Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1904
- Issue
- Heft 39 (7.10.1904)
- Date
- 1904-10-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 89. Die Wahrheit Seite 9. Wien. (Vorlesungen im Wiener Bet h a-Midrasch im Wintersemester 1904—1905.) Sonntag von6—7 Uhr abends. Herr Lektor Friedmann: Die Könige und die zeitgenössischen Propheten. Montag von 6—7 Uhr abends. Herr Lektor Friedmann: Talmud Sabbath. Dienstag von 6—7 Uhr abends. Herr Lektor Friedmann: Midrasch (Schmoth Naba). Bon 7-8 Uhr abends. Herr Rabbiner Dr. S- Rubin: Die Sprüche Salomos. Mittwoch von 6—7 Uhr abends. Gemeinderabbiner Dr. Gelbhaus: Die Psalmen für Lehramtskandidaten für Volks- und Mittelschulen. Von 7—8 Uhr abends. Herr Rabbiner Dr. Kaminka: Religionsphilosophie, Maimonides More Nebuchim (Fortsetzung). Donnerstag von 6—7 Uhr abends. Herr Rabbiner Doktor Kaminka: Religionsphilosvphie, Maimonides More Nebuchim (Fortsetzung). Bon 7—8 Uhr abends. Herr Gemeinderabbiner Dr. Gelbhaus:' Die Psalmen für Lehramtskandidaten für Volks- und Mittelschulen. Samstag von 11—12 Uhr vormittags. Herr Lektor Friedmann: Die laufende Parascha. Von 5V2—9V2 Uhr nachmittags. Herr Rabbiner Dr. Rubin: Maschne und Bibel. Die Vorlesungen beginnen Sonntag, am16.Oktober 1904. Bortrag des Herrn Lektor Friedmann für Gynmasialschüler: Samstag von 5—7 Uhr abends, Sonntag von 7—9 Uhr abends: Bibel, Targum und Raschi. Borträge des Herrn Rabbiners Dr. Rubin für Gymnasialschüler: Samstag von 1/25—1/„7 Uhr, Maschne; von 1j27- V29 Uhr abends, Talmud. Sonntag von J/29—Uhr vormittags: Talmud. Außerdem wird täglich — Freitag und Samstag ausgenommen — Abends nach dem Gottesdienste eine Lektion Mischna vorgetragen. Wien. (Museum für jüdische A l t e r t ü m e r.) Das Museum ist nach erfolgter Neuaufstellung zahlreicher im Laufe der letzten Monate eingelaugter Objekte, vom 8. d. M. wieder dem allgemeinen Besuche zugänglich, und zwar allwöchentlich Samstag von 11—1 Uhr mittags und Sonntag von 3—5 Uhr nachmittags; die Besichtigung ist stets bei freiem Entree und werden Spenden während der erwähnten Stunden in Empfang genommen. Das Museum befindet sich II., Praterstraße Nr. 23, gegenüber der Asperngassc. Wien. (Mädchen- und Frauenverein Bikur-Chaul i m.) Sonntag, den 9. Oktober, nachmittags 4 Uhr, findet im Sltzungssaale der israelitischen Knltusgemeinde, I., Seitenstettengasse Nr. 4, 2. Stock, die II. ordentliche Generalversammlung statt, mit der Tagesordnung: 1. Entgegennahme des Jahresberichtes und des Rechnungsabschlusses; 2. Wahlen in den Vorstand; 3. Wahlen von zwei Revisoren; 4. Beschlußfassung über Anträge der Mitglieder; 5. Eventualia. Der Generalversammlung vorangehend findet ein Bortrag des Herrn Rabbiner Doktor M. Bauer statt. Beginn desselben 1j.24 Uhr. Gäste sind herzlichst willkommen. Wien. Der Artillerie-Hauptmann Dr. Leopold Austerlitz ist von Sr. Majestät mit dem Franz Josef-Orden ausgezeichnet worden. Hauptmann Dr. Austerlitz gilt in Berufskreisen als hervorragender Fachmann und seine Auszeichnung bringt den erfreulichen Beweis, daß wahres Verdienst auch ohne Abfall an höchster Stelle Anerkennung findet. Wien. H>'rr Oberkantor Bela G u t t m a n n ersucht uns, zu konstatieren, daß die in voriger Nummer dieses Blattes gemeldete Erkrankung, welche ihn verhinderte an den ersten Tagen Sukkoth zu fungieren, nur eine vorübergehende Indisposition war und er bereits an den zweiten Festtagen seine Funktionen voll versehen konnte. Wien. Im Tempel des Tempelvereines im XI. Bezirke, Braunhubergasse, findet von nun ab jeden Freitag Abend ein Jugendgottesdienst mit Exhorte statt. Der erste Gottesdienst wird Freitag, den 7. Oktober, 3/45 Uhr abends, daselbst abgehalten. Wien. Sonntag, den 9. d. M., I/21 Uhr, findet die Trauung des Fräulein Franziska H e r z l, Tochter des bekannten Edelsteinhändlers Herrn Salomon Herzl, mit Herrn Ignatz Tisch im Stadttempel statt. Floridsdorf. Am Vorabende des Schemini-Azereth