Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1904-09-16 · Heft 37 (16.9.1904) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 37 (16.9.1904)
Date
1904-09-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3062972-3063212-3063250--03261-3070005
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Ungar Kantoren-Zeitung. Allen Kollegen und Freunden sagen wir für I ihre freundlichen Wünsche zum neuen Jahre Herz- > lichen Dank und wünschen ihnen PlISTln Gleichzeitig ersuchen wir dringendst um CHusendun«: des Ahouneiueiii ««bei ragen für das am 1. Oktober beginnende IT. Quartal und um Begleich der Rückstände. Im Interesse der Kollegialität sollte jeder Kantor auf die Erhaltung des Fachblattes bedacht sein. Die Redaktion. Moritz |j eitle. In diesen Tagen wird es 25 Jahre, seitdem einer der hervorragendsten Repräsentanten des Kantorenstandes in Deutschland. der Vordeter der Hamburger Tempelgemeinde, Moritz H e n l e, in segensreicher Schaffensfreudigkeit seines Amtes waltet. Was Heule mit seinem reichen Können, seinem organisatorischen Talent, seiner Arbeitskraft und Tatkraft in diesen 25 Jahren für den Tempel in Hamburg geleistet hat, das läßt sich kaum in wenigen Worten schildern. Als er vor 25 Jahren das Amt eines ersten Vorbeters übernahm, war noch in aller Herzen frisch die Trauer um seinen allgemein verehrten, auf vielen Gebieten des öffentlichen Lebens hervorragend tätigen Vorgänger Dr. Piza, der sür unersetzlich gehalten wurde. Aber wie bald verstand es Heule, den Geist seiner künstlerischen Persönlichkeit dem Tempelgottesdienst aufzuprägen und sich einen großen Kreis von Freunden und Verehrern — und Verehrerinnen zu schaffen. Mit jugendlicher Begeisterung ging Henle ans Werk, den Gottesdienst im Tempel auf eine künstlerische Höhe zu führen. Es gelang ihm, einen freiwilligen Chor aus den Reihen der angesehensten Tempelmitglieder zu bilden, und er hatte bald die Genugtuung, daß der nengeschaffene Chor und sein eigener künstlerisch vollendeter Gesang immer mehr Gleichgültige aufrüttelte und dem Gotteshaus neues blühendes Leben zuführte. Während vor seiner Zeit viele Tempelsitze unvermietet geblieben waren, war das Gotteshaus nun an den Festtagen stets bis auf den letzten Platz gefüllt und konnte nicht mehr allen Nachfragen nach Plätzen genügen. Henle ist kein Kantor vom alten Schlage, kein Natursänger. An Gewalt der Stimme kann er sich zwar mit den Meisten messen, aber was ihn über die große Mehrzahl seiner Kollegen stellt, das ist die feine, rein künstlerische Durchbildung seines Gesanges. Jeder Ton ist durchdacht und fein nüanziert. Deutsche Kunst mit jüdischer Gefühlsinnigkeit verbunden, das ist das eigen- > artige Gepräge seines Gesanges. Dadurch ist sein Gesang ein künstlerischer Genuß auch für die dem altjüdischen Gottesdienst Entfremdeten, für jene, denen die alten heiligen Melodien keine versunkenen Kindererinnerungen erwecken, die aber darum dennoch nach einer Befriedigung ihrer religiösen Bedürfnisse in anderer Form dürsten. Man darf ohne Uebertreibung sagen, der wunderbar schöne Gottesdienst, wie er besonders an den hohen Festtagen das Herz der Tempelbesucher erhebt, ist Henles ureigenstes Werk, auf das er stolz als auf sein Lebenswerk zurückblicken und für das ihm seine Gemeinde nicht genug danken kann. Daß Henle außer; seinen {hohen Verdiensten um den Hamburger Tempel auch sonst als Tonkünstler, Komponist und Gesanglehrer Bedeutendes leistet, ist bekannt. Viele Schüler und Schülerinnen werden in diesen Tagen dankbar seiner gedenken. Freilich, ganz leicht ist es nicht, Henles Schüler zu sein; wie er an sich selbst die höchsten Anforderungen stellt, so fordert er auch strenge Gewissenhaftigkeit und ernste Hingabe an die Kunst von seinen Schülern. Alles Virtuosentum und alles Tändeln in der Kunst ist ihm zuwider; um so wertvoller sind dafür auch seine Stunden für die ernst Strebenden. An äußerer Anerkennung dieser vielseitigen hervorragenden Tätigkeit wird es dem wackeren Jubilar anläßlich seines 25jährigen Amtsjubilänms gewiß