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Die Wahrheit · 1904-09-16 · Heft 37 (16.9.1904) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 37 (16.9.1904)
Date
1904-09-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
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-"Seite 8. Lehrer Neumark in Altenstadt (Kreis Friedberg.) Er hat irr .vier Gemeinden Religionsunterricht zu erteilen, und Mar wöchentlich. 20 Stuichen. In Rheinhessen und Starkenburg werden deuinächst ebenfalls Verhandlungen eingeleitet. : Schleswig. (Die Beisetzung von Äscherd-Urnen auf israelitischen Friedhöfen.) Ueber die Zulässigkeit der Beisetzung von Aschen-Urnen auf israelitischen Friedhöfen ist von dem Regierungspräsidenten in Schleswig anläßlich eines ganz konkreten Falles eine: Entscheidung getroffen worden, deren Bedeutung es rechtfertigt) wenn-wir sie hier in Wortlautwiedergeben. Der diese Entscheidung .zugrunde 'liegende Tatbestand ergibt sich ohne weiteres aus dein Wortlaut dös Bescheides, der an den Vorstand der israelitischen Gemeinde in Elmshorn gerichtet ist und folgenden Wortlaut hat: „Die Beisetzung von Aschen-Urnen widerspricht der jüdischen Glaubenslehre und ist geeignet, in den Kreisen der jüdischen Glaubensgenoffen die lebhafteste Beunruhigung hervorzurufen. Der Herr Oberrabbiner zu Altona hat daher mit Recht zu wiederholten Malen darauf hingewiesen, daß die Beisetzung der Asche krematorisch Verbrannter auf jüdischen Friedhöfen nach dem' israelitischen Religionsgesetze unzuläffig ist. Da der Vorstand der israelitischen Gemeinde in Elmshorn eine der Auffassung der Oberrabbiners gegenteilige Anschauung vertritt, nehme ich Veranlassung, darauf hinzuweisen, daß die Beisetzung von Aschenresten auf Friedhöfen gegen die ausdrücklichen Bestimmungen des Gesetzes vom 14. Juli 1863 verstößt. Wenn es im § 21 a. a. O. heißt, daß die Inden auf einem jüdischen Begräbnisplatze zu bestatten sind, so ist damit zum Ausdruck gebracht worden, daß den Juden ein besonderer Begräbnisplatz gestattet wird, sowie daß eine Bestattung, d. h. eine Beerdigung ihrer Tobten stattzufinden hat. Es ist nicht angängig, diese Bestimmung dahin auszulegen,, daß an Stelle der rituellen Beerdigung jegliche andere Art der Bestattung treten darf. Ich weise den Vorstand hiernach an, die Aufnahme von Aschenresten auf dem jüdischen Friedhofe nicht zu gestatten." Bukarest. (Die Organisation der jüdischen Gemeinden.) In jüdischen Kreisen wird die Idee ventiliert, einen Kongreß einzuberufen, um eine Maffenpetition an die Regierung zu richten, welche gebeten werden soll, daß sie durch ein Gesetz die Lage der jüdischen Gemeinden regle. Heute hängt die Organisation der jüdischen Gemeinden sozusagen in der Luft, und sowohl in ritueller als auch in Schul- und Kirchenfragen fehlt es den Juden an jeder gesetzlichen Grundlage. Die Regierung scheint geneigt zu sein, in dieser so wichtigen Frage eine Besserung herbeizuführen. Bukarest. (Die jüdischen Schulen in Rumänien.) In Bukarest hat sich ein Zentralkomitee der israelitischen Schulen in Rumänien gebildet. Diesem Komitee gehören vorderhand blos die Vertreter der israelitischen Schulen der Hauptstadt an. Der Zweck des Komitees ist, auf die Berbefferung der Lage der israelitischen Schulen und der an denselben angestellten Lehrer hinzuarbeiten. Der Findling. Erzählung von Bäbette Fried, Prag. (1. Fortsetzung.) „Herr Vorsteher," sagte der Rabbiner mit weichem Tone, „üßene Jisroel rachamonim, die Kinder Israels haben sich stets durch Barmherzigkeit ausgezeichnet, wollen auch wir es tun und das unglückliche Geschöpf, welches eine gewiß verzweifelnde Mutter vertrauensvoll vor die Türe unserer Synagoge gelegt hat, nicht von uns weisen." „Was ist da viel zu reden, was ist da zu tun? Ob gerne oder ungerne, behalten müssen wir schon einmal das Kind. Aber ich frage: Warum kommt eine solche Mezieh grade uns zu? Warum nicht den großen und reichen Gemeinden Tabor oder Budweis, die von unseren früheren Gemeindemitgliedern groß und reich geworden sind, warum uns, einem Häuflein armer Leute?" ..Warum? Ja, mein lieber,. guter Roschhakohol, wer auf alle „Warums?", welche sich uns im Leben so oft aufdrängen, auch eine Antwort zu geben wüßte!" Indessen fing das Knäblein zu weinen an. Sicherlich nur aus Hunger oder einem anderen körperlichen