vor dem Gottesdienste war der Sitzungssaal unserer Kultusgemeinde der Schauplatz einer erhebenden und erfreulichen Feier. Herr Samuel Deutsch, ein langjähriges, treues Mitglied unserer Gemeinde, war der Mittelpunkt verdienter Ehrungen, da er anläßlich der Wiedergenesung seiner Frau dem hiesigen Tempel ein herrlich geschriebenes Sefer-Thora mit geschmackvoll gesticktem Paramente und reich ziseliertem und vergoldetem Silberschmuck zum Geschenke gemacht hatte. Herr Bezirksrabbiner Dr. Rosenmann gedachte in einer formvollendeten Ansprache der zahlreichen Verdienste des hochherzigen Spenders und wies anschließend an den Satz „^.uroob jomim bijminoh, bismauloh auscher wechowaud" darauf hin, wie dieser durch Gottes Beistand von bescheidenem Anfänge, zu behaglichem Wohlstände und ehrenvoller Stellung es gebracht habe, und pries es als besondere göttliche Gnade, daß es Herrn Deutsch in vorgerücktem Lebensalter vergönnt sei, im liebevollen Kreise seiner glücklichen Kinder und Enkel solch ein schönes Fest feiern zu können. Nach der Rede des Herrn Rabbiners wurde die gespendete Thorarolle in den Tempel getragen, an dessen Eingang sie Herr Präses Dr. König in Begleitung der Herren Vorsteher Max Neumann und Gabriel Dukes, die mit zwei anderen Thorarollen entgegengekommen, übernahm, um sie dem Herrn Rabbiner zu übergeben, welcher sie sodann in die Bundeslade brachte. Man kann mit Fug und Recht behaupten, daß diese erhebende Feier eine wahrhafte nn.- rncr mar. Krems. Sonntag, den 2. Oktober ist unser allverehrter Rabbiner Dr. David Weiß, der auch das Amt eines Seelsorgers in der Strafanstalt Stein versah und Mitglied des Bezirksschulrates war, nach 24 jährigem, überaus verdienstvollem Wirken in unserer Gemeinde im 81. Lebensjahre gestorben. Das Leichenbegängnis fand Dienstag den 4. d. M. unter überaus zahlreicher Teilnahme vom Tempel aus statt. Budapest. Gelegentlich des Hauptgottesdienstes am Schlußfeste wurde im großen Tempel in der Tabakgasse der junge Leo Lazarus, Sohn unseres ausgezeichneten Oberkantors Professor Adolf Lazarus, anläßlich seiner Barmizwah als Mastir zur Thora gerufen. Daß dies dem Konfirmanden ganz gut gelang, ist eine selbstverständliche Sache, fällt doch bekanntlich der Apfel nicht weit vom Stamme und der Sohn eines Lazarus wird doch den Prophetenabschnitt in richtiger Betonung Herfagen können. Nach der religiösen Feier fand im Hause des Oberkantors eine Familienfeier, oder richtiger gesagt, eine Gemeindefeier statt. Die „ganze" Gemeinde nahm aufrichtig teil an der Feier des hier in allgemeiner Verehrung stehenden Lazarus'schen Hauses. In der Wohnung des Professor Lazarus gabs ein Schieben und Drängen, ein Kommen und ein Gehen, das wahrhaftig große Dimensionen angenommen hatte. Biele Hunderte der hervorragendsten Gemeiudemitglieder mit ihren Damen waren erschienen, um herzlichst zu gratulieren und die Meisten haben sinnige Geschenke für den Barmizwah mitgebracht. Der Gesamtvorstand der Gemeinde und der Chewra- Kadischa, die Vorsteher des Haupttenipels und der Synagoge, das Profefforen- Kollegium der Landesrabbiiterschule, das Rabbinat, das Kantorat, die Religionsprosessoren und der Lehrkörper der isr. Gemeindeschulen, der Beamtenkörper der Pester isr. Religionsgemeinde u. v. a. waren erschienen. Namens des Tempelvorftandes hielt der Doyen derselben, Jakob Deutsch, der Präsident des isr. Knabenwaisenhauses, eine gehaltvolle Rede, die sowohl der gefeierte junge Mann, als auch dessen Vater erwiderte. Bon den Kollegen Lazarus kamen von Nah und Fern die aufrichtigsten Gratulationen und auch einige Geschenke. So sandte der Wiener Oberkantor Bola Guttmann in Begleitung eines warmen Gratulationsschreibens eine sehr hübsche Busennadel. Mögen die wackeren Eltern des vielverheißenden Leo Lazarus die reinsten Freuden an ihrem Sohne erleben! 