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Die Wahrheit · 1904-10-14 · Heft 40 (14.10.1904) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 40 (14.10.1904)
Date
1904-10-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 40. Die Wahrheit Seite 7. Die Bibel ist durchaus nicht das konfuse Buch, zu dem es erst infolge einer verkehrten wisfenschaftlichen, oder eigentlich unwissenschaftlichen Methode, die die älteren Auslegungen und die Bibelübersetzungen nicht berücksichtig:, gestempelt worden ist. (Fortsetzung folgt.) Rabbi Mark Händler. Von einem bewährt treuen Diener des Herrn, einem seelenguten, bescheidenen und verdienstvollen Manne, der in wenigen Tagen auf eine 40jührige Amtstätigkeit als Rabbiner zurückblicken wird, sollen diese Zeilen Kunde geben, von dem in weiteren Kreisen sowohl durch seine hervorragende Persönlichkeit wie durch seine verschiedenen Publikationen wohlbekannten Rabbiner der altehrwürdigen Jsraelitengemeinde in Totis, Rabbi Mark Händler. Seine Gemeinde, sowohl wie auch seine Familie, Schüler und Verehrer rüsten sich den 18. Oktober«, c. als Ehrentag des Jubilars zu feiern. Als bleibendes und literarisch wertvolles Ehrenzeichen für den Jubilar erschien soeben unter dem ungarischen Titel „llndilaris emlekmü" ein stattliches Werk, redigiert vom Lugoser Oberrabbiner Dr. Simon (Händler) Hevesi und herausgegeben von dessen Bruder, dem Lugoser Advokaten Dr. R u d o l f H a n d l e r, beide Söhne des Jubilars. Ans dem reichen Inhalte des mit dem Bilde des Jubilars geschmückten Jubilüumsbuches sei hier nur hervorgehoben: Ein „Rückblick" „Visszapillantas" aus der Feder Dr. Rudolf Händlers, in dem er ein zwar kurz gehaltenes aber sehr schwungvoll dargestelltes Lebensbild des Jubilars bietet. Rabbi Mark Händler, früher Rabbiner in den Gemeinden Siofok, Aszod, Heves und derzeit amtierend in Totis, ward am 19. Mürz 1840 in Nemes-Bikk als jüngster Sohn sehr frommer und angesehener Eltern geboren. Außer einer gründlichen, durch Vater und Hauslehrer gebotenen hebräischen und talmudischen Ausbildung erhielt der kleine, frühzeitig schon seine hervorragende Begabung bekundende Knabe eine solche in weltlichen Lehrgegenständen in der calvinischen Schule seiner Heimat, die er täglich zwei Stunden besuchte und woselbst er sich eine geradezu glänzende Beherrschung der ungarischen Sprache aneignete. Mit 12 Jahren bezog er die Jeschiba in Saly, bald kam er zu dem Szabadkaer Rabbiner H i r s ch l L i p p m a n n, in dessen Haus er fünf Jahre als bevorzugter Lieblingsschüler lebte. 1860 bezog er die berühmte Preßburger Rabbinerschule, woselbst er durch Fleiß und umfangreiches Wissen bald die Aufmerksamkeit des K'thab Sofer auf sich lenkte, der ihn sehr auszeichnete. Seinen Lebensbedarf deckte Händler in Preßburg durch Erteilen von Unterricht vornehmlich in ungarischer Sprache. Er fungirte als ungarischer Privatlehrer auch im Hause des damaligen Vorstehers Pappenheim und auch als Übersetzer aller an Rabbinat und Vorstehung gerichteten ungarischen amtlichen Zuschriften. 1863 noch Schüler des berühmten R. Joel Ungar, ward er 1864 in Siofok, 1866 in Aszod zum Rabbiner gewählt. Hier erregte seine am 19. Jänner 1868 aus Anlaß der Emanzipation vor einem überaus vornehmen Publikum gehaltene ungarische Predigt — vielleicht die erste im Ungarn jener Zeit — bedeutende Sensation und brachte dem vielbewunderten Redner mannigfache Ehrungen. Sein Ruf als Gelehrter wie ungarischer Kanzelredner veranlaßte 1870 die Heves er Gemeinde, ihm das dortige Rabbinat zu übertragen, das er 12 Jahre lang mit Eifer und Erfolg bekleidete. Hier verfaßte er auch seine „Wejabinu bamikra' betitelte hebräische Grammatik in ungarischer Sprache, die lange Zeit an den israel. Schulen in Budapest, Baja, Erlau, Preßburg, Großwardein, Temesvar usw. mit ausgezeichnetem Erfolge in Verwendung stand. Seit dem 13. September 1881 wirkt Rabbi Händler in Totis als eifriger, begeisterter Förderer ebenso wahren, edlen Judentums wie patriotischen Ungartums, dessen Sprache er meisterhaft beherrscht und weshalb seine