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Die Wahrheit · 1904-10-07 · Heft 39 (7.10.1904) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 39 (7.10.1904)
Date
1904-10-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 39. Die Wahrheit Seite 7. Gegen Ende Dezember 1896 wurde Herrn Sektionschef v. Gniewosz mündlich mitgeteilt, daß Schritte gemacht worden sind, um bei der Baronin Hirsch für ihn einen namhaften Geldbetrag als Ehrengabe zu erwirken. Herr v. G. war krank zu Bette. Aufgeregt durch diesen Antrag, und um zu verhüten, daß er denselben gereizt mündlich beantworte, richtete er folgendes Schreiben an den Kurator Dr. Grünbaum: Wien, den 29. Oktober 1896. Euer Wohlgeboren! Gewohnt meine schwachen Kräfte ohne jeden Anspruch auf eine materielle Anerkennung in den Dienst der Humanität zu stellen, und da auch meine gesellschaftlichen Beziehungen die Frau Baronin zu einer Ehrengabe für mich weder verpflichten noch berechtigen, so kann ich eine solche unbedingt nicht annehmen. Wollen Sie daher mir die Unannehmlichkeit ersparen, ein Geschenk der Spenderin rückstellen zu müssen. Antwort. Euer Hochwohlgeboren! Ich bestätige den Empfang des rekommandierten Schreibens und beehre mich, ergebenst mitzuteilen, daß ich mich beeilt habe, im Sinne Ihrer geschätzten Zeilen eine Andeutung an Frau Baronin v. Hirsch mit heutiger Post uach Paris abgehen zn lassen. Hochachtungsvoll Dr. G. Hierauf erhielt Herr v. G. aus Paris nachfolgenden Brief: Paris, 2 Rue de llElisee, 31. Dezember 1896. Sehr verehrter Herr! Der bevorstehende Jahreswechsel gibt mir die erwünschte Gelegenheit, Ihnen meine Glückwünsche zu senden und insbesondere Ihnen meine dankbare Anerkennung alles dessen auszusprechen, was Sie für die Stiftung meines Gemals getan haben. Ich war in Wien, als ich das Vergnügen hatte. Ihre Bekanntschaft zu machen, nicht imstande, das auszusprechen, was ich Ihnen so gerne gesagt hätte: daß es meine Ueberzeugung ist, daß ohne Ihre Hilfe und Ihr Wohlwollen die Sache nicht hätte gedeihen können. Sowohl im eigenen Namen, als im Namen der vielen Hunderte, denen durch die galizische Stiftung ein neues Leben eröffnet wurde, möchte ich Ihnen heute so recht wohl vom Herzen danken. Es wäre mir eine große Freude, wenn ich Ihnen mit etwas dienen könnte, einstweilen bitte ich Sie, der guten Sache ferner Ihre Stütze zu gewähren und den Ausdruck meiner vorzüglichen Hochachtung entgegenzunehmen. Ihre Klara v. Hirsch-Gereuth na. p. Antwort. Wien, den 6. Jänner 1897. Hochverehrte, hochwohlgeborene Frau Baronin! Ein mehrtägiges Unwohlsein verhinderte mich. Ihnen sofort meinen verbindlichsten Dank auszusprechen für die freundlichen Glückwünsche und für die nachsichtige Beurteilung meiner Tätigkeit im Kuratorium der Stiftung. Diese von Ihrem Gemahl gegründete, in ihrer Art einzige Institution ist eine für mein engeres Vaterland Galizien mit weitreichenden Folgen verbundene Wohltat, weshalb ich ihrer Verwaltung meine schwachen Kräfte freudigst widmete und in dieser Tätigkeit volle Befriedigung finde. Wollen Sie, hochverehrte Frau Baronin, auch meine besten Glückwünsche mit dem Ausdrucke meiner vorzüglichen Hochachtung entgegennehmen. Im Jahre 1900 erkrankte Herr v. G. schwer und fühlte sich im Alter von 78 Jahren nicht mehr für fähig, eine rege Teilnahme an der Verwaltung der Stiftung zu entwickeln, weshalb er an das k. k. Kultusministerium das Ersuchen stellte, ihn von der Stellung eines bestellten Kurators zu entheben. Als dieses im Kuratorium bekannt wurde, kam zu ihm eine Abordnung desselben, um ihn zu veranlassen, die Resignation zurückzunehmen. Nachdem er bei seinem Vorsatze beharrte, richteten alle übrigen 17 Mitglieder des Kuratoriums an ihn folgendes Schreiben: Wien, den 18. Mai 1901. Euer Hochwohlgeboren! Hochverehrter Herr Sektionschef! Mit tiefstem Bedauern