Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1904
- Issue
- Heft 43 (4.11.1904)
- Date
- 1904-11-04
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 43. Die Wahrheit Seite 9. Willigkeit, der Kommission beizutretey, befragt und daun ihre Namen ver-; öffentlich! werden. Dabei wurde darauf Rücksicht genommen, daß alle Krön- ■ länder vertreten seien. Der von Prof. Dr. Weiß ausgearbeitete Entwurf > einer Petition an die hohe Unterrichtsbehörde inbetreff der Rechtstellung der israelitischen Religionslehrer befindet sich bereits in Zirkulation bei | den Ausschussmitgliedern. Die nächste Ausschußsitzung ist für den 2. November festgesetzt. Wien. Dienstag den 1. November halb 5 Uhr abends fand im Josefstädter Tempel, VII., Nendeggergasse 12, eine solenne und würdige Trauerfeier für den vor kurzem verblichenen verdienstvollen Borsteher des Josefstädter Tempelvereines, Herrn Max Adle r, statt. Das Gotteshaus war in allen seinen Räumen dicht besetzt. Unter den zahlreichen Anwesenden sah man den Gesaiiimtvorstand des Tempelvereines mit dem Präsidenten Herr Adolf Beck, den Kultusvorsteher-Beirat Fleischer, den Präsidenten des Bethausvereines des IX. Bezirkes, Herrn Gottlieb Bettelheim. Wien. Der Mädchen- und Fraueiivereiii „Bikur Chaulinr- (Krankenbesuch) gibt bekannt, daß Sonntag, den 6. November, llA Uhr nachmittags, ein Vortrag des Herrn Dr. Heinrich Grün über „Berufskrankheiten" im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde, I., Seitenstettengasse, stattfindet. Gäste herzlich willkommen! Wien. . Die statutenmäßige ordentliche Generalversammlung des jüdischen Münnergesangvereines „Schir Zion" findet Montag, den 7. d. M., 8 Uhr abends, im Uebungslokalc, IX., Türkenstraße 9, mit nachstehender Tagesordnung statt: 1. Bericht des abtretenden Ausschusses: 2. Neuwahlen; 3. Eventualia. — Bom 10. d. M. an, allwöchentlich, Mittwoch, 8 Uhr abends, Uebnngsabend. Jedesmal 1/2 Stunde vor Beginn der Proben Aufnahme neu eintretender Sänger. Mähr.-Ostrau (Oderfurt). Die bereits in diesem Blatte angekündigte Elnweihung des nenerbauten Tempels in Oderfurt wurde gestern im Beisein des k. k. S t a t t h a l t e r e i r a t e s Spengler, des B ü r g e r m e i st e r s der Stadt Oderfurt samt Abordnung der Stadtvertreter, des Knltnsausschusses der isr. Kultusgemeinde M.-Ösirau mit dem Herrn Kultnsvorsteher Dr. Alois Hilf an der Svitze, der Herren Rabbiner Dr. Faerber und Kantoren Zemplrner - Witkovitz, Kläger und Goldmann-M.-Ostrau, Weiß-Friedek, Goldmann-Oderberg, der Beteranen und Feuerwehr der Stadt Oderfurt und vieler auswärtiger Gäste feierlich begangen. Programmgemäß versammelte sich das Publikum im alten Bethause, wo Rabbiner Dr. S p i r a den anwesenden k. k. Statthaltereirat und sämtliche Honorationeu begrüßte und eine Ansprache bezughabend auf das Scheiden aus dem alten Bethause hielt. Sodann reihte sich der Zug, um in den neuen Tenipel einzuziehen. Voran giengeu die Beterauen und Feuerwehr, sodann die Schulkinder und weiß gekleidete Mädchen, hinter ihnen das Baldachin niit den Trägern