Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1904
- Issue
- Heft 44 (11.11.1904)
- Date
- 1904-11-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 44. Die Wahrheit Lette 5. seits, weil uad) den gemachten Ausführungen durch ein Verbot i des Schächtens ohne vorherige Betäubung des Tieres die reli-! giösen Satzungen der Israeliten kaum beeinträchtigt werden dürften. Der Landesausschuß des Landtages, welcher sich mit diesem Berichte zu beschäftigen hatte, stellt nun folgende Anträge: ..1. Die k. k. Regierung wird ersucht, bezüglich der Ausführung des Schächtens. beziehungsweise bezüglich Ausführungen von gewerblichen Schlachtungen ohne vorherige Betäubung des Tieres, ein V erb o t zu erlassen. 2. Der niederösterreichische Landesausschuß wird beauftragt, über das Resultat der diesbezüglich mit der Regierung zu pflegenden Unterhandlungen dem Landtage in der nächsten Session Bericht zu erstatten." Diese Anträge werden dem Landtage in seiner nächsten Sitzung! zur Beratung und Beschlußfassung vorliegen. Eine Millionenspende für das Spital der Wiener Knltnsgemeinde. Die Geschichte der Wiener Kultusgemeiude, die von so mancher hochherzigen Tat edelgesinnter Männer und Frauen belichtet, ist in den letzten Tagen um ein neues Ruhmesblatt bereichert worden. In der am 5. November ad hoc einberufeuen Plenarsitzung des Kultusvorstandes machte der Präsident, Doktor Alfred Stern, die Mitteilung, daß Herr Baron Nath aniel Rothschild zur weiteren Ausgestaltung des von seinem seligen Vater gegründeten Spitales den Betrag non zwei Millionen Kronen gespendet und dadurch die Möglichkeit geboten habe, daß dieses schöne Hans der Barmherzigkeit in weit ausgedehnterem Maße als bisher dem Heile und Wohle armer, leidender Glaubensgenossen dienen wird. Dem Danke des Kultusvorstandes wird sich gewiß die ganze Gemeinde anschließeu, aber den schönsten Dank würden wir darin erblicken, wenn das hochherzige Beispiel des edlen Spenders Nachahmung fände und durch weitere Widmungen seitens unserer mit Glücksgütern reich gesegneten Glaubensgenossen die Zukunft des Spitales sichergestellt würde, ohne das Budget der Kultusgemeinde in so hohem Maße zu belasten, als es unter den gegenwärtigen Verhältnissen der Fall ist. Im Nachstehenden der Bericht über die Sitzung: Der Präsident eröffnet die Sitzung und hält folgende Ansprache an die Versammlung: Es ist ein Akt Hochherziger Munifizenz, der mich veranlaßt, Sie heute ad hoc zu einer Plenarsitzung einzuladen, und ich entspreche hiedurch nickt einer bloßen Form, sondern einem tiefgefühlten Herzensbedürfnisse. Herr Baron Nathaniel Rothschild hat sich bewogen gesunden, zur vollen Ausgestaltung des von seinem Vater gegründeten und von ihm und seinen Brüdern erweiterten Spitales, beziehungsweise zur Fuudierung von 50 Betten, einen Betrag von K 2,000.000 zu spenden, mit der Maßgabe, daß diese Plätze zur Aufnahme zahlungsunfähiger Personen dienen sollen. Durch die Errichtung des chirurgisch-gynäkologischen Pavillons ist der Fassungsraum des Spitales aus 150 Betten erweitert worden, welcher Fassungsraum aber mangels der für den Betrieb erforderlichen Geldmittel nicht voll ausgenützt -werden konnte.! So geschah es, daß die edlen Intentionen, welche die Stifter bei der Errichtung jenes Pavillons leiteten, nicht in vollem Maße zur Ausführung kamen, daß ungeachtet wir alljährlich einen sehr bedeutenden Zuschuß aus Kultusgemeindenutteln dem Spitale leisteten, dennoch nicht wenige arme Personen, deren Ausnahme in das Spital ein Gebot der Notwendigkeit gewesen wäre, zurückgewiesen werden mußten. Von dieser Lachlage hat unser ausgezeichneter, hochverdienter Spitalsdirektor, Herr Hofrat Os er, Herrn Baron Nathaniel Rothschild Kenntnis verschafft und hat sich