vernehmen wir, daß Euer Hochwohlgeboren aus unserer Stiftung zu scheiden gedenken. "Wir können nicht glauben, daß dieser Entschluß ein unwandelbarer ist. Zu sehr ist die ehrwürdige Person Euer Hochwohlgeboren mit unserer Stiftung, an deren Wiege Sie gestanden, verwachsen. Durchdrungen von der wärmsten Liebe zu Ihrem Lande und allen seinen Bewohnern, haben Euer Hochwohlgeboren den reichen Schatz ihrer Kenntnisse und Erfahrungen in den Dienst unserer Stiftung gestellt und sind uns zu allen Seiten ein weiser und treuer Berater, ein leuchtendes Vorbild hingebungsvollen Wirkens gewesen. So wollen wir denn dem lebhaften Wunsche und der Hoffnung Raum geben, daß Euer Hochwohlgeboren uns Ihre so wertvolle Mitwirkung nicht ganz entziehen werden und bei gebessertem Gesundheitszustände, den wir vom ganzen Herzen wünschen, in die Mitte des Kuratoriums zurückkehren werden, welches in den Gedanken, Euer Hochwohlgeboren zu missen, sich nicht finden kann. Genehmigen Euer Hochwohlgeboren den Ausdruck unserer unbegrenzten Hochachtung, mit der wir die Ehre haben zu zeichnen: Das Kuratorium der Baron Hirsch-Stiftung: David Ritter von Gutmann, Dr. Güdemaun, Sigmund Ritter von Bauer, Heinrich Nirenstein, Theodor Kohn, Dr. Marcell Ritter von Friedmann, Dr. Heinrich Grünbaum, Dr. Paul Hammerschlag, Professor Dr. Kellner, Dr. Julius Kleeberg, Dr. Edmund Kohn, Professor Saturnin Kwiatkowski, Dr. Heinrich Ritter von RoLa, Dr. Adolf Stein, Sigmund Trebitsch, Dr. Julius Freiherr von Waldberg, Tonat Zifferer. Herr von Gniewosz nahm seine Resignation zurück, jedoch unter der Bedingung, daß er vom Bureau der Stiftung auf dem laufenden erhalten bleibe über sämtliche Stiftungsangelegenheiten, insbesondere über alle prinzipiellen zur Austragung kommenden Fragen, u. zw. durch Mitteilung der Verhandlungsakten, welche er mit seiner Aeußernng versehen werde, sowie der Sitzungsprotokolle des Ausschusses und der Versammlung des Plenums des Kuratoriums. Diese Bedingung wurde von der Abordnung des Kuratoriums angenommen, aber vom Sekretär nicht eingehalten, trotzdem Herr von Gniewosz einigemale darauf reagierte. Aus der Vergangenheit und Gegenwart Ungarisch Krods. (Fortsetzung.) Der Erbfolgekrieg. Der Anlauf, den Karl VI. zu judenfreundlichen Verordnungen nahm, war von kurzer Dauer. Der wankelmütige Kaiser geriet oft in Rückfälle. Ueberhaupt bewegte sich seine Gesetzgebung inbetreff der Juden zwischen Privilegien und Beschränkungen, zwischen Milde und Härte, zwischen Gegensätzen, die oft unvermittelt aufeinander folgten. *) Bald verlieh er den Juden Auszeichnungen, bald stellte er sie unter Ausnahmsgesetze. Er würdigte ihre kommerzielle Begabung, ihre Förderung der Industrie, knüpfte Umerredungeu und Unterhandlungen mit dem Nikolsburger Juden Salomon Beer an, welcher es unternahm, die March schiffbar zu machen; anderseits wieder hemmte er ihren Geschäftsgeist, legte ihnen Leibmaut und Zölle auf. Während er am 28. Mürz 1718 die vom Olmützer Konsistorium der Straßnitzer Herrschaft erteilte Lizenz zum Einreißen des Tempels und des Friedhofs kassierte, erließ er am 8. April 1727 den Beseht, alle in der Nähe der Kirche befindlichen Synagogen und Judenhäuser in gemessener Distanz zu entfernen. Im Jahre 1738 verwies er aus fiskalischen Gründen die unbemittelten Juden aus Schlesien und verbot den Juden, christliche Dienstboten zu halten. **) An seinen Namen knüpfen sich besonders viele Beschränkungen zur Verminderung der Juden. *) Die Toleranzgelder setzte er anläßlich der Erneuerung der Privilegien der mährischen Juden von 12.000 aus 8000 Gulden herab. (13, IV, 1723.) **) Trotz des Verbotes zogen christliche Dienstboten jüdische Häuser wegen der guten Behandlung vor, wodurch die Behauptung Dudiks Geschichte IV, Seite 211 widerlegt wird.

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