Predigten, besonders bei patriotischen Anlässen, auch zahlreiches, nichtjüdisches Publikum in die Synagoge führen. Viele dieser Predigten, wie auch eine Sammlung von nach den Wochenabschnitten der Thora geordneten Trauungsreden sind in mehreren Austagen in Druck erschienen und haben weite Verbreitung gefunden. Von der Liebe und Verehrung, die den nun seit 23 Jahren in Totis wirkenden Jubilar daselbst umgibt, zeugen die ehrenvollen, von dem Vizepräsidenten, Herrn Jakob Schwarz, unterfertigten Ausführungen, die die Totiser Jsraelitengemeinde ihrem Rabbiner in dem Jubiläumswerke widmet. Hieran reiht sich der Wiederabdruck dreier meisterhafter Predigten des Jubilars, die sowohl an Gedankentiefe wie schwungvoller Sprache Bewunderung erregen. Der Oberrabbiner von Debrezin, Herr W. Krauß, widmet seinem jubilierenden Lehrer ebenfalls eine treffliche Festespredigt. An diese schließt sich in deutscher Sprache eine größere wissenschaftliche Arbeit des Schwiegersohnes des Jubilars, Herrn Dr. Tänzer, Rabbiners für Tirol und Vorarlberg in Hohenems, über „Feindesliebe" in der jüdischen und christlichen Lehre."*) Von den Söhnen des Jubilars folgten sodann Dr. I l l ö s Händler mit einer sehr gründlichen und zahlreiche neue Gesetzespunkte darbietenden Untersuchung über ..die soziale Gesetzgebung in der mosaischen Lehre" und endlich der Lugoser Oberrabbiner Dr. Simon Hevesi (Händler) mit einer sehr beachtenswerten, hervorragenden wissenschaftlichen Arbeit über „das Problem des Buches Job", woran sich die meisterhafte ungarische Übersetzung dieses Buches reiht. Auf die letzgenannte Arbeit, die fast die Hälfte des Jubiläumswerkes einnimmt und das Job-Problem in ganz eigenartiger Weise zu lösen versucht, werden wir noch zurückzukommen Gelegenheit nehmen. Das Jubilänmswerk, nach Inhalt wie Ausstattung würdig des Anlasses, der es ins Leben gerufen, gereicht seinen Herausgebern zur Ehre und wird späteren Generationen noch Kunde geben von dem ausgezeichneten und erfolgreichen Wirken des auf wahre Verdienste zurückblickenden nnd eben darum bescheidenen Jubilars R. M. Händler, dem es nach dem Wunsche seiner Gemeinde beschieden sein möge: np=p;=i mmnstes Von Seite der Tata-Tövüroser (Totiser) Kultusvorstehung wird in ungarischer Sprache die folgende offizielle Einladung ausgegeben: Sr. Ehrw. Herr Mark Händler, der verdienstvolle Oberrabbiner unserer Kultusgemeinde, Vollender in diesem Jahre das 40. Jahr seiner Tätigkeit als Seelsorger. Die Repräsentanz unserer Kultusgemeinde hat beschlossen, aus dem Anlasse am 18. Oktober als würdigen Ausdruck ihrer Liebe und Verehrung für den greisen Seelsorger eine Feier zu veranstalten, zu welcher wir Sie hochachtungsvoll einladen. Gleichzeitig laden wir Sie ein, an dem am genannten Tage stattfindenden Gottesdienste nebst Festsitzung teilzunehmen, damit die geplante Feier den Verdiensten des 23 Jahre in unserer Stadt wirkenden Seelsorgers würdig sich gestalte. Totis, im Oktober 1904. Die Vorstehung der israel. Kultusgemeinde Tata- Toväros: Dr. A. Breuer, Präses. Programm: Am 18. l. M. nachmittags 2 Uhr Dankgottesdienst im israel. Tempel, bei welchem nach der Predigt des Jubilars die Festpredigt von dessen Sohn Dr. Simon Händler, Oberrabbiner in Lugos, gehalten werden wird. Am gleichen Tage, nachmittags * 1/24 Uhr Festsitzung der israel. Kultusgemeinde im städt. Sitzungssaale. Die Deputationen werden gebeten, sich bis zum 17. l. M. im Sekretariate der Kultusgemeinde anzümelden. Ans der Uergangercheit nnd Gegenwart Ungarifch-Krods. (Fortsetzung.) Alle Broder Juden, außer dreien, wollten nach Polen auswandern; von den dreien hatte einer die Absicht nach Ungarn, die anderen nach der Türkei auszuwandern. Am 26. Feber kam folgende Verordnung über den Vorgang bei der Auswanderung: 1. Diejenigen Juden, welche nach Osteuropa auswandern wollten, erhalten Geleite vom Landesheervolke bis zur ungari»! *) Wir werden diesen sehr interessanten Aufsatz in einer der nächsten. I Nummern unseres Blattes zum Abdrucke bringen. D. Red.

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