Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1904
- Issue
- Heft 41 (21.10.1904)
- Date
- 1904-10-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 41. Die Wahrheit Leite 5. Verewigten im Sitzungssaale der Gemeinde das Andenken des Verstorbenen dauernd ehren. Am 21. August 1904 starb hochbetagt Frau Regine Wertheimber, welche sich in ihrer Eigenschaft als Ehrendame des L. D. Königsbergschen Mädchenerziehungsinstimtes und als Vorstandsmitglied mehrerer Wohltätigkeitsinstirutionen große Verdienste erworben hatte. Sie haben durch Erheben von den Sitzen Ihrer Teilnahme Ausdruck gegeben und werden diese Trauerkundgebungen dem heutigen Protokolle einverleibt werden. In der letzten Plenarsitzung vom 26. Juni 1904 wurde beschlossen, an die Stadtgemeinde Wien das Ersuchen zu richten, bei der projektierten Durchführung des Straßenzuges Fleischmarkt-Sterngasse wegen Ankaufes der an den rückwärtigen Teil des Hauses I., Seitenstettengasse 4 anstoßenden Bauparzellen mit der Kultusgemeinde Verhandlungen zu pflegen. Hierüber wurde seitens des Magistrates mit Note vom 11. August 1904 mitgeteilt, daß auf Grund des Stadtratsbeschlusses vom 4. August 1904, die Gemeinde nicht in der Lage sei, Verhandlungen wegen der an die Realität O.-Nr. 4 Seitenstettengasse angrenzenden Grundteile einzuleiten. In Angelegenheit des Leichenwesens wurde seitens der Statthalterei eine wichtige Entscheidung getroffen, lieber von unbekannter Seite erstattete Anzeige wurde der frühere Präsident, kaiserl. Rat Heinrich Kling er, vom Magistrate wegen unbefugten Betriebes der Leichenbestattung zu einer Geldstrafe von K 200.— verurteilt. In Stattgebung des seitens der Kultusgemein« e eingebrachten Rekurses hob die Statthalterei dieses Erkenntnis wegen Mangels eines strafbaren Tatbestandes aus, mit der Motivierung, daß in der Leichenbestattung nur die Erfüllung einer der Kultusgemeinde statutarisch obliegenden Verpflichtung liege, daß aber darin ein gewerbsmäßiger Betrieb seitens der Kultusgemeinde umsoweniger erblickt werden kann, als nicht ein auf Gewinn abzielendes Unternehmen vorliegt. Tatsächlich werden die aus dem Friedhofswesen entspringenden Ueberschüsse unserem Armenbudget zugeführt. Die Kultusgemeinde Floridsdorf hatte, wie verlautete, die Absicht, in letzter Zeit Neuanstellungen, sowie Erhöhungen der Bezüge von Angestellten vorzunehmen. Angesichts der eventuell bevorstehenden Einverleibung der Gemeinde Floridsdorf in die Gemeinde Wien und der hieraus folgenden Vereinigung der Kultusgemeinde Floridsdorf mit der Kultusgemeinde Wien, wurde an die Floridsdorfer Kultusgemeinde ein Schreiben des Inhaltes gerichtet, daß im Falle der Einverleibung die von der Kultusgemeinde Floridsdorf zu übernehmenden Lasten auch durch die von ihr herrührenden Einnahmen gedeckt werden müßten, eventuell würde beim Ueberwiegen der Lasten, insbesondere wenn diese durch Beschlüsse der letzteren Jahre hervorgerufen worden sein sollten, durch eine entsprechende Aufteilung derselben auf die Mitglieder der Floridsdorfer Kultusgemeinde, ein Ausgleich herbeigeführt werden müssen. Auf diese Zuschrift ist eine Antwort bisher nicht eingelangt. In der Plenarsitzung vom 29. Mai 1904 hat der Vorstand den Beschluß gefaßt, den bisher dem Ottakringer Tempel zugewiefenen I. Kantor Don Fuchs zur alternierenden Vertretung des Oberkantors Singer und des I. Kantors Schiller dem Stadttempel ohne Präjudiz für die Zukunft, zur Besetzung der Oberkantorstelle, die auch gegenwärtig nicht frei ist, zuzuweisen. In Durchführung dieses Beschlusses versieht 1. Kantor Don Fuchs im Stadttempel gottesdienstliche Funktionen an Freitag-Abenden und Samstagen, überdies versah er die Mussaph-Funktionen am zweiten Tage Rosch-Haschonoh, am zweiten Tage Sukkoth und am Simchath-Thora. Im Ottakringer Tempel hatte die Versetzung des I. Kantors Don Fuchs, beziehungsweise der Umstand, daß für denselben bis zu den hohen Feiertagen nicht in definitiver und den Wünschen der Bezirkskommission entsprechender Weife vorgesorgt wurde, die Demission von sieben Mitgliedern der Bezirkskommission zur Folge gehabt. Ich gebe der Hoffnung Ausdruck, daß diese Herren dem an sie gerichteten Ersuchen, von ihrer Entschließung Abstand zu nehmen, im Interesse der Gemeinde entsprechen werden. In der Plenarsitzung vom 26. Juni 1904 wurde über Antrag des Vertreterkollegiums ein Kredit von K 5000.