Steiner und der Mitglieder der Bezirkskommission für Mariabils und Neubau. Wien. Montag, den 7. d. M. ist hier der ehemalige Neligionsprosessor und Bibliothekar der Wiener Kultus gemeinde, Herr Samuel Hammerschlag, im 79. Lebensjahre gestorben. In früheren Jahrzehnten, als der jüdische Religionsunterricht an den Mittelschulen noch nicht an den einzelnen Lehranstalten erteilt wurde, unterrichtete er in der Religionsichnle der Knltusgemcinde in der Seitenstcttengasse die Gymnasiasten, und eine große Zahl von Schülern, die sich zumeist in angesehenen sozialen Lebensstellungen befinden, wird dem dahingeschiedenen Lehrer ein treues Andenken bewahren. Der Verblichene war der Vater des Direktors des Giro- und Kaffenvereines Dr. Paul Hammerichlag, des Universitätsdozenten Dr. Albert Hammerschlag und des Rothschildschen Beamten Emil Hammerschlag. Das Leichenbegängnis fand Donnerstag, den 10. d. M. unter überaus zahlreicher Teilnahme statt. Die Trauer-Funktionen versahen Oberrabiner Dr. Güdemann, Rabbiner Dr. Schmiedl und Oberkantor Guttmann. Wie«. (Ch e w r a - K a d i s ch a.) In der Sitzung des Vorstandes der Chewra-Äadischa vom 8. November 1904 wurde einhellig beschlossen, das Vorstandsmitglied Herrn S. Heit in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste um die Chewra-Kadischa zum Ehrenmitgüede zu ernennen. Diese Ehrung eines Mannes, der seit Jahren im Mittelpunkte der jüdischhumanitären Bestrebungen steht, wird allgemein sympatisch ausgenommen werden. Wien. Der Minister des Aeußern, Graf Goluchowski, hat den Konzipisten zweiter Klasse, Herrn Phil. Dr. Arthur Goldmann, zum Konzipisten erster Klaffe im Haus- Hof- und Staatsarchiv ernannt. Wie«. (Eine Aktion für die russischen Flüchtlinge.) Die infolge der Kriegswirren gesteigerte unbeschreibliche Not unter der jüdischen Bevölkerung in Rußland hat in den letzten Monaten zu einem außerordentlichen Anwachsen der russisch-jüdischen Emigration über Wien geführt. In dankenswerter Weise hat die hiesige Israelitische Allianz eine Hilfsaktion zu Gunsten der Unglücklichen eingeleitet und seit mehreren Wochen ist das Bureau in der Weihburggasse täglich von Flüchtlingen überfüllt, denen in berücksichtigenswerten Fällen die Reisekosten nach den Vereinigten Staaten, Kanada, Argentinien ergänzt oder sonst Unterstützungen gewährt werden. Die Wiener Allianz ist auch bereits seit Monaten mit den verwandten Organisationen bezüglich einer systematischen Regelung der Auswanderung in Korrespondenz getreten und eine Verständigung dürfte in nächster Zeit erzielt werden. Der Verein hat sich gegenüber dieser jüngsten, durch so traurige Verhältnisse hervorgerufenen Bewegung, wie anläßlich der seit vier Jahren andauernden rumänischen Emigration aus der Höhe seiner Aufgabe erwiesen. Wie wir hören, hat die Allianz, obwol ihre neueste Aktion bereits größere Summen verschlang, von der Einleitung einer besonderen Sammlung Abstand genommen. Sehr vereinzelt finden sich Wohltäter, denen das Elend der dem Tode entronnenen Flüchtlinge ans Herz geht und die spontan dem Bureau (L, Weih bürg gaffe 10) Spenden zugehen lassen. Wie«. (Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten.) Der enorme Andrang von Knaben, welche sich aus allen Ländern der österr. ungar. Monarchie um Aufnahme an den Verein wenden und die bedeutenden