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Die Wahrheit · 1904-11-04 · Heft 43 (4.11.1904) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 43 (4.11.1904)
Date
1904-11-04
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 43. Schullehrer ihre Hüte abnehmen sollten, dem Unterrichte aber mit bedecktem Haupte beiwohnen können".*) Um diese eingetretene Wandlung zu begreifen, müssen wir die veränderte Stellung betrachten, welche die Juden seit dem Toleranzpatent Kaiser Josefs vom 13. Jänner 1782 zur Schulfrage einnahinen. Der damals plötzlich eingeführten Normalschule gegenüber verhielten sie sich ablehnend. Teils trug ihr geistiger Rückstand daran Schuld, teils eben auch der Zwang, mit dem ihnen diese Schule, die von einer Menge polizeilicher Maßregeln begleitet war, aufgebürdet wurde. Sie unterstand der Aufficht der Kirche. Das Olmützer Konsistorium bestimmte die Lehrer Brods. Diese glaubten sich von der Gemeinde, ihrem Brodherrn unabhängig und führten, gestützt auf behördlichen Schutz, ein Aergernis erregendes, irreligiöses Leben. So soll dem Lehrer Bruchstein nachgewiesen worden sein, daß er in die Tephillin statt der Pergamentrollen Karten legte, woraufhin ihn der Vorsteher ans dem Tempel wies. Die Kündigung mußte später infolge eines Rekurses widerrufen werden. Sein Nachfolger, Herz Fuchs, zeigte die Gemeinde bei dem Inspektor wegen lässigen Schulbesuch an, der ihr eine Rüge erteilte.**) Die Abneigung gegen die Lehrer wurde auf die Schule übertragen. Nur durch Gewährung von Konzessionen, wie die Erlaubnis der Benützung der Schulräume für den hebräischen Unterricht, der auch von öffentlichen Lehrern erteilt wurde, durch Erleichterungen und Schonung des Ueberkommenen, wie Beibehalten der Kopfbedeckung beim Unterrichte, sollten sie eingelockt werden. (Fortsetzung folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien. Freitag-Abend, den 4. November, Predigt im Leopoldstädter Tempel. Wien. (Zu den bevorstehenden Kultuswahlen.) In einer zahlreich besuchten Versammlung der Gewerbetreibenden am 30. v. M., zu welcher sich auch sehr viele Gäste einsanden, entwickelte der Vorsitzende, Herr S. Brod, ein ausführliches Programm über die Stellungnahme zur Kultuswahl. Dasselbe wurde mit wiederholtem, allgemeinem Beifalle ausgenommen und wird auf vielseitigen Wunsch an anderer Stelle noch ausführlich besprochen und gewürdigt werden. Vorerst lenkte der Vorsitzende die Aufmerksamkeit der Zuhörerschaft auf die Vorgänge im Landtage bezüglich der Schulfrage und erklärte, mit allem denkbaren Nachdrucke gegen jede Abänderung der Schulgesetze auf rückgängiger Basis und zum Nachteile der gewerblichen Jugend geeigneten Ortes Vorstellungen zu erheben. Nachdem erfreulicherweise in der ganz letzten Zeit sich in gewissen jüdischen, öffentlichen Kreisen Interesse für die gewerblichen Verhältnisse und für die wirtschaftliche Misere in den verschiedensten Berufsarten kundgegeben, so erachtete es der Vorsitzende für seine Pflicht, vor dem Eintritte in die Tagesordnung folgende Frage in Erwägung zu ziehen: „Was haben die israelitischen Gewerbetreibenden in der Zeit des erbitterten, wirtschaftlichen Kampfes, der in unserer Stadt gegen dieselben geführt wird, zu ihrer Erhaltung und zu ihrem ferneren Bestände unternommen und ausgerichtet?" *) Auf der in Brünn im Jahre 1864 tagenden Rabbinerversammlung wurde der Antrag Lippschütz, bedeckt zu sitzen, aus Rücksicht gegen den anwesenden Regierungskommiffär abgelehnt. Als ich im Jahre 1875 in Berlin war, sprach man in den jüdischen Gelehrtenkreisen davon, daß Emanuel Löw sich dem Auftrag des Talmudgelehrten Dr. Levi, beim Unterrichte den Kopf zu bedecken, widersetzte. Heute betet er mit dem Tales über dem Kopf. Der Antrag Chorins, bloßköpfig zu beten, fand nur am Berliner Reformtage Anklang. Bekanntlich kommt der österreichische