nicht fehlen. Sie wird ihm zuteil werden von feiten feiner Gemeinde, in welcher er durch eine so lange Reihe von Jahren in ausgezeichneter Weise schafft und wirkt, und von seiten seiner zahlreichen Freunde und Kollegen, die ihn in- und außerhalb seines Amtes achten und schätzen gelernt haben. Jedoch viel größere Befriedigung als alle äußeren Ehrungen mag dem Jubilar, da er an einem so bedeutsamen Marksteine seines Lebens angelangt ist, der Rückblick auf die von ihm geleistete Summe von Arbeit gewähren, und daß er dieser noch eine lange Reihe von Jahren in körperlicher und geistiger Frische zur Ehre seines Namens und zur Zierde seines Standes sich widmen könne, das fei der aufrichtigste Wunsch, den wir dem wackeren Kollegen zu seinem Jubeltage darbringen. Voranzeige. „Schir chodosch". Von Rafael Moor. Gesänge und Rezitative für das ganze Jahr in vier Abteilungen. — In nächster Zeit wird Rafael Moor, der einstige berühmte Kantor und Musiker, die von ihm komponierten Gesänge und Rezitative in Druck erscheinen lassen. Schon der Name des Verfassers bürgt für die Gediegenheit des Werkes. Doch da ich mit Herrn Moor viel persönlich verkehrte, sein Genie so oft zu bewundern Gelegenheit hatte und in seinen Kompositionen so viel Edles und Schönes gefunden, kann ich das Werk aus vollster Ueberzeugung allen Fachmännern bestens empfehlen. Emanuel Gottlieb, Kantor und Regenschori der israel. Gemeinde zu Bach. Samuel Süssermann’sclie StiftuDg für die Beförderung des Studiums der Bibel und des Talmuds. Es wird hiemit zur Kenntnis gebracht, dass zwei Stift platze der oben genannten Stiftung ira Betrage von je K 200 an Schüler einer hiesigen Mittelschule, welche sich beim Unterrichte in der Bibel und im Talmud durch Fleiss und besondere Erfolge hervortun, auf die Dauer der Mittelschulstudien zu verleihen sind. Unter den Bewerbern um diese Stipendien haben jene Mittelschulbesucher, welche aus der Talmud-Thora-Vereinsschule in die Mittelschule übergetreten sind, bei übrigens gleichen Umständen den Vorzug. In dem Gesuche ist anzugeben, ob der Bewerber in dem Genüsse eines Stipendiums steht, eventuell wie hoch sich der Betrag dieses Bezuges beläuft. Die diesfälligen Gesuche mit den nötigen Zeugnissen sii d im Einreichungsprotokolle der israelitischen JKuitusgemeinde, “Wien, I. Seitenstettengasse 4, I. Stock, woselbst Gesuchsblankette während der Amtsstunden von 9—12 Uhr vormittags unentgeltlich behoben werden können, bis längstens 30. September 1904 zu überreichen. Auszüge aus den Geburts-, Trauungs- und Sterbematriken der israel. Kultusgemeinde Wien sind als Gesuchsbelege nicht erforderlich und genügt die genaue Angabe der betreffenden Daten. Verspätet überreichte oder nicht gehörig belegte Gesuche werden nicht berücksichtigt. Wien, 12. September 1304. Der Vorstand der israel. Kultusgemeinde Wien. Dr. Adolf Schmiedl-Widmung. Aus den Erträgnissen dieser aus Anlass der am 26. Januar 1901 stattgehabten Feier des achtzigjährigen Geburtstages Sr. Ehrwürden des Herrn Kabhiner Di. Adolf Sehmiedl von dem Vorstande der israelitischen Kultusgemeinde Wien begründeten Widmung gelangen zwei Stipendien ä K 100 (Einhundert Kronen) an Gymnasialschüler, welche Talmudstudien betreiben, zur Verleihung. Die mit dem Geburts-, Armuts- und den Studienzeugnissen, sowie mit dem Nachweise über das schulgemässe Studium des Talmuds versehenen Gesuche sind bis längstens 30. September 1904 im E.nreichungsprotokolle der isr. Kultusgemeinde (I. Seiteustettengas3e 4, I. 8t.), woselbst Gesuchsblankette unentgeltlich verabfolgt werden, während der Amtsstunden (zwischen 9 und 12 Uhr vorm.) zu überreichen. Auszüge aus den Geburts-, Trauungs- und Sterbematriken der israelitischen Kultusgemeinde Wien sind als Gesuchsbelege nicht erforderlich, sondern genügt die genaue Angabe der betreffenden Daten. Kicht entsprechend belegte oder verspätet überreichte Gesuche werden nicht berücksichtigt. Wien, 15. September 1904. Der Vorstand der israel. Kultusgemeinde Wien.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.