Auslagen, welche die Bekleidung und Versorgung des dermaligen Standes von über 800 Zöglingen erfordern, haben den Vorstand des genannten Vereines zu dem Beschluffe genötigt, die Aufnahme von Knaben während der Monate Dezember und Jänner zu sistieren. Wie«. („T a l m u d-T Hora" Verein s-V o l k s s ch u l e, II., Malzgasse 16.) Der Vorstand des Talmud-Thoravereines versendet nachstehenden Ansrus: Euer Hochwohlgeboren! Der gefertigte Vorstand gestattet sich hiemit aus die seit mehr als 50 Jahren im II. Bezirke, Malzgaffe 16 bestehende Talmud-Thora-Bolksschule aufmerksam zu machen. Dieselbe wird von 260 Knaben, von denen an 270 den ärmsten Kreisen Wiens angehören, frequentiert. Der Talmud-Thoraverein leistet mit seinen geringfügigen Subsistenzmitteln das Atöglichste, um die armen hilfsbedürftigen Kinder sowol physisch als seelisch zu stützen und zu heben, um selbe einer menschenwürdigen Zukunft entgegenzuführen. Die Talmud- Thora-Bolksschule ist die einzige Schule in Oesterreich, welche ihre armen Schüler auch verpflegt und eine eigene Küche im Schulhause besitzt. Die Schüler erhalten während der Winterszeit ihren Mittagsusch im Turnsaal aus eigener Küche. Leider gestatten es die Mittel des Vereines nicht, allen armen Kindern, die zuhause keinen gedeckten Tisch finden, den Mittagstisch zu bieten; es können jetzt nur 85 Kinder diese Wohltat genießen. Der Talmud-Thoraverein hat es sich zum höchsten Prinzipe gemacht, in den jungen Seelen die heilige Idee des Judentums zu festigen und wahre Juden heranzuziehen. Aus diesem Anlasse wendet sich daher derselbe an Euer Hochwohlgeboren mit der ergebenen Bitte, der Schule irgend ein Scherflein, sei es an Barmitteln oder Naturalien zuwenden zu wollen, damit die armen Kleinen der rauhen Jahreszeit, die im Zuge ist, ohne Besorgnis entgegensetzen können. Für voraussichtlich einlausend" Spenden dankt im Namen der zu Beschenkenden der gefertigte Vorstand herzlichst und erlaubt sich zu bemerken, daß Naturalspenden im Schulgebäude des Vereines, II., Malzgasse 16, Geldspenden vom Vorstandsmitgliede Landesschulrat Dr. Gustav Kohn, I., Salzgries 9 bereitwilligst in Empfang genommen werden. Der geringste Jahresbeitrag beträgt 4 Kronen. Der Vorstand des Talmud-Thoravereines: Markus Bondi, Präses; David Kohn, Schriftführer. Wien. („E i n z e l v e r e i n Wien des Z i v n") Samstag, den 12. November, um a/28 Uhr abends, findet in Guths Saallokalitäten, II., Stefaniestraße 34, eine „Vorbesprechung zu den Knltusgemeindewahlen" statt. Referent: Herr Dr. S. Krenberger. Gäste herzlich willkommen. Wie«. (Litt er. Geselligkeitsverein j ü d. Mädchen „M o r i a". Sonntag den 13. d. M. wird ein Bortrag des Herrn Dr. B. Kurrein, über „Hej ermann's Judenstreich und Ghetto" stattfinden. Beginn präzise 3V2 Ühr nachm, im Kongreßsaale IX., Türkenstraße 9. Gäste herzlich willkommen. Wien. (Jüdischer M ä n n e r - G e s a n g v e r e i n „S ch i r- Zion", Wien.) Montag, den 7. d. M. hielt der Verein bei zahlreicher Beteiligung seitens seiner Mitglieder seine diesjährige Generalversammlung . ab. Obmann Dr. Poborski feierte vor allem in warm empfundener Rede, die die Anwesenden stehend anhörten, das Andenken Herzls, zu dessen Ehrung der Verein eine besondere Trauerkundgebung veranstalten wird, sowie sämtliche Mitglieder wieder zusammengetreten sein ivcrden. Die