Kaiser jedem ihn begrüßenden Rabbiner mit den Worten zuvor: „Bedecken Sie nur." **) Anerkennt doch jede Gemeinde die Wohltat, welche ihr das väterliche Herz Sr. Majestät durch die Einführung des deutschen Schulunterrichtes zugewendet hat. Dieser erhabene Landesvater, der seine gesamten Untertanen mit gleicher Huld und Liebe umfaßt, wünscht: daß die Reste der einst berühmten, ehrwürdigen israelitischen Nation durch den deutschen Schulunterricht aus der Dunkelheit, in der sie Jahrhunderte lang schmachteten, hervorgezogen, zu klugen, tätigen, überall brauchbaren Staatsgliedern gebildet werden. Doch leider! Das Auge des Menschenfreundes trübt sich und füllt sich mit Wehmut, wenn es nur einen flüchtigen Blick auf die Broder israelitische Gemeinde hinwirft. Hier wird der väterlichen, hochsinnigen Absicht des Monarchen, der dafür gesegnet werden sollte, frevelhaft entgegengearbeitet; das deutsche Schulwesen als ganz entbehrlich, überflüssig verschrien; die Jugend vom Schulbesuche unter mancherlei Borwänden abgehalten, die Eltern der Ausbleibenden nicht zur Rechenschaft gezogen. Wahrlich ein höchst betrübender und selbst den Vorstehern der Gemeinde, die für diesen Uebelstand Gott und dem Kaiser verantwortlich bleiben, nicht zur Ehre gereichender Zustand! gggjgggg In hochinteressanter und ausführlicher Weise schritt Herr Brod an die Beantwortung dieser Frage, wie die Gewerbetreibenden sich unter der Fahne „Selbsthilfe" geeinigt, wie sie sich geistig und materiell gegenseitig unterstützt, Ausstellungen inszeniert, an allen wirtschaftlichen Fragen, die Stadt und Staat betreffen, sachlichen Anteil genommen, wie ihre fachlichen Vorträge von allen Kreisen der Residenz mit Vorliebe besucht und wie sie es endlich durch ihre ausgesührten Meisterwerke bewiesen haben, daß sie an Tüchtigkeit, Geschmacksrichtung und Kunstsinn den andersgläubigen Berussgenossen durchaus nicht nachstehen. Die Gewerbetreibenden halten sich für berechtigt, anläßlich der Kultus wähl zu verlangen: 1. Daß die Kultusgemeinde bei Vergebung öffentlicher A rb e it en mit Rücksicht aus die heutigen traurigen Verhältnisse nur Steuerträger berücksichtige. 2. Daß das bis heute schroffe Verhältnis zwischen der Gemeinde und dem Gewerbestandc einem leutseligeren Platz mache. 3. Daß Ofsertverhandlungen bei Arbeitsvergebungeil nur auf einheitlicher Basis vorgeuommen werden und nach Einlaugen der Offerte Unterhandlungen nicht Raum gegeben werden dürfe, und endlich 4. Daß, so wie heute in jedem Verwaltungskörper auch Männer .der Arbeit vertreten.sind, auch im Kultusvorstande ein bis zwei vom Vertrauen der Gewerbekreise beseelte Männer Platz finden mögen. Nachdem nun die Herren Baurat W i l h e l m S t i a ß n y, Bezirksschulrat Dr. Marcus Spitzer und Sigmund K a u d e r s . unter allgemeinem Beifall ihre Kandidaturen behufs Wiederwahl angemeldet, sprachen in fesselnder Weise die Herren Architekt Marmorek, Dr. Liftschitz, Baumeister Schwadron, Baum, Dr. Weisengrün, Morgenstern, Dr. Kraus, Jgn. Löwy, Plaschkes und mehrere andere. Vorstandsmitglied Neubrunn brachte gemeinsam mit dem Stadtbanmeister Schwadron einige;; sachliche Beschwerden gegen den gegenwärtigen Modus der Arbeitsvergebung vor und schlug Ersterer in seinen Ausführungen die Kandidatur des Präsidenten S. Brod für den Kultusvorstand vor. Da sich derselbe jedoch in ausführlicher aber entschiedener Weise gegen die Annahme einer solchen Kandidatur aussprach, empfahl Herr Neubrunn die Kandidatur des Vorstaudsinitgliedes S. Steiner, Tonwarensabrikant, I., Bellariastraße 6, der jedoch nur dann sich bereit erklärte, wenn die offizielle Liste ihn ebenfalls aufstellt. Um ^/g12 Uhr schloß der Vorsitzende die ganz besonders animierte Versammlung. Wien. (Donau-Klub.) Samstag, den 5. November 1904, präzise 1j2S Uhr Abends findet im Festsaale des Hotel Central (vormals „Weißes Roß"), II., Taborstraße 6, I. Stock, eine Plenarversammlung des „Donau-Klub" mit folgender Tagesordnung statt: 1. Der niederösterreichische Landtag und die Schule, besprochen vom Reichsratsabgeordneten Dr. Ludwig Vogler. 