infolgedessen Herr Baron Rothschild zu jener hochherzigen Spende veranlaßt gefunden. Ich wollte Ihnen diese, für uns so hocherfreuliche Nachricht auch nicht, einen Tag vorenthalten und bringe sie Ihnen! zur Kenntnis, bevor die Angelegenheit zu einem formellen Ab-! Schluß gelangt, bevor das Vertreterkollegium sich, wie es statutengemäß erforderlich ist, mit dieser Angelegenheit befaßt und Ihnen einen konkreten Antrag zur Beschlußfassung vorgelegt hat. Getreu den Traditionen seines Hauses, mit jener Großzügigkeit, die alle seine Werke kennzeichnet, hat Herr Baron Nathaniel Rothschild durch seine neueste Tat dem Kranze menschenfreundlicher Werke seines Hauses ein neues unverwelkliches Blatt hinzugefügt. Ich bin überzeugt, in Ihrem Sinne zu handeln, wenn ich hier an dieser Stelle dem hochherzigen Spender den innigsten und tiefgefühltesten Dank der ganzen Gemeinde ausspreche, und! Sie sind gewiß damit einverstanden, daß das Präsidium der Kultusgemeinde diesem Danke entsprechenden Ausdruck gibt. (Allgemeine lebhafte Zustimmung.) Nachdem wir jetzt unserem Dankgesühle gegenüber dem hochherzigen Spender Ausdruck gegeben haben, geziemt es sich auch, jener Persönlichkeiten dankend und anerkennend zu gedenken, welche ihm bei der Durchführung dieses edlen Werkes zur Seite gestanden sind. Es ist dies zunächst der hochverdiente Direktor unseres Spitales, Hosrat Prof. Dr. Os er, dessen von hingebungsvollem Interesse für das Spital geleiteten Bemühungen in dem Spender den Gedanken au jene hochherzige Spende erweckten und diesen zur Tat reisen ließen, und wir können uns nur dem uneingeschränkten Lobe anschließeu, welchem der Zentraldirektor des Herrn Barons in dessen Namen in einem mir vorliegenden Briese an Herrn Hosrat O s e r in überaus warmen Worten Ausdruck gegeben hat. Unseren aufrichtigsten Dank verdient auch unser Kollege Emil Horner für seine mühevolle Mitwirkung, für seine hingebungsvolle Tätigkeit in dieser Angelegenheit. (Lebhafter Beifall.) Der Vorsitzende erteilt sohin Herrn Hosrat O s e r das Wort, welcher in kurzen Zügen über die Entwicklung der Angelegenheit berichtet und für die ihm ausgesprochene Anerkennung dankt. Herr Horner dankt für die ihn ehrenden Worte des Vorsitzenden. Schluß der Sitzung 7 Uhr^ abends. Dr. Kassriel Pessachsohns Bericht vom Gemeindekriegsschauplatze. Brünn, Ende Marcheschwan 5665. Hochzuverehrender Herr Redakteur! Vor allem nehmen Sie den untertänigst verbindlichsten Dank hin für das splendide Honorar von K 4.— (sage und schreibe vier Kronen ö. W.), das Sie mir siir meinen letzten Artikel vom Gemeindekriegsschauplatze zu senden die Güte hatten. ..Kein Tanz vor kein Essen," sagte meine selige Urgroßmutter. Sie hieß Fradl, obwohl sie nicht gerade in „Fraden" lebte und sich meistens von Kaffee ernährte. Aber Kaffee kostet auch Geld, und so ist das Lieblingssprüchwort der Gottseligen erklärlich. Sie ruht nun lange in Frieden, und wir, ihre Enkelkinder, müssen uns hier herumschlagen. Das ist das richtige Wort, aber, wie sagt irgend ein Dichter, dessen Namen ich vergessen habe, da ich leider schon an Gedächtnisschwäche laboriere (verzeihen Sie das harte Wort!), „die große Zeit findet eine kleine Generation" (sprich Scheneration)*), ich aber sage, das ist schon eine Descheueration.**) Ich bitte Sie, hochzuverehrender Herr Chefredakteur, da schlagen sich Russen und Japaner herum. Um was? frage ich Sie, um ein bischen Mandschurei (sie kann mir gestohlen werden), und um das elende Rattennest Port-Arthur. Steht dafür! Das kostet alles viel Geld und viele Menschen. Aber man muß sagen, die Leute sind bei der Sache. Ganz anders aus unserem Gemeinde- *) Warum nicht gar! Anmerkung des Setzers. **) Es heißt doch Degeneration. Anmerkung des Korrektors.