der Tborarollen, worauf alle Versammelten solgten. So langte, mau vor dem Tempel an. Dort begrüßte der Obmann des Tempelvereines, Herr Filipp Förster, die Erschienenen und lud Herrn Kultusvocsteher Tr. H i l s ein, den Schlüssel zu diesem Gebäude zu übernehmen. Nach einigen hübschen Worten des Frl. Königstein übergab Herr Dr. Hilf den Schlüssel dem Herrn Regierungsvertrcter, worauf der Tempel geöffnet wurde. Die Orgel präludierte, und als die große Menge, wobei mehr als die Hälfte der Gäste wegen Mangels an Raum keinen Einlaß gefunden, ihre Plätze eingenommen hatte, begann der Oberkantor der M.-Ostrauer Kultusgemeinde, Herr Moriz L ö w y, mit seiner wohlklingenden, mächtigen Stimme das Wajehi binsoa, worauf der M.-Ostrauer Chor unter Leitung seines trefflichen Dirigenten einen Chor anstimmte, der auf alle Anwesenden wirkungsvollen Eindruck machte. Die Gesetzesrolleu wurden in die prachtvoll beleuchtete Bundeslade gebracht, worauf Oberkantor L ö w y wieder unter Orgelbcgleitung einen Psalm und der M.-Ostrauer Chor den großen Ez chajim von weiland Sal. Sulzer in ausgezeichneter Weise zu Gehör brachte. Besonders gefiel dabei ein Solo, vorgetragen vom Kultusbeamten David Meisel. Nun folgte die Schlußsteinlegung mit den üblichen drei Hammerschlägen in folgender Ordnung: Rabbiner Dr. Spira, k. k. Statthaltereirat Spengler, der Bürgermeister der Stadt Oderfurt, Herr Kultusvorsteher Dr. Alois Hilf, Herr Förster, Herr Ing. Adler, Baumeister Sonnenschein und Herr Wechsberg. Nach dem Anzünden des ewigen Lichtes brachten der Kantor des Tempelvereines Herr S a g h e r und der dortige Chor einige Chöre und Solis zum Vortrage, die vielen Beifall fanden, und hierauf hielt Herr Rabbiner Dr. Spira die Festpredigt. Mit Absingung der Volkshymne, in welche die ganze Versammlung einstimmte, schloß die. schöne Feier. Budapest. (Reprüsentantenwahl bei der Pester israel. Religionsgemeinde.) Am Sabbatausgange war der große Saal der Pester israel. Religionsgemeinde gefüllt von der Elite der Gemeiudemitglieder, welche dem Rufe des Magnatenhausmitgliedes Alexander Hatvany-Deutsch de Hatvan folgend, sich im Prachtsaale der Gemeinde zu einer Konferenz eingefunden hatte. Herr von Deutsch begrüßte die Anwesenden und befürwortete ein einmütiges Vorgehen bei der morgigen Gemeindewahl und die Annahme der offiziellen Kandidatenliste Nach Beendigung der Rede des Vorsitzenden, die mit begeisterten Eljenrufen ausgenommen wurde, verlas Schriftführer Rosner die Liste der zu Wählenden, welche von den Anwesenden einstinnnig gutgeheißen wurde und die auch bei der Wahl glänzend gesiegt hat. Die Repräsentanz der Gemeinde bestand bisher aus 201 Personen. Laut dem neuen Statut besteht der Repräsentantenkörper der Gemeinde aus 241 Mitgliedern, welche eine sechsjährige Funktionsdauer haben. Alle drei Jahre scheidet die Hälfte aus, kann aber wieder gewählt werden. Wähler gab's diesmal 7175, von welchen kaum ein Siebtel, zirka 1000, ihre Stimme abgegeben haben. Eine sogenannte konservative Partei wollte Opposition machen, sich brachte