— für die notwendig gewordene Restaurierung des Ottakringer Tempels bewilligt. Die Renovierungen wurden durchgesührr und betrugen die Gesamtkosten K 5488-59. Die sich ergebende Ueberschreitung unterliegt Ihrer Genehmigung. Wie alljährlich fanden im heurigen Jahre anläßlich des Geburtsfestes Seiner Majestät des Kaisers feierliche Gottesdienste in den Gemeindebethäusern statt. Ein Blättchen brachte bei diesem Anlasse einen von einem „Anonymus" eingesendelen Artikel, in welchem unter Schmähungen einzelner Funktionäre der Kultusgemeinde behauptet wurde, daß in einzelnen Gemeindebethäusern der Gottesdienst nicht oder in einer nicht entsprechenden Weise stattgefunden habe. Demgegenüber ist zu bemerken, daß in allen Gememdetempeln, mit Ausnahme von Ottakring, die Feier, und zwar in überaus würdevoller Weise abgehalten wurde; in Ottakring konnte eine Feier deshalb nicht stattfinden, weil im Tempel Renovierungen vorgenommen wurden. Angesichts des Umstandes, daß das in Rede stehende Blättchen fast ganz unbekannt ist, wurde von einer Berichtigung Abstand genommen. Zur Neuwahl. In Angelegenheit der Vorstandswahlen habe ich Nachstehendes zu berichten: Zum Austritte gelangen die folgenden von der Gesamtheit der Wühler gewühlten Herren: Theodor Ritter von G o l d s ch m i d t, Moriz H i r s ch, Emil Horner, Sigmund Kanders, Dr. Markus Spitzer, Wilhelm Stiaßny. Für die genannten Herren haben Neuwahlen mit sechsjähriger Mandatsdauer stattzufinden, desgleichen für den vor Ablauf seines Mandates aus dem Vorstände geschiedenen Herrn Isidor G e w i t s ch und für den verstorbenen Herrn Arthur Edlen von Mises. Ersatzwahlen haben stattzusinden für den vor Ablauf seines Mandates aus dem Vorstände geschiedenen Präsidenten, kaiserl. Rat Heinrich Kling er, mit zweijähriger Mandatsdauer und für den verstorbenen Herrn Heinrich Teltscher mit vierjähriger Mandatsdauer. Von den nachbenannten von der höherbesteuerten Kurie Gewählten sind vier Herren auszulosen, für welche Neuwahlen mit sechsjähriger Mandatsdauer vorzunehmen sind: Rudolf Auspitz, M. B. Eißler, David Ritter von G u t m a n n, Moriz Edler von K u f f n e r, Wilhelm K u f s n e r, Dr. Arthur K u r a n d a, Leopold von Lieben, Theodor Ritter von Taussig. Die Auslosung wird in der heutigen Sitzung vorgenommen werden. Die Tempelvereine im X. und XX. Bezirke haben um Einsetzung spezieller Wahlkommissionen für ihre Bezirksteile an- > gesucht. Diesem Ansuchen kann nicht entsprochen werden, eineri seits mit Rücksicht auf die nahezu vollständige Fertigstellung der Wahldrucksorten auf Grundlage der früheren Einteilung, andererseits, weil die Wählerzahl der betreffenden Bezirksteile mit je 220 eine zu geringe ist, und gegenüber der großen Wählerzahl von zirka 16.000, die Einsetzung eigener Wahlkommissionen nicht zu rechtfertigen wäre. Die Wahlen für die allgemeine Kurie sind für Sonntag, den 27. November, die eventuell engeren Wahlen für'Sonntag, den 4. Dezember 1904 anberaumt. Die Wahlen für die Kurie der Höherbesteuerten finden am 9., die eventuelle engere Wahl am 12. Dezember 1904 statt. Betreffs des finanziellen Ergebnisses des heurigen Jahres bis Ende September im Vergleiche zu derselben Periode des Vorjahres ist hervorzuheben, daß das Konto Kultussteuer und Jmmatrikulationsgebühren ein Plus von im ganzen X 4452.— gegenüber dem Vorjahre aufweist, welches Ergebnis im Verhältnisse zu dem präliminierten Betrage als nicht günstig bezeichnet werden muß. Das Konto „Betsitze in den Gemeinde- > rempeln" weist ein Minderergebnis von K 8473.50 aus, was