2. Kommunale Angelegenheiten, besprochen von Mitgliedern des fortschrittlichen Parteiverbandes im Wiener Gemeinderate. Die geehrten Mitglieder, Freunde, und Gäste des Donau-Klub, sowie deren Damen werden zur Teilnahme an dieser Versammlung höflichst eingeladen. Der Obmann: Wilhelm Stiaßny. Der Obmann-Stellvertreter: Leopold Quiex. Wien. Vorige Woche ist hier der türkische Großhändler und Seniorchef der Firma Gebrüder Adutt, Herr Gabriel H. A d u t t, nach längerer Krankheit im Alter von 72 Jahren gestorben. Der Verblichene, an dessen Bahre die tiefbetrübte Gattin, der einzige Bruder und viele Verwandte trauern, war ein vornehmer, edler Charakter, ein Mann von seltener Herzensgüte und ein wahrer Vater der Armen und Bedrängten. Das Leichenbegängnis, an welchem außer den Familienmitgliedern der Präsident der Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern, fast die gesamte türkische Gemeinde mit dem Vizepräsidenten Licco A d u t t. der Vorsteher der Chewra-Kadischa Licco M. R u s s o, Herr Markus M. R u s s o und zahlreiche andere Trauergäste teilnahmen, gab Zeugnis von der Verehrung, die der Verblichene in weitesten Kreisen genoß. Die liturgischen Funktionen versah Oberkantor Bauer unter Assistenz des Chores und Rabbiner P a p o hielt dem Dahingeschiedenen einen warmen Nachruf, "-'s'-''" Wien. Dienstag, den 1. 307., fand im Saale des Hotel Guth die Trauung des Herrn D. R u d o l s e r, Rabbiner in Amstetten, mit Fräulein Sidonie P o l l a k, Tochter des sel. Rabbiners Polluk, statt. Zu dieser Feier hatte sich ein zahlreiches Publikum eingefunden. Man bemerkte den I. Vizepräsidenten der Kultusgemeinde, Dr. Gustav Kohn, den Vorstand der Gemeinde Amstetten, Lektor Friedmauu, Professor Dr. Büchler, Kustos Dr. Frankfurter, die Rabbiner Dr. Feuchtwang, Dr. Bach, Dr. Grunwald, Reich, Dr. Lazarus aus Göding, Sekretär Dr. Adler^ Inspektor Prof. Kanitz, Prof. Dr. Weiß, die Oberkantoren Singer und Bauer, Adjunkt Freistadtl, Sekretär Fuchs, Kantor Jellinek aus Oberhollabrunn u. v. A. Als Beistände fungierten Frau Dr. Bloch, Frau Rabbiner Pollak, sowie der Onkel der Braut Ezechiel Pollak und Prof. Dr. Pollak. Das „Bedecket nahm der Onkel des Bräutigams Bezirksrabbiner Marmorstein aus Szenitz vor, während den Trauungsakt der Vater des Bräutigams Rabbiner Rudolser aus Hotzenplotz vollzog. Die kantorale Funktion versah Oberkantor Heller aus Brünn in ausgezeichneter Weise. Wien. Der Ausschuß des Verbandes der israelitischen Religionslehrer an den österreichischen Mittelschulen hielt am 23. Oktober d. I., unter dem Vorsitze des Obmannes, Herrn Rabbiner Dr. Feuchtwang, seine erste Sitzung im neuen Schuljahre ab. In dieser wurde die Frage der Feststellung eines einheitlichen Lehrplanes beraten und der Modus vereinbart, wie diese Frage einer glücklichen Lösung zugesührt werden könne. Es wurde beschlossen, daß außer den Ausschußmitgliedern eine Anzahl hervorragender Fachmänner aus Wien und aus der Provinz, sowie Vertreter der ansehnlichsten Gemeinden zur Mitwirkung eingeladen werden sollen. Die vorgeschlagenen Fachmänner werden zunächst um ihre Bereit- N willst öffent lande einer der ii den i vemb Joses Traui Joses war weser Präs! Präsi (Kran uachn krank stettei jüdisc 8 Uh Tage wähl! 8 Uh Prob ki'mdi im l Bür treter Hern bin er Gold und; begai hause und j das um Feuci ihnen samm IGebä überc Mem kanto änstir Gesej wora der 3 in au vorgc steinl Rabb der Herr dem Herr trage S p i ganzt gerne Relic dem Hatv gefuu worb die 9 des ' Verla Anw fltänj 2013 Gern habei werd 1000 wollt Das

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