es jedoch nur auf 40 Stimmen. — Das Wahlbeteiligungskomite tagte unter Vorsitz seines Präsidenten Paul Tencer von 9 Uhr früh bis 6 Uhr abends. Als gewählt erschienen: Dr Sigmund Adler, kön. Rat, Paul Auspitz, Philipp Back, Dr. Ludwig Ballai, Ministerialrat, Dr. Bola Bamberger de Balastya, Sigmund I. Barber, Dr. Johann Baron, Umversitütsdozent, Benedikt Baronyi de Csangöhstfalu, Dr. Julius Basch, Dr. Moriz Bauer, Ludwig Baumgarten, Leo Baumgarren, Max Beck üe Madaras, Ferdinand Beck de Madaras, Hofrat, Adolf Bergl. Max Bettelheim, Karl Biro, Adolf Blau, Dr. Max Bleyer, Jacob Boschan, Sigmund L. Breitner, Kommerzialrar, Leopold Bricht, Dr. Franz Chorin, Magnatenhausmitglied, Dr. Philipp Daroai, Dr. Sigm. Docsey, Kurialrichter und Senatsprüsident, Anton Deutsch, Edmund Brüll de Domonyi, Koloman Dosa, Emanuel Ehrlich, Samuel Eisler, Heinrich Fanto, Adolf Fenyvessy de Zala, Dr. Ludwig Fischer, Alexander Fleischt, Eduard Fleischman, Dr. Alexander Fleischmaun, Gabriel Forrai, Wilhelm Földiak, Dr. Alexander Fränkel, Adolf Freund, Wilhelm Freund de Töszeg, Dr. Wilhelm Fried, Eugen Friedländer, Wilhelm Fuchs, Dr. Karl Fülöp, Ladislaus L. Fürst de Maroth, Joseph Galitzenstein, Ignaz Gansl, Dr. Bola Gerber» Berthold Goldberger de Buda, Michael Goldmann. Karl Komperz, Max Goinperz, Dr. Julius Groß, Max Großmanu, Armin Grüufeld, Max Grüiifeld, Bernhard Grünwald, Ministerialrat, Dr. Marcell Hajdu, Dr. Friedrich Halaß, Jonas Händler, Wilhelm Heisler, Baron Leopold Moriz Herzog de Csete, Jacob Hirsch, Samnel Hoffmann de Bagujhely, Leopold B. Holitscher, Joseph Holstein, Anton Hönig, Joseph HüvöS de Botfa, Hofrat, Dav. Kallmann, Dr. Mor. Kürmann, Universitäts- Professor, Dr. Max Kelemen, Anton Kendi, Dr. Philipp Klein, Adolf Kleinmann, Dr. Adolf Kohner, Max Kramer, Samuel Kramer, Adolf Krauß, Ludwig Krauß de Megyer, kön. Rat, Sigmund Kornfeld, Magnatenhausmitglied, Moriz Kunstädter, Zvltan Ladäiip, Moriz Ledermann^ David Leitersdorfer, Moriz Lemberger, Moriz Lindenbaum, Dr. Samuel Löw, Joseph Lukacs de Szeged, Ignaz I. Mandl, Armin Messinger, Dr. Moriz Mezei, Jonas Moskovitz, Moriz Müller, Abraham Nagler. Dr. Armin Neumann, Hofrat und Reichstagsabgeordnerer, Mar Oesterreichsr, Dr. Adolf Onodi, Universitätsdozent, Wilhelm Ormödy de Ormöd, Dr. Julius Pataki, Sigmund Pinkas, Stephan Popper, Moriz Popper, Dr. Nikolaus Reich, Jacob Reich, Dr. Jacob Rott, Oßkar Rust de Rußt, Ignaz Salzer, Dr. Lä-zar Samuel, Armin Sandvr, Paul Sandor, Reichsragsabgeordneter, Ignaz Schlesinger, I. Schlesinger, Ignaz Schmidl, Dr. Jacob Schweller, Ignaz Schwarz, Simon Schwarz, Eduard Seniler, Jakob Simon, Dr. Jakob Singer, D. H. Spitzer, Dr. Samuel Steigenberger, Adolf Sternthal, Samuel Straffer, Bola Surany, Karl Sväb de Gavosdia, Magnatenhausmitglied, Max Szabolczi, Franz Szökely, Ludwig Szende, Paul Tencer. Alexander Touk, Emil Ullmann de Baranpavar, Ferdinand Vago, Dr. Sigmund Vidor, Dr. Soma Visontai, Reichstagsabgeordneter, Philipp Weiß, Dr. Jakob Weiß, Em. I. Weiß, Manfred Werß de Csepel, Jakob Weißkopf, Moriz Widder, Julius Winrerberg, Arthur Wodianer de Basarhely, kön. Rat, Dr. Wilhelm Wolf. Joseph Wolfner de Ujpest, Ludwig Wolfner de Ujpest, Joseph Zwack. 