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Die Wahrheit · 1904-11-11 · Heft 44 (11.11.1904) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 44 (11.11.1904)
Date
1904-11-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 44. Die Wahrheit Leite 7. seit kurzer Zeit dargetan, die Uebertragbarkeit dieser Krankheit durch die Nahrung wird noch nicht von allen zugegeben und siehe da, das jüdische Gesetz, der modernen Wissenschaft um Jahrtausende voraneilend, enthalt in seinen Vorschriften diese prophylaktischen Maßregeln gegen die Tuberkulose." „Wenn unsere Schlachthäuser unter der Ueberwachung eines jüdischen Schächters stehen w ü r d e n, s o würde zweifellos die Zahl der Erkrankungsfälleverringert und die mittlere Lebensdauer verlängert werden. Anstatt von den Israeliten zu verlangen, daß sie auf die Unterscheidung von „Koscher" und „Trefa" verzichten, w ü r d e n w i r besser daran t u n, diesen Gebrauch von ihnen zu entlehnen," sagte Anatole Leroy-Beaulien. In ähnlicher Weise äußerte sich vor nicht gar langer Zeit der rühmlichst bekannte Prof. Dr. Adolf Baginsky, Direktor der Kaiser und Kaiserin Friedrich-Kinder-Krankenhauses in Berlin, in seinem Vortrage: „Die hygienischen Grundsätze der mosaischen Gesetzgebung". In demselben heißt es unter anderem: „Dieses Nahrungsgesetz, das nicht blos hygienisch im schroffen Gegensatz zum Moloch- und Baalkultus entstanden, äußert sich in vier Hauptkategorien: 1. Verbot des Blutgenusses: 2. Verbot gewisser unreiner Tiere; 3 die Berührung mit Kadavern — selbst Herd und Ofen, die mtt ihnen in Berührung gewesen, müssen niedergerissen werden und 4. Verbot des Genusses von gefallenen und zerrissenen Tieren. Die Bedeutung des Verbotes von Blutgenuß ist größtenteils kultisch, da es im Gegensätze zum Baaldienste, der in manchen Fällen sogar den Genuß von Menschenblut forderte, erlassen worden. Das Blut sühnt aus dem Altäre die Sünden. Nebenher ist Blut auch einer der wesentlichsten Momente zur Zersetzung und zur schädlichen Wirkung der Nahrung. Von den unreinen Tieren ist das Schwein zu einer besonderen historischen Bedeutung gelangt. Schon Plutarch und Manelho bezeugen, daß der Genuß von Schweinefleisch den Aussatz (Lepra) befördert und vermehrt. Es ist neuerdings festgestellt worden, daß auch bei Raben und vielen anderen der in der Bibel als unrein verbotenen Vögel sich ein trichinenähnlicher Filloriawurm im Blute befindet, der die schwersten Nierenerkrankungen hervorrnst. Unreine Fische, Mollusken und Kriechtiere sind, zumal in warmen Ländern, noch heute dieselbe Gefahr, wie vor Jahrtausenden, und aalartige Geschöpfe, sowie Austern, erweisen sich auch in unseren Gegenden als überaus gesundheitsschädlich. Es sei nur der gefährlichen Typhnskrankheiten gedacht, welche der Austerngenuß so oft im Gefolge hat u.s.w. Sehr bemerkenswert ist, daß das Fleisch über den zweiten oder dritten Tag hinaus verboten ist; eine prophylaktische Maßregel von allerhöchster Bedeutung. Erst die Forschungsergebnisse der allerjüngsten Vergangenheit über die Sepsis und Antisepsis lassen eine Fülle von Vorschriften der mosaischen Gesetzgebung in ihrer vollen, geradezu überwältigenden, großartigen Bedeutung erkennen" u. s. w. Diesen seinen herrlichen Vortrag schließt Baginsky mit folgenden bemerkenswerten Worten: „Dies ist im kurzen Abriß dasjenige, was ich als die hygienischen Grundzüge der mosaischen Gesetzgebung, soweit sie im. Pentateuch enthalten sind, Ihnen wiederzugeben vermochte. Wir haben gesehen, wie mit gewaltigem Zuge in voller, weiser Erkenntnis des ganzen menschlichen Wesens im Dekalog die Gesetze festgestellt sind, welche als ursprünglich hygienische, aus die Erhaltung der Menschheit bedachte, die Grundlagen der Ethik aller Kulturnationen geworden sind bis aus den heutigen Tag. Wir haben ferner gesehen, wie in spezielleren hygienischen Vorschriften, ohne die vorhergeschrittene Methode der entwickelten Naturwissenschaft, mit Rücksicht aus die Bedürfnisse der Menschen, die auf ihn wirkenden Ereignisse und Erscheinungen der umgebenden Welt, im wesentlichen in den Grundzügen aus das Gleiche hinauskommen, was wir heute als vollgiltig anerkennen müssen. Im einzelnen haben klimatische Abänderungen, neue Lebensgewohnheiten, vorgeschrittene Kenntnis und hochentwickelte Kultur geringe Abweichungen zugelassen; im ganzen ist