hierauf erstatteten Rechenschaftsberichte der verschiedenen Ressorts zeigen das stete Anwachsen des Vereines, trotz der außergewöhnlichen Schwierigkeiten, die sich demselben im vergangenen Jahre entgegengestellt haben, und berichten von dem großen Erfolg anläßlich der eigenen Liedertafel und der Mitwirkung bei der großen Wiener Makkabäerfeier. Bei der hierauf vorgenommenen Neuwahl konstituierte sich der Ausschuß wie folgt: Vorstand: Dr. Poborski; Vorstandstellvertreter: Sitzmann; Schriftführer: David, Dr. Wassermann; Kassiere: Loewy, Dr. Schalit; Sangesräte:' Ing. Fried, Dr. Liewer; Archivare: Dr. Jmmerglück, Löhner. Die Uebungen, die auch heuer jeden Mittwoch Punkt 8 Uhr abends im Vereinslokale IX., Türkenstraße 9 abgehalten werden, haben bereits begonnen. Neuanmeldungen werden jedesmal 1I2 Stunde vor Beginn der Proben entgegengenommen. Wien. (P r i v a t - R e l i g i o n s s ch u l e der A d a ß Israel, II., Negerleg asse 2.) Wir erlauben uns die p. t. Eltern aufmerksam zu machen, daß nur mehr wenige Plätze an unserer Anstalt frei sind und die Aufnahme ehestens geschlossen wird. Einschreibung: Sonntag 8-12 Uhr vormittags, Mittwoch 2—6 Uhr nachmittags. Für Knaben und Mädchen im Alter von 7—14 Jahren. Wien. Dienstag, den 15. November, 2 Uhr nachmittags, findet im Schifftempel die Trauung des Herrn David Wittmann, Sohn des bekannten Chasen Jecheskel Wittmann, mit Fräulein Lina Hirschler statt. Prag. Samstag, den 6. November, starb hier der allbekannte Ghettoschriftsteller, S. Kohn, Verfasser des „Gabriel" und vieler anderer Werke aus dem jüdischen Leben. Er war im Jahre 1825 in Prag geboren, ursprünglich Kaufmann gewesen und widmete sich, nachdem er sein Vermögen verloren hatte, erst in seinem 50. Lebensjahre dem schriftstellerischen Berufe. In der israel. Gemeinderepräsentanz, der er viele Jahre angehörte, vertrat er die orthodoxe. Richtung. Budapest. (Die Gabel'sche Methode.) Wir glauben im Interesse der Schule und der Lehrer zu Händeln, wenn wir nachstehendes interessante Dokument veröffentlichen, welches für die Methode des Budapester Kommunallehrers Julius Gabel glänzende Zengenschaft abgibt: Herr Koloman Szily, Generalsekretär der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, betraute G. damit, feine kleine Enkelin, die 5l.2iäl)rige Margit, Tochter des k. u. k. Kämmerers Böküffy Jmre, in die ersten Elemente des Lesens und Schreibens einzuführen. Die herzige Kleine, die keine Ahnung davon hatte, daß sie jetzt „lernt", gibt ihrer Freude über ihr „Großes Wissen" in folgenden charakteristischen Zeilen Ausdruck, die zu deutsch folgendermaßen lauten: „Lieber Onkel, ich kann nach sechs Stunden schon sehr gut schreiben und lesen. Meine Hand hat Niemand geführt. Margitka Beküssy." „Bestätigt von Koloman Szily m. p., Großvater der Margit Bökaffy. Budapest, 14. Oktober 1904." Bukarest. (Die Abordnung der Jassy er Juden beim Könige.) Anläßlich der der Abordnung der Jassyer Juden gewährten Audienz interessierte sich der König auch dafür, ob noch die „Gabela" (die von den Kultusgemeinden für Koscherfleisch eingehobene Taxe) existiere. Auf die verneinende Antwort der Delegirten erwiderte der . König, sie sollten Geduld haben, da mit der Zeit die Frage der Kultnsgemeinden ihre Lösung finden werde.

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