8. Frankfurt a. M. Der alte, seit dem 13. Jahrhundert benützte und im Jahre 1828 geschlossene Friedhof der israel. Gemeinde (am Börneplatz), mir seinen nahezu 6000 zum Teil gut erhaltenen Grabsteinen, gehört zu den historisch und künstlerisch wichtigsten Denkmälern unserer Vaterstadt und zu den bedeutsamsten der jüdischen Gemeinden der Welt. Herr Rabbiner Dr. Horowitz ließ vor 20 Jahren die Grabsteine mit einer Numerierung versehen und durch berufene Männer Abschriften der in hebräischer Sprache abgefaßten Inschriften anfertigen. Diese Abschriften sind in dem von ihm herausgcgebenen Buche „Inschriften des alten Friedhofes" veröffentlicht und bilden anerkanntermaßen wertvolle Dokumente unserer Frankfurter Geschichte. Nachdem durch die von Seiten der Stadt definitiv hergestellten Straßenanlagen das Fortbestehen des alten Friedhofes gesichert ist, hat der Vorstand der israel. Gemeinde die den Friedhof umgebende Mauer sowie die Wege ausbessern und den zu dichten, den Zutritt an manchen Stellen erschwerenden Pflanzenwuchs teilweise lichten lassen. Unter dem Ehrenvorsitz des Herrn Rabbiners Dr. H. Horowitz hat sich nun ein Konnte gebildet, um diese Stätte mit ihren zahlreichen und bedeutsamen Erinnerungen für die Zukunst zu erhalten. Schon sind von Nachkommen der auf dem Friedhofe Ruhenden Grabsteine renoviert worden, so daß der altehrwürdige Friedhof bereits den zahlreichen Besuchern von der Pietät des lebenden Geschlechtes Zeugnis ablegt. Um indessen dieses Werk fortzuführen, sind weitere Maßnahmen erforderlich. Es ist nun folgendes in Aussicht genommen: 1. Denjenigen, welche die Grabstätten ihrer Ahnen erneuern lassen wollen, bei der Ausführung behilflich zu sein. Das Konnte, in dessen Mitte sich Sachverständige befinden, wird bestrebt sein, jeden einzelnen Fall nach jeder Richtung hin im Sinne der Anforderungen der Denkmalpflege zu prüfen. 2. Grabsteine bedeutender Männer, deren Nachkommen nicht mehr festzustellen sind, sowie Grabsteine, welche einen kultur- und kunhistorischen Wert besitzen, zu renovieren und vor Verfall zu bewahren. 3. Ans Wunsch Abschriften in hebräischer Sprache und in deutscher Uebersetzung ansertigen zu lassen. 4. Inschriften von Grabsteinen, die noch nicht veröffentlicht sind, abschreiben und sämtliche Grabsteine mit neuen Nummern versehen zu lassen. Zur Ausführung dieses Vorhabens bedarf es größerer Geldmittel, zu deren Beschaffung das Konnte nicht allein alle Diejenigen auftuft, deren Ahnen auf dem Friedhofe ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, sondern es wendet sich auch an alle Kreise, welche der Erhaltung der vaterstädtischen Kunst- und Kulturdenkmäler Jntereffe entgegenbringen. Es ist zu hoffen, daß dieses Unternehmen mit Freude begrüßt, werden und auch die nötige materielle Unterstützung finden wird. Das Bureau des Komites, dessen Vorsitzender Herr Raphael M. Kirchheim ist, befindet sich Kluberstraße 20.