8. Budapest. Jüngst verschied hier nach langem Leiden Frau Bernhard E h r e n st c i n, geb. Bertha Spitzer, eine Schwester unseres geschätzten Mitarbeiters D. H. Spitzer, im Alter von kaum 61 Jahren. Die nunmehr Verstorbene war 41 Jahre lang die Gattin des in allgemeiner Achtung stehenden Börsenbesuchers Bernhard Ehrenstein. Sie war, trotzdem sie im Wohlstände leben konnte, einfach, schlicht und anspruchlos, stets unermüdlich tätig und schaltete und waltete in ihrem Hause als Muster einer fürsorglichen Hausfrau. Auch war sie als Gattin und als Mutter bewunderungswürdig und konnte als das Prototyp der Bescheidenheit gelten. Um sie trauern der tiefgebeugte Gatte, die tieftrauernden Kinder, die Schwiegersöhne und Schwiegertöchter, die Enkel, die Geschwister und der große Verwandrenuud Bekanntenkreis. An der Leichenfeier der Seligentschlasenen beteiligte sich eine große Zahl Leidtragender, unter denen wir bemerkten: den Gemeindevorsteher Ludwig Adler, den Vorsteher der Chewra-Kadischa Em. I. Weiß, den Tenrpelvorsteher Julius Adler, den Kommerzialrat Adolf Blau, den Direktor Szende, den Großkaufmann Jakob Hirsch, Dr. jur. Bernhard Ungar, Dr. Armin Linksz, den Rentier Armin Blau, viele Börsenräte und Börsebesucher und eine Abordnung des Budapester Talmud-Vereines mit dessen Sekretär Mociz Eppler. Oberkantor Professor Adolf Lazarns zelebrierte unter Assistenz des Mannerchores vom großen Tempel die Funeralien, worauf Rabbiner Dr. M. Kayserling einen ergreifenden Nachruf hielt. Der gelehrte Kanzelredner würdigte die hohen Fcauentugenden dieser wahrhaft jüdischen Frau, welche die würdige Tochter einer ausgezeichneten Mutter gewesen, und nannte sie die „beste" Mutter, weil eine bessere nicht gedacht werden kann. Der vierspännige Trauerwagen brachte die sterblichen Reste dieses Biederweibes nach dem Zentralfriedhose, allwo dieselben im Familiengrabe der isr. Abteilung beigesetzt wurden. Am offenen Grabe verrichtete noch Rabbiner Dr. Weisz ein Gebet für das Seelenheil der Verklärtelt, womit die Trauerfeier schloß. Hermann. Hamburg. (Z u m Bau der neuen G e m e i n d e s y n agoge vor dem Tammtor.) Mit den Ausschachtungsarbeiten des Bauplatzes am Grindelhof hat man jetzt begonnen, die Grundsteinlegung soll bereits in den ersten Tagen des Oktobers stattsinden. Die Synagoge wird im romanischen Stil erbaut und mit eurer Kuppel versehen werden. Die Fronten sollen aus Verbleudziegeln mit Verwendung von rotem Sandstein zu besonderen Architekturteilen erbaut werden. Tie Synagoge bietet Platz für etwa 650 Männer und 500 Frauen. Der Haupteingang liegt im Westen, an der Ecke des Grindelhofes und des Bornplatzes. Das Allerheiligste ist nach Osten gerichtet. Ein Nebengebäude mit der Nebensynagoge für Gottesdienste an Wochentagen, dem Vortragssaal, den Bureauränmen des Synagogenverbandes und der rituellen Badeanstalt wird aus dem südlichen Teile des Bauplatzes, mit der Front nach der Binderstraße, errichtet. Die Garderoben erhalten Zugänge vom Synagogenraum aus und stehen durch Nottüren mit der Straße unmittelbar ra Verbindung. Außer den Haupttreppen an der Westseite führen noch zwei breite und helle Treppen an der Ostseite zu den Emporen; sämmtliche Treppen erhalten direkte Ausgänge ins Freie. Die Fenster werden hellfarbig verglast, ebenso das Oberlicht. Zentralheizung mit Ventilationseinrichtungen ist vorgesehen. Für die Beleuchtung ist elektrisches Licht und daneben Gasglühlicht in Aussicht genommen. Der Bau wird nach den Plänen und unter Leitung der Herren Architekten Regierungsbaumeister Friedheim und S. Engel ausgeführt, die Bauzeit wird voraussichtlich 1 lj., Jahre sein. Nach Fertigstellung der neuen Synagoge wird das älteste Gotteshaus der hiesigen deutsch-israelitischen Gemeinde in der Elbstraße geschloffen werden. Frankfurt a. M. Die Israelitische Religionsgesellschaft steht im Begriff, an der Friedberger Anlage, neben der Schwanenapotheke, eine neue Synagoge zu errichten. Zur Erreichung künstlerischer Entwürfe war ein Preisausschreiben erlassen worden, dessen Schlußtermin am 15. Sep-