Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1904
- Issue
- Heft 38 (30.9.1904)
- Date
- 1904-09-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Auartat ersucht, damit die regelmäßige Zusendung des Blattes keine Unterbrechung erleide. Abonnements-Bedingungen: Vierteljährig Kr. 3.—, halbjährig Kr. 6.—, ganzjährig Kr. 12.—. Probenummern steheu zur Verfügung. Die Weöaktron. Polentum und Indentnm. Dem ausgezeichneten Kenner der allgemeinen politischen, sowie auch der jüdischen Verhältnisse in Galizien, Herrn Sektionsches Ritter von G., drängte sich bei der Lektüre der auch in der „Wahrheit" besprochenen Schrift „Das Wesen des Judentums" eine bemerkenswerte Analogie zwischen Polentum und Judentum auf, welcher er in einem an einen Mitarbeiter unseres Blattes*) gerichteten Schreiben Ausdruck lieh. Die abgeklärten Anschauungen dieses seit Jahrzehnten in der Oeffentlichkeit und vielfach zum Wohle des galizischen Judentums wirkenden Mannes dürften für unsere Leser von großem Interesse sein, daher wir das Schreiben desselben im Nachfolgenden auszugsweise wiedergeben. Nach einigen einleitenden persönlichen Bemerkungen heißt es daselbst: „Herr Dr. Jacob teilt die maßgebenden Einflüsse auf das Judentum in die Gruppen der Ethik, Aesthetik und Logik, allein er hebt nlir die Wirkung der ersteren hervor und schreibt ihr die Folgen, das Zurückbleiben, das Außerweltstehen des Judentums, d. i. des Judenvolkes als Gesamtheit, zu. So einseitig, fern vom Bewußtsein des Schönen, des Richtigen und Wahren ist auch das Polentum, d. i. jenes Polentum, welches sich als Polentum *) Es ist dies derselbe Mitarbeiter, dessen Vermittlung wir die vor einigen Wochen in der „Wahrheit" erschienenen Kundgebungen über die Hebung des Kulturzustandes. der galizischen Juden und die verösfentlichte Kritik der galizischen Baron Hirsch-Stiftung verdanken. Es sei bei diesem Anlasse auch konstatiert, daß der Sekretär der „Israel. Allianz zu Wien", Herr Dr. A. Kaminka, den diesbezüglichen Publikationen vollkommen ferne stand. Die Redaktion. gibt und als solches angesehen und gehalten wird, jenes Polen-- tum, welches sich hauptsächlich aus das Religiöse und Kirchliche, aus deren ethische Grundsätze stützt, an Stelle des Jehova die Trinität, Jungfräulichkeit und Jnfallibilität, an Stelle des Talmud, die Dogmen und Kirchenväter mit dem Tridentismus und Sillabus setzt. Von beiden wird jene Logik anerkannt, welche Schlüsse aus ihrer Ethik zieht, und sie finden das ästhetisch, was im Lichte derselben Ethik leuchtet. Diese Ethik ist jedoch nicht festgestellt aus absoluten Wahrheiten. Die Wahrheiten dieser Ethik sind abhängig von der Entwicklungsstufe, die nicht einmal eine gefestigte Gesamtheit des Judentums oder Polentums, sondern die Sondevteile derselben, welche auch in allen Teilen der Welt zerstreut sind, einnehmen. Allein selbst in diesen Teilen ist keine Einheitlichkeit und ein jeder Teil glaubt für sich wirken zu dürfen. Ob und inwieferne, dann unter welchen Einflüssen eine Einheitlichkeit der Gesamtheit, oder der einzelnen Bruchteile der Judenschaft und des Polentums sich entwickelte, feststellte, wäre interessant zu erforschen. Bezüglich des Judentums, eines tausendjährig Bestehenden, ist eine oberflächliche Kenntnis der Einrichtungen desselben, sowie der Begebenheiten, welchen dasselbe unterworfen war, selbst für eine flüchtige Ansicht nicht berechtigt, weshalb ich mich an die obige Frage nicht heranwage und mich ganz auf Ihr Urteil verlasse. Bezüglich des Polentums glaube ich jedoch mit Ihnen mit dem gleichen Fuße, gestützt auf Ihren Arm, den Weg anzutreten wagen zu können. Ich glaube, keine irrige Behauptung aufzustellen, wenn ich ausspreche, daß je entfernter eine Tradition von ihrer Quelle ist, desto kräftiger beeinflussen das Grübeln und die Spekulation das Leben und seine Tätigkeitserscheinungen. Beide lähmen die Energie, steigern die Passivität und das Festhalten an die überkommenen Anschauungen, erzeugen den Martyriumfanatismus. Jedenfalls stärkt der Druck von innen und von außen das Zusammenhalten der Bedrückten. Insbesondere aber der Druck von außen, je unmenschlicher er ist, erzeugt und steigert die Solidarität selbst solcher Unterdrückter, welche sonst gegen einander ankämpfeu würden. Ganz verschieden wirkt die Erinnerung an Verhältnisse, welche gleichsam vor den Augen der Lebenden sich bildeten und deren Entwicklung diese verspüren. In dieser Lage befindet sich das Polentum. Die staatliche Unabhängigkeit ist in frischer Erinnerung. Die Odysseen polnischer Legionen, das polnische Heer des Jahres 1830, die Kämpfe