Mißbehagen, denn verstanden hatte es ja den üblen Willkommen nicht, welcher ihm von Seiten des Leiters der Gemeinde geworden, in die es seinen unfreiwilligen Einzug gehalten. „Jajkev, nehmen Sie das Kind auf und bringen Sie es nach Hause. Ihre Frau soll für es sorgen," befahl der Vorsteher. Der gutmütige, aber etwas beschränkte Schammes nahm das Kind auf den Arm, um es nach Hause zu tragen, wobei ihm mehrmals die Worte entfuhren: „Ein Rachmones, Nebich!" Dann ging er mit ihm in seine nahe Wohnung. Nr. 37. Man zählte, indessen nach, ob nach Abgang des Schammesnoch die zehn, zum Minjan notwendigen Männer geblieben waren, und. als das Zählresultat ein günstiges war, begab man sich in. die Synagoge. Der Rabbiner konnte durch den entstandenen Aufenthalt seinen Schiur nicht mehr..-lernen, denn er mußte sofort zu beten anfangen. Nach . dem Verlassen des Bethauses trat der Vorsteher abermals zu dem geistlichen Führer der Gemeinde, um mit ihm in dieser wichtigen Angelegenheit Rücksprache zu nehmen. „Sie haben, Herr Rabbiner, das gefundene Kind genau untersucht. Haben Sie etwas gefunden, was auf die Abkunft desselben Bezug haben könnte, oder als Erkennungszeichen dienen würde?" „Ja wohl, doch muß es einer gründlichen Forschung überlassen bleiben, eine richtige Spur herauszufinden. An der Hand des armen Geschöpfes befand sich dieses." Er wies bei diesen Worten dem Vorsteher eine an einem Stückchen grober Baumwollschnur befestigte Münze, welche sich als ein altjüdischer Schekel erwies, wie solche bei Antiquitätenhändlern und numismatischen Sammlungen zu sehen sind, und wollie ihm die Münze übergeben. „Gut," nickte der Vorsteher, „das ist doch immer etwas.. Behalten Sie das Ding da indessen bei sich. Das Kind selbst lassen wir in Pflege, natürlich gegen Bezahlung, beim Schammes, wenn es größer wird, so wird ihm die Gemeinde Kosttage geben. Und eine Andeutung über den Namen des Kindes haben Sie nicht gefunden, Herr Rabbiner?" fruq der Vorsteher abermals. „Nichts, keine Spur!" „Wie sollen wir aber den Knaben nennen? Einen Namen muß ja jeder Mensch haben." „Sicherlich, doch bevor wir seinen eigentlichen Namen erfahren, werden wir dem Kinde provisorisch einen solchen beilegen. Wir haben soeben Parfches Pinchas geleint, so soll auch das Kind so heißen, und dem Fundorte gemäß: Hlinovsky." „Das ist ein kluger Gedanke," lobte der Vorsteher den jungen Rabbiner. —- Eine Zeitlang gewährte Pinchas, wie der Findling allgemein genannt wurde, den Bewohnern von Hlinov vollauf Stoff zur Unterhaltung. In Folge der bei ihm gefundenen seltenen Münze umgab man seine kleine Persönlichkeit mit einem ganzen Sagenkreis. Zum mindesten mußte er aus einer vornehmen, jüdischen Adelsfamilie stammen, wenn nicht gar der natürliche Sohn eines Rothschild oder Königswarter sein. Doch sollte der Nimbus, der das Kind umgab, alsbald verlöschen, zugleich mit dem Interesse, das man für dasselbe, hatte, als von einer entfernten Gemeinde an den Kultusvorstand von Hlinov die Anzeige kam, daß daselbst eine fremde Bettlerin, der man aber etwas Besseres ansah, schwer krank, fast sterbend anlangte und erzählt habe, daß sie auf der Reise nach Breslau zu ihrem dort lebenden Gatten begriffen sei, aber von Schwäche übermannt, konnte sie ihr Kind nicht mehr selber nähren, noch weiter tragen,, und da habe sie in einer verzweiflungsvollen Stunde dasselbe vor der Synagogentüre von Hlinov niedergelegt, nachdem sie gesehen, daß würdige Männer ihre Schritte dahin lenkten und es bald auffinden würden. Als sie von ihrem Verstecke aus gesehen hatte, daß ihr Kind von diesen Männern bemerkt wurde, habe sie sich rasch entfernt und ihre Fnßreise weiter angetreten. Bevor die Unglückliche ihren Namen und ihre Heimat nennen konnte, sei sie verschieden. Ihren Ehering, den einzigen Wertgegenstand, den sie bei sich hatte, habe man der toten Frau abgenommen und sende ihn dem Hinterbliebenen Kinde als Andenken an seine Mutter. Jetzt hörte die ganze Prinzenlegende auf. Pinchas war ein ehrliches, eheliches Judenkind, aber das Kind einer Bettlerin. ..Ein Rachmones, das Kind, ein Rachmones," seufzte gar oft dessen biederer Pflegevater, der Schammes. (Fvrts. folgt.) Die nächste Nummer unseres Blattes erscheint Freitag, den Sv. September. Die Wahrheit mdl m

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