des großen Gesetzgebers Gesundheitsgesetz wahr und bestehend geblieben, und wir bewundern, wie schon Peter Frank sagt, bisse auf dem biologischen und physiologischen Wesen der organischen Welt aufgebaute Gesetzgebung. Jahrtausende sind seither an der Menschheit vorübergegangeu, zerstreut und vernichtet ist die Mehrzahl der Völker, die das Gesetz nicht verstanden haben; erhalten blieben diejenigen, die des Gesetzes Fundamente erkennend, dasselbe in seinen Grundzügen ausgenommen und zur Grundlage ihres Daseins gemacht haben. Gesundheitspflege im großen erhabenen Styl des gewaltigen Gesetzgebers, Ethik und Kultur decken sich zumeist, sie sind die Erhalter des Menschengeschlechtes, Mäßigkeit und Reinheit im physischen Leben und Ethik und Moral sind die Ausflüsse desselben Intellekts, des Verständnisses der gesummten menschlichen Naturanlage. Wenn wir mit diesem Bewußtsein des Gesetzgebers Vorschriften lesen, so verstehen wir auch die Worte Deutoronomiums 32, 46, 47: ,Richtet euer Herz aus all die Worte, durch die ich heute Zeugnis ablege gegen euch, daß ihr auftraget eueren Kindern zu beobachten, auszuüben all die Worte dieser Lehre. — Denn es ist kein leeres Wort, sondern es ist für euer Leben und durch diese Sache werdet ihr lange leben aus dem Erdboden" — u. s. w. Ans diesen hier angeführten Aeußerungen hervorragender medizinischer Autoritäten ist klar und deutlich zu ersehen, daß nicht nur die ethischen, sondern auch die religiösen Gesetze und Vorschriften der Thora, die leider in unserer Zeit von so vielen Stammesgenossen als veraltet und unbrauchbar betrachtet werden, ewige Wahrheiten enthalten, die kein Fortschritt aus dem Gebiete der Wissenschaft zu erschüttern vermag, daß diese schönen Gesetze allein geeignet sind, das geistige und körperliche Heil und Wohl der Menschen aller Zeiten nach jeder Richtung zu fördern. Die Thora, die uns Moses gebot, ist ein ewiges Erbgut der Gemeinde Jakob," sie ist ein unzerstörbares Denkmal, das Moses errichtet und das den Stürmen aller Zeiten zu trotzen vermochte. Dieses Denkmal zu erhalten, haben unsere Ahnen stets als ihre erste und heiligste Pflicht erachtet. Sie haben ftir ihre Religion, für ihren Glauben gekämpft, mit ihrem Herzblute gekämpft, haben alles für den Glauben, nicht aber den Glauben für alles geopfert. Soll das Judentum fortbestehen, so müssen die Gemeinden vor allem dafür sorgen, daß die Kenntnis der Thora nicht aus ihrer Mitte schwinde. Wie will man die Bekenner des Judentums für das Judentum begeistern, für Zion erwärmen, wenn die zarte Jugend frühzeitig schon dem Judentum entfremdet wird. In den nichtjüdischen Schulen wird man doch nicht die jüdischen Kinder aneisern und anregen, ihr Judentum über alle Maßen zu lieben! Wenn die verschiedenen Nationen in unseren Staaten ihre Schulvereine haben, damit die Jugend nicht entnationalisiert werde, warum sollen wir Juden nicht unsere Talmud-Thora-Vereine, die sich Jahrtausende lang der schönsten Blüte erfreuten, zu erhalten suchen? Die angestrebten schönen Ziele des modernen Zionismus könnten nur dann erreicht werden, wenn man wieder konfessionelle Schulen zu gründen und das religiöse Leben in den Familien wachzurusen sich ernstlich bestreben würde. Ki mizion teze Thora udewar Adonai mijemscholajim. Verschiedene Nachrichten. Wien. (Vorträge aus jüdischer Geschichte.) Der Vorstand der Wiener israelitischen ftultnsgemeinde veranstaltet im Lause der Wintersaison, gleich wie im Vorjahre, im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereines. I., Eschenbachgasse 9. zwei Vortragszyklen aus jüdischer Geschichte, von denen der eine für Erwachsene, der andere für dee reifere Jugend bestimmt ist. Diese Vortrüge werden in der Zeit vom 1. Dezember bis anfangs März an Donnerstagen stattfinden. Das ausführliche Programm wird bekanntgegeben werden. Wien. (Waisenhaus für israelitische Mädchen, Charlotte Merores Jtzeles.) Die feierliche Schlußsteinlegung in dem Waisenhause der Charlotte Merores Jtzeles-Stistung in Wien, XIX, Bauernseldgasse, findet Dienstag, den 15. November 1904, 11 Uhr vormittags statt. Programm: 1. Präludium und Chor, Psalm 118, Vers 21 bis 28. 2. Verlesung der Schlußstein-Urkunde und Schlußsteinlegnng durch den Architekten. 3. Erteilung der Hammerschläge. 4. Festrede des Lber-

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